"THE WAYS OF THE SITH"

STAR WARS - LEGACY - Fan Fiction Story

THE WAYS OF THE SITH

 

Es war an einem leidlich warmen, smogerfüllten coruscantischen Spätsommertag des Jahres 120 NSY, als ihre Familie die vierzehnjährige Trin Eskell an Sklavenhändler verkaufte.

 

Die Familie Eskell gehörte einer Linie verarmter Kleinindustrieller an, die vor Jahrzehnten noch recht gut mit der Herstellung von Servicedroiden und Haushaltsgeräten Geld verdient hatte. Eine Zeitlang war es Eskell Services richtig gut gegangen – so gut, daß Trins Eltern sich ein relativ geräumiges Apartment in einem besseren Stadtviertel von Coruscant leisten konnten, in mittlerer Höhe gelegen, so daß noch Sonnenlicht in einige Räume fiel und man sogar Blick auf einige der schickeren Wolkenkratzer, einschließlich des ehemaligen Jedi-Tempels, in der Ferne hatte. Als Kind hatte Trin immer mal wieder gern den Blick über die Stadt schweifen lassen, und ihre besondere Faszination galt schon seit jeher dem fernen Tempelgebäude, das nach seiner Umstrukturierung durch die Yuuzhan Vong noch imposanter wirkte als vorher – allerdings ohne daß sie sich hätte erklären können, warum.

 

Wenige Jahre nach Trins Geburt – ihrer zwei Jahre älteren Schwester Lian folgend – war es mit dem Vermögen der Familie Eskell rapide bergab gegangen. Die Geschäfte liefen nicht mehr gut, da zwischenzeitlich unzählige Konkurrenten wie Pilze aus dem Boden von Dagobah geschossen waren, die ihre Droiden und Gerätschaften günstiger absetzen konnten als Eskell Services. Als Trin vierzehn wurde, befand sich die Familie in einer kritischen Lage und stand kurz vor der völligen Verarmung.

 

Es wäre natürlich ein leichtes gewesen, zunächst das Apartment aufzugeben und sich eine Bleibe in den unteren Ebenen von Coruscant zu suchen. Doch dies war eine Entscheidung, vor der jeder zunächst einmal zurückschreckte. Lichtmangel, Umweltverschmutzung und die horrende Kriminalitätsrate ließ ein vernünftiges Wesen zögern, bevor es sich in diese Umgebung begab. Auch dem Ehepaar Eskell ging es nicht anders. Und dann gab es da noch einen anderen entscheidenden Faktor.

 

An Lian hatten die Eltern immer ihre Freude gehabt. Sie war intelligent, freundlich, anpassungsfähig und – was ihnen am wichtigsten war – eine unkomplizierte, um nicht zu sagen pflegeleichte Persönlichkeit, die es dem Ehepaar Eskell leicht gemacht hatte, sich eine entsprechende Zukunft für sie in Diensten der eigenen Firma oder einer angesehenen imperialen Behörde vorzustellen.

Trin war anders. Nicht weniger intelligent als ihre ältere Schwester, war ihr Charakter doch gänzlich verschieden. Sie neigte zum Nachdenken, wenn nicht sogar Grübeln, und war so ziemlich das Gegenteil von unkompliziert. Sie konnte ebenfalls freundlich sein, Anpassungsfähigkeit war jedoch nicht unbedingt ihre Stärke; und manchmal legte sie ein regelrecht befremdliches Verhalten an den Tag. Manchmal sagte sie Dinge, die andere einfach nicht verstanden; oder ihre Eltern fühlten sich auf seltsame Weise unangenehm berührt – so als hätte sie jemand ausgehorcht oder dazu gebracht, eine bestimmte Entscheidung zu treffen – wenn sie sich mit ihrer jüngeren Tochter unterhielten. Im Laufe der Jahre wurden diese Gefühle immer stärker, ohne daß jemand eine Erklärung hierfür hätte anbieten können. Hätte die Familie Eskell gewußt, was wirklich mit Trin los war, wäre vielleicht alles anders gekommen.

 

Trin war machtsensitiv.

 

Sie selbst wußte hiervon nichts; niemand hatte es ihr gesagt, und die Gedankenmanipulationen, die sie unbewußt und unabsichtlich ausführte, lösten extreme Unsicherheit in ihren Eltern aus. Sie war untrainiert, aber ihre Kräfte reichten aus, um eine Atmosphäre um sich herum zu erzeugen, die andere Wesen dazu brachte, sich unter Umständen unbehaglich zu fühlen.

Es gab keinen sachlichen Grund, Trin einfach so abzulehnen; aber sie wurde ihren Eltern im Laufe der Jahre immer unheimlicher. Und als der Moment gekommen war, eine endgültige Entscheidung zu treffen – nämlich in die unteren Ebenen von Coruscant abzusteigen oder eine ihrer beiden Töchter an Sklavenhändler zu verkaufen, um einen letzten Versuch zu unternehmen, mit dem Geld die marode Firma wieder zu sanieren – fiel es Gared und Yona Eskell nicht wirklich schwer, die Wahl zwischen den beiden Mädchen zu treffen.

 

Die "Agentur" hatte zumindest versprochen, daß Trin nicht als Prostituierte würde arbeiten müssen, sondern als Hausdienerin in einer "angesehenen" Familie eingesetzt würde. Es dauerte nicht lange, bis angesichts der gebotenen Summe die letzten Skrupel der Eltern vom Tisch waren und sie Trin aus ihrem Leben strichen, um sich auf die finanzielle Sanierung ihres Unternehmens und den potentiellen Erfolg ihrer älteren Tochter konzentrieren zu können.

 

Am Tag, als die Leute von der "Agentur" – ein breit gebauter Nikto und eine mittelgroße Menschenfrau – kamen, um sie abzuholen, nahm Trin ihre Reisetasche mit ihren Kleidern und persönlichen Gegenständen und stieg mit den beiden in den Speeder, ohne auch nur einen letzten Blick auf ihre Eltern und Lian zu werfen.

 

Die "angesehene" Familie entpuppte sich als der Haushalt eines imperialen Verwaltungsbeamten, in dem ein sauberes und recht luxuriöses Heim mit dem Jähzorn der Dames des Hauses kontrastierten. Marienne Ovorann liebte es, sich mit menschlichem Dienstpersonal zu schmücken und Trin herumzukommandieren und anzuschreien, wann immer möglich, was den ansonsten eigentlich halbwegs leichten Dienst – normale Haushaltsarbeiten, die eigentlich auch jeder Droide hätte erledigen können – für Trin zur Hölle machte.

 

Eines Tages, nachdem sie bereits einige Monate im Hause Ovorann gearbeitet hatte, fiel ihr beim Abstauben eine offenbar recht wertvolle Vase aus der Hand. Sie stand gerade auf einer Leiter, als ihr die Vase entglitt. Entsetzt versuchte sie, sie noch zu halten, doch ihre Finger waren zu langsam. In dem Schrecken, den sie empfand, dehnten sich die darauffolgenden zwei Sekunden wie Flexiplast. In ihrem Kopf dröhnte es, und sie hatte die eigentümliche Empfindung, daß die Vase in der Luft stehenblieb. Doch dann zerplatzte die Vision wie eine Seifenblase, und die Vase zerschellte klirrend auf dem Boden.

 

Als hätte Marienne Ovorann nur auf ihren Auftritt gewartet, kam sie augenblicklich herbeigeschossen und lief beim Anblick der Scherben rot an. Dann drehte sie sich wortlos um, zerrte Trin von der Leiter, noch bevor diese ein Wort der Entschuldigung äußern konnte, packte sie am Kragen ihres Dienstoveralls und schlug sie ins Gesicht.

Trin zuckte zurück; ihre Wange brannte. Instinktiv spürte sie, daß ihre Dienstherrin nur auf eine solche Gelegenheit gelauert hatte – und daß sie sich in ihrem Jähzorn sonnte, immer weiter zuschlagen würde, bis Trin reif für den Medidroiden war. Schon klatschte ein zweiter Schlag auf ihre andere Wange; dann auf ihre Stirn. Sie versuchte zurückzuweichen, aber Marienne Ovorann hielt sie fest. "Dir werd' ichs zeigen!", fauchte sie.

Als die Frau zum drittenmal ausholte, stieß Trin plötzlich die Worte hervor, die ihr in dieser Sekunde durch den Kopf gingen.

"Das wollen Sie doch nicht wirklich, Madame Ovorann. Sie wollen mir doch nicht wehtun."

 

Marienne Ovorann erstarrte mitten in der Bewegung. Ihr Gesicht nahm einen seltsam nachdenklichen Ausdruck an. Um ihren Mund zuckte es. Sie wirkte, als würde sie im Geiste mit Worten kämpfen, und ließ den Arm sinken. Einen Moment dachte Trin schon, sie würde sie loslassen. Doch nach wenigen Sekunden fiel die unerwartete Veränderung von der Frau ab, und sie versetzte Trin die nächste Ohrfeige.

 

Mit einemmal stieg ein unglaublicher, siedendheißer Zorn in Trin auf. Ihre Wut loderte in ihr auf wie eine Flamme. Auf alles, was ihr bisher widerfahren war. Auf ihre Eltern. Auf ihre glückliche, erfolgreiche Schwester. Und ganz besonders auf Marienne Ovorann, die Frau, die sich das Recht herausnahm, über sie zu bestimmen, sie zu demütigen und zu mißhandeln, wenn ihr Göttergatte nicht zuhause war. Ganz besonders. Plötzlich sah sie vor ihrem inneren Auge ein Bild – es zeigte ihr, wie Marienne Ovorann auf einmal in sich zusammensackte und leblos zu Boden fiel, wie nach einem Herzanfall oder Kreislaufkollaps. Im selben Moment spürte Trin die Wut körperlich, sie nahm ihr den Atem und raste wie flüssiges Feuer durch ihr Blut – und ebenso spürte sie, wie Marienne Ovorann sie losließ und ein dumpfer Schlag den Fußboden kurz zum Vibrieren brachte.

 

Trin taumelte zurück, öffnete die Augen und sah ihre Peinigerin zusammengekrümmt vor sich auf dem edlen Mashvarteppich des Wohnzimmers liegen. Während sich ihr Atem wieder verlangsamte, kniete sie neben der Frau nieder und berührte ihre Halsschlagader.

 

Nichts. Marienne Ovorann war so tot wie ein Sack Nerfmist.

 

Sie empfand weder Schrecken, noch Angst, noch Schuldgefühle. Auf das Feuer des Zorns folgten die Eiskristalle der kalten Befriedigung und schließlich, ganz aus den Tiefen ihres Ichs, eine bösartige Freude am Tod ihrer Feindin. Sie konnte völlig klar denken und wußte, daß es jetzt an der Zeit war, sich rasch und ohne eine Spur zu hinterlassen zurückzuziehen, bevor Yan Ovorann nach Hause kam und die Bescherung bemerkte.

Wenn das geschah, wollte sie schon weit fort sein.

 

Dies war der Moment, als Trin Eskell tief durchatmete, sich das zerzauste Haar aus der Stirn strich, rasch ihre wenigen Habseligkeiten in ihre Tasche packte und sich aus dem Apartment der Ovoranns stahl, um unterzutauchen und am Abend als Kellnerin in einer Kneipe in einem halbwegs erträglichen Viertel von Coruscant unterzukommen, auf einer Ebene, auf der man sich gerade noch bewegen konnte, ohne sofort einen Blaster oder ein Vibromesser in die Rippen gerammt zu bekommen.

 

Der Besitzer der Bar, ein Twilek namens Tab L'atisa, hatte auf den ersten Blick Mitleid mit ihr gehabt. Zum ersten Mal seit Monaten in ihrem Leben hatte Trin einmal wieder Glück – das Glück eines bezahlten Jobs als reguläre Angestellte, nicht als Dienstmagd – und eines Zimmers im Obergeschoß, das sie sich mit einer anderen Kellnerin, einer Mirialanerin, teilte.

 

Trin arbeitete die nächsten zwei Jahre für Tab L'atisa und begann in dieser Zeit, als auch Kontakt zu Stammgästen geknüpft wurde, sich ab und zu mit kleineren Diebereien und dem Verschieben von Diebesgut ein bißchen Geld dazuzuverdienen. Dabei gelang es ihr immer öfter, sich mit Hilfe von Gedankenmanipulation aus manchen brenzligen Situationen herauszuwinden – und eines Tages ging ihr die Erkenntnis auf, daß sie vielleicht im Kontakt mit jener geheimnisvollen "Macht", von der ab und zu die Rede war, stehen könnte.

Sie probierte ihre Fähigkeit bewußt aus und stellte fest, daß es ihr – auch wenn es ihr anfänglich noch Schwierigeiten bereitete – von Woche zu Woche leichter fiel, potentielle Zeugen einer Warenübergabe abzulenken, einen mißtrauischen Bestohlenen in plötzlicher, künstlicher Sicherheit zu wiegen oder ganz einfach Bargäste, ohne daß sie es merkten, dazu zu bringen, noch ein paar Drinks zu bestellen und damit den Umsatz ihres Chefs zu erhöhen und gleichzeitig für mehr Trinkgeld zu sorgen.

 

Der Durchbruch kam für sie, als ihr eines Abends – wie es beim Kellnern nun mal so passieren kann – ein Drink vom Tablett rutschte. Zuerst erschrak sie, dann war innerhalb von Sekundenbruchteilen das seltsame Ziehen in ihrem Kopf wieder da – so wie damals bei dem Unglück mit der Vase im Hause Ovorann. Nur, daß diesmal das Ziehen ungleich stärker war – und mit einemmal sah sie, wie das Glas mit dem Getränk sich urplötzlich aus seiner eigentlich schon unveränderbaren gefährlichen Schräglage am Rand des Tabletts aufrichtete und in dessen Mitte zurückrutschte, ohne daß auch nur ein Tropfen vergossen wurde.

Niemand in der gut besuchten Bar hatte den nur Sekunden währenden Ausrutscher beachtet. Aber Trin war wie vom Donner gerührt. Jetzt wußte sie es. Sie war definitiv machtsensitiv – und entschlossen, ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen.

Und gleichzeitig spürte sie, daß ihre Tage in Tab L'atisas Kneipe gezählt waren.

 

Sie trainierte jetzt regelmäßig in ihrer Freizeit, wenn ihre Zimmergenossin ihre Schicht absolvierte; versuchte, Gegenstände schweben zu lassen, Geräte ein- und auszuschalten und Dinge gezielt mit Hilfe der Macht zu ergreifen. Gleichzeitig öffnete sie sich dem Fluß der Macht und brachte sich selbst bei, sie durch sich strömen zu lassen, um sie im richtigen Augenblick nutzen zu können. Immer besser ging es mit den zahlreichen Übungen, bis ihr einfache Handgriffe keinerlei Schwierigkeiten mehr bereiteten. Auch mit den Gedankenmanipulationen machte sie Fortschritte, und ihre Trinkgelder nahmen geradezu astronomische Ausmaße an.

 

Und noch etwas hatte Trin gemerkt. Obwohl sie über die Gabe der Macht verfügte, würde sie nie eine Jedi sein können. Zu sehr war sie begierig, sie zu benutzen, um sich aus diesem Leben herauszuarbeiten, um sich von ihrer Vergangenheit und den zahlreichen Mißhandlungen durch andere Wesen zu befreien, und sich selbst Vorteile zu verschaffen. Dabei spürte sie, daß ihr der Gedanke daran, andere könnten durch ihren Gebrauch der Macht zu Schaden oder gar zu Tode kommen, keinerlei Skrupel bereitete – ihre Generalprobe hatte sie seinerzeit schon mit Marienne Ovorann bestanden. Nein, eine Jedi würde sie nie sein, dazu dachte sie viel zu eigennützig. Eine ganz normale Person, die eben zufällig machtbegabt war ? Dafür hatte sie zu viele Ambitionen, etwas zu erreichen und Macht über andere zu erlangen, das spürte sie täglich stärker.

Es dauerte so ziemlich die ganze Zeit, in der sie in Tab L'atisas Bar arbeitete, bis sie merkte, was sie antrieb; und als sie fast siebzehn war, kam ihr die Erkenntnis.

 

Sie fühlte und dachte wie eine Sith.

 

Besiegelt wurde diese Erkenntnis, als sie eines Nachts, als sie nahe der Bar nach ihrer Schicht noch eine Besorgung machte, angegriffen wurde. Ein mittelgroßer Mann mit stoppeligem blonden Haar und einer langen Narbe auf der linken Wange hielt ihr ein Vibromesser vors Gesicht und verlangte ihre Credits.

Trin bewegte sich ganz langsam, während sie spürte, wie die alles verzehrende Wut in Sekundenschnelle wieder in ihr aufstieg. Sie gab sich absichtlich den Anschein, als wollte sie ihre Creditbörse hervorholen; und ihr Angreifer freute sich schon auf seine Beute. Was er jedoch statt dessen bekam, war der Tod. Sein vermeintliches Opfer hob auf einmal blitzschnell den Arm, als wolle sie nach dem Messer greifen; und dann wurde er urplötzlich von einer unsichtbaren Hand gepackt und mit brutalster Gewalt an die Gebäudewand hinter ihm geschleudert – so hart, daß sein Genick brach.

Wieder hatte niemand dem Vorfall Aufmerksamkeit geschenkt – das war das sicherste Verhalten, das man auf Coruscant an den Tag legen konnte. Nur ein vorbeihoppelnder Dug schenkte ihr ein anerkennendes Zwinkern.

Trin stand da, atmete schwer, und genoß ihren Sieg – und ihren ersten bewußten Schritt auf die dunkle Seite.

 

Am nächsten Abend war unter den Gästen der Bar zufällig ein imperialer Offizier; und als sie ihm seinen zweiten Drink servierte, beschloß sie, sich mit Hilfe ihrer verbesserten Fähigkeiten einen kleinen Karrieresprung zu verschaffen. Sie brauchte zunächst etwas Geld, um sich so weiterentwickeln zu können, wie sie es sich vorstellte; und dafür verdiente sie bei Tab L'atisa nicht genug.

 

Sie stellte den Krug mit corellianischem Ale vor ihm ab und fragte ihn in beiläufigem Ton, ob er einen Job für sie hätte. Gleichzeitig konzentrierte sie sich auf seinen Verstand.

Sie mußte jedoch kaum Manipulationskraft einsetzen, denn sie spürte, daß sie ihm gefiel. Der Offizier zögerte einen Moment, nahm einen tiefen Zug aus seinem Bierkrug und erwiderte dann ihr Lächeln.

"Was würde Sie denn interessieren?", fragte er nach einer Weile.

Trin wußte mit Sicherheit, daß sie mittels ihrer Fähigkeiten eine leidliche Spionin abgeben würde. "Überwachung. Spionage. Was immer Sie haben. Versuchen Sie's mit mir." Sie konzentrierte sich noch einmal.

Er lächelte wieder, halb lüstern, halb beeindruckt, und schenkte ihr einen begierlichen Blick. "Wir werden sehen. Melden Sie sich morgen nachmittag bei Sektorenverwalter Faruk Heysz." Er steckte ihr ein kleines Datapad zu. "Meine Karte. Und die Adresse. Zwei Uhr Standardzeit – seien Sie pünktlich."

 

Sie steckte seinen Datenchip ein, schenkte ihm ihrerseits das strahlende Lächeln einer Kellnerin, die soeben das Trinkgeld ihres Lebens erhalten hatte, und versetzte ihm einen kleinen mentalen Schubs. Der Offizier hatte es plötzlich eilig, beglich seine Rechnung und verließ die Bar. Trin begab sich hinter die Theke, um Tab L'atisa mitzuteilen, daß sich ihre Wege morgen trennen würden, sich den ausstehenden Lohn auszahlen zu lassen und sich bei ihm dafür zu bedanken, daß er ihr in einer schwierigen Zeit geholfen hatte.

Dann ging sie nach oben und packte ihre Sachen.

 

Das Einstellungsgespräch am nächsten Tag ging rasch über die Bühne. Trin brauchte sich nicht groß anzustrengen, um den Posten im örtlichen Spionagebüro zu erhalten, wo sie im Gegensatz zur Arbeit in der Bar geregelte Arbeitszeiten tagsüber und zum Teil recht interessante Einsichten in die Struktur der imperialen Verwaltung erwarteten.

Anschließend ging sie ein Zimmer in der Nähe der Behörde mieten. Sie war sicher, daß dies keine Schwierigkeiten bereiten würde.

 

Trins neue Tätigkeit belief sich im weitesten Sinne auf das Sammeln und Auswerten von Daten innerhalb der Behörde. Ein richtig gefährlicher Spionageeinsatz war es nicht; aber das war ihr zunächst nur recht. Sie wollte ihre Kraft und körperliche Gesundheit aufsparen – wofür, wußte sie noch nicht genau, aber sie war sich zumindest dessen sicher, daß dieser Job nicht der letzte Schritt in einer Reihe von Veränderungen in ihrem Leben sein würde.

Öfters wurde sie in Außeneinsätzen in Zivil zur Beschattung von Personen abgestellt, wobei sie ihre im Zuge ihrer Übungen entdeckte Fähigkeit nutzte, sich in der Macht trübe zu machen. Die von ihr beschatteten Personen hätten sie nicht einmal wahrgenommen, wenn sie vor ihnen rodianischen Bauchtanz aufgeführt hätte; und so griff man für diese Aufgabe gerne auf sie zurück.

Parallel dazu wurde ihre Arbeit durch eine Grundausbildung in Selbstverteidigung, Waffentechnik und -gebrauch, Geheimdienstreglements, einigen Fremdsprachen und den Speederschein ergänzt. Bald war Trin eine recht respektable Blasterschützin, konnte Landgleiter und Speederbikes fahren sowie kleine Lufthüpfer fliegen und beherrschte außer dem coruscantischen Basic relativ fließend Huttesisch sowie Corellianisch und konnte sich in mindestens drei weiteren für Menschen aussprechbaren Sprachen einigermaßen ausdrücken. Außerdem verfügte sie mit der Zeit über hilfreiche Kenntnisse in bezug auf Computer und allerlei Elektronik.

Als Bonus zu alledem bekam Trin allerlei zu sehen und vor allem zu hören – auch, was die politische Situation anbetraf.

 

Es hieß, Imperator Roan Fel habe mehr und mehr Schwierigkeiten, seine Herrschaft unangetastet aufrechtzuerhalten. Die Kunde ging davon, daß der alte Orden der Sith dabei sei, sich nach über hundert Jahren nach seinem durch den Tod von Lord Darth Vader besiegelten Niedergang wieder zu erheben.

Das klang hochinteressant. Sie begann, sich nun gezielt über jenen uralten Orden zu informieren, soweit die offiziellen Datenbanken hierzu etwas hergaben, und spürte von Tag zu Tag mehr, wie sie sich nach den Lehren der Sith verzehrte. Trin nutzte ihre interessante und vielseitige Arbeit, um sich nebenher mit Informationen vollzusaugen wie ein Schwamm. Und während sie in ihrem Job immer beliebter wurde, weil sie geschickt war und als imperiale Informationsmaklerin gewissenhaft arbeitete, wuchs schrittweise ihr Wissen über die Sith, ihre Geschichte, ihre Intention. Sie wußte, daß dieser Orden bereits seit vielen tausend Jahren existierte, sein Gesicht im Laufe der Zeit aber immer wieder gewandelt hatte. Zu Beginn hatte es offenbar eine mehr oder weniger lockere Gruppierung gegeben, die vor etwas über tausend Jahren in die Bruderschaft gemündet hatte. Aus jener wiederum war Lord Darth Bane hervorgegangen, der die Regel der Zwei begründet hatte. Bei ihr war es lange Zeit geblieben – auch der damalige Imperator, Palpatine alias Darth Sidious, und sein Vollstrecker Darth Vader, hatten diese Struktur verkörpert. Doch dann waren die Sith in der Dunkelheit verschwunden.

 

Bis jetzt. An ihrem Arbeitsplatz entging Trin kaum etwas; sie war verständlicherweise besser informiert als der Normalbürger, der sein Wissen und Halbwissen lediglich aus dem Holonetz bezog, und so konnte sie im Laufe der nächsten Jahre deutlich erkennen, daß sich am Horizont etwas zusammenbraute.

Etwas Gewaltiges und Dunkles; dunkler noch als die finstere Bedrohung, die einst die Yuuzhan Vong dargestellt hatten. Gefährlich und bedrohlich für alle Wesen in der gesamten Galaxis.

Außer für sie.

Trin spürte im Laufe der nächsten Jahre, daß in dem, was da auf sie alle zukam, für sie die Zukunft lag. Längst hatte sie den ursprünglichen Kodex der Sith verinnerlicht und bereitete sich auf den Wechsel vor, den ihr Leben in nicht allzuferner Zukunft nehmen würde. Immer öfter hatte sie neuerdings seltsame Träume, die sich zu wiederholen pflegten und ihr immer wieder dieselbe Szene zeigten. Gleichwohl undeutlich zu erkennen, sah sie vor ihrem inneren Auge immer einen Mann, groß, muskulös und mit der Autorität eines Herrschers ausgestattet. Sie konnte ihn nie genau erkennen; aber sie sah ihn jedesmal zuerst in Kleidern, die an die auf Tatooine ansässigen Tusken-Räuber erinnerten, und dann plötzlich in einer fremdartigen Rüstung, ausladend und voller Hörner und Widerhaken. Dann verblaßte das Bild, und nichts blieb übrig als eine Aura der Macht und Ruchlosigkeit. Und jedesmal spürte sie, daß ihr zukünftiges Leben mit diesem Mann aufs engste verbunden sein würde.

 

Dann kam das Jahr 130 NSY, Trin wurde vierundzwanzig, und Darth Krayt ergriff mitsamt seinem Orden des Einen Sith die Macht, stürzte Imperator Roan Fel vom Thron, vernichtete mit Hilfe seines Vollstreckers Darth Nihl und seinen Truppen die verbliebene Jedi-Akademie auf Ossus, zog mit seinen Getreuen in den ehemaligen Jedi-Tempel auf Coruscant ein, wandelte ihn in den Sith-Tempel um und machte sich daran, die Zügel der Galaxis in die Hand zu nehmen.

 

Als Trin in der imperialen Datenbank zum ersten Mal ein Bild von Darth Krayt sah, wußte sie, daß ihr Schicksal besiegelt war.

Er war der Mann aus ihren Träumen.

 

In dieser Nacht fand Trin ihren Sith-Namen. Er leuchtete in ihrem Verstand auf so wie das Bild von Lord Krayt früher; und sie wußte, daß nur dieser Name dafür geeignet war, ihre Persönlichkeit als Sith zu umfassen. Er war kurz und prägnant und hatte in einer der alten Kultursprachen, die nur noch einige Wissenschaftler und Museumskuratoren beherrschten, die Bedeutung von "Asche". Die Asche, die von ihrem früheren Leben übrigblieb, das unweigerlich hinter ihr verbrannte; die Asche, die von ihren Feinden übrigblieb, nachdem sie mit ihnen fertig war. Das gefiel ihr. Für die Außenwelt blieb sie für den Augenblick noch immer Trin Eskell, doch ihr neuer Name gehörte jetzt untrennbar zu ihr.

 

Cinis.

 

Jetzt begriff sie auch, warum sie schon als Kind, wenn sie den Blick über den von zuhause aus einsehbaren Sektor der Riesenstadt schweifen ließ, schon immer die Betrachtung des ehemaligen Jedi-Tempels in der Ferne genossen hatte. Schon damals, nach der Veränderung durch die Yuuzhan Vong, hatte dieses Gebäude einen unheimlichen und gleichzeitig faszinierenden Eindruck auf sie gemacht. Die Präsenz der Jedi war vollkommen aus ihm getilgt worden; und die Yuuzhan Vong hatten ihm ihren Stempel aufgedrückt. Wo vorher majestätische Säulen und weiche Rundungen dominiert hatten, ragten später gezackte Streben in den Himmel; die Kanten der Tempelpyramide waren ihrer Verkleidung beraubt und kündeten so vom grausamen Minimalismus der Yuuzhan Vong, die auch Coruscant seinerzeit dem Versuch der Umformung unterworfen hatten.

Das war lange her; der Krieg war vorbei, die Yuuzhan Vong Verbündete – und der Tempel jetzt endlich einer neuen Bestimmung zugeführt. Jetzt residierte darin Darth Krayt, Anführer des Ordens des Einen Sith und neuer Imperator nach der gewaltsamen Machtübernahme – gleichwohl Roan Fel im Exil inmitten der Schar seiner imperialen Ritter danach strebte, dem wiederum ein Ende zu bereiten. Eine wirkliche Chance hierzu hatte er zumindest im Augenblick nicht; alles, was ihm übrigblieb, war, sich in der Verbannung versteckt zu halten und Pläne zu schmieden, unterstützt von jenen, die ihm treu geblieben waren. Die Galaxis war in den Händen der Sith.

 

Wenige Tage später fiel Cinis' endgültige Entscheidung. Es war früher Abend, die Dämmerung war gerade über Coruscant hereingebrochen, und draußen, vor der großen Fensterfront des Büros des Sektionskommandeurs, in dem Cinis gerade ihren monatlichen Bericht ablieferte, glitzerten im Orange des Sonnenuntergangs vor dem fahlblauen Abendhimmel die Lichter der Großstadt und der zahlreichen Luftfahrzeuge, die ihre scheinbar endlosen Bahnen über die größte Stadt der Galaxis zogen.

 

Cinis hatte ihren Bericht soeben beendet, und ihr Vorgesetzter hatte sie gebeten, einige Minuten zu warten, während er den Datenabgleich an seinem Terminal durchführte. Während sie vor seinem Schreibtisch stand, drehte sie sich ein wenig zur Seite und ließ den Blick über die Stadtsilhouette schweifen. Und da spürte sie einen Stich tief in ihrem Inneren.

Dort am Horizont war er wieder, der Sith-Tempel, sogar weniger weit weg, als er damals von zuhause aus gewesen war, lockte sie, rief sie mit seinen flammendroten Positionsleuchten und den durch seine neuen Bewohner hinzugefügten fackelähnlichen Installationen, die ihm eine Aura der mörderischen Endgültigkeit gaben. Dort drinnen, das spürte sie, lag ihre Zukunft, ihr Leben und die Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten.

Sie hatte diesen Anblick bisher einmal im Monat in sich aufgenommen, wenn sie ihren Bericht abgab, auch schon vor der endgültigen Umwandlung des Tempels; doch noch nie hatte sie eine derartige Faszination empfunden, und jetzt spürte sie, daß sie dem Ruf der Sith folgen mußte.

Der Sektionskommandeur, Abteilung Informationsdienst, hatte seinen Datenabgleich beendet. "In Ordnung, Agentin Eskell, das wäre alles. Sie können gehen", sagte er.

 

Cinis blieb stehen. "Haben Sie noch eine Frage ?" erkundigte sich ihr Vorgesetzter und zog die Augenbrauen hoch.

Sie zögerte nur kurz und sprach dann aus, was ihr auf dem Herzen lag. "Ich möchte hiermit meine Kündigung einreichen."

Er blickte verdutzt drein und musterte sie. "Gefällt es Ihnen nicht mehr bei uns ?" Er schüttelte leicht den Kopf. "Wir würden es bedauern, Sie zu verlieren. Sie sind eine fähige Informationsmaklerin. Denken Sie daran, daß Sie mit Ihrem Können Imperator Darth Krayt dienen."

Wie schnell doch Menschen umschwenken können.

 

"Das habe ich nicht vergessen, ganz im Gegenteil", gab sie zurück. "Ich habe für die Zukunft jedoch andere Pläne. Ich habe immer gerne mit Ihnen zusammengearbeitet, und meine Arbeit war für mich immer interessant und vielseitig. Aber wie Sie ganz richtig sagen, ich diene Imperator Darth Krayt – und mich rufen nun andere Pflichten, die es mir ermöglichen werden, dies noch besser zu tun."

Angesichts dieser reichlich mysteriösen Äußerung zog der Sektionskommandeur es vor, nicht weiter auf die Angelegenheit einzugehen. Er hüstelte. "Hm. Schade. Bitte kommen Sie morgen vormittag um zehn Uhr Standardzeit mit Ihren Papieren in mein Büro. Ich werde dafür sorgen, daß Sie ein ausgezeichnetes Zeugnis erhalten. Tja, Agentin Eskell – Ihre Fähigkeiten werden uns fehlen."

 

Gegen elf Uhr Standardzeit am nächsten Vormittag hielt Cinis, in Zivilkleidung, ihre Entlassungspapiere in der Hand, begab sich zu ihrem Zimmer, um den Mietvertrag zu kündigen und zu packen und rief dann, mit derselben Reisetasche über der Schulter, die sie schon beim unfreiwilligen Verlassen ihres Elternhauses bei sich getragen hatte, ein Lufttaxi, um sich zum Sith-Tempel bringen zu lassen.

 

Sie ließ sich etwa einen Block entfernt auf der Eingangsebene des Tempels, einem weitläufigen Platz, absetzen und legte den Rest des Weges absichtlich zu Fuß zurück. Angst, angegriffen zu werden, hatte sie keine. Zum einen trieben sich in diesem Teil der Stadt aus verständlichen Gründen kaum Personen herum; und zum anderen waren Cinis' Fähigkeiten mittlerweile so weit fortgeschritten, daß sie mühelos mit ihnen fertiggeworden wäre.

So nahm sie das Bild des vor ihr immer größer werdenden Sith-Tempels in sich auf, bereitete sich darauf vor, in seinen Bannkreis zu treten und stimmte ihr inneres Empfinden auf das ab, was sie dort erwarten würde.

Böiger, scharfer Wind war aufgekommen und ließ die Umgebung noch unheimlicher und feindseliger wirken; doch das bestärkte sie nur in ihrem Entschluß.

 

Eine Reihe Stufen führte zum Haupteingang hinauf, der von zwei Sith-Kriegern in schwarzen Kapuzenmänteln, die sie über einer gleichfalls schwarzen Kombination aus enganliegenden Hosen, schweren Stiefeln und einem hemdartigen Oberbekleidungsstück trugen, flankiert wurde. Einer war ein Mensch mit militärisch kurzgeschnittenem blauschwarzen Haar, der andere ein Devaronianer; doch beide hatten etwas gemeinsam. Sie wirkten sportlich und kraftvoll; die Iris ihrer Augen war von einem unheimlichen rötlichen Orangegelb; und ihre Haut war von einem kräftigen Flammenrot, übersät – soweit dies sichtbar war - mit schwarzen Tätowierungen in flirrenden, abstrakten Mustern, die in ihrer Gezacktheit und Eckigkeit Härte ausstrahlten und auf brutale Weise, wie Klauen oder Zähne eines Raubtieres, faszinierend wirkten. Cinis war sich sicher, daß dies auf die meisten Wesen abschreckend und furchteinflößend wirkte. Auf sie nicht. Sie war, auch wenn sie nicht so aussah, bereits eine von ihnen, das spürte sie.

 

Die beiden Wachtposten waren mit einfachen Blastern bewaffnet, die sie in einem Holster am Oberschenkel trugen. Standardbewaffnung. Gerade die Tatsache, daß die Sith-Wachen keine spektakuläreren Waffen trugen, ließ sie noch gefährlicher erscheinen. Schließlich zeichneten sich die echten Sith – nicht unbedingt ihre Agenten oder ihr ausführendes Personal, wohl aber die Ordensmitglieder als solche – durch Machtsensitivität aus. Und wer als Tempelwache eingesetzt war, bekleidete wohl einen niedrigeren Rang innerhalb des Ordens – doch er gehörte immerhin zum Tempelpersonal auf Coruscant und damit, so niedrig sein interner Rang auch sein mochte, zum direkten Umfeld von Darth Krayt und seinen ersten Dienern.

 

Ohne auch nur einen Erg Furcht zu empfinden, stieg Cinis die Stufen empor und blieb vor den Wachen stehen. Diese musterten sie, und was sie sahen, beeindruckte sie nicht sonderlich, zumindest zu Beginn. Vor ihnen stand eine relativ kleine Menschenfrau, rein in bezug auf die Körperhöhe unter dem normalen Durchschnitt für Menschen. Sie war schlank, aber nicht übermäßig dünn; statt dessen wirkte ihr Körper muskulös und kompakt. Ihre Augen waren von einem hellen, leicht rötlichen Braun; ihre Haut fast kupferfarben auf der dem Sonnenlicht zugewandten Seite und von der Farbe von sehr hellem Milchcaf auf der anderen, und in ihrer Kombination aus Straßenstiefeln, einfachen grauen Stoffhosen und einem schwarzen ärmellosen Hemd wirkte sie nicht sonderlich imposant. Einzig ihr Haar – oder Kopfpelz, je nachdem wie eine Spezies dies bezeichnete – war eindrucksvoll, selbst jetzt, wo es mit einem einfachen elastischen Band im Nacken zusammengehalten war. Es war recht lang, leicht wellig und von einem glänzenden Kupferrot. Das Verblüffendste daran aber war die nachtschwarze Strähne, die sich auf der rechten Seite ihres Kopfes durch die ansonsten leuchtend rote Haarmähne zog. Cinis wußte selbst nicht, woher sie rührte. Sie hatte sie schon als Kind gehabt, und es hatte ihr schon immer gefallen, eine schwarze Strähne in ihrem ansonsten roten Haar zu haben, ohne etwas dazutun zu müssen. Jetzt spürte sie, daß diese Farbkombination noch zu etwas anderem gut sein würde.

 

Allein dies machte die Wachen stutzig und hielt sie davon ab, der Frau einfach zuzuzischen, sie solle sich rasch verkrümeln. Etwas war besonders an dieser im Grunde recht unscheinbaren Menschenfrau; etwas, das über die seltsame Farbe ihrer Haare hinausging. Sie spürten etwas Unbestimmtes, wie den Widerhall von Energie im leeren Raum, und dann wurde es ihnen klar.

Diese kleine Person war offenbar machtsensitiv.

 

"Was willst du ?", fragte der Mensch schließlich in herrischem Tonfall.

"Eine von euch werden", gab Cinis zurück. "Ich bin hier, um dem Orden des Einen Sith beizutreten, um Lord Krayt dienen zu können."

Die beiden rissen die Augen auf. Sie hatten alles Mögliche erwartet, nur nicht diese Antwort. Trotzdem gingen sie zunächst nicht darauf ein.

"Und was macht dich so sicher, daß Lord Krayt deiner Dienste bedarf ?" fragte der Mann. Der Devaronianer grinste.

"Das werde ich ihm selbst sagen. Und jetzt bringt mich zu ihm", fauchte Cinis und setzte im gleichen Augenblick die Macht ein.

Die beiden Wächter spürten ihren Ansturm; roh und untrainiert, und es hätte mehr bedurft, um sie tatsächlich mit Hilfe der Macht dazu zu bringen, ihren Befehl auszuführen. Aber sie waren beeindruckt – und das genügte. Der Devaronianer sagte "Warte hier", nickte dem zweiten Wächter kurz zu und verschwand dann im Inneren des Tempels. Cinis blieb mit dem menschlichen Sith-Krieger allein, der sich mit verschränkten Armen vor ihr aufbaute und sie interessiert musterte. Keiner sprach ein Wort, aber eine unerträgliche Spannung baute sich auf, während der Wind weiter über den Tempelvorplatz fauchte.

 

Nicht lange danach kehrte der Devaronianer gemeinsam mit einer zweiten Gestalt zurück. Es handelte sich um eine große, sehr dünne Frau, die man sich gut mit blasser Haut und violetten Augen hätte vorstellen können, wäre nicht auch sie vollständig rot mit schwarzen Mustern tätowiert gewesen und hätten ihre Augen nicht ebenfalls in jenem orangeroten Feuer geglüht, das den Dienern der dunklen Seite eigen war. Ihr langes schwarzes Haar war größtenteils unter der Kapuze ihres Mantels verborgen. Cinis war sich nicht sicher, welcher Spezies sie angehörte. Sie war humanoid, aber deutlich größer und schmaler gebaut als eine menschliche Frau. Fast hätte sie trotz ihrer Länge zierlich gewirkt, wenn sie nicht auch eine unglaubliche Aura der Stärke ausgestrahlt hätte, die sich um einiges intensiver anfühlte als bei den beiden Torwächtern. Unter dem Mantel trug sie die gleiche Kleidung wie die Wächter – mit einem Unterschied. An ihrem Gürtel hing ein Lichtschwert.

 

Der Devaronianer nahm seinen Platz wieder ein, und die offenbar höherrangige Sith, die er hergebeten hatte, umfing Cinis mit prüfendem Blick. Sie nahm einen tiefen Atemzug, als sie kurz Cinis' Verbundenheit mit der Macht spürte, und sagte dann nur "Komm mit."

Cinis folgte der Sith ins Innere des Tempels. Nach einer längeren Fahrt mit einem Aufzug ging es durch eine Reihe düsterer, rötlich beleuchteter Korridore bis zu einer Tür, die in einen kleineren Raum führte, in dem sich lediglich ein Terminal sowie eine weitere Tür an der rückwärtigen Wand befand. Sie traten wortlos ein, und die Türe schloß sich hinter ihnen.

Die Sith blieb stehen, trat dann an das Terminal und fragte "Wie ist dein Name ?"

"Wollt Ihr meinen gegebenen Namen wissen oder meinen Sith-Namen?" fragte Cinis zurück.

Die Sith-Frau zog die Augenbrauen hoch und sah Cinis zum ersten Mal aufmerksam an. "Du hast einen Sith-Namen?"

"Ja. Er kam zu mir, nachdem ich mit meinem Leben als gewöhnlicher Mensch abgeschlossen und erkannt hatte, daß mein Weg der der dunklen Seite ist.", gab Cinis zurück.

"Nenn mir beide Namen", befahl die Sith.

"Mein gegebener Name lautet Trin Eskell. Mein Sith-Name lautet Cinis", sagte Cinis mit fester Stimme.

Die Sith gab Daten ein, prüfte Informationen, wartete auf ein Resultat. "Du bist machtsensitiv, das spüre ich", sagte sie nach einer Weile. "Fragt sich nur, wie stark. Sag mir, warum du deinen Weg auf die dunkle Seite abschließen möchtest."

Cinis begann, ihr in knappen Worten ihre Geschichte zu schildern und vergaß dabei nicht die wichtigsten Gründe, die sie hierhergetrieben hatten: Sich rächen an denen, die sie mißhandelt hatten. Macht und Einfluß über andere gewinnen. Ihren Zorn annehmen und ihn zur Waffe machen. Die Macht ihrem Willen beugen und sie für die eigenen Zwecke benutzen – hier erwähnte sie die beiden Male, die sie sich ihrer bedient hatte, um zu töten.

Um all dies zu erreichen, so schloß sie, hatte sie sich entschieden, Lord Krayt zu dienen, nicht aus der Ferne, sondern unmittelbar und mit all ihren Fähigkeiten.

 

"Dir ist klar, daß nicht ich darüber entscheide, ob du eine von uns werden wirst, sondern Lord Krayt selbst", sagte die Sith schließlich. "Ich werde jetzt Bericht erstatten, und du wirst geprüft werden. Warte hier und bereite dich auf die Prüfung vor, die dir auferlegt werden wird."

Mit diesen Worten drückte sie einen Signalknopf. Die Türe, durch welche sie beide hereingekommen waren, öffnete sich, und ein weiterer Wächter trat ein; diesmal wieder ein Mensch. Auch er unterschied sich kaum von den anderen Ordensmitgliedern – es war leicht zu erkennen, daß schwarzrote Tätowierungen, blauschwarzes Haar – sofern sie welches besaßen - und schwarze Kleidung die grundlegenden Charakteristika der meisten Sith waren, egal welcher Spezies sie angehörten. Pflicht schien das Tätowieren nicht zu sein, eher betrachtete man den bizarren Körperschmuck als ehrenhafte Auszeichnung. Einige selbst der höchstrangigen Sith jedoch schlossen sich diesem Brauch offenbar wohl nicht an – so wußte Cinis beispielsweise aus ihren früheren Informationsquellen und Holonet-Übertragungen, daß Lord Krayts Vollstrecker, der Nagai Darth Nihl, diesem Standard nicht entsprach. Zwar war auch sein langes Haar tiefschwarz, doch seine Augen glühten in einem eher düsteren Rot, und seine bleiche Haut war lediglich großflächig dunkelgrau tätowiert – der Bereich direkt um seine Augen, die untere Hälfte seines Gesichtes, sowie Teile seiner Arme und Beine. Die dunklen Flächen liefen in martialisch wirkenden Zacken aus und formten einen bizarren Kontrast zur natürlichen Helligkeit seiner Haut.

 

Die Sith verließ den Raum und ließ Cinis mit dem zu ihrer Bewachung abgestellten Krieger allein. Es gab keine Sitzgelegenheit, und Cinis benutzte die Macht, um sich ein wenig leichter zu machen, nachdem bereits geraume Zeit verstrichen war. Sie sah die Überraschung im Gesicht des Wächters, als er spürte, wie sie in die Macht griff; aber er sprach sie nicht an. Das konnte ihr nur recht sein, denn sie fühlte von Minute zu Minute stärker, wie ein Moment von sowohl größter Bedeutsamkeit als auch Grausamkeit auf sie zukam.

 

Cinis' innere Uhr sagte ihr, daß mehr als zwei Standardstunden verstrichen sein mußten, als sich plötzlich die Türe an der rückwärtigen Wand des Raumes öffnete und den Blick in einen Saal freigab, der wohl in früheren Zeiten als Versammlungshalle der Jedi gedient hatte. Nun erfüllte er einen anderen Zweck.

In der Mitte des von synthetischen Fackeln und verschiedenen roten Leuchtpanels an seinen Wänden erhellten Raumes erhob sich ein Piedestal aus Stufen, umgeben von rechteckigen Säulen, vor einem riesigen, aus mehreren Segmenten bestehenden runden Fenster, das einen faszinierenden rötlich getönten Blick über die Silhouette dieses Viertels von Coruscant bot. Cinis begriff, daß sie jenen symbolträchtigen Blick, der sie früher schon so gefesselt hatte, nun aus der umgekehrten Perspektive genoß – aus dem Herzen des Sith-Ordens heraus.

Auf der höchsten Stufe befand sich ein Thron, und auf ihm saß der Mann aus ihren Träumen und ihr zukünftiger Meister, Lord Krayt, in seiner ganzen furchteinflößenden Erscheinung. Nun sah sie ihn zum ersten Mal wirklich aus der Nähe. Sah die bizarre graue Vong-Rüstung voller Spitzen und Stacheln, die seinen Körper fast vollständig umgab; den gehörnten Helm; die nichtmenschliche rechte Hand, die wie eine Klaue wirkte. Sah, wie er sie stumm musterte; spürte, wie er sie in der Macht taxierte. Sie war wie gelähmt vor seiner Präsenz und wäre möglicherweise auf der Stelle erstarrt, hätte sich nicht aus den Schatten an der Seite des Raumes eine Gestalt gelöst – die Sith-Frau von vorhin – und ihr zugeraunt "Tritt vor."

 

Cinis trat auf den zentralen Thron zu, auf welchem Lord Krayt residierte, ließ sich dann, ohne ein Wort zu sagen, auf ein Knie nieder und verneigte sich. Sie war angekommen.

Darth Krayt blickte schweigend auf sie herab. Eine ganze Weile geschah nichts. Als er sprach, war es zunächst nur ein einziges Wort.

 

"Cinis". Er sprach ihren Sith-Namen aus, und seine Stimme klang tief und volltönend.

 

"Steh auf."

Die Sith, die noch immer an der Seite des Saals in Bereitschaft stand, sog scharf den Atem ein.

Cinis erhob sich und stand nun Angesicht in Angesicht mit ihrem Herrn. Ein rötlichgelbes und ein metallisch blau schimmerndes Auge sahen sie durch die Gesichtsmaske des Helms an; die ebenfalls freiliegende Kinnpartie wies schwarze, tätowierte Streifen auf, aber auch Lord Krayt hatte ansonsten, soweit sie das sehen und beurteilen konnte, seine natürliche Hautfarbe beibehalten.

Sie spürte einen ungemein starken Ansturm unterschiedlicher Gefühle in sich. Furcht vor der Präsenz des Obersten Sith, vor seiner Grausamkeit und Bösartigkeit. Gier nach Macht und Stärke; nach Rache und danach, sich zu vervollkommen. Und die Bereitschaft, sich ihm bedingungslos zu unterwerfen, um all dies zu erreichen.

 

Er hob ohne Vorwarnung die Hand, und plötzlich fühlte sie sich gefangen in einem Käfig aus bläulichen Blitzen. Sie taten ihr weh, schüttelten sie und drängten sie an eine der Säulen. Cinis stöhnte vor Schmerz auf und versuchte, die Blitze abzuschütteln, doch es gelang ihr nicht. Instinktiv wußte sie, daß dies ein Teil der Prüfung war, und es von ihr abhing, was weiter geschah. Doch es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren. Sie lehnte mit dem Rücken an der Säule vor Darth Krayts Thron und wand sich in dem Sith-Feuer, das er um sie herum entfachte. Schmerz peitschte durch ihren Körper. Sie war nicht stark genug, sich zu befreien, und als sich nach einer Minute noch immer nichts geändert hatte, begann sie, sich darauf einzustellen, von seiner Hand zu sterben.

Mit einem Male jedoch durchströmte sie trotz jener Erkenntnis eine Welle der Kraft. Sie fand inmitten der Sith-Blitze einen Moment, um Atem zu holen, als sie spürte, daß Darth Krayt ihr mit dem, was er tat, Ehre erwies.

Er hätte sie hinwegfegen können wie eine lästige Schwirrfliege. Er hätte mit Leichtigkeit die Intensität seiner Blitze so erhöhen können, daß sie darin einfach verbrannt wäre. Aber er hatte es nicht getan.

 

In diesem Moment öffnete Cinis die Augen und sah Darth Krayt durch den Schleier von Blau an – und im selben Moment, als sie fühlte, wie die Macht in ihr emporstieg, wie sie gezielt danach griff, um sich ihrer zu bedienen, erloschen die Blitze.

Cinis schnappte nach Luft, sah, wie Krayt die Linke wieder senkte, taumelte zwei Schritte nach vorne und fiel vor ihm auf die Knie. "Mein Lord", keuchte sie atemlos. "Ich gehöre Euch."

"Du wirst mir dienen. Bedingungslos", gab Darth Krayt zurück. "Hier ist deine letzte Prüfung."

 

Eine kleinere, bisher in den Schatten verborgen gebliebene Türe an der Seitenwand öffnete sich, und ein Sith-Wächter trat mit einer Gefangenen ein. Es war eine junge Menschenfrau mit schulterlangem rötlichblondem Haar, die kaum älter als Cinis zu sein schien. Sie war mit Handschellen gefesselt. In ihrem Gesicht lag Todesangst, als sie versuchte, die Umgebung um sie herum zu erfassen, zu begreifen, was mit ihr vorging. Entsetzen malte sich auf ihre Züge, als sie Lord Krayt erblickte. Und jegliche Farbe wich aus ihren Wangen, als ihr Blick auf Cinis fiel, als diese sich erhob und umwandte.

 

"Trin !" rief sie verzweifelt.

Cinis erstarrte, als sie die Frau erkannte. Es war Lian, ihre ältere Schwester.

Einen Moment lang empfand sie fast so etwas wie Mitgefühl. Ein Lebenszeichen von ihrer Familie…nach all den Jahren… Lian, die ihr nie etwas Böses getan hatte; die nur leider das Pech hatte, das bevorzugte Kind ihrer Eltern zu sein. Sie war immerhin ihre Schwester…

Aber dann spürte Cinis, wie diese Gefühlsregung in ihr abstarb. Hatte sich in all den Jahren jemand um ein Lebenszeichen von ihr geschert ? Hatte ihre Schwester jemals Anstrengungen unternommen, sie zu finden, ihr zu helfen ? Niemand hatte sich um sie gekümmert. Ihrer Familie – einschließlich Lian - war es die ganze Zeit über leidlich egal gewesen, ob sie lebte oder starb, ob sie sich durchschlug oder ob sie unterging. Und der einzige Grund, warum Lian jetzt ihren Namen rief, war, weil Cinis ihre einzige Hoffnung darstellte. Jetzt war sie wieder gut genug – wenn andere sie brauchten. Andere, die sie ansonsten ohne mit der Wimper zu zucken fallen gelassen hatten wie eine heiße Kardarknolle.

 

Lian blickte sie bittend an. "Trin, hilf mir", rief sie. Sag ihnen, daß es ein Mißverständnis ist. Ich habe nichts getan… Bitte hilf mir !" Sie zitterte am ganzen Körper, wartete auf eine Reaktion.

Die kam auch; aber es war nicht die, welche Lian Eskell sich erhofft hatte.

 

"Lian, du bist es…" sagte Cinis schließlich, und lächelte bitter. "Meine liebe Schwester."

 

"Ja, ich bin es… du mußt mir helfen !" stieß Lian hervor. "Sie haben mich entführt und hierhergebracht. Ich habe nichts getan !"

Und genau das war dein Fehler, dachte Cinis. Du hast nichts getan. Die ganze Zeit nicht.

Sie betrachtete ihre zitternde, von panischer Angst ergriffene Schwester, und in ihr spürte sie die gleiche kalte Befriedigung wie damals, als sie entdeckt hatte, daß sie Marienne Ovorann mit Hilfe der Macht umgebracht hatte.

 

"Übrigens", sagte sie. "Ich heiße nicht mehr Trin." Ihr Blick ruhte starr und mitleidslos auf Lian, die in ihrer Todesangst hysterisch loskreischte.

"Was soll das heißen ? Aber du bist doch meine Schwester ! Hilf mir! Hol mich hier raus!"

 

"Ich war deine Schwester", gab Cinis kalt zurück. "Jetzt bin ich eine Sith."

 

Lians Augen weiteten sich entsetzt, als sie vergeblich versuchte, das Unbegreifliche zu begreifen.

Cinis spürte, wie ihr Zorn in ihr emporstieg; und jetzt wußte sie, worin die letzte Prüfung bestand.

Sie streckte die Hand aus, benutzte die Macht, um ihrem Zorn und Rachedurst Ausdruck zu verleihen und tat mit Lian dasselbe wie seinerzeit mit dem Mann, der den Fehler gemacht hatte, sie in den Straßen von Coruscant anzugreifen.

 

Die Sith riß ungläubig die Augen auf, als Lians Körper leblos zu Boden sackte.

So etwas wie ein halbes Lächeln, grausam und zynisch, spielte um Lord Krayts Mundwinkel, als er Cinis eine ganze Weile betrachtete, während zwei Sith-Krieger auf seinen Wink hin den Leichnam von Lian Eskell hinaustrugen.

"Jetzt bist du mein. Sith mit Leib und Seele. Sieh her." sagte er schließlich. Auf eine Bewegung seiner Hand hin erschien vor Cinis' Augen in der Luft eine flirrende, gleißende Fläche wie eine Art Spiegel. Sie sah ihr Gesicht deutlich darin reflektiert, und die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag.

Ihre Augen hatten jene gelblichrote Farbe angenommen, die davon kündete, daß sie sich nun ganz der dunklen Seite hingegeben hatte.

 

Darth Krayt gab der Sith-Frau, die das Schauspiel an der Seite des Thronsaales verfolgt hatte, ein Zeichen. Sie trat auf Cinis zu und bedachte sie mit einem anerkennenden Nicken.

"Ich bin Darth Levouan und werde deine Ausbildung übernehmen. Komm mit mir."

Cinis neigte den Kopf. "Mylady."

Ein letztes Mal verneigte sie sich tief vor Lord Krayt und folgte dann Darth Levouan in ein neues Leben.

 

 

Durch einen hell erleuchteten Korridor schritt eine dunkel gekleidete Gestalt. Ein Sith. Er war auf dem Weg zum Sith-Tempel. Darth Krayt, Führer des Sith-Ordens hat nach ihm verlangt. Er zögerte kurz, bevor er mit einer Handbewegung das Tor zu Krayts Residenz öffnete. Schließlich trat er ein. Inmitten des riesigen Saales saß eine Gestalt auf seinem Thron, die man entweder mit dem Wort "imposant" oder mit dem Wort "erschreckend" beschreiben konnte. Darth Krayt. Gründer des neuen Sith- Ordens.

"Tretet näher, Lord Thrakon !"

 

Thrakon folgte der Aufforderung, schritt vor den Thron, und deutete eine Verbeugung an.

"Ihr habt nach mir verlangt, Mylord?", hub der Zabrak an.

 

"Lord Thrakon, lassen wir dieses eine Mal das Protokoll außer acht", entgegnete Krayt. "Ich habe Euch aus einem bestimmten und auch dringenden Grund hierher gerufen. Ich benötige einen besonderen Sith für eine wichtige Aufgabe. Ihr erinnert Euch vielleicht an jenen Tag auf Korriban, als ich Euch zur Rede stellte, wieso Ihr einen Mann rekrutiert hattet, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen."

"Ja, Mylord" entgegnete der Zabrak unsicher.

"Nun….", und Krayt blickte dem Sith tief in die Augen, "ich brauche diesen Mann !"

"Ähm, mit Verlaub, Mylord, aber er ist nicht einmal ausgebildet. Auf Euer Geheiß sind ihm Schulung und Lehren verwehrt geblieben, nur seine Fähigkeiten in der Macht haben ihn im Sith-Orden eine Aufgabe finden lassen…."

 

Mit einer unwirschen Handbewegung schnitt Lord Krayt Thrakons Wort ab. "Dann wird er eben jetzt ausgebildet. Ich brauche einen Sith für eine wichtige Aufgabe, und….", er machte eine längere Pause, "es sollte einer sein, mit dem keiner rechnet. Da ist Euer Fund genau das Richtige für mich. Ihr sagtet damals selbst, er wäre stark in der Macht, und hätte auch die dunkle Seite schon des öfteren benutzt ?"

"Ich sah, wie er drei Männer mit Hilfe der Macht tötete !" erwiderte Thrakon. "Ohne eine Ausbildung genossen zu haben !"

"Gut !", antwortete Krayt. "Wo befindet er sich jetzt ?"

"Meines Wissens auf Korriban, unter dem Befehl des ehrenwerten Lord Vondyr."

Eine Art Lachen kroch aus der Kehle Krayts. "Ja, ja, ich weiß, daß Ihr Vondyr nicht besonders mögt. Deshalb erteile ich Euch den Befehl, und vielleicht auch die Freude, Darth Vondyr von meinem Wunsch in Kenntnis zu setzen, daß dieser….wie hieß er noch ?"

"Korto", warf Thrakon ein, "Korto Artasis."

"…daß dieser Korto unverzüglich nach Coruscant kommen soll. Die Zeit drängt, Lord Thrakon !"

 

"Erlaubt mir eine Frage, Lord Krayt!"

Der oberste Sith-Lord nickte, und Thrakon hub an: "Wenn die Zeit drängt, weshalb greift Ihr dann nicht auf einen voll ausgebildeten Sith zurück, anstelle einen neuen Mann anzulernen ? So etwas benötigt Zeit. Korriban ist voll von fertig ausgebildeten, vielversprechenden Sith, die nur darauf brennen, Euch zu dienen !"

"Stellt nicht meine Entscheidungen in Frage, Lord Thrakon !", erwiderte Krayt unwirsch. "Ich habe diesbezüglich mehrere Eisen im Feuer. Euer… Fund stellt nur eine Rückversicherung dar, die ich vielleicht nie brauche, aber wenn, dann frühestens in zehn Standardjahren. Das genügt für eine Ausbildung….außerdem…diese Ausbildung wird hier erfolgen, im Sith-Tempel. Weit weg von den Augen, die neue Talente auf Korriban vermuten. Ihr versteht ?"

 

"Ja, Mylord" , entgegnete Thrakon.

"Dann führt meinen Befehl aus ! Und ich muß sicher nicht sagen, daß über diese Sache…absolutes Stillschweigen zu bewahren ist."

"Natürlich, Mylord."

"Dann verlaßt mich jetzt !"

Der Zabrak verneigte sich kurz, und verließ den Thronsaal. Darth Krayt schaute ihm nach. Er hatte Thrakon den wichtigsten Punkt verschwiegen, weshalb gerade Korto für diese Mission gebraucht wurde. Dieser Mann hatte nämlich eine besondere Fähigkeit….doch diese Information wollte Krayt nicht an jeden weitergeben.

 

 

Korto Artasis war ein Sith. Nun, kein richtiger Sith, wenn man es genau nahm. Und wenn man es noch genauer nahm, war er vielleicht gar kein Sith. Doch so genau nahm es niemand mehr, seit Darth Krayt den neuen Sith-Orden ins Leben gerufen hatte. Und diesem Aspekt verdankte Korto die Tatsache, daß er sich als Sith bezeichnen konnte, natürlich ohne den ehrenden Titel "Darth". Dazu war er zu unbedeutend. Ein kleines Rädchen im Sith-Geheimdienst, beauftragt mit der Suche nach altem Sith-Wissen, welches irgendwo versteckt lag, oder damit, auf entfernten Welten nach verschollenen Sith-Artefakten zu suchen.

Er war nicht sehr großgewachsen, aber kräftig. Sein Haar war lang, und einige Strähnen waren, wie es der Tradition seiner Heimat Jabiim entsprach, mit Bändern zusammengebunden, nur daß diese Bänder nicht mehr, so wie früher, die Farben seines Clans trugen, sondern schwarz waren. Er war in den schwarzen Mantel gehüllt, den alle hier trugen.

 

Korto saß in der Bibliothek des Sith-Tempels auf Korriban und ordnete einige der neuesten Erkenntnisse in die Wissensdateien ein. Nichts Besonderes. Ein Sith-Artefakt von Dathomir hatte sich als Fälschung erwiesen, und ein weiteres aus grauer Vorzeit war so beschädigt, daß kaum noch Informationen herauszufiltern waren. Das besondere Talent des Jabiimi bestand darin, mittels der Macht selbst die verborgensten Daten aus stark beschädigten Artefakten zu lesen, doch hier war selbst seine Begabung an ihre Grenze geraten. Korto Artasis lehnte sich zurück und dachte an früher. An seine Heimat. An Jabiim.

 

Der Artasis-Clan war einer der ältesten auf Jabiim, wenngleich auch keiner der einflußreichsten. Zu oft hatten sich Mitglieder des Clans für eine politische Position entschieden, die dem Willen der übrigen Zivilisation zuwiderlief. Gut, letztendlich erwies sich die Position des Artasis-Clans immer als die richtige – doch dann war es meistens zu spät, und so blieb das Haus Artasis zwar geachtet, ob seiner Vergangenheit, aber der Weg in die oberen Etagen der Jabiim- Zivilisation blieb ihm verwehrt.

Seinen größten Ruhm hatte der Clan in den Klonkriegen erlangt. Doch der Verrat der Jedi fiel auf alle zurück, die ihnen Gefolgschaft leisteten, so auch auf das Artasis-Geschlecht. Seitdem schien der Stamm der Artasis verflucht. Verflucht vom Gift der Jedi…

.

Es war ein Tag wie jeder andere auf Jabiim. Trasko Artasis kehrte erschöpft von seiner Arbeit im Bergwerk heim. Schon seit der Eroberung durch die Separatisten in den Klonkriegen wurden die Bodenschätze Jabiims gnadenlos ausgebeutet. Das hatte sich weder im ersten galaktischen Imperium noch in der kurzlebigen Neuen Republik geändert. Auch das neu erstarkende Imperium benötigte die Bodenschätze Jabiims, und somit waren die meisten Bürger des Planeten im Bergbau tätig. So bitter es war, als Nachfahre der berühmtesten Kriegsherren Jabiims im Range eines Arbeitssklaven tätig zu sein, es ermöglichte zumindest das Überleben seiner Familie. Das Überleben des gesamten Volkes der Jabiimi.

Trasko lehnte sich zurück und sah seiner Frau Shani zu, wie sie das Abendessen für die fünfköpfige Familie bereitete. Im Garten spielten seine beiden Söhne Andar und Korto und seine Tochter Lairna.

Die beiden Jungen versuchten immer, vor ihrer Schwester zu prahlen und sich als stärker zu präsentieren. Trasko hatte nichts dagegen; ein Artasis war immer bestrebt, der Beste zu sein. Meistens gewann sein Lieblingssohn Andar, und Korto zog sich schmollend zurück. Trasko sah bei diesen Spielen gern zu, denn er bevorzugte seinen Erstgeborenen Andar, und es bereitete ihm Genugtuung, wenn dieser in den Kinderspielen die Oberhand behielt, wenngleich sein älterer Sohn dazu neigte, seinen jüngeren Bruder danach zu hänseln und zu verspotten. Doch heute war irgendetwas anders. Als Andar einmal wieder in einem der Wettstreite gewann, und Lairna lachend in die Hände klatschte, geschah etwas Merkwürdiges mit Korto. Mit steinerner Miene stand er auf, blickte Andar tief in die Augen. Er vollführte eine kurze Handbewegung, und irgendwie wurde Andar an die nächste Wand geschmettert, an der er nun, sehr verwundert, festhing.

In Kortos Bewußtsein wütete plötzlich ein Sturm, den er vorher nicht kannte. Rotes Licht, in welchem grelle Blitze zuckten, erschien in seinem Bewußtsein, und er konnte sich dieses Phänomen nicht erklären. Aber es fühlte sich irgendwie gut an.

Korto blickte zu seiner Schwester und fragte mit hohler Stimme: "Und lachst und klatschst du jetzt auch?"

Lairna blickte ihn nur aus großen Augen an, und tat gar nichts.

Korto kam urplötzlich zu sich, als eine Ohrfeige seines Vaters ihn in die Wirklichkeit zurückbrachte.

"Du hast das Jedi-Gift in dir", fauchte Trasko erbost. "Wärst du nicht mein Sohn, ich würde dich hier und jetzt töten !".

"Pap !", rief Andar. "Seine Augen waren ganz komisch!"

Mit zornesrotem Gesicht verpaßte Trasko seinem Sohn eine weitere Ohrfeige. "In unserer Familie wird nicht mit dieser Jedihexerei herumgespielt !", herrschte er Korto an. "Wenn ich dich noch einmal mit so etwas erwische, schlage ich dich windelweich !"

Er nahm Andar und Lairna an die Hand und ging mit ihnen ins Haus. Korto blieb mit Tränen in den Augen auf der Wiese zurück. Bisher war sein Vater nur gleichgültig ihm gegenüber gewesen, doch nun schien er eine regelrechte Wut auf ihn zu haben, als hätte er Schuld am kargen Leben des einst so stolzen Artasis- Clans. Seitdem war Kortos Leben nicht mehr dasselbe….

 

Korto widmete sich wieder seiner Arbeit, doch angesichts des minderwertigen Informationsgehaltes der Artefakte blieb ihm wenig Hoffnung. Er archivierte die Daten, und wollte sich gerade dem nächsten Projekt zuwenden, als sein Meister, Darth Vondyr, den Raum betrat. Korto stand auf, um dem Sith-Lord den nötigen Respekt zu erweisen, doch Vondyr winkte nur ab.

"Korto", hub der Quarren an, "In vier Standardstunden erwartet dich ein Shuttle an Landungsbucht 4. Lord Krayt hat dich nach Coruscant berufen."

 

"Lord Krayt ?" fragte Korto, fast atemlos.

"Lord Krayt !" bestätigte Vondyr.

"Aber..." stammelte Korto, "was kann er von mir wollen ? Ich bin nicht einmal ein Darth !"

 

Vondyr antwortete: "Das kann ich nicht sagen, denn ich weiß es nicht. Doch wenn Lord Krayt nach dir verlangt, solltest du keine Fragen stellen, sondern gehorchen. Darth Krayt ist der oberste Sith, und uns steht es nicht zu, seine Entscheidungen in Frage zu stellen. Vielleicht hat er eine besondere Aufgabe für dich, vielleicht will er dich töten. Das vermag allein er zu entscheiden. Sei zur vereinbarten Zeit am Startpunkt des Shuttles, das ist alles, was momentan für dich wichtig ist !" Vondyr legte dem Jabiimi zum Abschied seine Quarren- Hand auf die Schulter, nickte ihm kurz zu, und verließ dann den Raum, einen sinnierenden Korto verlassend.

 

Irgendeine neue Arbeit anzufangen hielt Korto nicht für sinnvoll. Schlafen war angesichts der kurzen Zeitspanne bis zum Start wohl auch nicht gerade vernünftig, also begab Korto sich in seine Unterkunft, packte seine wenigen Habseligkeiten zusammen, und legte sich dann zur Entspannung auf seine Koje. Seine Gedanken flogen zurück zu seinem Heimatplaneten. Nach Jabiim…

 

"Hast du schon wieder mit deinem Jedi-Gift gespielt ?", donnerte Trasko mit vor Zorn gerötetem Gesicht. Korto hockte zitternd in der Ecke des Hundezwingers, einem Luxus, den sich Trasko trotz der schweren Lage leistete. "Ein Artasis hatte immer eine Reihe erlesener Hunde !" war sein Standardspruch zu dem Thema, wenn jemand aus der Familie auf die hohen Kosten dieses Hobbys hinwies. Nun stand er inmitten seines 'Heiligtums' und kochte vor Wut. Seit sein Vater von seinen Machtfähigkeiten wußte, hatte Korto keine ruhige Stunde mehr. Immer wenn etwas schiefging, bei jedem Mißgeschick, welches der Familie zustieß, war Korto schuld. Kortos "Jedi-Gift". Korto, der mit seinen Fähigkeiten nur Unheil beschwor. Jedi-Unheil, welches die Familie schon seit Generationen verfolgte. Und nun war Traskos Zorn am Überkochen. Denn sein Lieblingshund lag im Sterben, und natürlich konnte nur Korto schuld sein. "Wenn er stirbt, "knurrte Trasko, "schlage ich dich persönlich tot, auch wenn du mein Sohn bist."

"Ich..ich kann nichts dafür…"stammelte Korto.

 

"Rede nicht", blaffte Trasko, und redete sich immer mehr in Zorn. "Ich weiß genau, daß in dir das verderbliche Jedi-Gift fließt. Du ziehst das Unheil an ! Mit Gedankentricks versuchst du mich zu blenden, aber seit den Klonkriegen fällt kein Artasis mehr auf Jedi-Lügen herein. Du bist nicht mehr mein Sohn ! Verlaß mein Haus und komm niemals wieder zurück !"

 

Korto blieb bewegungslos stehen.

"Muß ich dich erst aus dem Haus prügeln ?", fauchte Trasko, griff nach einem Knüppel und ging drohend auf Korto zu.

Korto richtete abwehrend die Hände in Richtung seines wutentbrannten Vaters und plötzlich wogte in seinem Bewußtsein eine dunkle Wolke auf. Es war plötzlich kein Platz mehr für Angst und Furcht, da war nur noch Zorn. Seine Augen begannen rötlich zu leuchten, als er abrupt aufstand, und langsam auf seinen Vater zuging.

"Was…? Deine Augen…! Bleib wo du bist !" heulte Trasko. "Bleiiiii…." Plötzlich versagte ihm die Stimme. Und als er in die Augen seines gehaßten Sohnes starrte, packte ihn das Entsetzen.

Korto ging langsam auf ihn zu. Eine flüchtige Handbewegung bewirkte, daß Trasko an die Wand hinter ihm gedrückt wurde. Dieselbe Hand, zur Klaue gebogen, nahm seinem Vater die Luft. Entsetzt sah Trasko, wie ein finsteres Lächeln sich ins Gesicht seines Sohnes schlich. "Laß…mich …los…!" röchelte Trasko, doch Korto konnte nicht mehr klar denken. In seinem Kopf wirbelten Stürme des Hasses und der blanken Wut, und er konnte nur noch mit knirschenden Zähnen zudrücken…zudrücken…zudrücken… Mit einem beängstigenden Knacken brach Traskos Genick.

 

Nachdem die Leiche seines Vaters zu Boden gesunken war, überkam Korto ein kurzes Gefühl der Trauer und der Schuld, und mit leichtem Entsetzen betrachtete er seine Hände. Doch dies währte nicht lange. Er spürte bald eine gewisse Befriedigung. Jahrelange Erniedrigung und Herabsetzung hatten in ihm einen Zorn wachsen lassen, der nun sein Ventil gefunden hatte. Nun betrachtete Korto seine Hände mit Erstaunen, und mit dem Gefühl, eine Fähigkeit in sich entdeckt zu haben, die ihm eine neue, interessante Zukunft versprach. Seine Zeit auf diesem Planeten war gezählt. Hier wäre er auf ewig ein Ausgestoßener, ein Verbrecher.

 

Korto verließ den Hundezwinger, warf einen letzten Blick auf sein Elternhaus, in dem seine Mutter und seine Geschwister ahnungslos ihren Beschäftigungen nachgingen. Er wandte sich um, verließ das Grundstück seiner Familie und begab sich zum nächsten Raumhafen. Dort angekommen, wurde ihm auf einmal klar, daß er kein Geld hatte, um auf einem der Auswandererschiffe mitzufliegen. Diese Schiffe brachten unzufriedene Jabiimi von ihrer Heimatwelt weg, und diese Unzufriedenen wurden immer mehr, denn das aristokratische System auf Jabiim war zusammengebrochen, und selbst die Angehörigen der edelsten Clans, wie auch Kortos Vater, mußten sich in den Minen verdingen. Das trieb die Preise für die Überfahrten in vermeintlich bessere Welten in ungeahnte Höhen.

 

Als Korto schon verzagen wollte, erblickte er einen recht alten, aber noch rüstigen Mann, der sich mit dem Beladen seines Schiffes abmühte. Er sah aus wie ein Schmuggler, und wahrscheinlich war er das auch, aber er schien mit seiner Fracht ein kleines Problem zu haben. Korto trat zu ihm hin, und ohne ein Wort zu sagen, half er dem Mann, seine Fracht zu verstauen.

"Sag mal, Junge," hub der Alte an, nachdem sie fertig waren, "suchst du vielleicht einen Job ?", und er hustete ausgiebig. "Diese Gornts von Raumhafenmanagern verlangen jedesmal eine Unsumme für die Arbeit ihrer Droiden. Das versaut mir immer meine Gewinnspanne. Ein kräftiger junger Kerl wie du käme mir da gelegen. Hm ? Wie sieht's aus ? Ich bezahle dich natürlich."

Korto hatte das Gefühl, mit dem Angebot des Alten die große Lotterie gewonnen zu haben, und erstaunt wie auch erfreut sagte er, "Natürlich. Mich hält hier nichts. Warum nicht ?"

"Hahaha" dröhnte der Alte, "dann hol deine Sachen und steig ein !"

"Ich habe keine Sachen", entgegnete der junge Jabiimi, "wir können starten, wenn Sie bereit sind."

Der Alte verengte seine Augen. "Hast was ausgefressen, wie ?"

Korto erstarrte. Doch der Mann fuhr fort. "Aber wer einem alten Wrack wie mir hilft, kann nicht wirklich schlecht sein. Du bist also angeheuert. Würde gerne wissen, wie ich dich nennen soll, Junge."

"Korto", antwortete Korto.

"Korto also", brummte der Alte. "Korto irgendwer…na gut. Mir soll's recht sein. Du kannst mich Flynn nennen. Hat seit fünfzig Standardjahren keinen mehr gegeben, der mich anders nannte. Und laß den verkarkten 'Sie' und 'Captain'- Poodoo, sonst fliegst du aus der Luftschleuse. Ist das klar ?"

"Völlig klar, Cap…Flynn."

"Also an Bord mit dir", brummte Flynn.

 

Kurz darauf verließ die "Grinning Rancor", so hieß das Schiff, den Raumhafen, und Korto wußte, daß er wohl niemals wieder einen Fuß auf Jabiim setzen würde, denn er war nun ein Verbrecher, ein Ausgestoßener.

 

Korto entriß sich seinen Erinnerungen und schaute auf das Chronometer. Es war Zeit, sich zur angegebenen Landungsbucht zu begeben. Sollte hier und heute ein neues Kapitel seines Lebens beginnen, oder sollte es enden. Irgendwie war es ihm gleich. Davon abgesehen, hatte er sowieso keine Wahl. Er griff nach seiner Reisetasche und betrachtete seine Unterkunft noch einmal ausgiebig, bevor er sie verließ, um dem Ungewissen entgegenzugehen.

 

Als Korto an der angegebenen Landeplattform ankam, wartete das Shuttle bereits auf ihn. Ein imperialer Soldat erwartete ihn an der Einstiegsrampe. "Lord Korto ?" fragte er, sichtlich beunruhigt. "Lord", dachte Korto. Niemals hatte ihn jemand als Lord bezeichnet. Und dieser Soldat schien vor Ehrfurcht oder Angst fast zu schmelzen, nur weil er ein Sith war, wenngleich ohne Rang und Titel, was der Soldat natürlich nicht wissen konnte. "Lord !". Es hörte sich gut an. Korto nickte nur wortlos, und zog seine Kapuze noch tiefer ins Gesicht.

"Bitte folgt mir, ich zeige Euch Eure Kabine, Mylord !" sagte der Soldat, und schien sich dabei sogar ein wenig zu verneigen. Eine Spur von Verlegenheit machte sich bei Korto breit, und er mußte unweigerlich lächeln. Glücklicherweise wurde diese Veränderung seines Gesichtsausdrucks durch die weite Kapuze versteckt, und so nickte er nur wieder kurz, bevor er dem Sturmtruppler in das Shuttle folgte.

Die Kabine war geräumig und bequem. Korto konnte sich nicht erinnern, jemals so komfortabel gereist zu sein.

"Ich hoffe, unsere bescheidene Unterkunft ist zur Zufriedenheit des Lords !" dienerte der Soldat.

So langsam wurde es Korto peinlich. Im Sith-Orden hatte er nur eine weit untergeordnete Rolle inne, und eine derartige Unterwürfigkeit hätte er niemals erwartet. Irgendwie hatte er auch das unbestimmte Gefühl, daß er diese Ehrerbietung gar nicht verdiente. Andererseits, er war ein Sith, und selbst wenn er weder Rang noch Namen hatte, könnte er den Soldaten mit Leichtigkeit töten. Er war immer jemand gewesen, der sich neuen Bedingungen schnell anpassen konnte, und so war es ein leichtes für ihn, knapp zu antworten: "Es ist zu meiner Zufriedenheit. Lassen Sie mich jetzt allein !"

Der Soldat schien sich wieder leicht zu verbeugen, bevor er die Kabine verließ.

 

Korto schaute ihm sinnierend hinterher, warf dann sein Gepäck auf den Boden, und entledigte sich des schweren Mantels. Kurz nachdem das Zittern des Starts abgeklungen war, ertönte der Summer der Kabinentür. "Tretet ein !" rief Korto.

Die Tür öffnete sich, und ein Protokolldroide betrat die Kabine. Er trug ein Tablett und tönte: "Der Kommandant dieses Schiffes sendet dem erlauchten Gast seine Grüße und bietet diesen bescheidenen Imbiß an."

Der Droide blieb in der Raummitte unentschlossen stehen. Korto wies auf den Tisch, und sagte knapp. "Stell es da ab. Danke." Der Droide tat, wie ihm geheißen, und verließ die Kabine. Als sich die Tür mit einem leisen Saugen schloß, dachte Korto, "Ein Droide! Sie haben einen Droiden geschickt ! Sie fürchten sich vor mir ! Wenn sie wüßten, daß ich nur ein besserer Bibliothekar bin !"

Korto inspizierte das Tablett, genehmigte sich einen kleinen Imbiß und streckte sich dann auf der Kabinenliege aus. Ein weiteres Mal schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit.

Es war eine finstere Spelunke. An etlichen Tischen wurden Glücksspiele gespielt, oftmals um hohe Einsätze. An einem der Tische saß ein junger Jabiimi, und versuchte, sich das Geld für eine Reise fort von hier zu verdienen. Sein bisheriger Arbeitgeber hatte sich zur Ruhe gesetzt, sein Schiff verkauft, und nun stand der junge Mann ohne Job und ohne Schiff da, versuchte sein Glück mit den paar Credits, die er auf die Seite gelegt hatte, und hoffte. Es war ein relativ primitives Würfelspiel, aber die Einsätze waren hoch, und wenn man es geschickt anstellte, konnte man ganz gut Gewinn machen. Besonders wenn man in entscheidenden Momenten Gebrauch vom "Jedi-Gift" machte. Korto war mittlerweile so gut, daß er die Würfel im Rollen beeinflussen konnte. Natürlich griff er darauf nur in besonderen Momenten zurück. Schließlich waren seine Spielpartner recht rauhe Gesellen, und konnten sicher ziemlich ungemütlich werden, wenn man sie zu offensichtlich betrog.

 

"Also", begann Korto, "ich bin hundemüde, ich mache jetzt noch dieses eine Spiel, und danach lege ich mich ab !"

"Also gut", knurrte der Trandoshaner ihm gegenüber. "wer das Spiel gewinnt, kriegt den ganzen Pott !"

Die anderen Mittspieler schluckten überrascht, denn im Pott lagen mindestens fünfzehntausend Credits, nickten aber zustimmend. Der Trandoshaner reichte dem Devaronianer neben ihm den Würfelbecher. "Du bisssst dran !"

"Hokay", entgegnete dieser, schüttelte den Würfelbecher, und warf zwölf Augen. Der Trandoshaner kniff die Augen zusammen, schüttelte kurz den Würfelbecher, und rammte ihn auf den Tisch, nur um ihn gleich darauf langsam anzuheben. Eine Sechs, eine Vier und eine Eins. Elf Augen. Wütend schleuderte er den Becher auf den Tisch, stand abrupt auf und verließ wortlos das Lokal. Der Corellianer, der als nächster dran war, nahm den Würfelbecher, schüttelte etwas länger und setzte ihn dann auf den Tisch. Unter dem erhobenen Becher erschienen eine Vier, eine Fünf und eine Sechs. Fünfzehn Augen. Der Devaronianer stand seinerseits auf und ging.

Nun war nur noch Korto übrig. Er ergriff bedächtig den Würfelbecher, warf die drei Würfel hinein, und schüttelte kurz. Mit einem kurzen Zögern warf er die Würfel auf den Tisch. Eine Vier, eine Sechs….und der dritte Würfel drehte sich immer noch. Während alle Anwesenden nun auf den sich noch immer drehenden Würfel starrten, nutzte Korto die Gelegenheit, um eine flüchtige Handbewegung zu machen. Der sich drehende Würfel wurde langsamer, und kam dann zum Stillstand. Er zeigte eine Sechs. Der Corellianer stand wortlos auf, nickte Korto kurz zu, und verließ dann den Tisch.

Korto strich seinen Gewinn ein, und begab sich noch für einen letzten Drink an die Bar.

Er bemerkte nicht, daß er die ganze Zeit von einer dunkel gekleideten Gestalt beobachtet wurde.

.

Als er sich gegen später auf den Weg zu seiner Unterkunft machte, geschah genau das, worauf er an einem solchen Ort gefaßt sein sollte. Plötzlich versperrten ihm im Dunkel einer Gasse drei Gestalten den Weg.

"Du hattest ziemlich viel Glück heute Abend" zischte die eine. Korto erkannte die Stimme als die des Trandoshaners, den er heute im Spiel besiegt hatte. "Zuviel Glück, für mein Gefühl !"

"Doch dein Glück ist nun zu Ende !" brummte die Stimme des zweiten.

"Gib das Geld heraus, und wir lassen dich…vielleicht…am Leben !", zischelte der Trandoshaner. Sein anderer Kumpel, der bisher schweigsam geblieben war, kicherte böse. Korto sah eine Vibroklinge aufleuchten.

Der erste Schreck wich plötzlich einer ungeahnten Wut. Einer Wut, die er seit dem Tod seines Vaters nicht wieder erlebt hatte. In der Tasche trug er die Fahrkarte in ein neues Leben, und diese drei Strolche wagten es, diese für sich zu beanspruchen. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, und seine Zähne knirschten, als wollte er sie zum Bersten bringen. Langsam und bedächtig hob er beide Hände. Das Gesicht des Trandoshaners verzog sich zu einem Grinsen. "So ist es recht", begann er, " greif nun schön langsam zu dem Geld und wirf es zu mir herüber !"

Plötzlich schnellten Kortos Arme nach vorn, und der Echsenmann flog mehrere Meter zurück. Eine Handbewegung des Jabiimi in Richtung des Kicherers ließ diesen mit einem lauten Knacken sein Leben aushauchen.

Nummer drei versuchte zu fliehen, aber Kortos Zorn war nun zu sehr entfacht, um Gnade walten zu lassen. Mit einem Wink brachte er ein herumliegendes Stück Metall dazu, gegen den Kopf des Flüchtigen zu schmettern. Er war schon tot, als er noch zu Boden stürzte.

Korto trat langsam auf den Trandoshaner zu. Dieser lag am Boden, und schätzte seine Chancen ab. "Du !" sagte Korto mit hohler Stimme. "Hey," röchelte der Echsenmann, "mach keinen Poodoo ! Das war doch nur Spaß, ehrlich. Wir wollten dir nur einen kleinen Schreck einjagen."

"Du wirst niemanden mehr im Dunkeln überfallen ?"

"Nein, nein, ich versprech's, niemals mehr werde ich…"

"Ja !", schnitt ihm Korto das Wort ab. "Ich bin sicher, das wirst du nicht." Und nach einer kurzen Handbewegung des Jabiimi brach das Genick des Reptiloiden.

Kortos Zorn verrauchte, und als er das Ergebnis seines Wutausbruchs betrachtete, spürte er irgendwie, daß sich jemand in seiner Nähe befand. Er bückte sich, durchsuchte den Trandoshaner, und fand einen Blaster. Er entsicherte die Waffe und richtete sie unvermittelt dahin, wo er den vierten Wegelagerer vermutete.

"Also gut !" rief er. "Komm jetzt heraus, ich weiß, daß du da bist !"

Aus den Schatten löste sich eine dunkle Gestalt.

Korto richtete den Blaster auf die Person.

 

"Das war höchst beeindruckend, junger Mensch", sagte die Gestalt. Eine kurze Handbewegung, und der Blaster flog aus Kortos Hand in die seines Gegenübers.

"Den wirst du nicht brauchen. Genauso, wie du ihn vorher nicht gebraucht hast."

"Wer… oder was bist du ?" fragte Korto verwirrt.

Die Gestalt trat näher, unter seiner weiten Kapuze glühten gelblichrote Augen.

"Ich", antworte die Person, "bin ein Sith ! Darth Thrakon ist mein Name."

Korto schluckte trocken. Ein Sith ! Er hatte schon von den Sith gehört. Sie waren fast wie Jedi. Nur gefährlicher.

 

Der Sith trat näher, und nahm seine Kapuze ab. Ein stachliger, aber bis auf einen langen Haarschopf am Hinterkopf kahler Schädel erschien, was ihn Korto als Zabrak erkenntlich machte. Sein Gesicht war ein Muster aus roten und schwarzen Tattoos, was allein schon erschreckend wirkte. Was Korto wirklich faszinierte, waren die Augen.

Sie schienen direkt in ihn hineinzustarren.

"Wie ist dein Name, Mensch ?" fragte der Zabrak.

"Korto", stammelte der Jabiimi, "Korto Artasis. Von Jabiim." Und fügte hinzu " äh,…Mylord !"

"Ich habe dich beim Würfeln beobachtet, und ich spürte, wie du mit der dunklen Seite herumgespielt hast. Du hast die Macht benutzt, um das Spiel zu manipulieren."

Korto schluckte. "Aber…"

Der Sith brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. "Ich war neugierig, wie weit deine Fähigkeiten gehen. Also habe ich diese drei… Subjekte angeheuert, und sie gefragt, ob sie es dir nicht heimzahlen wollen. Ich wollte sehen, was du draufhast, und ich muß gestehen, ich bin beeindruckt."

 

"Und wenn sie mich getötet hätten?" fragte Korto.

"Dann wärst du die Mühe nicht wert gewesen."

 

Korto starrte ihn an. "Und was passiert nun, Herr ?"

"Willst du mit mir kommen, Korto Artasis von Jabiim ?" fragte der Zabrak mit hohler Stimme. "Willst du deine Fähigkeiten vervollkommnen und noch mächtiger werden, als du es jetzt schon, ohne Ausbildung, bist ? Willst du, Korto Artasis von Jabiim, ein Sith werden ?"

"Ich..ein Sith ?" hauchte Korto. Was ihm dieser Sith da anbot, war etwas, was er nie in seinem Leben erwartet hätte. Sith waren ferne mythische Gestalten, die irgendwie die Geschicke der Galaxis maßgeblich beeinflußten und mit denen man am besten so wenig wie möglich zu tun hatte.

Bis vor kurzem hatte er noch gar keinen zu Gesicht bekommen. Und nun sollte er einer von ihnen werden ?

"Aber….wieso ich ?" fragte der verwirrte Jabiimi.

"Du bist stark in der Macht. Du hast Zugriff auf die dunkle Seite. Und für jemanden, der nicht ausgebildet ist, zeigst du erstaunliche Resultate." Er wies vielsagend auf die drei leblosen Körper, die das Ergebnis von Kortos Raserei waren." Ich spüre, du könntest ein mächtiger Sith werden. Wirst du mir folgen ?"

 

Korto überlegte kurz. Was war sein Leben bisher ? Die Jugend auf Jabiim voller Ablehnung und Schmerz, sein Dasein danach als Schmuggler und Tramp abstoßend, seine Betätigung als Spieler profitabel, aber entwürdigend. Korto sah dem Sith tief in seine bedrohlich funkelnden Augen, und fällte eine Entscheidung.

"Ja, Mylord ! Ich folge Euch !"

"Gut !" erwiderte Thrakon. "Gut ! Ich beglückwünsche dich zu deiner Entscheidung. Hättest du mit 'Nein' geantwortet…hätte ich dich töten müssen. Komm jetzt ! Mein Schiff wartet."

 

 

In der medizinischen Sektion des Tempels wurde Cinis von Kopf bis Fuß vermessen und untersucht. Medidroiden wuselten eilfertig um sie herum, maßen ihre Körpergröße, erfaßten ihr Gewicht, ihre Herz- und Hirntätigkeit, die Funktion aller Organe und nahmen Proben aller möglichen Körpersubstanzen. Cinis wurde als Mitglied des Sith-Ordens erfaßt, und – was vielleicht am bedeutsamsten war – ihr MC-Wert wurde mittels Blutprobe endlich einmal gemessen.

Darth Levouan zuckte zurück, als sie das Ergebnis sah. Ihr eigener Wert lag bei 7.000, was für ein Lebewesen höchst beträchtlich war, wenn man in Betracht zog, daß eine gewisse Machtbegabung schon ab 5.000 MC-Einheiten als gegeben angesehen werden konnte. Der Wert von Cinis lag bei knapp 9.500. Unglaublich. Daß man diese Frau nicht schon früher entdeckt hatte ! Sie versuchte gar nicht erst, sich auszumalen, was geschehen wäre, wenn die verstreut immer noch existierenden Überreste des Jedi-Ordens ihre Aufmerksamkeit in irgendeiner Weise auf Cinis geworfen hätten. Welch eine glückliche Fügung der dunklen Seite – oder hatte Lord Krayt hier seine Hand im Spiel ? Sie wußte es nicht, wollte es auch gar nicht wissen.

 

"Du bist hochgradig machtsensitiv", eröffnete Darth Levouan ihrer Schülerin nach den Untersuchungen. "Aus unseren Akten geht hervor, daß du neben deiner Tätigkeit als Spionin für die imperialen Behörden auch eine Ausbildung in Selbstverteidigung und Waffengebrauch erhalten hast. Eine Sith mit deinen Fähigkeiten hat Anspruch auf Lichtschwerttraining. Hast du jemals ein Lichtschwert benutzt ? "

"Nein, Mylady", antwortete Cinis.

 

"Dann wirst du es ab sofort tun. Wenn wir hier fertig sind, wird Magazindroide X6-15 dir alle notwendigen Einzelteile zum Bau eines Lichtschwerts sowie eine Auswahl an Werkzeugen bringen – einschließlich eines Sith-Kristalls. Deine bisherige Ausbildung weist Kenntnisse in Elektronik und Technik allgemein aus; und deine Machtbegabung wirkt hierzu ergänzend. Du solltest hierzu in der Lage sein.

Deine erste Prüfung wird sein, dein Lichtschwert zusammenzubauen. Du wirst dies in deinem Quartier tun – und bis dein Schwert fertig ist, bekommst du nichts zu essen und zu trinken. Wenn dir der Bau gelingt, sehen wir uns wieder. Wenn nicht, bist du tot."

 

"Ja, Mylady", sagte Cinis, ohne sich eine Gefühlsregung anmerken zu lassen; sie wußte sehr gut aus ihren bisherigen Studien, daß der Bau eines Lichtschwerts zu den Aufgaben für absolut Fortgeschrittene gehörte. Es war gefährlich; eine falsche Verbindung, und die Waffe explodierte in der Hand des unglücklichen potentiellen Benutzers. Doch Cinis war sich sicher, diese Herausforderung meistern zu können. Ihre Verbindung zur Macht sagte es ihr, ihr ungewöhnlich schnelles Angenommenwerden durch Darth Krayt ebenfalls. Und mit einem MC-Wert von über 9.000 rangierte sie in der Oberklasse, egal ob Jedi oder Sith. Jetzt wurde ihr auch klar, warum es ihr auch so relativ leicht gefallen war, sich in den vergangenen Jahren selbst auszubilden, ohne einen Meister oder sonst jemand, der sie mit den Geheimnissen der Macht vertraut gemacht hätte. Warum sie, ohne darüber nachzudenken, zwei Personen mit Hilfe der Macht getötet hatte, einfach so, indem sie sich auf ihre Gefühle verlassen hatte.

Zum zweiten Mal nahm sie wahr, daß sie geehrt wurde.

Sie spürte, daß ihre Zukunft innerhalb des Sith-Ordens nicht so einfach enden würde – ganz im Gegenteil.

 

Das Quartier, das Cinis wenig später in einem anderen Flügel des Sith-Tempels erhielt, war einfach, ließ jedoch einen gewissen Basiskomfort nicht vermissen. Es war fensterlos, erhellt von rötlichen Leuchtpanels in zwei Wänden, aber ansonsten recht angenehm. Es gab ein Bett, das mehr als nur eine Novizenpritsche war; einen Arbeitsbereich mit Schreibtisch, Büromaterialien, Komlink und Computerterminal und einen abgetrennten Erfrischungsbereich mit Toilette und einem nicht unähnlich einem Hotelzimmer ausgestatteten Duschraum. Ebenfalls war ein kleiner Tisch in der Raummitte verfügbar, an welchen man den Schreibtischstuhl rollen konnte.

Sie bemerkte, daß ihre Reisetasche dorthin verbracht worden war; sie lag auf dem Boden vor dem Kleiderschrank.

"Dies ist nicht die übliche Unterkunft für Novizen", bemerkte Darth Levouan. Cinis' gelbrote Augen erwiderten ihren Blick, als sie hinzufügte: "Nur privilegierte Sith erhalten solche Räumlichkeiten. Du solltest hieran bemerken, welchen Wert Lord Krayt auf dich legt."

Einmal mehr neigte Cinis den Kopf. "Mylady.".

"Der Droide wird in Kürze erscheinen. Melde dich über das Komlink, wenn du deine Aufgabe erfüllt hast."

Damit verließ Darth Levouan den Raum.

 

Cinis spürte mit einemmal, wie ihre Knie weich wurden. Sie sackte auf das angenehm gepolsterte Bett nieder, legte sich auf den Rücken und atmete tief durch. So vieles war geschehen. Sie war eine Sith geworden, auf dem Weg zu ihrer nächsten Prüfung. Bevor der Droide eintraf, um sie dieser auszusetzen, gedachte sie, ein paar Atemzüge zu nehmen und sich von ihrem Stolz durchfluten zu lassen. Ihrer Schwester widmete sie schon keinen Gedanken mehr – es wäre auch pure Verschwendung gewesen. Sie war jetzt das, was sie schon immer hatte sein wollen. Eine jener, die sich nahmen, was sie wollten, ohne falsche und geheuchelte Rücksicht auf andere. Eine jener, die immer auf der Seite der Sieger stehen würden – einfach deshalb, weil die anderen nie die innere Stärke oder auch Skrupellosigkeit haben würden, um den ihnen zustehenden – oder auch vielleicht nur den von ihnen erhofften – Platz einzunehmen.

Ein Schauder lief über Cinis' Arme, als sie sich dem Fluß der Macht hingab und sich innerlich auf die Prüfung vorbereitete, die auf sie wartete.

 

Die Tür öffnete sich, und der Magazindroide rollte herein. Er stellte eine Werkzeugkiste auf dem Boden ab und plazierte ein Metallkästchen auf dem Tisch in der Raummitte, piepste kurz und verschwand wieder.

Cinis öffnete das Kästchen und blickte auf die schimmernden Einzelteile ihres künftigen Lichtschwerts.

Drähte, elektronische Komponenten, eine Energiezelle. Schalter, Verbindungselemente, Strahlregulatoren, schwarzes Karbonit zur Gestaltung des Griffs. Und zwei tiefrote Sith-Kristalle im Zentrum.

Wieder überlief sie ein Schauder. Es war eine weitere Ehre, die Kristalle überreicht zu bekommen. Aus der Geschichte des Sith-Ordens wußte sie, daß es vielen Sith-Adepten abverlangt wurde, sich mit der Herstellung dieser speziellen, synthetischen Kristalle selbst zu befassen. Daß Cinis sich diese Aufgabe nicht stellte, sagte ihr nur, daß sie zu interessant für den Einen Sith war und schnellstmöglich innerhalb des Ordens einen festen Aufgabenbereich bekommen sollte, ohne zuviel Zeit an Prüfungen zu verschwenden, denen in der heutigen Zeit sowieso etwas Archaisches anhaftete.

 

Sie machte sich daran, den Inhalt der Werkzeugkiste zu inspizieren. Hier waren die feinen Zangen, Schraubendreher und dünne Arbeitshandschuhe – der Kristall durfte nicht mit bloßen Händen berührt werden. Sie legte die Handschuhe an, betrachtete noch einmal eingehend das Ensemble aus Einzelteilen, schaltete die Arbeitsbeleuchtung ein und machte sich dann an die Erfüllung ihrer Aufgabe.

 

Cinis ließ äußerste Vorsicht walten und achtete darauf, während der Arbeit ständig den Fluß der Macht in sich zu spüren. Sie rief sich ihre Kenntnisse aus ihrer früheren Tätigkeit in Erinnerung und fing damit an, die einzelnen Komponenten zusammenzusetzen. Der Korpus des Schwertes nahm Gestalt an, und sie machte sich daran, die elektronischen Teile im Inneren zu montieren. Sie verband die Wandung der für die Energiezelle vorgesehenen Vertiefung mit den Drähten zur Strahlregulierung und dem Schalter. Plazierte den Kristall an die richtige Stelle, brachte die Emitterscheibe an. Versah den Metallzylinder mit Karbonitverzierungen, so daß das Lichtschwert ihren individuellen Stempel trug und eine Kreuzung aus klassischem Schwertdesign und den bizarren Formen darstellte, welche die Sith bevorzugten.

Die Zeit schien sich immer weiter auszudehnen. Sie verlor jegliches Gefühl für alles um sich herum, die Macht schirmte sie von Hunger, Durst und Erschöpfung ab. Cinis nahm nichts mehr wahr außer ihrer Aufgabe. Sie wußte nicht wieviele Stunden vergangen waren, bis endlich der wichtigste Moment heranrückte: das Einsetzen der Energiezelle und die Aktivierung des Schwertes.

Cinis hielt den Atem an, als sie die Energiezelle an ihren vorgesehenen Platz im Inneren des Schwertes schob. Nichts geschah – das war schon einmal ein gutes Zeichen. Jetzt fiel die Entscheidung über Leben oder Tod.

Sie erhob sich, trat in die Mitte des Quartiers neben den kleinen Tisch, schloß die Augen und drückte den Aktivierungsknopf.

 

Ihr Herzschlag setzte einen Augenblick aus, als das Schwert mit charakteristischem Zischen zum Leben erwachte. Die blutrote Energieklinge ragte in den Raum und tauchte ihn in flackerndes rotes Licht.

 

Es war vollbracht. Die dunkle Seite hatte ihre Hand geleitet und sie ein funktionsfähiges Lichtschwert bauen lassen, das von nun an ihr ständiger Begleiter werden sollte – denn nun mußte sie lernen, damit umzugehen.

 

Eine heiße Welle euphorischer Freude durchlief Cinis. Sie umklammerte den Griff mit beiden Händen und hielt die Waffe wie salutierend vor sich, betrachtete das strahlende Rot der Klinge, lauschte dem unheimlichen Summen des Emitters. Dann schaltete sie es wieder ab und legte es vorsichtig auf den Tisch – sie würde nicht den Fehler machen, es ohne jegliche Ausbildung herumschwingen zu wollen. Nicht wenn sie auch danach noch Wert auf zehn unversehrte Finger legte. Nun war es an der Zeit, daß Darth Levouan ihre Aufgabe erfüllte und sie im Lichtschwertkampf unterwies.

 

Urplötzlich ließ die Euphorie nach. Mit einemmal brach die Erschöpfung über Cinis herein – die Stunden der Konzentration ohne Wasser und ohne Schlaf zogen ihr den Boden unter den Füßen weg, auch wenn sie stark in der Macht war. Erst jetzt fiel ihr Blick auf den in die Wand integrierten Zeitmesser. Vom Beginn bis zur Vollendung ihrer Prüfung waren dreißig Standardstunden vergangen.

Sie hatte gerade noch genug Kraft, um das verabredete Komsignal zu geben, dann wurde ihr schwarz vor den Augen.

 

 

Als das Shuttle zur Landung ansetzte, wurde Korto von Minute zu Minute nervöser. Mit Sith zu tun zu haben, auch mit den gefährlicheren Lords, war mittlerweile Routine für ihn. Der Traum vom allmächtigen Sith, der ihm von Thrakon auf Nar Shaddah verheißen worden war, hatte sich zwar in langweilige Routine aufgelöst, aber es war wenigstens eine stabile Existenz. Eigentlich hatte er ursprünglich erwartet, in den dunklen Künsten der Sith ausgebildet zu werden; manchmal träumte er davon, der Galaxis seinen Stempel aufzudrücken. Doch seine Ausbildung war vom obersten Lord der Sith, Darth Krayt, untersagt worden. Stattdessen erkannte man seine Fähigkeit, Artefakten ihre Geheimnisse zu entlocken, und so unbefriedigend diese Tätigkeit war, sie war besser, als in einem Bergwerk auf Jabiim zu verrotten, auf einem Schmugglerschiff durch die Galaxis zu taumeln oder in Spielerspelunken zu riskieren, von erbosten Verlierern in Stücke geschossen zu werden. Außerdem konnte er viel über die Geschichte der Sith lernen. Somit konnte er sich selbst soviel beibringen, wie es in dieser Position möglich war. Nun jedoch vor das Oberhaupt des Sith-Ordens gerufen zu werden, weckte einige Ängste in Korto.

Das Raumschiff setzte auf, und nach wenigen Minuten öffnete sich die Kabinentür. Der Soldat erschien wieder, sichtlich nervös, und salutierte sogar.

"Lord Korto, wir sind gelandet. Bitte folgt mir !" Dienstbeflissen griff er sich Kortos Gepäck, noch bevor dieser selbst danach greifen konnte. Sie verließen die Kabine und auch das Schiff.

Erstaunt betrachtete Korto die Gebäude von Coruscant, als sie im Gleiter unterwegs zum Sith-Tempel waren. Noch nie hatte er Städte von diesem Ausmaß gesehen. Gegen Jabiim oder die vielen Randwelten, in denen er sich herumgetrieben hatte, ja, selbst gegen Korriban schien Coruscant wie ein Juwel im Vergleich zu schnödem Bimsstein zu wirken. Noch ganz von den Eindrücken überwältigt, riß ihn plötzlich eine Stimme aus seinen Betrachtungen: "Wir sind da, Mylord!"

 

Das Shuttle landete. Als Korto in Begleitung des Soldaten ausstieg, erwartete sie eine dunkel gekleidete Gestalt, die Korto sofort als Sith erkannte.

"Korto Artasis!"

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Korto nickte. Der Sith wandte sich nun zu dem Soldaten, nickte ihm kurz zu, und sagte "Wegtreten !"

Sichtlich erleichtert suchte der Sturmtruppler das Weite.

 

Korto schritt in Begleitung seines Führers einen dunklen Gang entlang. Dieser schien endlos zu sein, doch plötzlich traten sie durch eine Passage und in einen größeren Raum. Im Hintergrund stand, mit dem Rücken zu ihnen, eine martialisch wirkende Gestalt, umgeben von einer Rüstung mit vielen Stacheln. Sie erinnerten Korto an Darstellungen der Yuuzhan Vong, die er irgendwo gesehen hatte.

Die Gestalt drehte sich langsam herum, schritt auf Korto und seinen Begleiter zu.

"Korto von Jabiim !" sprach die Gestalt, während er den anderen Sith mit einer Handbewegung entließ.

"Ja….Mylord", stammelte Korto, trat näher und kniete vor der Gestalt des Imperators nieder.

 

"Wie lange bist du schon im Dienst des Sith-Ordens ?"

"Es dürften an die sechs Standardjahre sein, Mylord", antwortete Korto.

"Und….bist du zufrieden?"

"Zufrieden…nein Mylord. Obwohl es besser ist, als alles, was ich vorher tat."

"Hmmm", brummte Krayt, "und…möchtest du zufrieden sein?"

Ein plötzlicher Anfall von Kühnheit veranlaßte Korto zu sagen: "Ich bin mir nicht sicher, ob Zufriedenheit ein erstrebenswertes Ziel für einen Sith darstellen sollte. Andererseits hatte ich mir bei meiner Entscheidung, dem Sith-Orden zu dienen, etwas mehr vorgestellt, als das, was ich derzeit tue."

 

Krayt fixierte ihn einige Sekunden lang mit starrem Blick, bevor er antwortete: "Dein Wunsch soll in Erfüllung gehen. Ich benötige einen Sith für eine…. besondere Aufgabe. Doch diese Aufgabe kann ich nur einem vollständig ausgebildeten Sith-Lord anvertrauen….Und obwohl du geeignet erscheinst, ist deine Ausbildung noch zu beenden. Deine Machtfähigkeiten sind nicht trainiert. Du hast noch kein Kampftraining absolviert. Ich habe gehört, daß du in der Lage bist, mit Hilfe der Macht zu töten. Doch was dir noch fehlt, ist eine detaillierte Kampfausbildung."

 

Er drehte sich halb herum und rief in die Dunkelheit: "Lady Rancina, Ihr könnt jetzt hervortreten."

Korto sah, wie eine Togruta, rot und schwarz tätowiert, aus dem Dunkel trat.

Darth Krayt wandte sich wieder Korto zu und sagte: "Das ist Darth Rancina. Sie wird dich in den Lehren der Sith, im Lichtschwertkampf, und in einigen anderen Techniken unterweisen."

Und zu Rancina gewandt: "Nehmt Euren neuen Schüler mit Euch, Lady Rancina ! Macht einen wahren Sith aus ihm ! Wenn Euch das nicht gelingt, töte ich Euch beide ! Geht jetzt !"

 

Die ersten Monate verliefen eher ruhig. Das meiste Training beinhaltete das Meditieren und das Sich-Versenken in die dunkle Seite der Macht. Dabei stellte sich Korto recht geschickt an. Seine früheren, eher zufälligen Erfolge, und die Dinge, die er, ebenfalls eher zufällig, selbst gelernt hatte, kamen ihm dabei zu Hilfe. Ein knappes Jahr nach dem Beginn seiner Ausbildung trat Korto zu seinem ersten Trainingskampf an.

Der Raum, oder eher Saal, beeindruckte den Jabiimi. Nicht nur die Größe, auch die Ausstattung wirkten auf den ersten Blick beängstigend. Korto sah sich um. Die abstrakten Ornamente, die den ganzen Übungsraum zierten, schienen absichtlich jegliche Symmetrie zu vermeiden. Die Wände waren in dunklen Tönen gehalten, nur von oben strahlte ein fahles, rötliches Licht auf die beiden Sith.

 

Lady Rancina, nicht wie viele der männlichen Sith in weite Roben, sondern eher sportlich gekleidet, trat auf ihn zu.

"Sieh dich nur um, junger Mensch, denn dies hier wird dein zweites Zuhause werden. All dies hier haben Sith erschaffen !" Damit wies sie in einem weiten Bogen auf die Ausstattung des Übungsraumes.

"Kommen alle Sith hierher zum Üben ?" erkundigte sich Korto.

"Möglich,"entgegnete seine Lehrerin mit einem leichten, überheblichen Lächeln. "Aber unwahrscheinlich. Es gibt viele solcher Räume im Sith- Tempel. Doch hören wir auf zu plaudern, denn dazu sind wir nicht hier. Du bist jetzt an mich gefesselt, junger Mensch. Wenn du versagst, sterben wir beide. Wenn ich versage, ebenso. Also laß uns das Beste wollen !" Mit diesen Worten reichte sie ihm ein Lichtschwert.

"Bis Lord Krayt dir erlaubt, dein eigenes Lichtschwert zu bauen, gebe ich dir dies zum Üben."

"Wem gehörte das ?" fragte Korto.

"Meinem letzten Schüler, "antwortete die Togruta, "er benötigt es nicht mehr."

"Hat er ein neues gebaut ?"

"Nein", sagte die Sith, "ich habe ihn getötet."

Korto schluckte kurz…und dann begann das Training.

 

"Ich werde einige einfache Attacken schlagen. Versuche, dich in die Macht zu versenken. Pariere meine Angriffe !"

Rancina zeigte ihm, wie man das Lichtschwert aktivierte und trat dann einige Schritte zurück. Korto hielt die Waffe mit der gleißenden Klinge ungläubig in der Hand, als seine Lehrerin schon zu ihrem ersten Angriff ansetzte. Die ersten beiden Hiebe der Togruta konnte Korto parieren, aber schon der dritte Ausfall brachte ihm eine brennende Wunde am linken Arm bei.

"Ich sagte, versenke dich in die Macht !" zischte Rancina. "So, wie du deine Artefakte liest, so mußt du auch kämpfen !"

Die Sith griff auf ein neues an. Diesmal konnte Korto ein paar mehr Schläge parieren, aber nach einigen Angriffen der Togruta traf ihn die Klinge ein weiteres Mal, diesmal an seinem rechten Oberschenkel.

 

Am Ende des Trainings, Korto hatte mehrere Wunden davongetragen, schickte ihn Rancina zum Medicenter und meinte: "Deine Ansätze sind nicht schlecht, aber du mußt mit mehr Leidenschaft kämpfen. Du hast schon mit der Macht getötet, wie ich hörte. Das war Leidenschaft. Nimm diese Empfindung, und führe damit dein Lichtschwert ! Geh jetzt !"

 

 

Als Cinis das Bewußtsein wiedererlangte, fühlte sie sich erfrischt und nicht mehr vollkommen ausgetrocknet. Auch ihr Magen protestierte nicht mehr schmerzend, und ihre Blase schien leer zu sein. Sie setzte sich auf und bemerkte, daß sie auf einer Liege im Medizentrum ruhte. Ein Medidroid kam an ihre Seite, betrachtete sie prüfend und betätigte dann das Kom.

Kurz danach betrat Darth Levouan den Raum und nickte Cinis anerkennend zu. "Gut. Du hast die Prüfung bestanden. Komm mit."

Cinis schob sich von der Liege, und ein leichter Schwindel ließ sie schwanken. Dann jedoch erlangte sie ihr inneres Gleichgewicht wieder und folgte ihrer Meisterin zurück in ihr Quartier.

 

Das Schwert lag noch da, wo sie es abgelegt hatte. Darth Levouan trat an den Schrank und öffnete ihn. Im Inneren befand sich jetzt eine komplette Garderobe in verschiedenen Ausfertigungen, allerdings nur in einer einzigen Farbe: Schwarz. Vier Sätze schwer und martialisch aussehende, bei näherer Betrachtung jedoch bequem zu tragende Stiefel, die maximale Beweglichkeit mit einem guten Schutz von Füßen und Unterschenkeln verbanden. Ein Satz enganliegender Hosen. Mehrere Gürtel, mit und ohne Halterungen und Holster. Ärmellose Hemden, eng geschnitten. Socken und Unterwäsche. Drei auf Cinis' Körpermaße abgestimmte leichte Brustpanzer aus beweglichen Segmenten, mit bizarren, an die Tätowierungen der Sith erinnernden roten Mustern versehen. Armstulpen im gleichen Design zum Schutz ihrer Handgelenke und Unterarme. Und zwei der schweren Kapuzenmäntel, welche für die Sith so charakteristisch waren.

In einem separaten Fach befand sich eine Basisausrüstung an Waffen: Handblaster, Vibromesser, Nadelschleuderer – jedoch würde sie diese kaum benötigen, da das Lichtschwert ihre Hauptwaffe sein würde.

"Wasch dich und zieh dich an", befahl Darth Levouan. "Ich werde dich in dreißig Standardminuten zu deinem ersten Lichtschwerttraining erwarten."

Sie verließ den Raum.

 

Cinis schälte sich aus ihrer Zivilkleidung, die sie bisher getragen hatte. Sie legte die Kleidungsstücke zusammen, steckte sie in ihre Reisetasche und ließ diese in der hintersten Ecke des Kleiderschrankes verschwinden. Eines war sicher: Ihre alte Kleidung würde sie nicht mehr benötigen; und die Wahrscheinlichkeit, daß sie irgendwann einmal inkognito auftreten mußte – vorausgesetzt, sie entschied sich dagegen, die klassischen Sith-Tätowierungen anzulegen – war extrem niedrig. Die Sith unter Darth Krayt waren stolz darauf, als solche in Erscheinung zu treten.

 

Sie betrat die Erfrischungszelle, die mit Körperreinigungsmittel und Handtüchern ausgestattet war und wusch sich Schmutz, Schweiß und die Überreste ihres bisherigen Lebens vom Körper; und dann kleidete sie sich an. Slip, Hose, Socken, Stiefel, Hemd, Stulpen, Brustpanzer. Ihr feuchtes Haar hielt sie wieder mit dem elastischen Band zusammen, um zu vermeiden, daß es ihr beim Kampftraining in die Augen hing.

Dann befestigte sie ihr Schwert am Gürtel und trat zur verabredeten Zeit vor die Türe ihres Quartiers.

 

Stunden später hatte sie einen ersten Eindruck davon, wie es sich anfühlte, ein Lichtschwert zu führen, nachdem sie zu ihrem ersten Training in einem der Übungsräume des Tempels angetreten war. Darth Levouan hatte ein spezielles Übungsschwert benutzt, um zu vermeiden, daß Cinis bei einem Treffer ihrerseits schwer verletzt oder getötet wurde. Dennoch hatte sie zahlreiche Wunden davongetragen, insbesondere ihre Arme waren bedeckt von den charakteristischen Lichtschwertschnitten; und einmal war sie in die Seite getroffen worden. Ihr Brustpanzer hatte sie vor dem Schlimmsten geschützt, aber wäre es kein Übungskampf gewesen, wäre sie jetzt schon tot oder zumindest einen Arm los. Ihr dämmerte, daß die Kleiderkammer ihr gleich einen neuen Satz Hosen und Hemd zur Verfügung würde stellen müssen. Sie war schweißgebadet und körperlich ziemlich erledigt.

 

Das Führen eines Lichtschwerts war sehr gewöhnungsbedürftig. Durch das Emissionsfeld des Strahls veränderten sich sämtliche Eigenschaften, und der gyroskopische Effekt, in Verbindung mit einer gefährlichen Kopflastigkeit, ließ sie unzähliche Male danebenschlagen, weil sie die Schwungparameter falsch eingeschätzt hatte. Selbst für sie war es unsagbar schwer, sich in der Macht darauf einzustellen, das scheinbare Eigenleben des Lichtschwerts zu bezwingen und es zu einem Teil ihrer selbst zu machen.

Allerdings hatte sie sich nicht mit ihrem eigenen Schwert verletzt; und gegen Ende der Trainingsstunde war es Cinis sogar gelungen, einige Schläge von Darth Levouan zu parieren.

Trotzdem kniete sie jetzt keuchend, verschwitzt und mit brennenden Wunden vor ihrer Meisterin und konnte nicht umhin, Erleichterung zu empfinden, als sie sah, wie Darth Levouan ihr Schwert abschaltete und ihr zunickte.

"Für ein erstes Mal hast du dich nicht schlecht geschlagen. Wir sehen uns morgen zur selben Zeit."

Damit war sie entlassen.

Cinis machte, daß die in die Medistation kam, um sich Bactapflaster für ihre Lichtschwerttreffer verpassen zu lassen.

 

Irgendwann ließ der Schmerz nach; und als das Bacta seine Wirkung getan hatte, duschte sie noch einmal, zog sich frische Kleider an und ließ sich auf der Meditationsmatte vor dem Bett nieder, um sich wieder ganz bewußt vom Fluß der Macht durchdringen zu lassen.

Sie dachte darüber nach, was sie bisher erreicht hatte, und empfand, in wahrer Leidenschaft, großen Stolz über den Prozeß der Vervollkommnung, den sie durchmachte.

 

 

Und wieder war Korto unterlegen. Eine Zeitlang schien es, er könnte den Angriffen seiner Lehrerin Paroli bieten, aber letztlich benötigte die Togruta nur ein, zwei schnelle Kombinationen, um ihn in die Knie zu zwingen. Korto kannte mittlerweile jede Fliese im Medicenter, und ihm schien, daß seit seinem Eintreffen hier der Bacta-Verbrauch beängstigend in die Höhe geschnellt war. Seit einem Zeitraum von drei Jahren nun versuchte er, die Kunst des Lichtschwertkampfes zu erlernen. Sicher, er machte Fortschritte, aber nur langsam.

Nun lag er wieder einmal am Boden und hielt sich den rechten Arm, in dem eine lange Wunde klaffte.

Wütend schleuderte Rancina ihr Lichtschwert von sich, packte Korto am Kragen und fauchte ihn an. "Was ist nur los mit dir ? Am Anfang des Kampfes scheint es so, als wärst du der Sache gewachsen, und je länger das Training dauert, umso lascher und einfallsloser wird dein Kampf !"

Korto wußte nicht, was er entgegnen sollte. Er wußte selber, daß er im Lichtschwertkampf regelmäßig versagte. Aber auch er hatte keine Erklärung dafür.

"Ich weiß, was dein Problem ist !" zischte die Sith. "Du beherrschst die Technik und du kannst die Macht benutzen, doch du kämpfst ohne Leidenschaft, Korto Artasis ! Und deshalb versagst du. Deshalb versagen wir. Und deshalb werden wir sterben."

Sie schleuderte ihn von sich. "Doch bevor wir vor Lord Krayt treten, um ihn von unserem Versagen zu unterrichten, werde ich dich persönlich töten, um meinem Meister wenigstens diese Mühe zu ersparen !" Mit wütendem Blick maß sie ihren Schüler.

"Morgen um die gleiche Zeit", fügte sie hinzu, griff mit der Macht im Hinausgehen nach ihrem Lichtschwert, und verließ ihn.

 

 

In seiner Unterkunft saß ein Jabiimi und starrte trübsinnig an die Wand. In seiner rechten Hand hielt er das Lichtschwert. So sollte nun sein Leben enden. An der Schwelle dessen, was ihm vor sechs Jahren verheißen wurde, und er versagte ! Irgendwann würde Darth Krayt nach den Ergebnissen seines Trainings fragen, und die Antwort würde sein Schicksal besiegeln. Das seine und das seiner Lehrerin. Letzteres war das Schlimmste für Korto. Sein Leben war seit Jahren verpfuscht, und diese Enttäuschung wäre nur eine weitere in seinem Leben. Doch die Togruta, so hart, unbarmherzig und wuterfüllt sie erschien, mochte er irgendwie. An ihrem Tod schuld zu sein war fast genauso schlimm, wie sie zu enttäuschen.

Leidenschaft. Ja. Leidenschaft ist alles, so stand es im Sith-Kodex geschrieben. Und genau die schien ihm zu fehlen. Korto zündete das Lichtschwert, und starrte in die zischende Lichtklinge. Eine kurze Bewegung der Waffe, und seine Probleme wären, wie er selbst, zunichte. Doch wäre das eine befriedigende Lösung ? Für einen normalen Menschen vielleicht. Für einen Jabiimi der alten Adelshäuser weniger. Für einen Sith keinesfalls.

Er schaltete die Waffe aus, und legte sie beiseite. Anschließend streckte er sich auf seiner Lagerstatt aus und fiel in einen Schlaf voller wirrer Träume, in welchen sein Vater mit einem Lichtschwert nach ihm schlug, und dabei böse lachte. Korto saß zitternd in der Ecke, doch sein höhnisch grinsender Vater kam immer näher und näher. Er schwang das Lichtschwert, und verletzte Korto mal am Arm, mal am Bein, mal zog er ihm die Klinge über die Brust. Dabei lachte er und lachte und ….plötzlich wich die Lähmung in Korto, sein ganzer Körper schien vor Wut, Haß und Zorn zu brennen, und er stand auf, fühlte sich wie in Flammen gehüllt; er richtete die Hände auf seinen Vater, und tödliche Blitze schossen daraus hervor. Während sich sein Vater in Schmerzen wand, schrie Korto seinen Haß heraus, und mit jedem Schrei schienen die Blitze aus seiner Hand stärker zu werden……

 

"Steh auf !"

Dieser knappe Befehl riß ihn aus seinem Traum. Verwirrt und schlaftrunken öffnete er die Augen, und sah Darth Rancina vor seiner Lagerstatt stehen. Er setzte sich auf, und bevor er etwas sagen konnte, zündete die Togruta ihr Lichtschwert. "Verteidige dich !"

Instinktiv griff Korto mit der Macht nach seinem Lichtschwert, und zündete es im selben Moment, in welchem er aufstand. Ohne abzuwarten, begann Rancina damit, ihn anzugreifen. In Kortos Geist war kein Platz für klare Gedanken. Er schien seine Lehrerin überhaupt nicht zu erkennen. Eine Mischung aus der unerwarteten Situation und der Erinnerung an seinen Traum bildeten eine graue Wolke in seinem Kopf; und ohne nachzudenken, parierte er jeden Schlag seiner Lehrerin, ging dann zum Gegenangriff über und schlug zu, steigerte sich in eine Raserei, die ihn immer weitertrieb.

Stück für Stück mußte Darth Rancina zurückweichen, und als sie mit dem Rücken zur Wand stand, brauchte sie ihr ganzes Können, um den immer gefährlicher werdenden Hieben ihres Schülers Herr zu werden. Als eine Finte Kortos ihr das Lichtschwert aus der Hand riß, konnte sie ihr Leben nur noch damit retten, daß sie ihren Schüler mit einem kurzen Einsatz von Machtblitzen gegen die gegenüberliegende Wand schleuderte.

Der Aufprall brachte Korto zurück zur Realität. Er schaute erstaunt auf sein Lichtschwert, als könnte er sich nicht erklären, wie es in seine Hand gekommen sein könnte. Er schaltete es ab.

Rancina trat auf ihn zu, und reichte ihm lächelnd die Hand, um ihm beim Aufstehen behilflich zu sein.

 

"Na bitte. Das war Leidenschaft !" begann sie. "Ich wußte, daß wir es eines Tages schaffen würden, den Punkt zu finden, an dem du dich der dunklen Seite ganz öffnest."

"Was..was ist passiert ?" fragte Korto, leicht benommen.

"Ich habe meditiert", antwortete die Sith, "und ich spürte deine Träume, und ich sah, daß du regelrecht in Haß und Zorn gebadet hast. Die dunkle Seite war so stark in dir, wie ich es noch nie vorher von dir kannte. Wie ich es von wenigen kannte. Und da wußte ich, das ist der richtige Moment für ein Training."

 

"Ich…ich träumte von meinem Vater", entgegnete Korto leise, "er verhöhnte mich und wollte mich verletzen…."

"Und du wolltest ihn töten ?"

"Ja."

"Und würdest du ihn auch jetzt noch töten ?" fragte die Togruta.

"Ich habe ihn schon getötet. Vor vielen Jahren. Doch in meinen Träumen kehrt er manchmal zurück, und…" Korto ballte die Fäuste und knirschte mit den Zähnen.

 

"Gut," sagte Rancina. "Nun merke dir diese Empfindung und lerne, sie willkürlich zu aktivieren ! Wenn du das schaffst, kannst du einer der gefürchtetsten Lichtschwertkämpfer werden. Ich hatte am Ende große Schwierigkeiten, am Leben zu bleiben."

Sie beugte sich leicht vor: "Du wolltest mich töten ! Das war die richtige Einstellung. Ab jetzt wirst du bei jedem Kampf versuchen, mich zu töten. Und ich werde dasselbe mit dir tun. Und wenn du so kämpfst, wie eben, und vielleicht noch besser wirst, wird mir das immer schwerer fallen. Deshalb werden wir die Lektionen mit den Blitzen, und wie man sie abwehrt, erst am Ende der Ausbildung durchführen."

 

Die Togruta blickte sich um, und erfaßte das Ausmaß der Zerstörung, welche ihr kurzes Training in Kortos Unterkunft hinterlassen hatte. "Ich sollte anweisen, daß man dir eine andere Kabine zuweist."

Damit verließ sie ihn.

 

Die nächsten Trainingsstunden verliefen sehr erfolgreich. Wenn im fortschreitenden Kampf sein Geschick nachzulassen drohte, stellte er sich das Bild seines höhnischen, ihn verspottenden Vaters vor, und dann senkte sich eine rote Wolke über sein Bewußtsein, welches nur noch offen für den Kampf war. Es war keine besinnungslose Raserei, die ihn dann befiel, sondern eher eine kalte Klarheit, die ihn scheinbar die nächsten Bewegungen seines Gegners erahnen ließen. Einige Wochen später benötigte er das Bild nicht mehr. Augenblicklich konnte sich Korto in diese kaltblütige und gewaltige Kampfekstase versetzen, und seine Lehrerin war immer öfter genötigt, sich mit Machtblitzen das Überleben zu sichern. Die folgenden Monate waren nun nur noch darauf gerichtet, Kortos Kampftechnik zu verbessern.

 

"Diese Blitzerei geht mir inzwischen ziemlich auf die Nerven", stöhnte Korto eines Tages, als Rancina ihn wieder einmal durch die letzte Möglichkeit gestoppt hatte.

"Dein Lichtschwertkampf wird immer besser", antwortete die Sith, "ich füchte, du hast mich in dieser Disziplin bereits überflügelt."

"Das tut mir leid !" grummelte Korto.

"Das sollte es nicht, "antwortete Rancina. "Mitleid ist keine Sith-Empfindung. Kein Sith erwartet Mitleid. Kein Sith empfindet es. Akzeptiere deine Stärke in der Macht, und benutze die Schwäche der anderen. Wenn du mich im Kampf besiegst, ist mein Auftrag erfüllt. Darth Krayt wird zufrieden sein. Und uns am Leben lassen. Laß uns den heutigen Trainingstag beenden."

"Ja", entgegnete Korto. "doch es ist kein Mitleid. Mir tut nur leid, daß ich ständig von Euren Blitzen geröstet werde."

Rancina grinste daraufhin nur leicht.

Sie verneigten sich kurz voreinander und verließen den Kampfraum.

 

Als Korto spätabends – er hatte einige Stunden im Meditationssal verbracht - in seinen Wohnraum kam, spürte er eine Präsenz. Jemand war hier. Er griff nach dem Lichtschwert, zündete es aber nicht. Als sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatte, sah er eine Gestalt auf seinem Bett liegen. In ihrem Gesicht brannten gelblich leuchtende Augen.

"Nun, junger Mensch", hörte er eine Stimme, die er als die seiner Lehrerin erkannte. "Es gibt noch andere Facetten der Leidenschaft." Die Togruta richtete sich auf, und Korto sah, daß sie unbekleidet war. Sie griff nach seinen Schultern, zog ihn an sich, und flüsterte, "Wir Sith tun alles mit Leidenschaft." Kortos Hände glitten über Rancinas Körper, und die Togruta sagte: "Komm her, Korto, zeig mir deine Leidenschaft !"

"Man muß immer tun, was die Lehrerin sagt, nicht wahr ?", antwortete Korto, bevor er sie leidenschaftlich küßte. "Und diesmal vielleicht ohne Blitze", brummte Korto, als sie eng umschlungen auf sein Bett sanken.

 

Ab sofort zielte das Lichtschwerttraining nur noch darauf ab, daß Korto lernte, willkürlich die dunkle Seite anzuzapfen. Die Kampftrainingsstunden wurden immer weniger, vor allem, weil Rancina immer mehr Mühe damit hatte, den wütenden Korto zu stoppen, wenn dieser so richtig in Fahrt war. Korto wurde immer besser, und im Laufe der Wochen und Monate seiner Ausbildung begann er, seine Lehrerin zu überflügeln.

 

Eines Tages, Korto wartete im Trainingssaal auf seine Meisterin, trat diese in die Arena.

Wie üblich begab sich der Jabiimi in Kampfstellung und zündete sein Lichtschwert.

"Das brauchst du heute nicht," sagte Darth Rancina, richtete die Hände auf Korto, und schleuderte eine Ladung Blitze auf ihn.

Korto wurde rücklings zu Boden geschleudert, und stöhnte hingebungsvoll. "Und ich habe noch gar nichts gemacht…."

"Möchtest du das auch können ?" fragte Rancina in spöttischem Tonfall.

"Ja !" entgegnete Korto, "ja, liebend gern, und wenn auch nur, um es dir heimzuzahlen !"

Rancina lachte, und dann begann das besondere Training.

 

 

Cinis' Tagesablauf war von nun an fest geregelt. Ihr Tag begann um sechs Uhr Standardzeit mit einer Stunde Gymnastik und Muskeltraining. Dann pflegte sie sich zu waschen und ihr Frühstück einzunehmen – es gab keine festen Essenszeiten; die Küche des Tempels war rund um die Uhr in Bereitschaft, um auch zu ungewöhnlichen Zeiten von Außeneinsätzen zurückkehrende Sith verpflegen zu können.

 

Nach dem Frühstück erhielt sie in der Mediathek zwei Stunden detaillierten Unterricht in der Geschichte des Sith-Ordens. Darth Meral, ein hagerer Pau, ließ sie eintauchen in die Taten und Untaten der Großen des Ordens und pflegte am jeweils nächsten Tag zu prüfen, wieviel Wissen sie sich behalten hatte.

 

Anschließend folgten mehrere Stunden Aufklärungsarbeit, nicht unähnlich jener Tätigkeit, die sie für die imperiale Behörde ausgeübt hatte; und nach einem leichten Imbiß, bevor sie freie Zeit zur Entspannung und Meditation hatte, stand das Lichtschwerttraining mit Darth Levouan auf dem Programm, in dem sie rasch Fortschritte machte – so große, daß sie schon nach einigen Monaten immer weniger Wunden davontrug, was Darth Levouan bald veranlaßte, das Übungsschwert beiseitezulegen und ihre eigene Waffe zu benutzen. Die tödliche Herausforderung spornte Cinis nur noch mehr an. Wenn ihre Meisterin auf sie losschlug, ließ sie sich von ihrem Zorn durchströmen; wünschte sich in diesem Augenblick nichts sehnlicher, Darth Levouan mit einem gezielten Schwung ihrer Klinge den Kopf von den Schultern zu schlagen.

Sie lernte, sich von ihrem Zorn nicht blenden zu lassen, sondern ihn als Waffe zu benutzen – so wie sie es früher schon unbewußt getan hatte; und das waren die Momente, wenn sie am besten kämpfte. Sie fokussierte ihren Zorn, lenkte ihn in ihre Hände und stellte sich vor, ihre Meisterin zu töten. Und eines Tages wich Darth Levouan gerade noch rechtzeitig zurück, so daß die Klinge von Cinis' Schwert ihr lediglich in die Schulter fuhr. Sie schrie auf, riß den Arm zurück, und der von dem Riß in ihrer Kleidung aufsteigende Rauch kündete davon, wie knapp sie davongekommen war. Lichtschwertwunden bluteten normalerweise kaum, und doch lief Darth Levouan nun das Blut den Arm hinab. Einen Moment standen sie sich regungslos gegenüber; dann schaltete Darth Levouan ihr Schwert ab und sagte: "Ganz ausgezeichnet. Du wolltest mich töten. Sehr schön. Du bist auf dem richtigen Weg."

Sie deutete eine Verbeugung an – ein Zeichen, daß Cinis sich langsam von ihrer Position als Schülerin löste und mehr und mehr zu einer gleichrangigen Sith wurde.

 

Diesmal war es an Darth Levouan, sich in die Medistation zu begeben.

 

Nicht lange danach entschloß sich Cinis zum Ritual der Sith-Tätowierung, wenn auch anders als das Gros der Sith um sie herum. Sie hatte entschieden, sich nicht komplett rot grundieren zu lassen, sondern ihren Körper nur an ausgewählten Stellen mit den abstrakten schwarzen Mustern zu versehen. Hierzu wählte sie ihre Oberarme, ihren Brustkorb sowie lediglich eine Umrandung ihrer Augen und dunkle Färbung ihrer Lippen, so daß ihr Gesicht nicht ganz so maskenhaft wirkte. Die einzige Extravaganz war ein gezacktes Ornament auf ihrer Stirn, das ihr einen kämpferischen Ausdruck verlieh.

 

Als sie nach zwei Stunden die Medistation, wo die Tätowierungen vorgenommen wurden, wieder verließ, war sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Sie war klar als Sith zu erkennen, auch wenn sie sich einen Teil ihrer Individualität bewahrt hatte; und ihr leuchtend rotes Haar mit der schwarzen Strähne sah so noch reizvoller aus, als wenn ihre Haut rot gewesen wäre. Sie wollte, getreu dem Leitsatz der Sith, daß alles Leidenschaft ist, als Menschenfrau attraktiv aussehen und die Begierde ihrer späteren Opfer genießen, bevor sie sie tötete. Und sie war sicher, daß sie ihrem Herrn so am besten diente. Lord Krayt hatte ihr diesbezüglich keine Vorschriften gemacht. In der Tat hatte sie ihn seit ihrem anfänglichen Zusammentreffen nicht mehr zu Gesicht bekommen. Sie war davon überzeugt, daß ihm ihre Fortschritte gemeldet wurden; doch ob und wann sich Darth Krayt wieder mit ihr zu befassen geruhte, lag allein in seinem Ermessen.

 

Es dauerte trotz des guten Vorankommens insgesamt über sechs Jahre, bis Cinis' Ausbildung mehr oder weniger abgeschlossen war. Als sie die Lehren und die Geschichte des Sith-Ordens vollkommen absorbiert hatte, verlängerte man ihre Arbeitszeit beim Sith-Geheimdienst entsprechend. Ihre Trainingskämpfe mit Darth Levouan wurden immer anspruchsvoller; im großen und ganzen blieb ihr Tagesablauf jedoch derselbe. Sie pflegte sich der Macht abwechselnd in ihrem Quartier und in einem der Meditationsräume hinzugeben, wo sie sich ab und zu in Gesellschaft anderer Tempelbewohner befand.

Bisher hatte sie dort kein Mitglied des inneren Zirkels um Darth Krayt persönlich angetroffen, was theoretisch möglich war, sondern lediglich in anderen Bereichen des Tempels tätige Sith – Krieger, Mitarbeiter des Geheimdienstes – darunter einen langhaarigen, attraktiven Jabiimi, der ab und zu einige Plätze von ihr entfernt seine Arbeit tat und so wie sie auf Ganzkörpertätowierung verzichtet hatte - Archivare; Personen, die die Maschinerie der Sith-Herrschaft intern am Laufen hielten.

Doch dies sollte sich ändern.

 

Die Begegnung war nur kurz, aber folgenreich.

 

Eines Abends, als Cinis einmal wieder einen der offiziellen Meditationsräume des Tempels aufsuchte, erstarrte sie kurz, als sich die Türe hinter ihr schloß und sie erkannte, wer da ebenfalls in diesem Moment seine Verbindung zur Macht stärkte.

 

Auf einer der Matten kniete niemand anders als Darth Nihl, Lord Krayts rechte Hand und Vollstrecker. Der sehnige Nagai-Krieger ruhte mit untergeschlagenen Beinen; die Hände locker auf den Oberschenkeln; sein überlanges, bizarres Lichtschwert quer vor ihm auf dem Boden, und ließ die Macht durch sich strömen. Zum ersten Mal sah Cinis ihn aus der Nähe. In den wenigen Sekunden, die sie wagte, ihn zu betrachten, nahm sie eine Fülle an Details wahr. Der Kontrast seiner dunkelgrauen Tätowierungen auf blasser Haut, übergossen vom rötlichem Schimmer der Raumbeleuchtung; sein martialischer Brust- und Schulterpanzer, geschmückt mit roten Kristallen und auslaufend in Elemente, die an nackte Rippen erinnerten; der aus einzelnen Stoffstreifen bestehende Waffenrock, der seine muskulösen Beine kaum verhüllte; sein langes, schwarzes Haar; seine Hände mit den spitz zulaufenden krallenartigen Nägeln.

Und die düstere Glut seiner tiefroten Augen, als er sich mit einemmal kurz umwandte und sie anblickte.

 

Wie üblich beim Zusammentreffen mit einem ranghohen Sith, ließ Cinis sich auf ein Knie nieder und verneigte sich in Lord Nihls Richtung. Er nickte kaum merklich und blickte dann wieder geradeaus.

Cinis nahm ihren Platz auf einer Matte ein ganzes Stück hinter Darth Nihl ein, schloß die Augen und öffnete sich dem Fluß der Macht. So entging ihr, daß Lord Nihl kurz zusammenzuckte und sich einmal mehr umwandte, um sie noch einmal anzusehen. Was er sah – eine relativ unscheinbare Sith-Menschenfrau niederen Ranges – stand in scharfem Kontrast zu dem Beben in der Macht, das er in dem Moment empfunden hatte, als Cinis sich hingab.

 

Er ließ seinen Blick einige Sekunden auf der Gestalt ruhen, die mit geschlossenen Augen in Meditationshaltung verharrte; dann wandte er sich endgültig ab.

Vergessen hatte er sie jedoch nicht.

 

 

Korto erwachte aus einem scheinbar traumlosen Schlaf. Das gestrige Training war recht erfolgreich gewesen. Kurzzeitig war es ihm sogar gelungen, einen kleinen Blitz aus seiner Hand zucken zu lassen. Darth Rancina schien zufrieden zu sein, und Korto, der nun erlebt hatte, wie es funktionierte, war sich sicher, daß er diese Fähigkeit noch zur Perfektion ausbilden konnte.

Nun wusch er sich kurz, und bereitete sich darauf vor, einen weiteren Trainingstag zu absolvieren, als sich plötzlich seine Kabinentür öffnete. Korto wirbelte herum, doch als er mit der Macht nach seinem Lichtschwert greifen wollte, befand es sich schon in der Hand seines Besuchers. Oder besser gesagt, seiner Besucherin, denn es handelte sich um niemand anderen als Rancina.

 

"Die Zeit ist vorbei, mein Schüler," richtete die Togruta das Wort an ihn, "daß du dieses Lichtschwert benötigst. Gestern abend habe ich Lord Krayt von deinen Fortschritten berichtet, und er hat angewiesen, daß du nun dein eigenes Lichtschwert bauen darfst."

Sie winkte kurz, und ein Droide schob einen Kasten auf Rädern in Kortos Unterkunft. "Hier findest du alles, was du benötigst. Versenke dich in die Macht, und du wirst wissen, was zu tun ist, und wie !" Mit diesen Worten reichte sie ihm ein Kästchen.

"Normalerweise ist es üblich, daß ein Sith seine eigenen Kristalle züchtet. Doch Darth Krayt bestand darauf, daß du diese langwierige Prozedur überspringst. Er schien recht ungeduldig. Hier drinnen befinden sich zwei Kristalle."

Korto griff zu.

"Du wirst erst wieder hier herauskommen, wenn du Erfolg gehabt hast", befahl sie. "Oder, wenn du tot bist."

 

Lady Rancina wandte sich zum Gehen. "Enttäusche Lord Krayt nicht !" sagte sie im Hinausgehen. "Und enttäusche mich nicht !" Dann verließ sie ihn.

 

Korto kniete vor dem Kästchen, und ließ die Macht in sich fließen. Seine Gedanken zerfaserten und bauten sich wieder neu auf. Wie in Trance öffnete er den Kasten, und betrachtete die Werkzeuge und Materialien. Automatisch begannen seine Hände, das zu tun, was sein in der Macht treibender Geist befahl. Seine Hände arbeiteten fieberhaft, während sein Geist tief in der Macht verweilte.

Das Zusammensetzen der Komponenten war noch keine Herausforderung, doch als es zum Moment kam, den Kristall einzusetzen, versetzte sich Korto in eine derartig tiefe Meditation, daß er kaum noch eine Verbindung mit der Außenwelt verspürte. Wie in Trance arbeiteten seine Hände, während seine Gedanken in der dunklen Seite der Macht herumwirbelten.

 

 

Es war vollbracht. Korto stand in seinem Quartier und hielt sein Lichtschwert in der Hand. Er hatte mit Absicht keines der organisch wirkenden Designs verwendet, wie sie momentan gerade bei den hochrangigen Sith in Mode waren. Seine Waffe hatte eher ein kaltes, technisch anmutendes Aussehen. Der Griff war recht kurz, da Korto gewohnt war, die Waffe meist mit nur einer Hand zu führen. Dafür entschied er sich für einen Diffusor, mit dem er die Durchschlagskraft der Klinge einstellen konnte.

 

Nun war die Stunde der Wahrheit gekommen. Korto hielt die Waffe am ausgestreckten rechten Arm, und sein Daumen bewegte sich zum Einschaltknopf, wo er verharrte. Korto wußte, wenn ihm ein Fehler unterlaufen war, hätte er nach dem Zünden des Lichtschwertes nicht einmal mehr die Zeit, darüber nachzudenken. Korto zögerte, und betätigte dann mit angehaltenen Atem den Schalter.

 

Mit einem Zischen gleißte eine rote Klinge aus dem Griff. Korto begann zu grinsen. Er schwang die Klinge ein paarmal herum, und schaltete die Waffe dann aus. In diesem Moment machte sich seine Erschöpfung bemerkbar. Ein Blick auf den Chronometer zeigte ihm, daß mehr als ein Standardtag vergangen war. Nun forderte der Körper seinen Tribut. Als er versuchte, die Kabinentür zu erreichen, brach er vor Erschöpfung zusammen.

 

Nach längerer Bewußtlosigkeit erwachte Korto. Er erhob sich trotz des Schwindelgefühls, das ihn gefangen hielt, ergriff sein Lichtschwert, und zündete es erneut. Befriedigt registrierte er das Aufblitzen der Klinge. Es war also doch kein Traum. Er hatte es wirklich vollbracht !

Korto ging zur Kabinentür und betätigte den Öffner.

Auf der anderen Seite der Tür stand Darth Rancina, und sah ihn an. "Ich habe es gespürt, und andere auch. Lord Krayt hat nach uns verlangt. Komm jetzt !"

Obwohl Korto schier zu Tode erschöpft war, folgte er seiner Lehrerin.

 

 

Im Thronsaal des Imperiums saß eine Gestalt zusammengesunken auf einem Thron. Darth Krayt. Gründer des neuen Sith-Ordens. Imperator. Vor ihm, auf den Knien, eine Togruta.

 

"Darth Rancina", dröhnte die Stimme des Imperators, "vor einigen Jahren gab ich einen jungen Menschen in Eure Obhut, um ihn in den Kampftechniken der Sith ausbilden zu lassen. Berichtet mir nun von den Resultaten, die Ihr erzielt habt !"

 

"Sein Kampftraining ist abgeschlossen, Lord Krayt", entgegnete die Togruta, "und in einigen Dingen hätte er mich fast überflügelt."

 

"Gut", antwortete Krayt. "Ich nehme an, Ihr habt ihn mitgebracht, wie ich befahl ?"

"Natürlich, Mylord."

"Dann laßt ihn hereinkommen !"

 

Durch die Macht verbunden, wie Rancina und ihr Schüler waren, konnte sie ihn mit einem Gedanken zum Eintreten bewegen.

Korto betrat den Saal des Imperators.

 

"Tritt näher, Korto von Jabiim !", befahl Krayt.

Korto gehorchte.

 

"Wie ich hörte, bist du erfolgreich in den Kampfkünsten der Sith ausgebildet worden."

 

"Ja, Mylord, "antwortete Korto, "Lady Rancina ist eine sehr gute Lehrerin."

 

"Das werden wir sehen." Krayt winkte kurz, und zwei Gestalten kamen aus dem Dunkel einer Ecke. Rot und schwarz tätowiert, und mit gezündeten Lichtschwertern.

Korto griff instinktiv nach dem seinigen, als er auch schon den Befehl Krayts hörte. "Ich hoffe, du hast genug gelernt." Und mit einem Blick zu den beiden Sith: "Tötet ihn !"

 

Die beiden griffen an. Korto zündete sein Lichtschwert und ließ die Macht durch sich hindurchfließen. Plötzlich war seine Erschöpfung wie weggeblasen. Als der erste eine simple Finte schlug, schleuderte Korto ihn mit der Macht zurück, um sich kurz darauf auf den zweiten zu konzentrieren. Dieser, ein Twi'lek, hatte ein Doppelklingenschwert, und wirbelte damit herum. Korto parierte mehrere Schläge, und dann tauchte Nummer eins wieder auf. Zwei gegen einen, dachte Korto noch kurz, und da war sie da, die dunkelrote Wolke, und Korto versenkte sich noch tiefer in die dunkle Seite. Plötzlich schien er die Hiebe und Finten seiner Gegner voraussehen zu können. Mit Leichtigkeit parierte er jeden ihrer Angriffe, ohne zu ermüden.

 

Schnell erkannte er, daß das Doppelklingenschwert größtenteils Scheinangriffe schlug, um ihn zu verwirren, und aus der Reserve zu locken. Der mit dem normalen Lichtschwert war zwar recht gut, lag aber noch einige Klassen unter den Fähigkeiten von Darth Rancina. Seine Angriffe waren eher auf brutale Vorstöße und gewaltige Hiebe konzentriert. Kortos Vorteil war auch, daß sich die beiden Sith beim Angriff gegenseitig im Wege waren. Der Twi'lek mußte nicht nur darauf achten, sich nicht selbst mit dem Doppelschwert zu verletzen, sondern auch darauf, nicht aus Versehen seinen Mitkämpfer zu töten.

 

Als seine beiden Gegner schon mit Erschöpfungserscheinungen zu kämpfen hatte, wurden sie ungeduldig und preschten beide gemeinsam vor. Korto sprang, verstärkt durch die Macht, nach oben und entging so beiden tödlichen Klingen. Sein Sprung mündete in einen Salto und er landete hinter seinen überraschten Kontrahenten, wirbelte um seine eigene Achse, trennte dem mit der Doppelklinge beide Hände am Lichtschwert ab, und traf den anderen in der Körpermitte. In zwei Teilen rollte er über den Boden und blieb liegen. Sein anderer Kontrahent kniete am Boden, und betrachtete erstaunt seine beiden Armstümpfe.

 

Korto schaltete sein Lichtschwert aus, drehte sich zum Imperator um, und sank vor ihm auf ein Knie.

 

"Sehr eindrucksvoll," begann Krayt. "Du hast recht. Rancina ist eine gute Lehrerein. Lady Rancina, Ihr dürft jetzt gehen. Und du, Korto, erhebe dich !"

Die Togruta verbeugte sich, warf Korto noch einen kurzen Blick zu, und verließ den Thronsaal.

 

Darth Krayt blickte abwechselnd zu dem toten Sith und dem, der erschüttert auf seine abgetrennten Hände starrte.

 

"Korto, du hast bewiesen, daß du ein guter Kämpfer bist. Beweise nun, daß du ein guter Sith bist." Er blickte den Jabiimi direkt an. "Du siehst diesen, dem du die Hände genommen hast ?"

"Ja, Mylord."

"Töte ihn !"

 

Zuerst erschrak Korto, aber sogleich fiel ihm ein, daß dieser Twi'lek ohne zu zögern auch sein Leben genommen hätte. Er stand auf und ging zu dem am Boden kauernden Sith hinüber.

 

"Wir leben und wir sterben", hub Korto mit heiserer Stimme an, "wie es Lord Krayt befiehlt."

Als der am Boden knieende Sith in aus großen Augen ansah, legte Korto beide Hände auf dem Kopf des Twi'lek. Die rote Wolke der Wut war noch nicht ganz verraucht, und so machte es Korto keine Mühe, sich wieder in diese Raserei des Zorns zu versetzen, mit der er den Kampf gemeistert hatte. Blitze zuckten aus den Fingerspitzen des Jabiimi mit einer Intensität, die er selbst noch nie gespürt hatte. Der Twi'lek wurde von Kortos Machtblitzen durchgeschüttelt, und schon nach kurzer Zeit der Agonie sank sein Opfer tot zu Boden.

 

Korto drehte er sich zu Lord Krayt um und kniete vor seinem Meister nieder.

 

"Gut", ertönte die Stimme Krayts. "Sehr beeindruckend ! Ich habe fast befürchtet, dich töten zu müssen, weil du diesen Befehl verweigern würdest. Auch hier scheinen sich Rancinas Fähigkeiten als Lehrerin zu bewähren.

Doch nun zu dir. Ich habe eine wichtige Mission für dich. Doch wie ich schon sagte, brauche ich dazu einen ausgebildeten Sith-Lord. Ich spüre Intrigen. Ich spüre Unruhe im Sith-Orden. Ich brauche einen ruhenden Punkt."

 

Krayt richtete sich auf. In seiner ganzen erschreckenden Gestalt stand er vor dem knieenden Korto.

 

"Korto Artasis," tönte Krayt, "Ich verleihe dir hiermit den Titel…Darth Stator."

Korto schaute erstaunt nach oben.

 

"Lord Stator, schwört mir Eure Treue !"

"Ich schwöre Euch Treue, mein Lord."

 

"Gut." Krayt schien kurz zu überlegen….

"Darth Stator ?" fragte er dann.

"Ja, Mylord?"

"Erhebt Euch !"

 

Korto stand auf.

"Folgt mir zum großen Fenster, Lord Stator!" befahl Krayt, und beide gingen zum großen Ausblick des Thronsaales hinüber.

 

"Lord Stator", begann Krayt, "meine Vision des Einen Sith ist noch weit von ihrer bedingungslosen Verwirklichung entfernt. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. Die Kreaturen, welche die Yuuzhan Vong einst in meinen Körper pflanzten, drohen mich zu übernehmen."

Krayt wandte sich Korto zu. "Ich brauche Heilung, von wo, ist gleichgültig. Irgendwo in den Aufzeichnungen der Sith muß ein Weg zu finden sein, meinen Untergang aufzuhalten."

 

Krayt beugte sich vor, faßte Korto an den Schultern, und sah ihm direkt in die Augen. "Darth Stator, Eure Fähigkeiten, Informationen aus alten Aufzeichnungen herauszufiltern, wird mir dabei nützlich sein. Sicher enthalten die alten Holocrone Hinweise, welche anderen Sith, selbst mir und Lord Wyyrlok, entgangen sind. Vorerst werdet Ihr die Aufzeichnungen, die uns auf Korriban und hier zur Verfügung stehen, sichten. Doch es könnte auch notwendig sein, daß Ihr auf fernen Welten nach Informationen suchen werdet, und daß Ihr dafür kämpfen müßt."

 

Er wandte sich ab und ging zu seinem Thron zurück. "Ich werde Darth Wyyrlok anweisen, daß er Euch vollen Zugang zu den Sith-Holocronen hier auf Coruscant und auch auf Korriban ermöglicht. Ihr werdet noch morgen nach Korriban abreisen, um vorerst die dortigen Holocrone zu studieren. Ich werde auch Darth Vondyr anweisen, daß er mit all seinen Möglichkeiten Euren Auftrag unterstützen soll."

"Wie Ihr wünscht, Mylord !" antwortete Stator.

 

"Es ist außerdem mein Wille, daß dieses Gespräch, Eure Aufgabe und Euer Status innerhalb des Sith-Ordens geheim zu bleiben hat. Euer Status als Darth ist offiziell, aber Eure Aufgabe ist nur mir, Euch, und Lord Wyyrlok bekannt. Ich erwarte, daß dies so bleibt. Selbst Vondyr wird nur das Nötigste erfahren. Außerdem bekommt Ihr einen Holoprojektor, mit dem ich mit Euch in Verbindung bleibe. Verlaßt mich nun," befahl der Imperator.

Korto, nun aufgestiegen in den Rang des Sith-Lords Darth Stator, verneigte sich noch einmal vor Lord Krayt, und entgegnete: "Wie es Euer Wunsch ist, mein Lord, so soll es geschehen !", verließ seinen Meister, und begab sich in seine Unterkunft, um seine Habseligkeiten zu packen.

 

Als Korto auf der ihm benannten Landeplattform ankam, eilte ihm sofort dienstbeflissen ein Soldat entgegen, salutierte vor ihm und versuchte möglichst militärisch forsch zu wirken, doch Korto hätte auch ohne Machtsensitivität gespürt, daß dem Sturmtruppler gar nicht wohl in seiner Haut war.

"Lord Darth Stator ?" fragte er, sicherheitshalber diese lange Formulierung verwendend, und setzte ein zögerliches "Sir ?" hinzu.

Korto nickte nur knapp. "Derselbe", antwortete er.

 

"Ähh, ich habe Befehl, Euch ins Schiff zu geleiten, Mylord. Äh….Sir.", fuhr der Truppler fort, blieb aber wie festgenagelt stehen.

"Dann führen Sie Ihren Befehl aus, Soldat !"

Der Sturmtruppler schreckte aus seiner Erstarrung auf, und nickte. "Natürlich , Mylord, Sir. Bitte folgt mir !"

 

Darth Stator betrat hinter dem Soldaten das Schiff, die Invidious. Der Soldat zeigte ihm seine Kabine und wollte sich dann schnell davonmachen, doch Stator spürte einen leisen Stich der Neugierde.

"Wie ist Ihr Name ?" fragte er unversehens.

Der Truppler erstarrte, fuhr herum und besann sich gerade noch rechtzeitig darauf, daß ein Sith-Lord ihm eine Frage gestellt hatte.

"Soldat Anson Trask, Mylord", antwortete er.

Stator spürte seine Unsicherheit. Es war noch nicht lange her, da war es ihm ähnlich ergangen.

"Sie sind neu, nicht wahr ?" fragte er plötzlich.

Der Soldat maß ihn mit flackerndem Blick. "Ja, Mylord. Neuzugang, der Joker-Squad zugeteilt."

Einige Sekunden verstrichen, während der Stator seinen Geist sondierte und spürte, daß dieser junge Mann vor kurzem eine unangenehme Begegnung mit einem ranghohen Sith gehabt hatte, die auf recht unerwartete Weise geendet hatte – nämlich mit dessen Tod.

Stator sog kurz die Luft scharf ein und nickte dem jungen Soldaten knapp zu.

"Weitermachen, Soldat."

Der Truppler salutierte und machte, daß er aus Stators Reichweite kam. Sein inneres Aufatmen war in der Macht kilometerweit zu spüren.

 

Der Sith verstaute seine Reiseutensilien, und machte es sich auf der Schlafgelegenheit bequem. Kurz darauf meldete sich per Kom der Pilot des Schiffes. "Lord Stator, verzeiht die Störung ! Ich bin Captain Drillath, der Kommandant des Schiffes. Wenn Ihr einen Wunsch verspürt, zögert nicht, es uns mitzuteilen. Die gesamte Besatzung der Invidious ist bereit, Eure Befehle zu empfangen. Drillath Ende."

"Danke, Captain", gab Stator zurück. "Außer zu den Mahlzeiten möchte ich nicht gestört werden. Informieren Sie mich eine Stunde vor Erreichen des Zielortes. Darth Stator Ende."

"Sehr wohl, Mylord. Ich wünsche einen engenehmen Flug ! Wir werden in wenigen Minuten starten."

 

Stator nutzte den Flug größtenteils zur Meditation und stimmte sich in seine neue Rolle als Sith-Lord ein. Außer den Mahlzeiten, die ihm ein Servicedroide brachte, hatte die Reise keine bemerkenswerten Erlebnisse für ihn parat.

Als ihn die Crew von der bevorstehenden Landung auf Korriban unterrichtete, war Stator schon bereit. In der Macht hatte er die dunkle Aura, die der Heimatplanet der Sith seit mehr als zwanzigtausend Jahren aufgebaut hatte, längst gespürt.

 

Korto wartete nun schon einige Zeit darauf, daß ihn Darth Wyyrlok empfing. Seit er den Weg der Sith beschritt, hatte auch sein Äußeres sich stark verändert. Nach seiner Ernennung zum Darth hatte Korto beschlossen, auch äußerlich eine Wandlung vorzunehmen. In seinem Gesicht prangten nun Tätowierungen; allerdings hatte er darauf verzichtet, seine Haut wie sonst zumeist üblich rot färben zu lassen. Zu sehr hätte ihn diese Farbe, in Verbindung mit seinen Gesichtszügen, an das Antlitz seines Vaters erinnert, welches er fast nur zornesrot in Erinnerung hatte.

Abgesehen davon hatte er es sich nicht nehmen lassen, die langen Haare und den Bart zu behalten, sowie die schwarzen Bänder, welche hineingewunden waren. Ganz wollte er seine Identität als Jabiimi nicht ablegen, wenngleich er die Zugehörigkeit zum Artasis-Clan nicht mehr offen zeigen mochte.

Seine Kleidung war schwarz, doch unter dem schweren Kapuzenmantel trug er einen Kampfanzug, der aus weitem Hemd und Hose, und einem Lederwams bestand. Sein Lichtschwert trug er traditionell am Gürtel und nicht auf dem Rücken.

Plötzlich öffnete sich die Tür, und die Stimme Krayts, der Chagrianer Darth Wyyrlok, betrat den Raum.

"Lord Stator ?" fragte die hochaufgeschossene Gestalt.

Darth Stator verneigte sich. "Ja, Mylord."

"Folgt mir !"

 

Stator betrat hinter Wyyrlok einen weiteren Raum.

"Lord Stator, ich bin von meinem …unserem Herrn, Lord Krayt, angewiesen, Euch Zugang zu den Sith-Holocronen der alten Meister zu verschaffen. Ich möchte nicht verhehlen, daß ich nicht verstehe, was meinen Meister zu dieser Entscheidung geführt hat. Doch ich werde keine Anweisung Darth Krayts in Frage stellen." Wyyrlok reichte ihm eine Datenkarte.

"Darauf sind die Zugangscodes zu den geheimen Bibliotheken. Achtet gut darauf ! Sollte ich dies in den Händen Unbefugter sehen, werde ich Euch umgehend töten !"

Damit verließ ihn Lord Wyyrlok, und Stator blieb mit dem Datenpad in der Hand zurück.

 

 

Der Orden des Einen Sith machte sich daran, seine Schreckensherrschaft auf die Galaxis auszudehnen, während sich die politische Lage immer mehr zuspitzte. Offener Krieg herrschte mittlerweile zwischen den Kräften der beiden parallel existierenden Imperien, und die Truppen der Sith im Dienste von Darth Krayt bekämpften die verbliebenen Getreuen des im Exil weilenden Imperators Roan Fel bis aufs Blut. In zahlreichen Sektoren fanden Schlachten und Scharmützel statt, sowohl auf der Oberfläche von Planeten als auch im Raum; und als wäre dies nicht genug, mischte die Galaktische Allianz – das Überbleibsel dessen, was zu Imperator Palpatines Zeiten die Rebellenallianz gewesen war und später die Armee der Neuen Republik dargestellt hatte – ebenfalls mit, auf der Schwelle zu einem möglichen Bündnis mit Fels Leuten, um der Tyrannei der Sith Einhalt zu gebieten. Die Galaxis brannte, und die Sith erhoben stolz ihr Haupt im Feuerschein, während sie Volk um Volk und Spezies um Spezies gegeneinander ausspielten.

 

Cinis' Aufgabe in dieser kriegsgeschüttelten Zeit war die Weiterleitung von Informationen über Aktionen der verbliebenen Gefolgschaft Roan Fels, die von den Sith-Truppen im Außeneinsatz gemeldet wurden. Sie war in einer untergeordneten Abteilung des Nachrichtendienstes tätig, was jedoch vollkommen ausreichte, um sie in bezug auf die Vorgänge in der Galaxis auf dem laufenden zu halten.

 

Zu der Vielzahl von Fakten und Situationsberichten gesellte sich natürlich auch die eine oder andere Halbwahrheit, sowie diverse Gerüchte. Eines davon klang besonders interessant – angeblich sollte ein Nachfahre eines alten, ehrwürdigen Jedi-Geschlechts nach siebenjähriger Abwesenheit aus dem Nichts wieder aufgetaucht sein; ein junger Mann namens Cade Skywalker, der aber offenbar recht wenig mit seinem Familienerbe anfangen konnte.

Einige vorsichtige Recherchen ergaben, daß in der Tat ein junger Mann, nur wenige Jahre jünger als Cinis, unter dem Namen Cade momentan seinen Lebensunterhalt zusammen mit zwei Mitstreitern – einem dunkelhäutigen Mann und einer attraktiven, blauhaarigen Zeltronerin – als Pirat, Schmuggler und Kopfgeldjäger bestritt. Falls es sich bei ihm tatsächlich um einen ehemaligen Jedi oder Padawan handelte, konnte er kaum weiter vom Weg der Jedi entfernt sein als in seiner jetzigen Position.

Andererseits würde es sich bei ihm dann um den Sohn von Kol Skywalker handeln, dem Leiter des Rekultivierungsprojektes nach dem schlußendlichen Bündnis mit den Yuuzhan Vong, der bei dem Angriff auf die Jedi-Akademie auf Ossus vor sieben Jahren ums Leben gekommen war – etwa zu der Zeit, als Cinis eins mit dem Sith-Orden wurde. Der damals knapp vierzehnjährige Cade war nach dem Massaker spurlos verschwunden – sein Name tauchte nicht in Darth Nihls Abschlußbericht auf; und so lag die Vermutung nahe, daß er geflohen war und sich im Verborgenen durchgeschlagen hatte, seine Vergangenheit als Jedi-Anwärter erfolgreich verschleiernd.

 

Ebenfalls lag die Annahme nahe, daß dieser jetzt auf einmal wieder in diversen Andeutungen und Fragmenten von Berichten erscheinende junge Mann – wenn er denn Träger jenes großen Namens war – sehr stark in der Macht sein würde, mindestens so stark wie seine Vorfahren, zu denen der berühmte Luke Skywalker und niemand anderes als Darth Vader selbst gehörten.

 

Es war in jenen Tagen, als sich in Cinis' Aufgabenbereich eine einschneidende Veränderung vollziehen sollte.

 

Seit einiger Zeit hatte sie sich schon gefragt, ob es nicht nun auch für sie an der Zeit war, in den Rang eines Darth erhoben zu werden. Zahlreiche Sith im Innen- und Außendienst trugen stolz ihren Titel, ohne zum inneren Zirkel um Darth Krayt zu gehören – und ohne auch nur annähernd so stark in der Macht zu sein wie Cinis. Neben ihrem regelmäßigen Training mit Darth Levouan – deren sonstige Aufgaben im Orden Cinis nicht enthüllt worden waren – und einer oder mehrerer Trainingsdrohnen standen schon seit über einem Jahr auch Übungskämpfe mit anderen Sith auf dem Programm; und sie hatte noch jeden ihrer Gegner besiegt, ob mit oder ohne Titel. Nachdem sie jedoch mit der Aufnahme in den Orden geehrt worden war, hatte Darth Krayt sie seither nicht mehr zu sich gerufen.

Sie fragte sich, was der Grund dafür sein mochte, daß ihre Ernennung noch immer ausstand, obwohl ihre Leistungen diese in jedem Falle gerechtfertigt hätten. Daß Lord Krayt unzufrieden mit ihr war, konnte nicht der Fall sein, ansonsten wäre sie sicher schon nicht mehr am Leben.

Je mehr Cinis darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher blieb nur eine Möglichkeit: Er fürchtete ihre Stärke und suchte ihren Rang bewußt niedrig zu halten.

 

Sie gehörte zu den stärksten Sith im ganzen Tempel, den inneren Zirkel einmal ausgenommen, und nur ihre Meisterin Darth Levouan vermochte sie zu bezwingen – von ihren Hieben trug Cinis regelmäßig Verletzungen davon, derer sie sich mittels Bactabehandlung wieder entledigen mußte. Ihre Arme waren voller Narben, die sie voller Stolz trug, da sie von ihrer Arbeit an der Vervollkommnung ihres Lichtschwertkampfes kündeten. Eines Tages würde der Augenblick herankommen, da sie Darth Levouan besiegen würde; und sie fragte sich, ob dann von ihr verlangt werden würde, ihre Meisterin zu töten. Natürlich würde sie den Befehl ohne Zögern ausführen; andererseits stellte Darth Levouan ein hochwertiges Kräftepotential innerhalb des Tempels dar, dessen Erhaltung zum Wohle des Ordens sich zweifellos lohnte.

Irgendwann würde Lord Krayt seine Entscheidung treffen – ob nun in bezug auf Darth Levouans Tod oder auf Cinis' Ernennung – und sie würde sich seinem Willen beugen, so wie sie es bisher getan hatte.

In diesem Moment kam ihr nicht in den Sinn, daß sich hieran in nicht allzuferner Zukunft etwas ändern könnte.

 

Cinis beendete gerade die Archivierung einer Reihe von Berichten, die verschiedene Truppenteile der Sith-Armee übermittelt hatten, als ein Servicedroide neben ihren Arbeitsplatz trat und ihr zu verstehen gab, sie solle sich umgehend ins Zentralbüro des Sith-Geheimdienstes begeben.

 

Dort war sie noch nie gewesen. Das Zentralbüro beherbergte die Leitung des Sith-Geheimdienstes unter Darth Maladi, einer hochrangigen Untergebenen von Lord Krayt; und Cinis wußte darüber nur zweierlei: daß es hochrangigen Sith und Mitgliedern des inneren Zirkels vorbehalten war, und daß ihm weiträumige Laboratorien angeschlossen waren, wo Darth Maladi ihre biochemischen Forschungen durchführte und Gefangene verhörte.

 

Sie suchte die von dem Droiden genannten Räumlichkeiten, drei Stockwerke höher, auf und wollte gerade den Summer an der am Ende des Korridors befindlichen Stahltür betätigen, als sich diese von selbst öffnete und den Blick in eine hochmodern eingerichtete Kombination aus Büro und Labor freigab. Im Gegensatz zur in fast allen anderen Räumen des Tempels vorherrschenden, gedämpft-rötlichen Beleuchtung war dieser Ort in grelles weißes Licht gebadet – Licht, bei dem man wissenschaftliche Arbeiten, Experimente und namenlose Grausamkeiten durchführte.

Cinis' Blick fiel auf einen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und Computerterminal; auf chromblitzende Tische, Regale mit allerlei technischen Gerätschaften zur Durchführung aller möglichen Arten von physikalischen und chemischen Versuchen, auf Behälter mit diversen Substanzen und unterschiedliche Arten von Laborbesteck.

 

In der Mitte dieses mitleidlos hell beleuchteten Raumes stand eine hochgewachsene Frau von herber Schönheit, die eine Aura lustvoller Grausamkeit ausstrahlte. Die schwarzen Tätowierungen auf ihrer roten Haut wiesen auf ihre devaronianische Herkunft hin: wie fast alle devaronianischen Frauen hatte sie sich die beiden kurzen Hornansätze auf der Stirn entfernen und diese dann nachtätowieren lassen. Ihre Augen waren großflächig schwarz umrahmt, und gezackte Muster liefen über ihre nackten Arme. Sie trug ein relativ schlichtes, hochgeschlossenes und ärmelloses Gewand von ruhiger Eleganz, das die Schultern und den Oberkörper betonte, in einen bodenlangen, gerade geschnittenen und nach unten ganz leicht ausgestellten Rock auslief und ihre schlanke Taille mittels eines breiten Gürtels mit großer runder Zierschnalle hervorhob. Ihr fast hüftlanges schwarzes Haar war straff zurückgekämmt, von einer Art Haube oder Diadem bedeckt, das ihr schmales Gesicht mit den hohen Wangenknochen umrahmte, und wurde durch eine Reihe exotischer Metallspangen in einen mächtigen Schweif gebändigt. Ein wenig erinnerte sie Cinis an Darth Levouan, auch wenn sie völlig anders gekleidet war; doch ihre gelbrot flammenden Augen blickten noch mitleidsloser.

Cinis wußte, daß sie es mit Darth Maladi, Mitglied des inneren Zirkels und Leiterin des Sith-Geheimdienstes, zu tun hatte; und beugte das Knie vor ihr, wie es die Ordensregeln verlangten.

Maladi musterte sie mit ausdruckslosem Blick, bevor sie befahl: "Steh auf."

 

Cinis tat wie ihr geheißen und blickte Darth Maladi erwartungsvoll an. "Ich stehe zu Eurer Verfügung, Mylady", sagte sie.

 

"Du wirst ab sofort für mich arbeiten", begann Maladi. "Ich benötige sowohl einen fähigen Mitarbeiter im Nachrichtenbüro als auch einen Agenten im Außendienst zur Aufbringung gesuchter Individuen."

Sie pausierte kurz, trat ein paar Schritte auf Cinis zu und fuhr dann fort.

 

"Du wirst weiter im Nachrichtendienst arbeiten, nur in einem Büro auf dieser Ebene, und mir ab jetzt direkt Bericht erstatten. Wenn es ferner Aufträge im Außendienst zu übernehmen gibt, wirst du sie ausführen. Du wirst auf meinen Befehl Personen requirieren und hierherbringen oder aber vor Ort eliminieren.

Ich habe dich persönlich bei Lord Krayt für diese Aufgabe vorgeschlagen. Du bist stark genug in der Macht, um sie erfüllen zu können."

 

Stolz flammte in Cinis auf. "Ich fühle mich geehrt, Mylady", sagte sie.

 

Maladi fuhr fort. "Du wirst jetzt gleich mit der Firestorm aufbrechen. Auf Ansion befindet sich ein Spion, der insgeheim für die Galaktische Allianz arbeitet und deren Bündnis mit den Gefolgsleuten des ehemaligen Imperators stärkt. Du wirst diese Person töten und nach Ausführung des Auftrages unverzüglich zurückkehren."

Sie reichte Cinis eine Datenkarte. Das Opfer war ein Gotal namens Ral Toghir, der eine scheinbar harmlose Existenz als Rohstoffhändler führte. Neben seinen Verkäufen diverser Mineralien und Gase verscherbelte er offensichtlich auch unterschiedliche Informationen, nur leider an die falsche Seite, was dazu führte, daß einige Kampfhandlungen für die betroffenen Angehörigen der Sith-Armee mit deren Tod geendet hatten. Dank Ral Toghir hatten die Allianz und Fels Mitstreiter eine Möglichkeit gefunden, sich gegenseitig zu unterstützen, und das mußte aufhören. Das Bindeglied mußte rasch und effektiv durchschnitten werden – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

"Die Firestorm ist startbereit", schloß Darth Maladi. "Ich erwarte deinen Bericht."

Damit war Cinis auf den Weg geschickt.

 

"Ja, Mylady", gab Cinis zurück, verneigte sich noch einmal und wandte sich dann ab, um rasch eine Reisetasche in ihrem Quartier zu packen und sich in den Tempelhangar zu begeben.

 

Darth Maladis Blick brannte auf ihrem Nacken, und die Haare auf ihren Armen stellten sich auf. Ihre Aufnahme in den Orden, vor gut sieben Jahren, als ihre Augen die Farbe gewechselt hatten, war das letzte Mal gewesen, als sie sich so stolz und von der dunklen Seite der Macht erfüllt gefühlt hatte wie in diesem Augenblick.

In Zukunft würde sie unter anderem Aufgaben erfüllen, die der Tätigkeit einer "Hand" Lord Krayts verblüffend nahekamen.

 

Die Reise dauerte etwas über einen Standardtag. An Bord der Firestorm, einem von einem erfahrenen imperialen Piloten geflogenen schwer bewaffneten Sith-Infiltrator, der zudem mit einem doppelten Magnetgreifer ausgestattet worden war, mit dessen Hilfe Objekte oder auch andere kleinere Schiffe ins Schlepptau genommen werden konnten, stand Cinis ein Trainingsraum mit einer Übungsdrohne zur Verfügung, so daß sie auch unterwegs ihr Lichtschwerttraining absolvieren konnte; und ihre Kabine war mit einer Meditationsmatte ausgestattet.

 

Nachdem Cinis einen Trainingskampf durchgeführt, fünf Stunden geschlafen und eine Kleinigkeit gegessen hatte, ließ sie sich in ihrer Kabine auf der Matte nieder und öffnete sich der dunklen Seite. Wie immer kam diese in einer Welle finsterer Euphorie über sie.

Cinis tat einen tiefen Atemzug und versenkte sich in die Macht. Vor ihrem inneren Auge sah sie Darth Krayts Thron, fühlte seinen starren Blick auf sich ruhen, und tiefe Hingabe erfüllte sie, Lust an der Unterwerfung unter seinen Willen. Außerhalb des Sith-Ordens gab es kein einziges Lebewesen mehr, dem Cinis Gehorsam schuldete, im Gegenteil; und ihr Stolz als Sith loderte heiß. Darth Krayt zu dienen, war ihr eine Ehre, nach der sie sich im Grunde ihres Herzens schon als Jugendliche und ganz junge Frau gesehnt hatte. Jetzt endlich, nachdem er sie von ihrem bisherigen Leben befreit hatte, schien er sich an ihre Fähigkeiten zu erinnern und sie zu Höherem zu berufen.

 

Ein Schauder durchlief ihren ganzen Körper; dann richtete sie ihre Gedanken auf die vor ihr liegende Aufgabe. Lady Maladi hatte keine besonderen Anweisungen hinsichtlich ihres Vorgehens gegeben; und sie beschloß, so rasch und unmittelbar wie möglich zu handeln.

 

Als Mitglied des Sith-Ordens erwarteten Cinis auf Ansion keinerlei Schwierigkeiten bei der Zollabfertigung. Die imperialen Beamten begegneten ihr mit furchtsamer Höflichkeit; und als sich Ral Toghirs Arbeitstag dem Ende zuneigte, betrat Cinis das Foyer des Bürogebäudes. Über ihrer üblichen Kleidung trug sie jetzt einen ihrer schwarzen Mäntel, dessen Kapuze sie übergestreift hatte. Welch unheimlichen Anblick sie bot, war am Gesichtsausdruck der Empfangsdame, einer rundlichen Menschenfrau mittleren Alters mit hochgestecktem, dunkelbraunem Haar, abzulesen, die Cinis mit aufgerissenen, schreckerfüllten Augen musterte. Für sie war es das erste Mal, daß sie mit einem Sith persönlich zusammentraf.

 

Als Cinis ihre Aufmerksamkeit ihr zuwandte, war ihr deutlich anzusehen, daß sie sich am liebsten unter ihrem Schreibtisch verkrochen hätte.

Cinis bedachte die Angestellte mit einem durchdringenden Blick. "Ral Toghirs Büro?" fragte sie knapp.

Sie mußte nicht einmal die Macht einsetzen. Die Empfangsdame, von Angst geschüttelt, reagierte sofort.

"F-fünfter Stock, Mylady. Dritte Türe rechts", stammelte sie.

 

Cinis wandte den Blick ab und ging dann zum Lift. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie die Empfangsdame erleichtert darüber, daß sie mit dem Leben davongekommen war, in sich zusammensackte und sich den Angstschweiß von der Stirn wischte. Sie würde so geschockt sein, daß sie nicht einmal daran denken würde, Alarm auszulösen. Allein die Präsenz eines Sith reduzierte manche Personen auf ein zitterndes Nichts. Gut so.

 

Im Lift gestattete sich Cinis ein dünnes Lächeln. Zum ersten Mal hatte jemand sie mit Mylady angesprochen. Sie spürte, daß sie bald den dazugehörigen Titel tragen würde.

 

Sie machte sich nicht die Mühe anzuklopfen. Auf eine lässige Bewegung ihrer Hand hin öffnete sich die Bürotüre, und Cinis trat einfach ein. Ral Toghir saß hinter seinem Schreibtisch und starrte sie entsetzt an. Cinis streifte die Kapuze zurück und ließ ihren Mantel hinter sich zu Boden fallen. Die Türe schloß sich wieder, und Toghir sprang auf. Offenbar versuchte er, hinter seinem Schreibtisch Deckung zu nehmen.

Cinis streckte die Hand aus, packte ihn mit der Macht am Kragen und zwang ihn vor das Möbelstück.

 

"Ihr – seid eine Sith…" stieß er auf Basic hervor, in dem Versuch, das unbegreifliche Offensichtliche in Worte zu fassen.

Statt einer Antwort hakte Cinis ihr Lichtschwert vom Gürtel und zündete es. Ral Toghir war zu sehr vor Entsetzen gelähmt, um sich zur Wehr setzen zu können; und so beendete im nächsten Moment ein brutal geschwungener Bogen der summenden roten Klinge Cinis' Auftrag.

 

Keine zwei Standardminuten später verharrte Cinis auf einem Knie vor dem Abbild Darth Maladis, das aus dem tragbaren Holoprojektor vor ihr emporwuchs. Mit einer Hand hielt sie den abgeschlagenen Kopf Ral Toghirs in den Übertragungsbereich.

"Mylady", sagte Cinis und verneigte sich. "Mein Auftrag ist erfüllt."

 

Die Firestorm nahm Cinis auf, um sie zurück nach Coruscant zu bringen.

Darth Maladi empfing sie mit einem anerkennenden Nicken. "Wenn dein nächster Einsatz stattfindet, wirst du es rechtzeitig erfahren. In der Zwischenzeit geh wieder an deine Arbeit."

 

Eine ganze Weile wechselten sich der normale Tagesablauf im Tempel, bestehend aus Sport, Meditation, Aufklärungsarbeit für Lady Maladi und Übungskämpfen mit Darth Levouan sowie verschiedenen anderen Sith, mit diversen Außeneinsätzen ähnlicher Natur ab. Cinis erfüllte ihre Aufgabe voller Stolz, tötete die ausgewählten Opfer ohne mit der Wimper zu zucken, oder nahm sie gefangen, um sie anschließend Verhör und Folter in Lady Maladis Labor auszuliefern. Sie empfand keine Skrupel. Wenn sie nicht rechtzeitig diesen Weg gegangen wäre, hätte das Leben mit ihr angefangen, was sie jetzt anderen antat.

 

Die dunkle Seite durchdrang sie umso stärker in dem Maße, wie sie ihre Befehle ausführte und gleichzeitig ihre Kampfkunst weiter verbesserte. Das einzige, was sie noch nicht für sich erschlossen hatte, war das Schleudern von Sith-Blitzen – aber sie war überzeugt, daß sie auch jene Fertigkeit noch erlernen würde. Während ihrer Meditationen konzentrierte sie sich immer wieder darauf, jene tödliche Energie freizusetzen; bisher war lediglich ein paarmal eine Korona bläulicher Funken um ihre Fingerspitzen getanzt.

Cinis spürte, daß sie sich der dunklen Seite noch weiter öffnen mußte, und sie war entschlossen, vollkommen mit ihr eins zu werden, zumal sie fühlte, daß sie auf dem richtigen Weg war.

 

 

Eine in Schwarz gekleidene Gestalt stand im Saal mit den geheimsten Aufzeichnungen der Sith. Darth Stator setzte sich auf den Boden, stellte das Holocron von Darth Bane vor sich auf den Boden, und aktivierte es.

Eine großgewachsene Gestalt mit organisch anmutendem Brustpanzer und martialischem Helm manifestierte sich vor ihm.

 

"Lord Bane !" sprach Stator die Erscheinung an.

"Wer bist du ?" zischte das Hologramm.

"Ich bin Darth Stator, vom Orden des Einen Sith".

 

"Ah, du bist einer der Diener des Schwindlers !"

"Mein Meister ist kein Schwindler, er ist der oberste Sith !" protestierte Stator.

 

"Der oberste Sith…." wiederholte Banes Hologramm. "Es sollte nur zwei Sith geben. Den Meister, der die Macht verkörpert, und den Schüler, der die Macht anstrebt. Nicht mehr, nicht weniger", dröhnte die Stimme Banes.

"Je mehr Sith es gibt, umso schwächer sind sie im einzelnen. Dein Lord Krayt hat das Erbe der Sith verraten, indem er zu viele von ihnen erschuf !"

 

"Aber er hatte eine Vision: die ganze Galaxis ein Sith !"

"Dummkopf !", fauchte Bane. "Die Vision des Einen Sith ist eine Lästerung. Ein Sith strebt nach Macht, nicht nach Gehorsam ! Ich habe damals all meine Kraft eingesetzt, um die Abscheulichkeit der Sith-Bruderschaft auszulöschen. Ich habe den Titel Darth nach langer Zeit wieder eingeführt, und nur zwei haben zur gleichen Zeit das Recht, sich Darth zu nennen."

 

Stator wurde nachdenklich.

"Eure Lehren sind interessant, aber nicht das, wonach ich suchte."

Er deaktivierte das Holocron und verließ die Bibliothek.

 

Darth Krayt schien schon so oft persönlich auf die Holocrone zurückgegriffen haben, daß diese ihn nun schon kannten. Es schien Stator unmöglich, aus den aktivierten Holocronen Informationen zu bekommen, die ihn weiterbrachten. Besonders die der großen, mächtigen Sith waren mit einer bemerkenswert lebendigen Präsenz ihrer Schöpfer versehen, die Stator nur noch erstaunte. Diese Holocrone schienen tatsächlich einen Teil des Bewußtseins ihres Erschaffers zu verkörpern.

Darth Stator ahnte, daß die Methode, die er bisher angewandt hatte, nicht zum Erfolg führen würde.

 

Vier verkommene Subjekte eilten durch die engen Gassen von Nar Shaddaa. Ihr Job waren all die Dinge, mit denen anständige Leute nichts zu tun haben wollten, aber für die sie nicht selten gut zahlten. Gemeiner Meuchelmord war ihre Spezialität, besonders, weil er danach wie ein normaler Raubmord aussah.

Drakk und seine Leute waren sich für keine Gemeinheit zu fein, doch in letzter Zeit liefen die Geschäfte nicht mehr ganz so gut. Die Schwarze Sonne erledigte ihre Dinge selbst, und das Imperium wurde von den Sith kontrolliert. Und die brauchten weder Heimlichkeit noch die Fähigkeiten anderer, wenn sie es darauf abgesehen hatten, jemanden zu eliminieren.

 

"Hey, Drakk, Captain, wo geht es denn hin ?" wagte einer der Gefolgsleute zu fragen.

"Das geht dich nichts an, Gobbo!" schnappte Drakk. "Ich habe ein gutes Geschäft am Haken, und das ist momentan alles, was du wissen mußt !"

"Oh Mann, du machst wieder auf geheimnisvoll", maulte der mit Gobbo Angeredete. "Und diese Jobs sind immer schiefgegangen."

 

"Halt's Maul, du stinkender Sack voll Nerfmist ! Ich habe einen Job an der Angel, der uns genug Creds einbringt, um von diesem Misthaufen von einem Mond wegzukommen, ist das klar ?"

"Jaja," brummelte Gobbo. "Wäre nur nett, wenn wir vorher was erfahren würden, als dann knietief in Banthapoodoo zu hocken."

 

"Du bist so dumm, wie deine Mutter häßlich ist", blaffte Drakk. "Wir treffen uns mit einem Typen, der die Taschen voller Credits hat, und für den wir einen kleinen Job erledigen sollen. Wir müßten gleich da sein."

 

Drakk schaute sich um, wurde für einen Moment unsicher.

Aus dem Dunkel trat urplötzlich eine Gestalt in einem schwarzen Mantel. Den vier Spießgesellen stockte der Atem.

 

"Oh, beim verkarkten Mond !" stöhnte Gobbo. "Das ist ein Sith…" Das letzte Wort flüsterte er nur noch.

"Halt dein Maul, du Murglak" zischte Drakk, ging auf den Sith zu und verneigte sich.

 

"Ich grüße Euch, Mylord !"

Die dunkle Gestalt winkte ab.

"Ich habe einen Auftrag für euch. Ihr sollt für mich einen Mann erledigen, der mir im Weg ist. Jegliche Spur, die zu mir führt, ist zu vermeiden. Am besten, es sieht wie ein Raubüberfall aus."

 

"Das ist unsere Spezialität, Mylord," erwiderte Drakk unterwürfig.

"Gut", antwortete der Sith. "Sehr gut !"

 

"Wer ist die…Zielperson ?" fragte Drakk.

 

"Es ist ein Mensch, der so gekleidet ist, wie ich. Er nennt sich Darth Stator."

 

"Wir sollen einen Sith killen ?" hauchte Gobbo erstaunt.

 

"Ich sagte, du sollst dein vorlautes Maul halten !" zischte Drakk aus dem Mundwinkel.

 

"Er ist kein echter Sith, er gibt sich nur für einen solchen aus. Ich möchte, daß Ihr ihn erledigt. Das ist alles." Er warf einen Beutel mit Creditchips vor die Füße Drakks.

 

Der Anführer der Meuchelmörder hob den Beutel auf und wog ihn bedächtig.

"Wo soll das Unternehmen stattfinden ?"

"Auf Tatooine !" antwortete der dunkle Lord. "Er wird sich nach einem Händler namens Drey'sya erkundigen."

 

"Auf Tatooine ?" fragte Drakk erstaunt. "Das kostet uns aber etliches, dorthin zu kommen."

Ein zweiter Beutel mit Credits landete vor den Füßen der Bande.

 

"Das dürfte genügen", brummte der Sith. "Ich brauche euch sicher nicht zu sagen, was mit euch geschieht, wenn ihr versagt."

 

"Neinnein, Mylord, ganz sicher nicht", beeilten sich alle vier Verbrecher zu beteuern.

"Gut."

 

Mit diesem Wort verschwand der Sith wieder in den Schatten.

 

"Also, wenn du mich fragst, Drakk, Captain, für mich klingt das wie ein Haufen Nerfmist."

"Dich fragt aber keiner, Gobbo !"

"Der Typ war ein verkarkter Sith, und wir sollen einen anderen verkarkten Sith umlegen. Ich hab' von diesen Typen gehört, die können dich mit einer Handbewegung plattmachen ! Und du willst einem von denen das Licht auspusten ?"

 

"Er ist kein richtiger Sith", antwortete Drakk.

"Woher willst du das wissen ?"

"Unser Auftraggeber hat's gesagt."

Langsam aber sicher war Drakk von Gobbos ewigem Genörgel reichlich genervt.

 

"Und du glaubst das ?"

"Warum sollte er lügen ?" fragte Drakk zurück.

Gobbo lachte kurz auf. "Der Typ war ein verkarkter Sith. Die lügen einem die Zähne aus dem Maul, wenn du nicht aufpaßt."

Drakk fuhr herum, packte Gobbo am Kragen, und zischte: "Wenn du nicht aufpaßt, verarbeite ich dich zu Rancorfutter, du Sohn eines Gornts. Wir haben einen Job und werden dafür bezahlt."

 

Drakk ließ Gobbos Kragen los. "Und wir werden unseren Job ausführen, und wenn dir das nicht paßt, kannst du verschwinden !"

 

"Ist ja schon gut, Chef, Captain", grummelte Gobbo. "Ich habe nur ein ganz mieses Gefühl bei der Sache."

 

 

Eine von Cinis nächsten Missionen barg einen weiteren interessanten Hinweis. Sie hatte den Auftrag erhalten, eine von den Sith gesuchte Zielperson bei einer imperialen Auffangstation in der Stadt abzuholen, welche dort ausgeliefert worden war, nachdem ein Kopfgeldjäger sie seinem Agenten übergeben hatte. Es handelte sich um einen Bothaner namens Hosk Trey'lis. Cinis hatte den Namen noch nie gehört und gab nichts darauf, denn das war bei einigen ihrer Aufträge der Normalzustand. Im Rahmen ihrer Recherchen bekam sie zwar sehr viel mit, aber letztendlich wurde auch ihr gegenüber ein gewisses Maß an Geheimhaltung aufrechterhalten, wenn Lady Maladi oder ein anderes hochrangiges Mitglied des Ordens dies wünschte.

 

Sie machte sich mit einem der kleinen tempeleigenen Shuttles, die für den innerstädtischen Verkehr auf Coruscant vorgesehen waren, auf den Weg zu der Behörde, wo man sie bereits erwartete.

 

Der Offizier, der sie empfing, verbeugte sich höflich vor ihr. "Hier entlang, Mylady."

Cinis folgte ihm und genoß den Respekt, der ihr entgegengebracht wurde.

Sie erreichten das Büro des verantwortlichen Kommandeurs, und als Cinis das Namensschild an der Tür sah, setzte ihr Herz kurz einen Schlag aus.

Offenbar hatte Faruk Heysz, ihr ehemaliger Vorgesetzter aus einer Zeit, als sie noch Agentin Eskell gewesen war, einen Schritt die Karriereleiter hinauf getan, denn kein anderer befand sich in dem Büro.

 

Heysz trat rasch hinter seinem Schreibtisch hervor und verbeugte sich ebenfalls vor Cinis. "Ich stehe zu Eurer Verfügung, Mylady", sagte er. "Der Gefangene wird Euch sofort übergeben." Er gab seinem Untergebenen einen Wink, worauf dieser sich rasch in Richtung Zellenblock entfernte.

 

Als Heysz Gelegenheit hatte, Cinis einen Moment lang zu betrachten, erstarrte er. Seine Augen weiteten sich ungläubig, als er in der vor ihm stehenden Sith seine ehemalige Agentin erkannte, die vor gut sieben Jahren überraschend ihren Dienst quittiert hatte. Jetzt wußte er, warum.

 

Heysz nahm seinen ganzen Mut zusammen. "Kenne ich Euch, Mylady ?" fragte er vorsichtig.

 

Cinis warf ihm einen kurzen Blick zu und gab dann knapp zurück: "Nicht mich. Was Ihr zu kennen glaubt, Kommandeur Heysz, ist mein früheres Selbst. Die Person, die Ihr als Trin Eskell kanntet, existiert nicht mehr."

 

Dann wandte sie sich von ihm ab, und Faruk Heysz zog es vor, fortan zu schweigen. Einen Sith zornig zu machen, war nicht die beste Idee, die man haben konnte.

 

Wenige Augenblicke später kehrte der untergeordnete Offizier mit dem Gefangenen zurück. Der Bothaner sah heruntergekommen aus; seine Kleider waren in Unordnung, sein Fell zerzaust und sein Körper ungewaschen. Seine Augen blickten müde, und er schenkte Cinis keine große Aufmerksamkeit. Seine Hände waren gefesselt, und er wirkte durch und durch wie jemand, der schon eine ganze Weile in einer Zelle gesessen hat und sich dem Ende seiner Ressourcen nähert. Doch dies war nur der optische Eindruck. Als Cinis ihn betrachtete, traf es sie wie ein Schlag. Die Macht, die zwischen ihr und dem Bothaner pulsierte, brachte ihr Blut zum Kochen und ließ nur einen einzigen Schluß zu.

Hosk Trey'lis war ein Jedi.

 

Er spürte, wie die Sith seine Verbundenheit mit der Macht empfing; und einen Moment trafen sich ihre Blicke.

 

Cinis wandte sich noch einmal an Heysz. "Wer hat ihn ausgeliefert ?" fragte sie.

 

"Ein Pirat und Mittler für Kopfgeldjäger namens Rav", gab Heysz zurück. "Ein Feeorin, der auf Socorro residiert und von dort seine Geschäfte abwickelt."

 

Cinis nickte kaum merklich. Eine letzte Frage drängte sich auf ihre Lippen. "Welcher von Ravs Kopfgeldjägern hat ihn ausgeliefert ?"

"Ein gewisser Cade", antwortete Heysz.

 

Ein Puzzleteilchen schien sich unmerklich an den ihm vorbestimmten Platz zu fügen. Jetzt war klar, warum Lady Maladi den Bothaner hatte aufbringen lassen.

Darth Krayt wollte ihn haben, weil er argwöhnte, daß es sich bei jenem Cade tatsächlich um den ehemaligen Jedi-Anwärter Cade Skywalker handelte und er nun versuchte, an Informationen über diese Person heranzukommen.

Warum, das konnte Cinis allerdings nicht beurteilen.

 

Cinis nahm Hosk Trey'lis an Bord des Transporters, ohne ein weiteres Wort zu verlieren; und kaum eine Standardstunde danach begann für ihn die Folter in Darth Maladis Labor.

 

Was wollte Darth Krayt von dem vermeintlichen Jedi-Nachfahren, der mit seiner Vergangenheit offenbar gründlich abgeschlossen hatte ? Sie gab sich alle Mühe, etwas herauszufinden, aber alle diesbezüglichen Recherchen ihrerseits, die zu einer hilfreichen Spur hätten führen können, endeten in blockierten Datenkanälen. Alles was zu erkennen blieb, war, daß die betreffenden Informationen willkürlich blockiert worden waren – und zwar von Darth Wyyrlok, dem Berater und Vertrauten von Lord Krayt.

 

Hier war etwas Großes im Gange – und Cinis spürte, daß sie über kurz oder lang daran teilhaben würde.

 

 

Nach umfangreichen Studien der Sith-Holocrone, die bei weitem interessanter waren als die fragmentarischen Artefakte, mit denen er früher zu tun hatte, begab sich Darth Stator in seine Unterkunft. Er ließ sich einen kleinen Imbiß kommen, und versenkte sich dann in Meditation, um die Informationen des Tages zu verarbeiten. Er hatte die Erfahrung gemacht, daß er oftmals dadurch zu Erkenntnissen über die studierten Aufzeichnungen kam, die er während der Untersuchungen nicht erlangen konnte. Doch kurz darauf leuchtete sein Holoprojektor auf.

Die Gestalt von Lord Krayt erschien. Stator beugte das Knie vor seinem Meister. "Mylord !" hauchte er.

"Darth Stator!" ertönte die Stimme des obersten Sith, "ich möchte, daß Ihr so schnell wie möglich zu mir kommt. Es eilt."

"Ja, Meister", antwortete Stator.

 

Das Hologramm verblaßte, und Stator machte sich reisebereit. Der Befehl Krayts kam ihm nicht ungelegen. Er wollte sowieso die Holocrone, die sich schon im Sith-Tempel befanden, konsultieren.

Er wies Vondyr an, die Holocrone, die für ihn besonders wichtig erschienen, demnächst nach Coruscant überführen zu lassen.

Darth Vondyr schien überrascht. "Diese Artefakte waren immer auf Korriban, weshalb sollen sie nun von hier fortgeschafft werden ? Was wird Lord Wyyrlok dazu sagen ?"

 

"Wir alle leben und sterben, wie Lord Krayt es befiehlt, Lord Vondyr. Und wie alle Sith, die dem Drachen die Treue geschworen haben, tun wir alles, um seinen Willen zu befolgen. Ich tue das. Lord Wyyrlok tut das, und ich bin sicher, auch Ihr, Lord Vondyr, tut das. Der Sith-Tempel auf Coruscant ist nun das Herz des Ordens. Und dort sollten auch die wichtigsten Artefakte der Sith verwahrt werden. Ich bin mit dem Studium der Artefakte betraut, und meine Zeit ist knapp. Ich kann nicht dauernd zwischen Coruscant und Korriban hin- und herfliegen."

 

Darth Vondyr verneigte sich vor Stator, was diesem fast etwas peinlich war, war der Quarren doch einige Zeit sein direkter Vorgesetzter. "Ich werde Lord Krayts, und Eurem, Willen entsprechen, Lord Stator."

"Danke, Lord Vondyr. Stellt sicher, daß die Artefakte", und damit gab er dem Quarren eine Liste, "unbeschadet auf Coruscant eintreffen."

Die beiden Sith verneigten sich voreinander, und Stator verließ Vondyr, die Bibliothek, Korriban.

 

Eine weitere Raumreise von Korriban ins imperiale Zentrum später kniete Darth Stator vor seinem Meister. Dieser saß zusammengesunken auf seinem Thron und blickte auf seinen neuen Diener nieder. "Erhebt Euch, Lord Stator !" befahl Krayt.

Stator stand auf.

 

"Lord Stator," begann der Imperator, "ich habe Informationen darüber, daß ein Händler auf Tatooine ein Sith- Artefakt in seinem Besitz hat. Der besagte Händler ist ein Bothan mit Namen Drey'sya. Ich möchte, daß Ihr noch zur Stunde dorthin aufbrecht, das Artefakt sichert, und wenn nötig, den Bothan eliminiert. Habt Ihr verstanden ?"

Stator nickte bedächtig. "Ja, Mylord. Ich breche unverzüglich auf."

 

Krayt entließ ihn mit einer ungeduldigen Kopfbewegung.

 

 

Als Darth Stator das Schiff verließ und auf die Straßen von Mos Eisley trat, schlug ihm sofort die brütende Hitze des Wüstenplaneten entgegen. Er griff tief in die Macht und verschaffte seinem Körper etwas Kühlung. Dadurch wurde seine Aufmerksamkeit auf einen Mann gerichtet, der scheinbar unbeteiligt am Straßenrand herumlungerte. Stator ging auf ihn zu und sprach ihn an.

 

"Der Händler Drey'sya. Ein Bothan. Wo finde ich ihn ?"

"Drey'sya ?" fragte die Person zurück. "Natürlich. Ich führe Euch zu ihm, Herr !"

Dienstbeflissen stand er auf und bedeutete Stator, ihm zu folgen.

 

"Verdammt Drakk, Captain" ertönte die ewig nörgelnde Stimme Gobbos. "Der Typ sieht aus wie ein verkarkter Sith, bewegt sich wie ein verkarkter Sith, und ich möchte der uneheliche Sohn eines Banthatreibers sein, wenn das nicht ein verkarkter Sith ist."

 

"Halt den Mund, Gobbo," antwortete Drakk. "Sieh nur, wie er auf die Schauspielerei von Clyss hereingefallen ist. Wer so leichtgläubig ist, kann kein Sith sein. Ein Sith spürt eine Lüge, bevor du sie ausgesprochen hast. Und der Typ ist Clyss sofort auf den Leim gegangen. Clyss führt ihn in unseren Hinterhalt, und dann…." Grinsend fuhr er mit der Hand horizontal an seiner Kehle entlang. "Leicht verdientes Geld, Gobbo ! Leicht verdientes Geld."

Drakk faßte Gobbo an den Schultern. "Und wenn das klappt, kommt vielleicht noch mehr von diesem Sith, wer weiß ?"

"Ich habe immer noch ein mieses Gefühl !" grummelte Gobbo.

"Ach was, komm jetzt, und laß uns unseren Job erledigen !"

Immer noch grummelnd, folgte Gobbo seinem Boss.

 

"Es ist nicht mehr weit, Herr," dienerte die Person, die sich ihm als Clyss vorgestellt hatte, "nur noch wenige Schritte."

Stator spürte eine Falle, doch wenn dies eine Falle war, führte sie sicher zum Ziel. Er spielte den Ahnungslosen und folgte der Kreatur, die sich Clyss nannte.

Die Gassen wurden immer enger, und plötzlich fand sich Stator mit seinem Führer in einer Sackgasse wieder. Mit einem Male veränderte sich das Verhalten seines Führers, er drehte sich zu Stator um und zog einen Blaster aus seinem Gewand.

Diesen richtete er auf Stator, und im selben Moment hörte der Sith von hinten eine Stimme:

"Beweg dich nicht, dreh dich nicht um, bleib einfach so stehen !"

 

Darth Stator versenkte sich in die Macht, und stellte fest, daß zwei weitere Angreifer hinter ihm standen. Ein vierter versteckte sich hinter dem Müllhaufen etwa zwei Meter links von ihm.

Im richtigen Moment sprang er, verstärkt durch die Macht, nach oben, als zwei Blaster zu feuern begannen. Sein Führer und einer der beiden, die gerade noch hinter ihm standen, brachen zusammen. Sie hatten sich gegenseitig erschossen.

Stator landete nun hinter Drakk und entwaffnete ihn mit einem Machtgriff. Die dunkle Wolke, die er schon von früheren Momenten kannte, ergriff wieder sein Bewußtsein. Und diesmal fühlte es sich gut an. Er ging langsam auf Drakk zu.

"Captain, spring !" tönte plötzlich ein Ruf. Stator wußte, daß es der Mann hinter dem Müllberg war, und sah aus dem Augenwinkel einen weiteren Blaster auf sich gerichtet. Mit der rechten Hand drückte er mittels Machtgriff Drakk an die Wand, und mit der linken schleuderte er Sith-Blitze in Richtung des vierten Angreifers. Die Blitze waren nicht tödlich, so gut war Stator auf diese Entfernung noch nicht, doch sie brachten den Mann zumindest dazu, die Waffe fallen zu lassen. Der Strolch stand auf und rannte in panischer Angst weg. Er kam nicht weit. Mit einem Knacken brach sein Genick und er stürzte auf groteske Art zu Boden.

 

Darth Stator ging auf Drakk zu. Dieser lag am Boden und versuchte vergeblich, sein Entsetzen zu verbergen.

"Wo ist Drey'sya ?" fragte Stator.

Drakk röchelte. "Es gibt keinen Drey'sya. Es war eine Falle !"

"Von wem gestellt ?"

"Ich weiß nicht, wie er heißt. Es war ein Sith wie Ihr."

Stator lächelte finster. "Gut für dich, daß du die Wahrheit gesagt hast, ansonsten hätte ich dich mit Vergnügen getötet."

Drakk schien kurz aufzuatmen.

"So tue ich es nur aus Notwendigkeit !" Und bevor Drakk etwas entgegnen konnte, brach auch sein Genick unter dem furchtbaren Machtgriff des Sith.

 

Stator verließ die Gasse, verließ den Planeten. Irgendjemand würde dafür bezahlen müssen. Nun mußte er nur noch herausfinden, welcher Sith ihm nach dem Leben trachtete.

Ein weiteres Mal lächelte Stator finster. Irgendwie freute er sich darauf.

 

 

Als Cinis eines Tages den Trainingsraum betrat, um ihren täglichen Übungskampf zu absolvieren, prallte sie überrascht zurück. Weder Darth Levouan noch ein anderer der rangniederen Sith erwartete sie, sondern jemand, mit dem sie nie gerechnet hätte.

Dort drinnen in Bereitschaft stand niemand anderer als Darth Nihl, die "Hand" von Lord Krayt – oder vielmehr, eine seiner beiden "Hände", denn vor kurzem hatte sich ihm eine junge Twilek-Frau zur Seite gesellt, die sich diesen Aufgabenbereich mit Lord Nihl teilen sollte – worüber dieser, wie man hörte, nicht erbaut war.

 

Ein paar Sekunden starrte Cinis Lord Nihl fassungslos an, dann kniete sie nieder, um ihn zu grüßen. Er neigte leicht den Kopf, fixierte sie mit seinen dunkelroten Augen; und sein langes schwarzes Haar fiel nach vorne, als er mit einer raschen Bewegung seinen Lichtspeer aus dem Rückenhalfter löste und aktivierte. Mit einer Hand bedeutete er ihr, sich zu erheben.

 

"Es ist mir eine Ehre, gegen Euch kämpfen zu dürfen, mein Lord", sagte Cinis ehrfürchtig und brachte ihr eigenes Schwert in Bereitschaft.

 

Ohne Vorwarnung sprang Darth Nihl vorwärts und holte aus. Cinis konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen; und obwohl sie mit einem flinken, machtunterstützten Sprung einen beträchtlichen Abstand zwischen sich und ihren Gegner brachte, trafen die Klingen ihrer Waffen noch aufeinander. Die Luft war erfüllt vom roten Flackern der Energieklingen und dem Dröhnen und Summen, das sie abgaben. Nihl drehte den Speer in den Händen, schwang ihn herum und traf Cinis vorne an der Schulter. Nur ihr Brustpanzer rettete sie vor einer Verletzung. Sie tat einen weiteren Sprung und versuchte, Lord Nihl zu treffen, doch er brachte sich scheinbar mühelos außer Reichweite.

 

Cinis merkte bald, daß sie alles geben mußte, um diesen Trainingskampf – den härtesten, den sie je gehabt hatte – in einem Stück zu überstehen. Nihl setzte ihr unbarmherzig zu; der Schweiß lief ihr in die Augen, und sie begann trotz ihrer Verbundenheit mit der dunklen Seite zu ermüden. Sie hatte kaum Angriffschancen und mußte unglaublich viel Kraft und Geschick zu ihrer Verteidigung aufwenden. Wäre sie nicht so stark in der Macht gewesen, wäre sie schon jetzt längst reif für eine langwierige und intensive Behandlung im Bactatank.

Nihl schien dies zu spüren, denn er trieb sie immer mehr in die Enge. Und schließlich geschah es. Er brachte Cinis mit einem gezielten Vorstoß aus dem Gleichgewicht, und sie stürzte rücklings zu Boden. Leichtfüßig sprang er auf sie zu, holte mit dem Speer blitzschnell aus, und Cinis riß reflexartig eine Hand in einer abwehrenden Geste nach oben. Mehr konnte sie in diesem Augenblick auch nicht tun, denn ihr Schwert war beim Sturz zu Boden gefallen.

 

Plötzlich erfüllte für einige Sekunden blaues Feuer den Raum. Blitze zuckten aus Cinis' Fingern und warfen Lord Nihl einige Meter zurück. Er keuchte überrascht auf, als er gegen die Wand prallte und sein Lichtspeer von seiner vermeintlich leicht zu bezwingenden Gegnerin wegschwenkte.

Dann war es vorbei; doch die wenigen Momente hatten Cinis genügt, um auf die Beine zu kommen und ihr Schwert in ihre Hand springen zu lassen. Sie stürmte auf Darth Nihl zu, der sich seinerseits gerade noch rechtzeitig in Kampfhaltung brachte; und in diesem Augenblick verfehlte ihre Klinge nur um Haaresbreite seinen Körper.

 

Nihl riß die Augen auf, drehte sich zur Seite, stieß Cinis mit einer Hand weg und holte noch einmal mit dem Speer aus. Diesmal traf er. Auf Cinis' Arm erschien eine langgezogene Wunde mit rauchenden Rändern, die so heftig blutete, wie ein Lichtschwerttreffer dies erlaubte.

Der Schmerz biß in ihren Arm wie ein wütender Nexu. Diese Verletzung war schlimmer als alles, was ihr Darth Levouan, trotz der vielen blutigen Schnitte, die sie davongetragen hatte, jemals zugefügt hatte. Sie konnte einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken, als sie auf die Knie und dann der Länge nach zur Seite stürzte. Ihr Schwert rollte in eine Ecke. Und im nächsten Moment war Darth Nihl über ihr. Er setzt ihr einen Fuß auf die Brust – und ließ die Spitze seiner Klinge einen Zentimeter vor ihrer Kehle verharren.

 

Das Dröhnen in Cinis' Ohren kam nicht allein von der über ihr schwebenden Klinge. Sie war am Ende ihrer Kräfte, starrte empor zu Lord Nihl, der nicht einmal ins Schwitzen gekommen war, und empfand brennenden Zorn über ihre Niederlage, während sein triumphierender Blick auf ihr ruhte.

Und doch – trotz allen Zorns – fühlte sie gleichzeitig auch eine Art finsteren Triumphs tief in sich. Sie hatte es bis zu diesem Punkt geschafft; hatte einen Trainingskampf gegen einen der stärksten und härtesten Sith des inneren Zirkels geführt und – nicht zu vergessen – zum ersten Mal erfolgreich die Sith-Blitze eingesetzt. Sie war sich sicher, daß sie dies in Zukunft bewußt würde wiederholen können.

Darauf würde sie stolz sein, ganz egal, was jetzt geschah.

 

"Tötet mich, wenn Ihr wollt, mein Lord", preßte Cinis durch zusammengebissene Zähne hervor.

 

Zum ersten Mal hörte sie Darth Nihl sprechen.

 

"Nein", sagte er.

 

Seine Stimme klang rauh und erstaunlich leise - die Stimme eines perfekten Attentäters, der gelernt hat, zuzuschlagen, ohne viele Worte zu machen und der sich schon vor langer Zeit abgewöhnt hatte, laut zu sprechen.

Mit einem Zischen schaltete sich der Lichtspeer ab, und das rote Glühen vor Cinis' Augen verschwand.

 

"Du bist zu wertvoll."

 

Mit diesen Worten wandte Darth Nihl sich um und verließ den Trainingsraum, seinen Lichtspeer in der Rechten.

 

Langsam, stöhnend, richtete Cinis sich auf, ließ ihr Schwert in ihre Hand gleiten und schaltete es ab. Sie griff in die Macht, um den Schmerz zu lindern, der in ihrem Arm tobte. Die Wunde war tief, aber nicht zu tief – wohlberechnet, so sah es fast aus.

 

Sie empfand eine überwältigende Mischung aus langsam verrauchendem Zorn, körperlicher Qual und wildem Stolz. Sie hatte gegen Darth Nihl gekämpft – ja, er hatte sie besiegt, aber das war kaum anders zu erwarten gewesen. Viel wichtiger war, daß sie einen Moment lang eine echte Chance gehabt hatte; eine Stärke gezeigt hatte, die ihr bisher verschlossen geblieben war. Sie hatte Darth Nihl beeindruckt, und er hatte ihr noch in ihrer Niederlage eine große Ehre erwiesen.

Sie würde die von seinem Hieb zurückbleibende Narbe mit besonderem Stolz tragen.

 

Mühsam erhob sich Cinis, um sich in die Medistation zu begeben und ihren malträtierten Arm in einem der bereitstehenden Bactaquariums zu baden.

 

Zwei Tage später, als Cinis' Wunde so gut wie verheilt und sie von einem kurzen Requirierungsauftrag auf Coruscant selbst wieder in den Tempel zurückgekehrt war, ertönte der Summer an ihrer Tür, gerade als sie aus der Dusche kam und sich auf ihre Meditation vorbereitete. Sie öffnete die Tür mit derselben lässigen Handbewegung wie seinerzeit in Ral Toghirs Büro, und einer der zahlreichen kleinen Servicedroiden, die sich im Tempel um die profanen Aufgaben des Lebens – hauptsächlich Reinigungsarbeiten und Küchendienst – kümmerten, rollte herein. Auf dem kleinen Display an seinem Rumpf erschien in grünlichen Leuchtbuchstaben der Text PERSÖNLICHE NACHRICHT FÜR SIE – ABSPIELEN JA / NEIN?

Cinis schloß die Tür und sagte dann halblaut: "Ja."

 

Der Droide spulte den Rest der Botschaft ab. Sie war kurz und lautete lediglich KLEINE HALLE IN DREISSIG STANDARDMINUTEN. Von wem sie kam, war nicht ersichtlich. Alles, was Cinis ihr zu entnehmen vermochte, war, daß es sich um eine offizielle Angelegenheit handelte – was seltsamerweise im krassen Gegensatz zu der heimlichtuerischen Methode stand, die dazu verwendet worden war, ihr die Nachricht zu übermitteln.

Im Gegensatz zum großen, repräsentativen Thronsaal, in dem Darth Krayt sie in den Orden aufgenommen hatte und in welchem er auch externe Besucher empfing, war die Kleine Halle ein Audienzraum von etwa der halben Größe des Thronsaals, in dem offizielle, aber ordensinterne Angelegenheiten abgewickelt wurden. Dort war beispielsweise Darth Talon, die vor nicht allzulanger Zeit von Lord Krayt als seine zweite "Hand" erkorene Twilek-Frau, eben diese Aufgabe übertragen worden. Auch interne Strategiebesprechungen fanden dort statt; so war Darth Wyyrlok, der Vertraute von Lord Krayt, dort relativ oft mit seinem Herrn anzutreffen; und auch Darth Krayts Entscheidungen pflegten dort verkündet zu werden. Abgesehen davon jedoch war einer der Hauptzwecke der Kleinen Halle deren Nutzung für die Erhebungszeremonie eines gewöhnlichen, rangniederen Sith in den Rang eines Darth, also eines Dunklen Lords oder einer Dunklen Lady – dem Sith-Äquivalent zu dem, was die Jedi als "Meister" zu bezeichnen pflegten.

 

Sie wurde nicht schlau aus dem Ganzen. Daß sie in die Kleine Halle gerufen wurde, konnte auf der einen Seite nur bedeuten, daß Lord Krayt endlich befunden hatte, sie zur Sith-Lady zu machen. Andererseits, warum rief er sie nicht hochoffiziell zu sich ? Warum diese Geheimniskrämerei; warum der Droide mit seiner verschlüsselten Botschaft ?

 

Cinis wandte sich noch einmal dem Droiden zu. "Nachricht wiederholen", befahl sie.

Ein paar Lichter am Rumpf des Droiden blinkten auf. Auf dem Display erschienen die Worte KEINE NACHRICHT VORHANDEN – SPEZIFIZIEREN SIE. Nach einigen Sekunden erschien darunter die Zeile SPEICHER GELÖSCHT.

Kopfschüttelnd sah sie dem Droiden nach, wie er kehrtmachte und ihr Quartier durch die rechtzeitig geöffnete Tür verließ.

 

Als Cinis die Kleine Halle betrat, lag diese in rötlichem Halbdunkel. Zusätzlich zu den düsterroten Leuchtpaneelen brannten an ihren Wänden die synthetischen Fackeln, die von den Sith so gerne zur Schaffung einer mystischen Atmosphäre benutzt wurden. Der Raum war leer bis auf eine Markierung fast in dessen Mitte.

Cinis trat bis zu diesem Punkt vor, kniete nieder und harrte mit gesenktem Kopf der Ankunft von Lord Krayt.

 

Wispernd öffnete sich nach einigen Minuten die Türe, und sie hörte Schritte auf sich zukommen. Deren Klang machte sie stutzig. Sie hörten sich seltsam leicht an; gar nicht so wie der schwere, fast dröhnende Gang Darth Krayts mit seiner ausladenden Rüstung. Und die Resonanz, die sie in der Macht spürte, stimmte ebenfalls nicht. Dies war nicht Lord Krayt.

 

Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag, als sie plötzlich fühlte, wer da vor sie getreten war; im selben Moment, als jene leise, rauhe Stimme die ersten Worte des Sith-Codes in die Leere der Kleinen Halle sprach.

 

"Frieden ist eine Lüge."

 

Sie hob den Kopf und starrte Darth Nihl ungläubig an, während dieser ausdruckslos auf sie herabblickte und einfach weitersprach.

 

"Es gibt nur Leidenschaft.

Durch Leidenschaft erlange ich Kraft.

Durch Kraft erlange ich Macht.

Durch Macht erlange ich den Sieg.

Der Sieg zerbricht meine Ketten."

 

Cinis lief es eiskalt den Rücken hinunter. Sie schluckte und versuchte, Haltung zu bewahren, konnte jedoch den Blick nicht mehr von seinen roten Augen abwenden, als Lord Nihl ohne ein Wort der Erklärung fortfuhr.

 

"Ich verleihe Euch hiermit den Titel eines Darth und erhebe Euch in den Rang einer Dunklen Lady der Sith.

Erhebt Euch, Darth Cinis."

 

Sie war wie gelähmt. Was sie schon die ganze Zeit erwartet hatte, nun war es eingetreten – und doch anders als erwartet.

 

Irgendwie gelang es ihr, auf die Beine zu kommen und stand nun Angesicht in Angesicht mit Lord Nihl – nicht mehr als einfache Sith, sondern als fast Gleichrangige. Ab sofort würde sie nur noch vor Lord Krayt knien müssen – vor den Mitgliedern des inneren Zirkels würde es nunmehr genügen, sich kurz zu verneigen. Und die rangniederen Sith, mit denen sie es bisher zu tun gehabt hatte, würden sich in Zukunft ebenfalls vor ihr verneigen müssen.

Sie genoß den Gedanken. Eine wilde Hochstimmung ergriff von ihr Besitz - auch wenn sie verstand, daß es vorerst doch notwendig sein würde, ihren Titel noch nicht offiziell zu führen, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

 

"Ihr ehrt mich, Lord Nihl", sagte sie und neigte noch einmal kurz den Kopf.

Darth Nihl musterte sie eine Weile schweigend und schien befriedigt darüber, daß sie keine weiteren Fragen stellte.

 

"Folgt mir", sagte er schließlich und wandte sich zur Tür. Dort verharrte er ein paar Sekunden, wie um zu erspüren, ob sich auch niemand im Korridor aufhielt. Dann öffnete sich das Portal, und sie traten nach draußen in den nicht viel heller erleuchteten Gang. Durch die Fensterfront konnte man die Wolkenkratzer von Coruscant sehen, und Tausende von Lichtern glitzerten in den nächtlichen Abgründen der Riesenstadt – ihr Strahlen spiegelte sich in Cinis' Stolz wider, der in ihr flammte. Ein Beobachter hätte mit Schrecken registriert, wie ihre Augen in gelbrotem Feuer glühten.

 

Auf ihrem Weg durch die Korridore des Tempels begegneten sie niemandem, nicht einmal einem Servicedroiden wie jenem, der nach Übermittlung seiner Botschaft seiner Wege gerollt war. Die Türe, vor der sie schließlich innehielten, war die von Lord Nihls Quartier.

Er öffnete sie rasch, und sie traten ein. Hinter Cinis versiegelte er die Türe mit einer Handbewegung, dann sagte er unvermittelt "Ich habe mit Euch zu reden."

 

Nihl trat zur Seitenwand, löste seinen Lichtspeer aus seinem Rückenhalfter und plazierte ihn in der dort angebrachten Halterung. "Ihr könnt Euch sicher denken, wer Euch Euren neuen Tätigkeitsbereich verschafft hat", begann er.

 

Cinis fing langsam an zu begreifen. Als läse er ihre Gedanken, erklärte er: "Lady Maladi hat Euch bei Lord Krayt für den neuen Posten vorgeschlagen, das ist wahr. Aber sie tat es auf meine Empfehlung hin.

Was Ihr bisher nicht wußtet, ist, daß Lord Krayt schwer krank ist. Sein Körper verfällt, so daß er immer wieder längere Zeit in Stasis verbringen muß. Je rascher dieser Verfall um sich greift, desto krampfhafter versucht er, seine Macht zu bewahren.

Dies ist auch der Grund dafür, warum er so verzweifelt auf der Suche nach jenem Jungen ist – Cade Skywalker, der Sohn und Padawan des Kol Skywalker, den ich vor sieben Jahren auf Ossus tötete, und von dem das Gerücht geht, er verfüge über besondere Kraft. Cade Skywalker mag sich von seiner Jedi-Vergangenheit abgewandt haben, aber die Macht ist stark in ihm; und was Lord Krayt ganz besonders wichtig ist: er soll angeblich Heilkräfte besitzen, die weit über die Fähigkeiten normaler Personen, selbst machtbegabter, hinausgehen. Daher ist er, wie es scheint, Lord Krayts einzige Hoffnung."

 

Cinis fühlte sich, als ob in ihr weitere kleine Puzzleteile sich zu einem Ganzen zusammenfügten. "Ich verstehe", sagte sie.

 

Lord Nihl sprach weiter.

"Solange er aber Cades noch nicht habhaft geworden ist, der ihn ein für allemal von dem Übel, das ihn befallen hat, befreien könnte, wird Lord Krayt mit aller Macht – und mit Hilfe seines engsten Vertrauten, Lord Wyyrlok - versuchen, seine Position zu halten und sich gegen alle Einflüsse zu verteidigen – und dies betrifft auch Mitglieder des Sith-Ordens, die für seinen Geschmack ein wenig zu stark und unabhängig sind. Wie mich. Oder Lady Maladi, durch deren Intrigenspiel zu blicken er manchmal Mühe zu haben scheint.

Oder Euch."

 

Er pausierte kurz, stützte sich mit den Händen auf die Arbeitsplatte seines Schreibtisches und fuhr dann fort.

"Was glaubt Ihr wohl, warum er Euch nicht schon längst in den Rang einer Lady erhoben hat, obwohl es Euch gebührte ? Euch beobachte ich schon eine ganze Weile, und Ihr seid genau der Typ Sith, der Lord Krayt auf lange Sicht gefährlich werden könnte.

Ich strebe danach, mich abzusichern und bereit zu sein, wenn Lord Krayt sich eines Tages dazu entschließen sollte, mich zu beseitigen. Er legt Wert auf meine Dienste – noch. Daß er es aber für nötig befand, mir eine zweite "Hand" zur Seite zu stellen, zeigt mir, daß ich ihm nicht mehr genüge und er irgendwann in nicht allzuferner Zukunft meiner überdrüssig werden könnte – und das, obwohl er mich mit brutalsten Mitteln in seinen verläßlichen Diener und Vollstrecker geschmiedet hat, als er mich annahm."

 

Cinis lauschte gespannt, als Lord Nihl nach einer kurzen Pause weitersprach.

 

"Wie Ihr bin auch ich nicht auf Korriban geboren und ausgebildet. Ich war ein Kriegsherr auf Nagi, bevor der Weg der Sith der meine wurde. Mein Volk lag im ständigen Kampf mit Invasoren, und nur mir hat meine Heimatwelt die ersten Siege in permanenter Unterdrückung zu verdanken.

Lord Krayt spürte von fern meine Stärke und bemächtigte sich meiner. Ich ging mit ihm, ließ mein Volk im Stich und schwor, ihm zu dienen. Als Dank für meine Unterwerfung folterte er mich in der Umarmung der Schmerzen, um jegliches Gefühl für andere Wesen in mir abzutöten. Dies ist ihm gelungen – bis auf mich selbst."

 

Von jener barbarischen Methode, welche ursprünglich die Yuuzhan Vong benutzten, hatte Cinis schon gehört. Das Opfer wurde in lebendige Fesseln gelegt, stunden-, oft tagelang, die desto mehr grauenvolle Schmerzen am ganzen Körper bereiteten, je mehr es versuchte, sich herauszuwinden. Es gab keine andere Möglichkeit, als sich den Schmerzen und seiner Wut zu öffnen, sie bewußt durch sich fließen zu lassen, bis man dazu bereit war, seinem Peiniger bedingungslos zu dienen. Das perfekte Werkzeug für einen Sith.

 

"Ich habe geschworen, ihm zu dienen, so wie Ihr", sprach Lord Nihl weiter. "Aber ich bin mir selbst zu wertvoll, um mich ganz aufzugeben. Als er mich aus der Umarmung der Schmerzen befreite, war ich ein anderer, und in meiner Wut ging ich hin und tötete die Einwohner eines gesamten Dorfes – einfach so. Ich war stolz darauf, seine "Hand" zu sein; und solange er mit mir vollauf zufrieden war, sah ich in ihm den Sinn meines neuen Lebens als Sith. Doch mich von ihm einfach beiseitestoßen zu lassen, dazu bin ich nicht gewillt. Wenn es dazu kommt, daß Darth Krayt danach strebt, mich und Lady Maladi zu vernichten, will ich bereit sein – und gegen ihn kämpfen.

Und hier kommt Ihr ins Spiel."

Er blickte Cinis aufmerksam an.

"In Eurer Position – welche ich Euch vermittelt habe - habt Ihr bereits Einblick in Bereiche, die anderen Ordensmitgliedern verschlossen bleiben. Ich benötige jemanden, der für mich Informationen beschafft und Beobachtungen macht. Jemanden, bei dem dies nicht auffällt, da es seine Aufgabe ist, dies jeden Tag im Dienste von Lord Krayt zu tun.

Lady Maladi und ich können dies nicht selbst erledigen – es würde Lord Krayt mißtrauisch machen. Wenn Ihr aber für mich und sie arbeitet, könnten wir ein Bündnis eingehen, wenn es zum Ernstfall kommt; wenigstens fürs Erste."

 

Cinis nickte. "Ihr habt recht, Mylord", sagte sie. "Wenn all das stimmt, was Ihr sagt, dann könnten wir tatsächlich in Gefahr sein, zumindest in der Zukunft. Und auch wenn mein Dienst an Lord Krayt mein Lebensinhalt ist, bin ich ebenfalls daran interessiert, mich vor Verrat zu schützen. Lieber bin ich die erste, die Verrat übt. Wir sind Sith, oder, Mylord ?"

 

Darth Nihl gestattete sich ein grimmiges Lächeln. "Gut, daß Ihr die Dinge ebenso seht – sonst hätte ich Euch nämlich jetzt töten müssen."

 

Er ging um den Schreibtisch herum und blieb neben seinem Bett stehen.

 

"Ich will, daß Ihr meine Augen und Ohren in Richtung von Lord Krayt seid. Innerhalb Eurer Tätigkeit wird es sicher nicht auffallen, wenn Ihr auch tempelinterne Informationen überprüft – wie zum Beispiel Aufzeichnungen von Lord Wyyrlok. Wenn Ihr morgen an Euren Arbeitsplatz zurückkehrt, wird Lady Maladi Euch eine Datenkarte geben, auf der sämtliche Zugriffscodes verzeichnet sind, die Ihr braucht. Zur Tarnung werdet Ihr auch in den Tempelakten weiterhin nicht mit Eurem neuen Rang geführt werden.

Wenn Euch etwas Ungewöhnliches oder Alarmierendes auffällt, setzt Ihr Lady Maladi umgehend davon in Kenntnis. Versucht nicht, mich persönlich zu kontaktieren. Seid versichert, ich werde davon erfahren."

 

Cinis neigte den Kopf. "Ich werde mit Euch zusammenarbeiten, Lord Nihl."

 

Nihl nickte kurz zum Zeichen ihrer Übereinkunft und schwieg dann. Cinis wartete vergeblich darauf, daß er ihr bedeutete, sie könne jetzt gehen.

Statt dessen sah sie, wie er seinen Schulter- und Brustpanzer löste und auf dem Tisch ablegte.

 

Während er sich auch seiner restlichen Kleidungsstücke entledigte, bedeutete er ihr, näherzutreten.

"Kommt her."

 

Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie begriff – und im nächsten Augenblick spürte sie das süße Ziehen körperlichen Verlangens in ihrem Unterleib.

Ohne ein Wort zu sagen, legte auch sie Brustpanzer und Kleidung ab, während ihr Körper sich nach der Berührung zu sehnen begann.

Bisher war ihr Leben im Sith-Tempel in bezug auf körperliche Leidenschaft relativ ruhig verlaufen und keineswegs so sexuell spektakulär wie in den Gerüchten, die im Volksmund kursierten. Der hauptsächliche Unterschied zu den Jedi in dieser Hinsicht war im Grunde der, daß die Sith zu ihrer Begierde standen anstelle sie zu unterdrücken. Wenn es sich ergab, daß sie von Cinis Besitz ergriff, machte sie davon Gebrauch und genoß sie, sofern die Situation es erlaubte – ob nun allein, oder ab und zu mit einem anderen Sith – in medizinischer Hinsicht waren die Ordensmitglieder rundum abgesichert.

Die körperliche Zusammenkunft bedeutete nicht, daß man eine gefühlsmäßige Bindung einging – im Gegenteil, die eigene Lust wurde dazu benutzt, sich der dunklen Seite, die ja für Leidenschaft und intensive Gefühle stand, noch weiter zu öffnen. Während die Jedi durch Meditation die Intensität ihrer Empfindungen zu sublimieren und zu verringern suchten und den Fluß der Macht eher als Mittel zum inneren Ausgleich nutzten, erregte einen Sith die Berührung der Macht, psychisch und oft auch körperlich. Nicht selten endete eine Sith-Meditation mit einem Orgasmus.

 

Was Cinis allerdings jetzt empfand, war stärker als alles bisher. Lord Nihl brachte eine bisher unbekannte Begierde in ihr zum Brennen, und sie spürte, wie die Macht durch ihr Blut rauschte, sie nachgiebig werden ließ und in ihr den unbändigen Wunsch weckte, von ihm genommen zu werden.

 

Einige Augenblicke musterten sie beide gegenseitig ihre nackten Körper, dann trat sie zu Darth Nihl, der mit untergeschlagenen Beinen – fast in Meditationshaltung – auf seinem Bett Platz genommen hatte. Sie kniete sich über seinen Körper und versenkte ihren Blick in seine tiefroten Augen, als seine Hände ihre Brüste umfaßten und sanft drückten. Cinis konnte ein Stöhnen nicht zurückhalten; und auch Nihl gab sich dem Fluß seines Verlangens hin. Seine Hand glitt zwischen ihre Beine – vorsichtig, um zu vermeiden, sie mit seinen langen, klauenartigen Nägeln an ihrer empfindsamsten Körperstelle zu verletzen – und kostete sacht von ihrer Feuchtigkeit.

Cinis öffnete die Schenkel weit und genoß die Lust, die ihr seine Berührung bereitete. Mit der anderen Hand griff Nihl nach oben und umfaßte ihren Nacken, zog sie zu sich und küßte sie. Ganz Sith, ließ er sie und sich selbst eine Weile in Leidenschaft brennen und drückte sich von unten rhythmisch an sie, ohne ganz in sie einzudringen.

Lange hielt er der Erregung jedoch nicht mehr stand, die wie flüssiges Feuer in ihm tobte. Seine Hände glitten über Cinis' Gesäß, dann umfaßte er plötzlich mit festem Griff ihre Hüften, zog sie auf sich und füllte sie aus.

 

Cinis stieß einen leisen Schrei aus, als Lord Nihl sich mit ihr vereinigte. Er atmete schwer, und seine Augen waren halb geschlossen; und als sie ihrer beider Vergnügen mit kreisenden Hüften intensivierte, begann er hemmungslos zu stöhnen, während sie mit einer Hand nach unten griff und sich selbst zusätzlich mit einer Fingerkuppe reizte.

 

Wie schon öfters, wenn Meditation in sexuelles Verlangen umschlug, griff Cinis in die Macht und benutzte sie dazu, ihre Erregung zu steigern, als etwas geschah, was sich in dieser Form noch nie ereignet hatte. Auf einmal spürte sie nicht nur ihre eigene Lust, sondern auch die von Lord Nihl, lodernd, machtvoll, heiß – und dies schien ebenfalls wechselseitig stattzufinden. Er öffnete die Augen weit und zwang ihre Lippen noch einmal auf die seinen; und sie genoß es, von ihm in festem Griff gehalten zu werden, als sie spürte, daß er seinen Höhepunkt nicht mehr lange würde zurückhalten können.

Mit einemmal glitten seine Hände auf ihren Rücken, und im nächsten Moment spürte sie, wie seine Krallen sich in ihre Haut gruben. Sie konnte nicht anders, sie mußte schreien – vor Schmerz, vor Lust; und in dem Moment, als sie ihr Blut herabrinnen fühlte, gab sie sich Darth Nihl vollkommen und restlos hin, auf eine Art und Weise, die bisher ausschließlich Lord Krayt vorbehalten gewesen war. Zum zweiten Mal stieß sie jene Worte hervor, die ihr auch bei ihrer Prüfung durch Darth Krayt über die Lippen gekommen waren.

"Ich gehöre Euch, mein Lord."

Dann riß ihr Orgasmus sie mit sich, und im nächsten Augenblick tat Lord Nihl es ihr nach.

 

Sie erwachten wie aus einer Trance. Darth Nihls Blick war verschleiert, als Cinis sich langsam von seinem Körper erhob. Schweiß und Blut bedeckten ihre Haut; und auch Nihls Haar war schweißfeucht. Unendlich langsam löste er seine Hände von ihr und sog die Luft durch die Zähne ein.

 

"Dient mir, und wir können einander nützlich sein, um uns zu schützen, wenn es zum Letzten kommt", sagte er, noch immer ein wenig atemlos. "Ich habe es genossen, mich mit Euch zu vereinigen, und dies wird nicht das letzte Mal sein. Jetzt wascht Euch, zieht Euch an und geht in Eure Unterkunft." Seine Augen glühten im Halbdunkels des Raumes.

 

Cinis tat wie ihr geheißen, während Lord Nihl, noch immer nackt, sich genüßlich auf dem Bett räkelte und sie beobachtete. Sie reinigte sich in der Erfrischungszelle seines Quartiers – die Kratzwunden auf ihren Schulterblättern hatten aufgehört zu bluten - und legte Kleider und Brustpanzer wieder an.

 

Als sie schließlich bereit war, zu gehen, fiel sie, ungeachtet ihres neuen Ranges, vor ihm auf die Knie. Es bereitete ihr Vergnügen, sich ihm zu unterwerfen – so intensiv, wie sie dies bei Lord Krayt empfunden hatte. Und doch war es anders. Darth Krayt bedeutete ihr Leben, ihren Dienst an ihm, ihre Hingabe. In Darth Nihl trafen sich Blut, Lust und Obsession.

Und Nihl spürte, was in ihr vorging, denn er lächelte wieder dieses grimmige, kalte Lächeln, als er sie betrachtete.

 

"Ich stehe zu Eurer Verfügung, Mylord", flüsterte Cinis und berührte mit der Stirn seinen ausgestreckten Fuß. Dann erhob sie sich und verließ Lord Nihls Quartier, um in ihr eigenes zurückzukehren.

 

Viel Schlaf fand sie nicht in der restlichen Nacht, denn die Begegnung mit Lord Nihl loderte in ihr nach wie ein außer Kontrolle geratenes Feuer. Sie lag mit ausgebreiteten Armen auf ihrem Bett und spürte dem Band nach, das er in der Macht zwischen ihnen geschaffen hatte.

Interessanterweise spürte sie noch mehr. Ein ganz ähnliches Band, zwischen Nihl und Lady Maladi – nur daß in dieser Vision er derjenige war, der blutete…

Wirre Träume nahmen sie gefangen.

 

Als sie am nächsten Tag nach der üblichen Absolvierung ihres morgendlichen Sportpensums und einem leichten Frühstück ihren Arbeitsplatz in dem Büro neben Lady Maladis Labor einnahm, überreichte diese Cinis die angekündigte Codekarte.

 

"Gebt gut darauf acht", sagte Maladi warnend. "Weder Lord Krayt noch Lord Wyyrlok dürfen ahnen, daß Ihr Zugriff auf geheime Daten habt. Ich habe dafür gesorgt, daß Ihr fürs erste in diesem Raum alleine arbeiten könnt."

Cinis nickte, nahm die Karte in Empfang und begann mit ihren Nachforschungen.

 

Als erstes vertiefte sie sich in Darth Krayts Vergangenheit, um mehr darüber herauszufinden, was mit ihm geschehen war. Mit Hilfe der Codes fand sie Zugriff zu internen Aufzeichnungen von Lord Wyyrlok, die ihr Dinge eröffneten, an die sie nicht einmal im Traum gedacht hätte.

Sie fand heraus, daß Lord Krayt schon sehr, sehr lange am Leben war – weit über hundert Standardjahre und die natürliche Lebensspanne eines Menschen hinaus, selbst für ein langlebiges Exemplar. Einst, noch vor der Machtübernahme durch Imperator Palpatine, in den sogenannten Klon-Kriegen, war Lord Krayt ein Jedi gewesen, ein Mensch namens A'Sharad Hett, der bei den Tusken auf Tatooine aufgewachsen war und sich selbst lange Zeit für einen Tusken gehalten hatte. Er hatte Seite an Seite mit Anakin Skywalker gekämpft, der später der Dunklen Seite erlegen und zu Darth Vader geworden war.

Nun begriff Cinis auch, warum Darth Krayt in ihren Träumen, in denen er sich ihr gezeigt hatte, ihr immer zuerst im Gewand eines Tusken erschienen war, bevor sie ihn in seiner ganzen finsteren Pracht der Vong-Rüstung sah.

 

In den späteren Wirren nach der Machtübernahme durch Imperator Palpatine, als der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi Anakin Skywalkers Sohn, der bei Verwandten auf einer Feuchtfarm auf Tatooine heranwuchs, vor Gefahren zu schützen suchte, war das Verhängnis über A'Sharad Hett hereingebrochen. Er hatte das Pech gehabt, sich mit seinem Tusken-Clan zu nahe an besagte Feuchtfarm heranzuwagen, worauf Obi-Wan Kenobi erschien und ihn, als er sich nicht einfach wegschicken ließ, zum Kampf forderte. Hett unterlag, verlor seinen rechten Arm und wurde von den Tusken verstoßen. Entehrt und heimatlos führte er fortan ein Leben als Kopfgeldjäger, bis er bei der Verfolgung eines Opfers auf Korriban landete. Dort geriet er, stark in der Macht, aber verzweifelt und verbittert, unter den Einfluß der Präsenz von XoXaan, einer Mitbegründerin des ursprünglichen Sith-Ordens, und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Hett öffnete sich der Dunklen Seite, und die Saat der Sith begann in ihm aufzugehen.

 

Als die Neue Republik aus dem Trümmern von Palpatines Imperium erstand und die Yuuzhan Vong in die Galaxis einfielen, geriet Hett in ihre Gewalt. Sie nahmen ihn an Bord ihres Scoutschiffes und folterten ihn in der Umarmung der Schmerzen. Damit nicht genug, ersetzten sie sein linkes Auge durch eine ihrer Kreaturen sowie seinen fehlenden rechten Arm durch ein Vong-Implantat und pflanzten ihm auch ihre Korallensamen ein – genau jene, die jetzt seinen langsamen inneren Verfall vorantrieben.

Inmitten des unmenschlichen Griffs der organischen Vong-Folterbank, als Hett sich bewußt Entsetzen und Schmerz hingab, empfing er schließlich seine Vision des Neuen Sith-Ordens, mit ihm als Darth Krayt – in Anlehnung an seine Tusken-Vergangenheit benannt nach dem gefährlichsten Raubtier auf Tatooine, dem Krayt-Drachen - an der Spitze.

Irgendwann hatte er so viel Kraft durch die Dunkle Seite gesammelt, daß ihm die Flucht gelang und er nach Korriban zurückkehrte, um seine Vision Schritt für Schritt zu verwirklichen.

Den Jedi A'Sharad Hett gab es nicht mehr. Der Sith-Lord Darth Krayt war aus seiner Asche erstanden und gierte nach Macht.

 

Er überließ die Galaxis dem Leid, das die Yuuzhan Vong über sie brachten und begann statt dessen, Anhänger um sich zu sammeln. Darth Wyyrlok I. wurde zu seinem Berater und Vertrauten, der auch dafür sorgte, daß Darth Krayt immer wieder längere Zeit in Stasis verbringen konnte, was seine Lebensspanne beträchtlich verlängerte, trotz der ihm durch die Vong eingepflanzten Korallensamen. Der Einfluß des neuen Sith-Ordens wuchs langsam, über die Jahre hinweg – und als der Krieg mit den Yuuzhan Vong beendet war und das Imperium unter Roan Fel die Macht ergriff, befand Darth Krayt, daß es Zeit war, nun seinerseits vollständig ins Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Den Rest der Geschichte kannte Cinis – es war Teil ihrer eigenen.

 

Doch damit nicht genug. Ihre Recherchen ergaben ferner, daß Darth Krayt nicht nur verzweifelt danach strebte, Cade Skywalkers habhaft zu werden, damit dieser ihn mit Hilfe seiner ihm innewohnenden Heilkräfte von seinem Leiden befreien und Krayt damit ermöglichen sollte, die Umsetzung seiner Vision des Einen Sith weiter zu vervollkommnen, ohne vom baldigen Tod bedroht zu sein.

Parallel zu seiner Suchaktion bediente er sich eines seiner Untergebenen, den Cinis als den Jabiimi erkannte, den sie ab und zu in dem Großraumbüro ihres früheren Arbeitsplatzes, bevor sie damit begonnen hatte, direkt für Lady Maladi zu arbeiten, sowie im Meditationsraum gesehen hatte. Sie erinnerte sich mit lustvollem Erschauern, daß sie mit ihm vor längerer Zeit, als ihre Versenkung in die Dunkle Seite sich einmal mehr in Begierde verwandelte, schon einmal eine körperliche Begegnung gehabt und diese sehr genossen hatte.

 

Es versetzte ihr einen leichten Stich der Eifersucht, daß dieser Mann seinen Titel als Darth ganz selbstverständlich trug, während sie ihren im geheimen führte und nach außen noch immer als gewöhnliche Sith niederen Ranges auftreten mußte. Er hieß Darth Stator und nahm eine äußerst wichtige Aufgabe wahr, die ihn von seinem bisherigen Arbeitsplatz weggeführt und direkt Lord Krayt selbst unterstellt hatte. Offenbar war Lord Stator ein Spezialist für mit Magie behaftete Sith-Artefakte und Holocrone. Seine Aufgabe war es, für Lord Krayt derartige Objekte zu suchen, zu requirieren und sie auf ihr Potential bezüglich einer möglichen Heilung seines Meisters zu untersuchen.

Bisher waren diese Untersuchungen erfolglos geblieben, was Darth Krayt nur noch mehr anspornte. Stator, dessen früherer Name Korto Artasis lautete, war ursprünglich in einer untergeordneten Position als eine Art Bibliothekar in den großen Archiven des Sith-Tempels auf Korriban tätig gewesen, bis er vor einigen Jahren von Krayt abberufen worden war und auf Coruscant eine Sith-Ausbildung einschließlich Lichtschwerttraining erhalten hatte. Gleich nach deren erfolgreichem Abschluß war er zum Lord ernannt worden und hatte damit begonnen, seine Spezialaufgabe für Darth Krayt zu erfüllen.

 

Interessanterweise fand sich in der Menge von Daten ein Hinweis darauf, daß Darth Wyyrlok scheinbar nicht allzu glücklich über die Ernennung Lord Stators war. Dies ließ den loyalen Vertrauten von Lord Krayt in einem ganz anderen Licht erscheinen. Strebte Wyyrlok im geheimen etwa selbst nach der absoluten Macht?

Lady Maladi – und damit auch Lord Nihl – würde diese Information gewiß sehr schätzen.

 

Cinis wußte nicht recht, wie sie Stator einordnen sollte. Sie hatte nach wie vor keinerlei Angaben darüber, wo sich sein Quartier befand (ihre körperliche Zusammenkunft seinerzeit hatte in Cinis' Räumen stattgefunden) oder an welchem Ort des Tempels genau er arbeitete.

Sie nahm sich vor, ihn, wenn sie ihn das nächste Mal im Meditationsraum antraf, zu einem Trainingskampf zu fordern, um seine Stärke zu testen, und sich, sofern möglich, mit ihm zu unterhalten; ganz unverbindlich. Sie konnte jederzeit vorgeben, sich von ihm angezogen zu fühlen – es entsprach der Wahrheit.

 

Eine Standardwoche verging, doch von Lord Stator fehlte jede Spur; und auch Cinis' Nachforschungen bezüglich der Pläne Darth Krayts stagnierten. Selbst die geheimen Zugriffscodes lieferten keine bahnbrechenden Neuigkeiten – was im Prinzip darauf hindeutete, daß ihre Auftraggeber und sie selbst vorübergehend noch relativ sicher waren.

 

Eines Tages jedoch entnahm sie dem System, daß Lord Krayts zweite "Hand", Darth Talon – eigentlich auf der Jagd nach der Tochter Roan Fels, Prinzessin Marasiah, um den abgesetzten Imperator aus der Reserve zu locken - offenbar Cade Skywalker und seine Begleiter zusammen mit der Prinzessin auf Vendaxa ausfindig gemacht hatte. Es war zu einem Kampf gekommen, in welchem sich Skywalkers Widerstandskraft als größer als erwartet herausgestellt hatte. Darth Talon hatte Verstärkung angefordert, und als Folge hiervon war Lord Nihl überraschend und ohne vorherige Planung nach Vendaxa abberufen worden, was bedeutete, daß er einige Tage nicht im Tempel geweilt hatte.

Nun, dies war öfter der Fall; als Lord Krayts "Hand" hatte Darth Nihl zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Es war nur wichtig, möglichst vorab zu wissen, wann er nicht unmittelbar erreichbar sein würde, um einschätzen zu können, wann sich im Fluß der Informationen im Rahmen ihrer geheimen Zusammenarbeit ab und zu kleinere Verzögerungen ergeben könnten.

 

In diesem Zusammenhang war es natürlich hochinteressant, Nihls Einsatzplan für die kommende Woche zu sehen: Offenbar stand eine gemeinsame Mission auf dem Planeten Melkenda mit Darth Stator auf dem Programm, bei der es nicht um die Auslöschung von Lord Krayts Feinden ging, sondern darum, Stator, dessen Stärke mehr als im Kampf in seinen besonderen Fähigkeiten bezüglich Sith-Artefakten lag, als Krieger zu unterstützen. Es war offensichtlich, daß Lord Nihl diese Begegnung sehr entgegenkommen würde, da sie ihm die Möglichkeit bot, mehr über Lord Krayts "Sabacc im Ärmel" herauszufinden.

Sie mußte ihn unbedingt näher kennenlernen.

 

An diesem Nachmittag unterlag Darth Levouan beim Lichtschwerttraining mit Cinis vollkommen.

Der Kampf war zunächst wie immer verlaufen, doch dann hatte Cinis einen entscheidenden Treffer gelandet, der Levouans Panzerung durchschlug und sie so schwer verletzte, daß sie mit einem Schrei auf den Rücken stürzte und ihr Schwert aus ihrer Hand gerissen wurde. Verzweifelt schleuderte sie eine Ladung Blitze auf Cinis, die diese jedoch reflexartig mit ihrer Klinge parierte.

Da wußte Darth Levouan, daß ihre Zeit als Cinis' Meisterin vorüber war.

 

Der Kampf wies verblüffende Ähnlichkeit mit jenem auf, den Darth Nihl gegen Cinis geführt hatte, nur mit vertauschten Rollen. Cinis stürmte vor, und an Darth Levouans starrrem Blick bemerkte sie, daß diese sich darauf vorbereitete, zu sterben.

So wie Lord Nihl es mit ihr getan hatte, hielt Cinis kurz vor dem tödlichen Schlag inne und ließ ihre ehemalige Meisterin in das Gleißen ihrer Klinge blicken. Darth Levouan schluckte, unsicher, was nun geschehen würde.

 

"Lady Levouan", sagte Cinis nach einigen Augenblicken, "Lord Krayt hat mich bisher nie angewiesen, Euch zu töten, wenn ich Euch im Kampf endlich einmal besiegen würde. Ich werde mich an seine Befehle halten und Euch die Möglichkeit geben, Eure Aufgabe im Orden des Einen Sith weiter zu erfüllen."

Sie schaltete ihr Schwert ab, und Darth Levouan setzte sich vor Schmerz stöhnend auf. Sie blickte zu Cinis auf, nickte leicht und sagte dann: "Wir alle leben und sterben, wie Lord Krayt es befiehlt. Sein Wille ist unser Wille."

 

Sie erhob sich mühsam, die Hand auf ihre Lichtschwertwunde gepreßt, musterte Cinis einen Moment lang und bemerkte dann: "Ihr habt das Zeug zur Lady. Es steht mir nicht zu, die Entscheidungen von Lord Krayt in Frage zu stellen, aber ich verstehe nicht, warum Ihr nicht längst Darth Cinis seid".

 

"Wenn die Zeit gekommen ist, wird Lord Krayt diesen Schritt sicher tun", antwortete Cinis, während sie insgeheim dachte: 'Wenn Ihr wüßtet. Hier laufen offenbar einige Dinge nicht ganz so, wie sie sollten.'

Darth Levouan nickte wieder, kam dann auf die Beine und verneigte sich kurz vor Cinis, die den Gruß erwiderte. Sie trennten sich nicht mehr als Meisterin und Schülerin, sondern als Ebenbürtige.

Von nun an würden die Trainingskämpfe kein Teil einer Ausbildung mehr sein, sondern nur noch der permanenten Übung und Vervollkommnung dienen.

 

In dieser Nacht träumte Cinis von Lord Stator. Sie konnte sich hinterher nicht an Details erinnern, aber sie empfand das Lodern der Macht, als einmal mehr Lust von ihr Besitz ergriff.

Sie spürte, daß dieser Mann schon bald eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen würde.

 

 

"Eine Falle, sagt Ihr", entgegnete Darth Krayt auf den Bericht seines Dieners. "Seid Ihr sicher ?"

 

"Ziemlich sicher, Mylord" antwortete Stator. "Der Mann war in einer Situation, in der man nicht mehr lügt."

"Es hat ihm nichts genützt, würde ich sagen", erwiderte Krayt.

 

"Sein Leben war verwirkt, in dem Moment, in dem er es wagte, einen Sith anzugreifen."

"Gut gesprochen, Lord Stator. Und ein Sith hat den Auftrag erteilt, Euch zu töten ?"

"So sagte der Mann. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Leute seiner Art einen echten von einem falschen Sith unterscheiden können."

 

Krayt schaute Stator lange an, bevor er schließlich in nachdenklichem Tonfall sagte: "Stellt sich nur die Frage, wer außerhalb des Sith-Ordens Euch so gut kennt, daß er meint, Ihr könntet ihm gefährlich werden."

"Das war auch mein Gedanke, Mylord" entgegnete Stator.

 

"Vielleicht könnt Ihr mir nützlicher sein, als ich zunächst dachte", sinnierte Darth Krayt. "Wenn sich der Zorn meiner Gegner auf Euch fokussiert, kann ich sie vielleicht besser erkennen."

"Ich bin Euch stets zu Diensten, Mylord. Auch als Lockvogel."

Ein heiseres Lachen kroch aus Krayts Kehle. "Ich nehme Euer Angebot an, Lord Stator, obwohl Ihr mir für eine solche Aufgabe…fast zu schade seid."

 

Krayt stand abrupt auf, und Stator, der nun zu seinem Meister aufblicken mußte, war ein weiteres Mal fasziniert von Krayts Ausstrahlung. "Doch lassen wir diese Intrigen vorerst. Ich habe eine neue Mission für Euch, aber vorerst begebt Euch in den Hintergrund des Saales, und macht Euch so unsichtbar in der Macht, wie Ihr es vermögt."

Stator verneigte sich, und tat, wie ihm geheißen.

 

Krayt ließ sich wieder auf seinem Thron nieder und rief durch die Macht: "Ihr könnt jetzt eintreten, Lord Nihl !"

Die Tür öffnete sich, und eine hochaufgeschossene, schlanke, aber dennoch kräftige Gestalt betrat den Thronsaal. Entgegen der Sitte, rotschwarze Ganzkörpertätowierungen zu tragen, verfügte diese nur über schwarzgraue Tattoos auf blasser, fast hellgrau anmutender Haut. Sein archaisch anmutender Körperpanzer ließ auf seine Herkunft vom Nagi-System schließen. Sein Lichtschwert trug er auf dem Rücken, und der Griff war ungewöhnlich lang. Stator erkannte die Person, er hatte ihn schon ab und an gesehen. Er gehörte zum inneren Kreis um Darth Krayt, war sein Vollstrecker. Darth Nihl.

Der Nagai bewegte sich zum Thron von Krayt und kniete vor seinem Meister nieder.

"Ihr habt mich gerufen, Lord Krayt !"

"Erhebt Euch, Lord Nihl !"

Der Sith tat, wie ihm geheißen.

 

"Lord Nihl, es gibt da ein System im Outer Rim, welches eigentlich keine Bedeutung für das Imperium hat. Allerdings existieren seit einiger Zeit Berichte, daß dort ein Mann die Herrschaft übernommen hat, der über gewisse …Fähigkeiten verfügt. Es wird berichtet, daß er auf die Macht eines bestimmten Gegenstands zurückgreifen kann, die es ihm ermöglicht, die gesamte Bevölkerung des Planeten zu kontrollieren."

 

"Soll ich ihn töten ?" fragte der Nagai.

 

"Wenn es nötig ist, vielleicht. Doch hauptsächlich möchte ich wissen, um welche Art von Magie es sich dabei handelt. Aus diesem Grunde gebe ich Euch einen meiner Spezialisten auf diesem Gebiet mit. Er ist erfahren im Ergründen von Geheimnissen aus alten Artefakten. Lord Stator, Ihr könnt nun hervortreten."

Stator trat aus dem Halbdunkel hinter dem Thron hervor. Darth Nihl verengte die Augen, denn er hatte den Jabiimi nicht in der Macht gespürt, so gut hatte sich Stator abgeschirmt.

 

"Ich befehle, daß ihr beide zum Melkenda-System fliegt, und der Sache auf den Grund geht. Verlaßt mich nun !"

Stator und Nihl schauten sich kurz an, der Jabiimi voller Ehrfurcht, der Nagai eher spöttisch, und beide verließen den Thronsaal.

 

"Nun, Bibliothekar", merkte Nihl knapp an, sobald sie die Residenz des Imperators verlassen hatten, "findet Euch in 45 Minuten Standardzeit an der Landeplattform 23 ein ! Seid pünktlich !" Und damit ließ er Stator stehen.

 

Da seine Sachen noch von der Tatooine-Expedition gepackt waren, nutzte Stator die verbliebene Zeit, um sich über das Melkenda-System zu informieren. Melkenda war ein Planet mit mildem Klima, auf welchem zwei vernunftbegabte Spezies lebten. Da waren zunächst die Mel-Crim, deren geistige Fähigkeiten eher gering einzuschätzen waren. Dafür waren sie muskulös und verfügten über immense Körperkraft. Und dann gab es die Mel–Exeem. Kleinwüchsige, dürre Gestalten, die dafür nun wieder über hohe geistige Kräfte verfügten, sogar über eine latente Machtsensibilität, die sie in die Lage versetzte, die geistig unterlegenen Mel-Crim zu kontrollieren. Gesprochen wurde ein erheblich archaisches Basic, sowie mehrere Stammesdialekte der Eingeborenensprache.

Der Planet war recht unbedeutend, es gab weder irgendwelche bekannten Rohstoffvorkommen, noch hatte diese Welt jemals eine Rolle in den vielen galaktischen Kriegen gespielt. Die Einwohner hatten noch nicht einmal ansatzweise etwas wie Raumfahrt entwickelt. Es gab kaum relevante Industrie, und auch sonst war das Wort "bedeutungslos" für Melkenda schon eine übermäßige Lobhudelei. Mehr gaben die Berichte über die Welt nicht her.

 

Stator griff sich sein Gepäck und begab sich zur angegebenen Landebucht.

Er war als erster da, und nach einigen Minuten tauchte der Nagai auf, in seinem Gefolge eine Devaronianerin. Etliche Meter vor Stator wandten sie sich einander zu und blickten sich einige Momente in die Augen. Dann wandte sich Darth Nihl ab und kam auf Stator zu. Die Sith, Stator erkannte sie als Lady Maladi, wandte sich ab und verließ den Hangar.

"Wie ich sehe, seid Ihr zumindest pünktlich, Bibliothekar !" begrüßte Nihl den Jabiimi.

"Dafür sind Bibliothekare berühmt, Mylord", entgegnete Stator.

Der Nagai wirkte kurz überrascht, daß er auf seine stichelnde Bemerkung eine ähnlich flapsige Antwort erntete, wandte sich dann aber ab und sagte lakonisch, "Gehen wir an Bord !"

 

Stator folgte dem Sith. Im Schiff hieß ihn Darth Nihl, seine Kabine aufzusuchen, und sich erst wieder auf seinen, Nihls, Befehl hin sehen zu lassen. Stator war so langsam etwas verärgert über die spöttisch stichelnden Bemerkungen des Nagai, aber er rief sich die Verdienste Lord Nihls in den Sinn und fügte sich in sein Schicksal. Er begab sich in seine Kabine und trainierte mit seinem Lichtschwert, um seine Aggressionen in nützlichere Bahnen zu lenken.

 

Am Einsatzort angekommen, instruierte Lord Nihl seinen Mitstreiter.

"Ihr seid hier für die Artefakte zuständig, Bibliothekar. Überlaßt das Kämpfen mir, und haltet Euch möglichst im Hintergrund. Ich möchte nicht verpflichtet sein, Lord Krayt vom Ableben seines neuen Spielzeugs unterrichten zu müssen."

"Wie Ihr meint, Lord Nihl", brummte Stator ungehalten. So langsam ging ihm der Nagai mit seiner herablassenden Art auf die Nerven.

 

Das Schiff setzte auf. Die beiden Sith verließen das Fahrzeug Seite an Seite. Es war niemand zu sehen. Dies war recht ungewöhnlich, denn auf derartig abgelegenen Welten war es normal, daß jegliche landende Raumschiffe mit Interesse beäugt wurden. Doch dieser Planet schien nicht in das übliche Schema zu passen. Sie beschlossen, sich der Stadt zu nähern, die sich vor ihnen präsentierte. Die Gebäude waren nicht sehr hoch, schienen aber auch nicht allzu primitiv zu sein. Zumindest in der Architektur schienen es die Bewohner des Planeten zu einiger Meisterschaft gebracht zu haben.

 

Als sie einige hundert Schritte gegangen war, hatte Stator plötzlich ein ungutes Gefühl. Sein Blick glitt blitzschnell zu Darth Nihl, der diesen erwiderte. "Ich habe es auch gespürt, Bibliothekar !" Er drehte den Blick in die Richtung, aus der sie gekommen waren. "Verbergt Euch !" flüsterte er heiser zu Stator, dieser nickte, trat etwas zurück und verschmolz mit dem Hintergrund.

 

Eine Art Kampfwagen, recht primitiv, rollte urplötzlich auf den Nagai zu. Es war für Stator faszinierend zu sehen, wie Lord Nihl unerschrocken auf der Mitte des Weges stand, und scheinbar ungerührt auf die ihm entgegenkommende Kampfmaschine blickte. Die Waffe war etwa so hoch wie zwei Männer und ungefähr doppelt so breit. Vorn war das Gefährt mit Durastahlplatten gepanzert, die wohl von abgestürzten Raumschiffen stammten. Obenauf befand sich eine Art Geschützturm, der über einen Vierlingslaser verfügte. Auch dieser schien von einem ausgeschlachteten Raumer zu stammen.

Darth Nihl zog seine Lichtwaffe vom Rückenhalfter und zündete sie. Als die Kampfmaschine nur noch etwa zwanzig Schritte von ihm entfernt war, hielt sie an, und das Geschütz richtete sich auf den Nagai. Darth Nihl warf mit einer blitzschnellen Bewegung seine Waffe gegen das ihm entgegenkommende Gefährt. Das Lichtschwert durchdrang den primitiven Panzer genau an der Stelle zwischen den beiden Frontpanzerplatten, wirbelte hindurch, drehte sich hinter dem Fahrzeug und durchschlug ein weiteres Mal das primitive Kampfgerät, welches schon explodierte, als der Nagai seine Waffe mit der linken Hand auffing.

Der Sith betrachtete das Werk seiner Zerstörung mit grimmigem Lächeln, währenddessen Darth Stator etwas anderes bemerkte.

"Lord Nihl, das solltet Ihr Euch ansehen !"

Der Nagai drehte sich zu ihm um und sagte lakonisch "Solltet Ihr Euch nicht bedeckt halten ?", folgte aber Stators Hinweis. Zwei grobschlächtige Gestalten trugen eine Art Sänfte, in der ein verhutzelter alter Mann hockte. Dieser trug nur eine Art Toga, doch um den Hals hatte er ein Amulett hängen, welches sofort Stators Aufmerksamkeit erregte.

Die beiden Riesen setzten die Sänfte ab. Im Hintergrund tauchten noch mehr Gestalten auf, wobei die Mel-Exeem in der Überzahl waren. Die Mel–Crim besaßen primitiv anmutende, martialische Waffen, die sie mehr oder weniger drohend in den grobschlächtigen Fäusten hielten. Die Mel-Exeem waren, bis auf einige Ausnahmen, unbewaffnet, wie Stator feststellte. Nur drei oder vier trugen eine Art Energiepike. Diese Personen hielten sich jedoch ziemlich weit entfernt.

 

"Fremdlinge !" hub der Alte auf der Sänfte in recht archaisch wirkendem Basic an. "Ihr seid ungebeten hierhergekommen. Unterwerft Euch nun dem Willen des Maex-Yr, der ich bin !"

"Wir sind nicht gekommen, uns zu unterwerfen !" fauchte Darth Nihl. "Wir sind gekommen, Euch zu unterwerfen !"

"Dann werdet Ihr xerben!" entgegnete der Alte,der offenbar das 'st' nicht aussprechen konnte, und berührte sein Amulett. Er murmelte etwas in seinen Bart, und plötzlich befiel seine Sänftenträger eine Wandlung. Sie schienen plötzlich doppelt so muskulös zu sein, und aus ihren Leibern erhoben sich hörnerartige Auswüchse. Sie gingen auf die beiden Sith zu. Nihl zündete sein Lichtschwert, und auch Stator entschloß sich, den Befehl, "sich im Hintergrund zu halten", zu mißachten, und machte sein Lichtschwert kampfbereit. Doch wie auch Nihl mußte er feststellen, daß seine Gegner eine Art Kraftfeld um sich hatten, welches sowohl den Lichtschwerthieben, als auch anderen Machtgriffen widerstand. Zudem schleuderten die beiden Mutanten stetig nachwachsende Hörner, die sie aus ihren Leibern rissen, mit ihren Händen auf die beiden Sith, welche diese nur mit Hilfe ihrer Lichtschwerter abwehren konnten.

Der Kampf drohte in ein Patt auszuarten, welches in dem Moment zuungusten der beiden Sith ausfallen würde, in welchem die Energiezellen ihrer Lichtschwerter leer sein würden.

 

Während des ermüdenden Kampfes schaute Stator zu Nihl, und stellte fest, daß auch der Nagai keinen Plan zu haben schien, wie man der beiden Kampfkolosse Herr werden könnte. Sein verkniffenes Gesicht deutete auch darauf hin, daß er darüber ziemlich verärgert war.

 

Stator versenkte sich in die Macht und bemerkte, daß sich um den Alten, der sich als "Maex-Yr" bezeichnet hatte, eine Präsenz der dunklen Seite manifestierte. Sie schien mit dem Amulett zusammenzuhängen, welches der Mel-Exeem mit beiden Händen umklammerte. Er hatte die Augen geschlossen und schien in einer Art Kampfmeditation zu verharren.

Plötzlich hatte Stator eine Idee. Er warf sein Lichtschwert über seinen Gegner hinweg in Richtung des Alten. Dieser saß unbeweglich da und hielt mit geschlossenen Augen das Amulett umklammert, als ihn die Klinge von Darth Stators Lichtschwert mitten in die Brust traf.

 

Schlagartig schien der Zauber in sich zusammenzufallen. Sowohl Lord Nihl als auch Stator sah sich plötzlich nur noch einem muskelbepackten Humanoiden gegenüber. Nihls Gegenpart konnte nicht lange genug über die neue Situation nachdenken, als er schon in zwei Hälften zu Boden sank. Bei Stator war die Sache etwas anders. Er hatte sein Lichtschwert ja weggeworfen, und der Muskelprotz näherte sich ihm mit einem fiesen Grinsen. Stators Blick traf sich kurz mit dem Nihls, doch der Nagai schien keine Anstalten zu machen, ihm zu Hilfe zu eilen.

Stator zuckte mit den Schultern, griff mit der Macht nach seinem Lichtschwert, und zündete es, während es zu ihm flog. Auf seinem Weg tötete es den Mel-Crim, der daraufhin vor Stator auf den Boden krachte.

 

Stator schaltete sein Lichtschwert aus, nachdem er es aufgefangen hatte, und hängte es zurück an seinen Gürtel. Dann schaute er zu Darth Nihl, der ihn mit spöttischem Blick maß. "Nicht übel für einen Bibliothekar."

"Wir sollten uns jetzt das Amulett anschauen", schlug Stator vor, dem der Nagai immer noch ziemlich auf die Nerven ging.

"Das ist Euer Part, Lord Stator", entgegnete Krayts Hand, und ließ ihm mit einer Handbewegung den Vortritt. Die beiden Sith gingen zum Leichnam des Alten. Stator bückte sich, griff nach dem Amulett und riß es vom Hals des Toten. Er erhob sich wieder und betrachtete das Artefakt.

"Ist es Sith-Magie ?" fragte Darth Nihl.

"Ich weiß es noch nicht, Lord Nihl", antwortete leise Darth Stator. "Aber ich werde es sicher bald herausfinden."

 

Während Stator das Amulett betrachtete, näherte sich ihnen plötzlich ein anderer Mel-Exeem, eskortiert durch vier Mel-Crim. Der Mel-Exeem war um einiges jünger als der, den Stator getötet hatte. Er schritt auf die zwei Sith zu.

"Ihr Fremdlinge !" tönte er, "Ihr habt den Maex-Yr getötet. Nun bin ich der neue Maex–Yr, so wie es mir versprochen war. Gebt mir das Amulett, und erwartet meinen Richtspruch !"

 

Der Nagai verengte spöttisch seine Augen und zündete sein Lichtschwert. "Du hast nichts zu verlangen, außer den Tod !", zischte er.

"Wartet noch mit der Exekution, Lord Nihl", bremste Stator den erzürnten Sith. "Wo das hier herkam", hierbei hielt er das Amulett hoch, "ist vielleicht noch mehr !"

Er wandte sich dem jungen Mel-Exeem zu. "Wo habt Ihr das her?"

"Das muß ich Fremdlingen wie Euch nicht verraten !" schnappte der junge Mann.

"Dann muß ich deiner Kooperationsbereitschaft vielleicht einen kleinen Motivationsstoß versetzen, "knurrte Stator. "Lord Nihl, ich wage zu behaupten, der junge Mann kann uns auch zu den anderen Artefakten führen….wenn ihm eine Hand fehlt. Oder was meint Ihr ?"

 

Nihl grinste kurz spöttisch, und nach einem kurzen Streich seiner Waffe lag die rechte Hand des jungen Mannes auf dem Boden.

Der Mel-Exeem sank auf die Knie und starrte seinen Armstumpf an. Die Wunde war sofort kauterisiert worden, so daß kaum Blut floß.

"Nun…" damit beugte sich Stator zu dem Mel-Exeem hinunter, "führst du uns nun dahin, wo ihr dieses Amulett gefunden habt ? Im anderen Fall ist mein Meister, Lord Nihl, sicher gern bereit, Euch mehr von seiner Lichtschwertkunst zu zeigen….".

 

Der Widerstand des Mannes war gebrochen, und er bedeutete mit schmerzverzerrtem Blick den beiden Sith, ihm zu folgen. Als die vier Leibwächter Anstalten machten, ihnen zu folgen, drehte sich Darth Nihl kurz um, zeigte ein emotionsloses Lächeln und schwang sein Lichtschwert kurz in einem komplizierten Bogen. Daraufhin blieben die vier Mel-Crim zurück.

 

Der junge Mel-Exeem führte die beiden Sith zu einem Felsen, in welchem sich ein Eingang verbarg. Dieser führte zu einer Art Grabmal. In dieser Gruft befand sich ein Sarkophag, und außer diesem eigentlich nichts, wenn man von einigen unbedeutenden Gestaltungsmitteln absah.

"Hier fand einer unserer Urahnen das Amulett. Es ist seit Jahrhunderten ein Insignium des Herrschers auf dieser Welt. Erx mein Vorgänger fand heraus, wozu es fähig war", erzählte der junge Mel-Exeem. Es schien eine Eigenart der Mel-Exeem zu sein, daß sie jedes 'st' wie ein 'x' aussprachen.

"Sehen wir uns den Sarkophag an", meinte Stator, und mit einem gewaltigen Machtstoß schob er den Deckel des Grabes zur Seite.

 

Darinnen befand sich der übliche Inhalt eines derartigen Gefäßes - zerfallene Knochen in einem Berg aus Staub und verfaulten Textilien. Doch in zerbröckelten Knochenhänden prangte ein ungewöhnlich gut erhaltener Kubus, den Stator sofort als recht altertümliches Holocron identifizierte. Es war kein Sith- Holocron, erinnerte aber auch nur noch entfernt an die Jedi-Holocrone. Es schien Merkmale beider Arten in sich zu tragen. Behutsam nahm er den Gegenstand an sich.

 

"Lord Nihl, der junge Mann hat die von ihm geforderte Aufgabe erfüllt. Zeigt nun Gnade gegenüber diesem Geschöpf, und…" – der Mel-Exeem schaute erwartungsvoll zu ihm auf - "erlöst ihn von seiner erbärmlichen Existenz !"

Das Gesicht des jungen Mannes versteinerte, und kurz darauf rollte sein Kopf, von Darth Nihls Lichtschwert abgetrennt, über den Boden der Gruft. Stator verstaute das Holocron in einer Tasche seines Mantels und wandte sich zu Darth Nihl um. "Ich denke, unsere Arbeit hier ist getan."

"Das ist sie wohl", entgegnete Nihl langsam.

 

Als die beiden Sith das Grabmal verließen, um zu ihrem Raumschiff zurückzukehren, bemerkte Nihl, wiederum auf seine düster-spöttische Art: "Ihr seid der erbarmungsloseste Bibliothekar, der mir je untergekommen ist. Euren Weg pflastern sicher hunderte Leichen derer, die entliehene Holocrone nicht zurückgebracht haben."

Stator lächelte nur finster.

 

Nachdem das Schiff gestartet war, richtete Darth Nihl unvermittelt das Wort an Stator: "Ihr seid auch nicht auf Korriban aufgewachsen ?"

"Nein, Lord Nihl", antwortete Stator wahrheitsgemäß. "Ich habe zwar einige Jahre dort verbracht, aber nur um…Bibliothekarsarbeit zu erledigen. Es war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, als Lord Thrakon mich, nun, entdeckte. Aber immer noch besser, als gleich getötet zu werden. Mir scheint, wenn man nicht auf Korriban aufgewachsen ist, hat man es schwerer, im Sith-Orden aufzusteigen."

 

Darth Nihl schaute ihn nachdenklich an. "Und woher kommt Ihr ?"

"Ich stamme von Jabiim."

"Ah, Jabiim", entgegnete Nihl, "ein Bergwerksplanet, nicht wahr ?"

"Ja, heute", brummte Stator, "aber das war nicht immer so." Er richtete seine Gedanken zurück, nach Jabiim. "Mein Clan, der Clan Artasis, war früher dafür bekannt, die besten Kriegsherren hervorzubringen. Eine stolze Tradition, die noch weitergereicht hätte, wären nicht die Jedi gekommen, um alles zu zerstören."

Stator ballte die Fäuste. "Seitdem ist unser Clan rechtlos, ehrlos….."

 

Nihl wirkte auf einmal sehr interessiert und aufmerksam.

"Wenn Ihr nun zurückkehren könntet, nach Jabiim", fragte der Sith, "würdet Ihr dann Euren Clan wieder an die Spitze Eurer Zivilisation führen wollen ?"

Stator sah ihn einige Augenblicke an, bevor er antwortete, "Nein. Nein, ich glaube nicht. Ich bin jetzt ein Sith. Als Führer des Artasis-Clans hätte ich nur das Gebiet meiner Ahnen zu beherrschen. Als Sith steht mir die Galaxis offen. Außerdem haben mich Mitglieder meines eigenen Clans verraten. Ich hätte heute nur noch einen Grund, um nach Jabiim zurückzukehren. Und zwar um alle zu vernichten !"

 

Nihl nickte bedächtig, und, wie es schien, auch beeindruckt, bevor er Stator verließ, der sich sofort daran machte, die erworbenen Artefakte zu untersuchen.

 

Als die beiden Sith das Schiff bei der Ankunft auf Coruscant verließen, wurden sie nicht von Lady Maladi oder einer anderen höheren Person des inneren Kreises erwartet. Stattdessen stand eine junge Sith-Frau an der Landeplattform. Sie war nicht sehr groß gewachsen, wirkte aber dennoch gefährlich. Ihr von Kampfspuren übersäter Brustpanzer zeugte von vielen Einsätzen.

Sie schritt auf Nihl und Stator zu. Stator kannte sie als Cinis. Er hatte sie im Tempel schon einige Male getroffen, und es war sogar schon einmal dazu gekommen, daß sie sich in der Macht verbunden körperlich vereinigten. Doch niemals vorher hatte er gespürt, daß die Macht so heftig in ihr loderte.

 

Die Frau kam auf sie zu, verneigte sich vor den beiden Sith.

"Lord Nihl", begann sie, "Lady Maladi erwartet Euch. Und Ihr, Lord Stator, wandte sie sich dem Jabiimi zu, "sollt Euch sofort bei Lord Krayt einfinden."

Daraufhin war er abgemeldet, und Nihl und die geheimnisvolle Frau verließen gemeinsam die Landeplattform. Stator schaute den beiden noch einige Sekunden nach, bevor er ein Shuttle heranwinkte, welches ihn zu Krayt bringen sollte.

 

 

Als Darth Stator im Thronsaal ankam, beugte er das Knie vor seinem Meister. "Lord Krayt, Ihr habt nach mir gerufen ?"

 

"Ah, Lord Stator." Der Imperator wirkte wieder sehr geschwächt. "Was gibt es von Eurer Mission zu berichten ?"

Mit diesen Worten bedeutete er ihm mit einer Handbewegung, sich zu erheben.

 

"Mylord", begann Stator, "es handelt sich bei dem aufgefundenen Artefakt um einfache Sith-Magie. Die Einwohner haben es in einem Grab gefunden, in welchem sich auch ein Holocron befand, wie wir herausfanden. Es war das Grab eines abtrünnigen Jedi, der seinen Padawan tötete, um dieses Amulett und andere Sith-Artefakte, welche die beiden aus einem Sith-Grab geraubt hatten, für sich zu verwenden. Sein einziger Ehrgeiz bestand darin, auf diesem unbedeutenden Planeten seine Herrschaft auszubauen."

 

"Und", fragte Krayt, "was geschah ?"

 

"Er starb", antwortete Stator, "und nahm all sein Wissen mit sich. Er hatte sich auf Melkenda eine bescheidene Herrschaft aufgebaut und studierte begeistert die Künste der dunklen Seite. Er wollte das Geheimnis der Essenzübertragung ergründen, um unsterblich zu werden. Doch dies ist ihm nicht geglückt. Der Tod war schneller als sein Forscherdrang. Und obwohl er durch die dunkle Seite ein erstaunliches Alter erlangt hat, mußte er dennoch irgendwann ins Grab sinken. Irgendwann fanden die Mel-Exeem das Amulett, und Jahrtausende später fanden sie zufällig das Wort, mit welchem man es aktiviert. Ein primitives Artefakt, welches nur auf wirklich niedere Wesen wirkt."

 

"Also wieder kein Hinweis darauf, wie ich Heilung erhalten kann", sinnierte Krayt. "Das Geheimnis der Essenzübertragung wäre vielleicht ein Weg gewesen. Verlaßt mich jetzt, und führt Eure Studien weiter !"

 

"Wie Ihr wünscht, Mylord !" Stator verneigte sich, und verließ seinen Meister.

 

 

"Nun, Darth Nihl", empfing Maladi den Nagai. "wie war Euer Ausflug mit dem Bibliothekar ?"

 

"Recht aufschlußreich, Mylady", entgegnete Nihl. "Wir sollten den Mann im Auge behalten."

"Kann er uns gefährlich werden ?"

"Wenn wir achtgeben nicht, aber vielleicht kann er uns nützlich sein."

 

"Wie kommt Ihr darauf, Lord Nihl ?"

"Er ist nicht auf Korriban aufgewachsen. Wie ich. Wie Ihr. Wie Cinis. Ich spüre, daß er mehr will, als Krayt ihm gibt. Wir sollten ihn im Auge behalten. Vielleicht können wir ihn auf unsere Seite ziehen."

 

"Läßt sich das bewerkstelligen ?" fragte Maladi zurück.

"Ich weiß nicht, aber ich denke schon."

"Dann sollten wir anstreben, daß er eine weitere Mission mit jemandem durchführt, der uns ergeben ist", sinnierte Maladi.

Der Nagai lächelte finster," Wie wäre es mit Cinis ?"

 

Darth Maladi schaute ihn einige Sekunden an. "Ich denke darüber nach."

 

 

Ein weiteres Mal aktivierte Darth Stator das Holocron von Darth Bane. Seine Studien hatten ergeben, daß die Holocrone nach einer gewissen Zeit nicht mehr das ganze Bewußtsein eines Sithlords widerspiegelten, sondern nur noch sein Echo. Er wollte dem eingefrorenen Bewußtsein des Sithlords suggerieren, daß er den Weg der Zwei einschlagen wolle, und nun Anleitung brauchte.

Das Antlitz Banes erschien vor Stator.

 

"Ahhhhh, der Lakai des Schwindlers !" tönte das Hologramm Darth Banes.

"Ich rufe Euch nicht als Lakai von irgendjemandem. Ich rufe Euch, weil ich über die Regel der Zwei lernen möchte."

"Die habe ich dir schon vorgetragen. Es gibt nur zwei, den Meister, der die Macht verkörpert, und den Schüler, der die Macht anstrebt. Das ist alles."

 

"Was ist, wenn der Schüler seinen Meister tötet, bevor er alles von ihm gelernt hat ? Geht da nicht Wissen der Sith verloren ?"

 

"Wenn der Schüler den Meister töten kann, hat er genug gelernt, um selbst Meister zu sein. Wenn der Meister den Angriff des Schülers nicht abwehren kann, hat er aufgehört, Meister zu sein. Ein Sith muß immer bestrebt sein, besser zu werden als der vorhergehende Sith. Ein Sith, der nur dienen will, und nicht bestrebt ist, mächtiger zu werden, ist kein Sith. Er ist der Schatten eines Sith, aber er kann nie ein Sith werden."

 

Darth Stator wirkte plötzlich nachdenklich.

"Ich danke Euch, Lord Bane. Ich werde demnächst weitere Lehren von Euch erbitten."

"Ihr seid willkommen, im Gegensatz zu den anderen Dienern des Schwindlers !"

 

Stator deaktivierte das Holocron, und verließ nachdenklich die Bibliothek.

 

 

Nachdem Cinis lange auf eine Gelegenheit hatte warten müssen, verging nach ihrem diesbezüglichen Traum und der Begegnung auf dem Landedeck nicht viel Zeit, bis sie den Jabiimi wiedersah. Schon am übernächsten Tag traf Cinis Lord Stator im Meditationsraum an. Sie wartete, versenkt in die Dunkle Seite, bis er seine Meditation beendete, dann folgte sie ihm nach draußen und sprach ihn an.

 

"Lord Stator", sagte Cinis und verneigte sich vor ihm. "Ich würde mich geehrt fühlen, wenn Ihr Lust auf einen Trainingskampf mit mir hättet."

 

Der Jabiimi maß sie mit wachem Blick, der verriet, daß er sich ebenfalls mit Genuß an ihre Zusammenkunft erinnerte. Cinis verlor sich einmal mehr in seinem Anblick – die lange, ungebändigte wie auch ungefärbte dunkelblonde Mähne, die martialische Barttracht, die mit schwarzen Lederbändern in der Tradition von Jabiim zusammengeschnürten Strähnen an seinen Schläfen. Auch er hatte auf die Ganzkörpertätowierung verzichtet und wies lediglich schwarze Muster im Gesicht auf seiner natürlichen, hellen Hautfarbe auf: Zacken um seine Augen, die ihn wild und kriegerisch aussehen ließen, und eine stilisierte fangzahnartige Betonung seiner Unterlippe.

Er trug schwere Stiefel, derbe Hosen mit einer Reihe funktioneller Taschen, ein weites, langärmeliges Hemd, Armstulpen und darüber eine Art Wams aus einem an Rancorleder erinnernden Material, dessen Brustpartie mit einem reliefartigen Muster aus Lederstreifen und Metallstücken verziert war. Am breiten Gürtel hing sein so elegant wie tödlich aussehendes Lichtschwert.

 

"Gerne", gab er zurück. "Ihr seid Cinis, wenn ich mich recht erinnere, nicht wahr ? Nun, Ihr müßt wissen, daß ich mit dem Lichtschwert kein so versierter Kämpfer bin wie Euer Meister – oder Eure Meisterin ? Aber es wird mir ein Vergnügen sein, mich mit Euch zu messen. Allzuoft komme ich nicht zum Kämpfen, ehrlich gesagt."

Cinis nickte. "Meine Meisterin ist Darth Levouan", antwortete sie. "Aber Ihr habt Euren Meister sicher längst überflügelt, sonst wärt Ihr kein Lord. Wer hat Euch ausgebildet, wenn ich fragen darf ?"

"Darth Rancina", meinte Stator, "kennt Ihr sie ?"

Cinis bejahte; ab und an hatte sie auch im Trainingsraum gegen die wendige Togruta gekämpft, allerdings, ohne sie bisher zu besiegen. "Lady Rancina ist eine großartige Kämpferin", sagte sie, "doch Lady Levouan steht ihr in nichts nach. Habt Ihr bereits einmal gegen sie gekämpft ?"

Sie tauschten noch ein Weilchen Details zu ihrer Ausbildung, ihrem Kampfstil und ihren persönlichen Stärken aus und vereinbarten dann für den kommenden Tag den Trainingskampf.

 

Darth Stator wartete schon auf sie, als Cinis den Übungsraum betrat. Er hatte seine Oberbekleidung abgelegt und trug nur Hosen, Stiefel und seine Armstulpen. Als er sie sah, nickte er ihr zu und zündete sein Lichtschwert.

Cinis verneigte sich und hob dann ebenfalls ihre Waffe. Ohne Vorwarnung stürmte Stator vor und schwang die leuchtend rote Klinge.

 

Der Angriff war ungestüm und dennoch wohlberechnet. Cinis hatte fast Mühe damit, ihn zu parieren; und im anschließenden Schlagabtausch mußte sie feststellen, daß Lord Stator – gleichwohl er sich in Anspielung auf seine Tätigkeit als nicht so überragenden Kämpfer bezeichnet hatte – es durchaus mit ihr aufnehmen konnte, zumal er mit vollkommen ungeschütztem Oberkörper kämpfte. Er glich mangelnde Technik mit Leidenschaft aus und verwandelte Standardmanöver der unterschiedlichen Formen des Lichtschwertkampfes in dynamische Bewegungseinheiten, die es Cinis schwermachten, ihm zu folgen. Tatsächlich gelang es keinem von ihnen über einen längeren Zeitraum, einen Vorteil zu erringen; und als Stators Aufmerksamkeit einige Sekunden lang nachließ und Cinis' Klinge gefährlich nahe an seiner Hüfte vorbeischwang, revanchierte er sich damit, daß sein Schwert im nächsten Moment in ihren Brustpanzer krachte und gerade noch die Haut darunter ritzte. Cinis sog scharf die Luft ein, schlug Stators Klinge instinktiv weg und führte mit der Linken einen Machtstoß aus, der ihn mehrere Meter nach hinten schleuderte.

 

Anstelle wieder anzugreifen, nachdem er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, schaltete Lord Stator unerwartet sein Schwert ab und nickte Cinis zu.

"Wenn Ihr nichts dagegen habt, wollen wir es dabei bewenden lassen", meinte er, ein wenig atemlos. "Es ist ja kein Kampf auf Leben und Tod".

Cinis deutete eine weitere kurze Verneigung an und deaktivierte ihr Schwert ebenfalls. "Wie Ihr meint, Lord Stator." Auch sie schwitzte mittlerweile und sehnte sich nach einem Ende des Kampfes. Und vielleicht nach mehr.

 

"Ihr seid ein guter Kämpfer", sagte sie. "Es bestand keine Veranlassung, Eure Fähigkeiten herunterzuspielen. Auch wenn Ihr, wie Ihr selbst sagt, weniger Übung habt, werdet Ihr doch wohl regelmäßig Trainingskämpfe absolvieren. Seid Ihr in der Tempelverwaltung tätig ?" fragte sie auf gut Glück.

 

Stator schwieg einen Moment, dann gab er zurück: "Tatsächlich benötige ich die Übungskämpfe dringend, um in Form zu bleiben. Meine Aufgabe ist eher verwaltungstechnischer Natur, da habt Ihr recht."

Cinis amüsierte sich innerlich bei dem Gedanken, um was für eine Untertreibung es sich hier handelte. Jetzt mußte sie rasch handeln, oder sie würde keine Chance mehr haben, Lord Stator zu einem potentiellen Verbündeten zu machen. Sie beschloß, so vorzugehen, wie Lord Nihl es mit ihr getan hatte.

 

"Möchtet Ihr mich begleiten ? Ihr könnt in meinem Quartier duschen und Euch, wenn Eure Zeit es erlaubt, Euch noch ein wenig mit mir unterhalten." Letztere Worte unterlegte sie mit einem gekonnten Augenaufschlag, der Stator unmißverständlich mitteilen mußte, daß es noch um andere Dinge gehen würde, als sich nur zu unterhalten.

Er grinste sie an. "Laßt uns gehen."

 

Sie hatten geduscht und lagen nebeneinander auf dem Bett. Stators Hände lagen auf Cinis' Brüsten, und er bemühte sich, seine Konzentration zu wahren, während sie mit ihm sprach.

 

"Wie Ihr Euch sicher denken könnt, habe ich Euch nicht ohne Grund hergebeten", begann Cinis. "Ich muß Euch zunächst eine Frage stellen: Wenn Ihr herausfinden würdet, daß Lord Krayt, dem Ihr Treue geschworen habt, dahin streben würde, Euch zu vernichten, weil Ihr ihm seiner Ansicht nach entweder zu gefährlich werdet oder nicht mehr nützlich seid – was würdet Ihr tun ?"

 

Stator sah ihr in die Augen, zögerte kurz und meinte dann in kühlem Tonfall: "In diesem Fall würde ich keine andere Möglichkeit mehr sehen, als mich gegen ihn zu wenden. Ich habe geschworen, ihm zu dienen, und das tue ich auch, solange diese Konstellation auf sinnvolle Weise erhalten bleibt. Selbst wenn er mit mir unzufrieden wäre und mich im Zorn niederstrecken würde, dann wäre mein Tod nicht umsonst, und ich würde seinen Willen damit erfüllen.

Doch wenn er mich zu verraten sucht, dann sähe ich keinen Grund mehr, ihm ergeben zu bleiben. Er ist mein und Euer Meister – aber wir alle sind Sith, und letztendlich ist jeder von uns nur einer einzigen Person gegenüber loyal: sich selbst."

 

Cinis nickte und fuhr fort. "Als nächstes – und da Ihr mir nun schon eine so wichtige Information über Eure persönliche Meinung gegeben habt – muß ich Euch mitteilen, daß ich über Eure Tätigkeit mehr weiß, als Ihr bisher ahnt. Ich weiß – woher, das ist zunächst einmal uninteressant – daß Ihr von Lord Krayt mit der Suche nach Sith-Artefakten beauftragt seid, deren gespeichertes Wissen oder deren Magie ihm helfen kann, das ihm innewohnende Übel zu besiegen."

 

Stators Augen wurden groß, und er vergaß einen Moment lang, seine Finger weiter auf ihren harten Brustwarzen spielen zu lassen. Cinis lächelte und beschloß, dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen.

 

"Ihr braucht es nicht leugnen, nehmt es einfach als gegeben. Nun, was würdet Ihr sagen, wenn Lord Krayt von einem Tag zum anderen Eurer überdrüssig werden würde, weil er eine effektivere Methode gefunden hat, seiner Krankheit ein Ende zu setzen und sein Leben weiter ins Endlose zu verlängern ?"

Stator beugte sich vor und küßte sie. "Sagt es mir einfach."

 

"Sagt Euch der Name Cade Skywalker etwas ?" fragte Cinis unvermittelt.

"Skywalker !!" zischte Stator plötzlich wütend, und Cinis registrierte überrascht einen plötzlichen Stoß in der Macht. "Ihr kennt den Namen ?" fragte sie.

"Ist das nicht der Nachfahre jenes berühmten Jedi-Geschlechts, der zusammen mit seinem Vater und allen anderen vor sieben Jahren auf Ossus ums Leben kam ?" erkundigte sich Stator mit kalten Worten.

"Ihr liegt falsch. Cade Skywalker ist keineswegs ums Leben gekommen. So, wie die Dinge liegen – und wie Lord Krayt vor kurzem erfahren hat – ist ihm seinerzeit beim Angriff auf Ossus die Flucht gelungen, und er schlägt sich jetzt, lediglich unter seinem Vornamen, als Pirat und Kopfgeldjäger durch – normalerweise nichts, was einem groß zu denken geben müßte, da sich der junge Mann offenbar vollständig von seiner Vergangenheit abgewandt hat und ein höchst gewöhnliches Leben führt. Vor kurzem jedoch ist dank einer beharrlichen Recherche Lord Krayts – von der Ihr bezeichnenderweise keine Kenntnis hattet - ans Licht gekommen, daß es sich bei diesem Subjekt in der Tat um den ehemaligen Jedi-Anwärter handelt und daß er ungemein stark in der Macht ist, wie es in seiner Familie liegt. Bedenkt, Lord Darth Vader selbst war einer seiner Vorfahren !

 

Was allerdings noch wichtiger ist und Ihr unbedingt im Auge behalten müßt, ist, daß Cade Skywalker mit besonderen Heilkräften begabt ist. Heilkräften, die es ihm ermöglichen würden, mit einem gezielten Griff in die Macht Lord Krayts Krankheit auszulöschen und ihn von einem Moment zum anderen in voller Kraft wiedererstehen zu lassen. Was Lord Krayt danach ermöglichen würde, seine Vision vom Orden des Einen Sith dahingehend auszudehnen, daß irgendwann nur noch auf Korriban aufgewachsene, von Kindheit an ausgebildete und ihm bedingungslos ergebene Sith seine Reihen füllen würden. Diejenigen Individuen, die erst in zweiter Linie zum Sith-Orden kamen, kann er dann einfach eliminieren und durch seine Korriban-Brut ersetzen – bis in die höchsten Ränge hinauf.

Selbst wenn dies zunächst ein längerfristiges Ziel bleiben sollte, so würde er doch in erster Linie meiner Dienste nicht mehr bedürfen.

Wie Ihr selbst schon sagtet, haben wir geschworen, ihm zu dienen – auch im Tod – aber nicht, um sinnlos von ihm verraten zu werden. Daß er in diesem Falle Eurer Dienste ebenfalls nicht mehr bedarf, liegt außer Frage; und was dann mit Euch geschieht, ist nicht schwierig, sich vorzustellen."

Sie ließ das Gewicht ihrer Worte einsinken und spürte in der Macht, wie Lord Stators Gedanken zu kreisen begannen.

 

"Ich gehe davon aus, daß Ihr diese Information als wichtig für Euch erachtet", schloß sie. "Wenn Ihr Euch dafür entscheidet, meinen Worten Glauben zu schenken, kann ich Euch mehr erzählen, und wir können daran arbeiten, uns gegen einen möglichen zukünftigen Verrat zu schützen."

 

Stator nickte. "Ich glaube Euch", gab er zurück. "Aber was bringt Euch dazu, mir all das nahezulegen ? Bringt Euch das nicht in Gefahr ?"

"Nicht mehr als die, in der ich schon bin", antwortete Cinis. "Seht Euch an. Seht mich an. Seht Personen wie beispielsweise Lord Nihl an. Keiner entspricht Lord Krayts Idealbild der Sith-Kampfmaschine ohne eigene Persönlichkeit, auch wenn wir ihm – noch – treu ergeben sind. Ich will nicht durch die Hand meines Meisters einfach beseitigt werden. Und wenn es zum Äußersten kommen sollte – zu einem Krieg der Sith untereinander – dann will ich sehen, daß ich mich rette und mit einigen Gleichgesinnten Darth Krayt auslösche, um den Orden in Zukunft selbst zu führen."

 

Stator sah ihr lange in die Augen. "Ihr habt große Pläne, Cinis - oder sollte ich sagen, Lady Cinis ?"

"Bisher hat es unserem Meister nicht gefallen, mich in den Rang eines Darth zu erheben. Und wenn Ihr wollt, könnt Ihr Euch Euer eigenes Bild hierüber machen", gab Cinis zurück.

 

Das gab den Ausschlag. "Ich werde über das nachdenken, was Ihr mir gesagt habt. Und ich werde schweigen – und beobachten", sagte Stator.

"Seid einfach öfters im Meditationsraum", flüsterte sie, als er sie umfing, seine Hände über ihren ganzen Körper gleiten ließ und ihre Brustwarzen küßte. "Es werden sicher noch einige Treffen nötig sein, um Euch informiert zu halten – was, wie Ihr Euch vorstellen könnt, nicht öffentlich vor sich gehen kann – und um uns auf das vorzubereiten, was mit recht großer Wahrscheinlichkeit eintreffen wird."

Anstelle einer Antwort zog Stator sich auf sie, und Cinis gab sich ihm in der Macht, Lust und Leidenschaft hin.

 

 

Zurück in seiner Unterkunft sinnierte Stator über die Neuigkeiten, die ihm Cinis anvertraut hatte. Besonders die Tatsache, daß der Name Skywalker mysteriöserweise mit dem Leben seiner früheren Familie, dem Clan Artasis, verbunden zu sein schien, verwunderte ihn. Er rief sich die Erzählungen seines Großvaters ins Gedächtnis; besonders die, die davon berichteten, wie die Skywalkers den Niedergang des Hauses Artasis herbeiführten.

 

Damals, vor über 150 Jahren, erzitterte die Galaxis unter den Klonkriegen. Auch Jabiim war hart umkämpft, wohl auch wegen der Bodenschätze. Während sich einige Jabiimi unter dem Kriegsherren Stratos den Separatisten anschlossen, stand der Clan Artasis, und mit ihm viele andere auch, auf der Seite der Republik. Als ein Jedi namens Anakin Skywalker mit Klontruppen landete, und die Jabiimi um Unterstützung bat, waren die Artasis unter den ersten, die sich dem Kampf für die Republik anschlossen. Der Krieg war zermürbend, und die Übermacht der Separatisten geradezu erdrückend.

In dieser Situation verriet der Jedi die ihm ergebenen Jabiimi, und verließ mit seinen Truppen den Planeten. Die Separatisten übernahmen die Herrschaft über Jabiim, und enteigneten und versklavten alle Familien, die für die Republik gekämpft hatten. Die Clanführer wurden öffentlich hingerichtet.

Etwa 20 Jahre später, nach der Schlacht von Yavin, kam ein weiterer Skywalker nach Jabiim. Luke, der Held von Yavin, der fast allein den Todesstern ausgelöscht hatte, bat das Volk von Jabiim um Unterstützung für die Rebellen-Allianz. Dem Rat einiger Clanführer, unter anderem auch Demio Artasis, dem Jedi keinen Glauben zu schenken, und ihn mit seinen Begleitern lieber dem Imperium auszuliefern, wurde kein Gehör geschenkt. Die Jabiimi versteckten Skywalker und seine Freunde und verhalfen ihnen zur Flucht.

Die Rache Darth Vaders war schrecklich. Mittlerweile war es Stator bekannt, daß Vader kein anderer war als dieser Anakin Skywalker, der sein Volk, seinen Clan, schon einmal verraten hatte.

 

Und nun trat ein Skywalker in sein, Darth Stators, Leben. Und wiederum schien es, als würde ein Sproß dieser verachtenswürdigen Familie ein weiteres Mal die Existenz eines Artasis bedrohen. Der Jabiimi schüttelte wütend den Kopf. Nein ! Diesmal nicht. Er war kein Artasis mehr. Er war jetzt ein Sith. Wenn Lord Krayt erwägte, Skywalker zu seiner einzigen Hoffnung zu erheben, wäre Stators Auftrag null und nichtig geworden.

Der Sith hatte gerade soviel von der Macht gekostet, daß er es nicht hinnehmen würde, dieses Gefühl wieder entzogen zu bekommen. In diesem Fall gab es nur eins. Skywalker mußte sterben. Es mußte einen Weg geben. Heimlichkeit, Tücke und Geduld. Die Wege der Sith. Wie es Darth Bane verkündet hatte.

 

 

In den folgenden Wochen konsultierte Stator immer öfter das Holocron von Darth Bane, und zeigte sich von dessen Lehre der "Regel der Zwei" immer mehr beeindruckt.

 

"Lord Bane, Ihr sagt, der Schüler ist bereit, der Meister zu werden, wenn er es vermag, seinen Meister zu töten. Doch wie erkennt der Schüler, daß er mächtig genug ist, gegen seinen Meister anzutreten ?"

 

"Wenn er spürt, daß der Meister schwach wird. Auch Sith werden schwächer und sterben. Der Schüler hat die Pflicht, den vormaligen Meister dann auszulöschen, denn ein schwacher Sith darf nicht sein. Wir Sith stehen für Stärke und den Willen zur Macht. Jeder Schüler, so ergeben er seinem Meister auch ist, wird den Moment anstreben, in dem er seinen Meister tötet, um selbst der Meister zu werden."

 

"Ich werde darüber meditieren, Lord Bane." Stator deaktivierte das Holocron, und blieb noch einige Minuten sinnierend knien, bevor er sich erhob, um seine Unterkunft aufzusuchen.

 

Darth Stator hatte sich gerade in eine tiefe Meditation versenkt, als sein Holoprojektor eine Nachricht ankündigte. Stator konzentrierte sich kurz, bevor er das Gerät aktivierte. Wider Erwarten war es nicht die Gestalt Lord Krayts, die erschien, sondern die seiner Stimme, Darth Wyyrlok.

 

"Lord Stator", tönte der Chagrianer, "Ihr werdet Euch morgen um sechs Uhr Standardzeit an Landebucht 7 einfinden. Ein weiterer Sith-Lord wird sich dort mit Euch treffen. Bereitet Euch auf einen Einsatz vor !"

"Wie Ihr wünscht, Mylord !" antwortete Stator.

Ohne eine Antwort schaltete Wyyrlok seine Übertragung ab.

 

Die schroffe Art von Krayts Verkünder ihm gegenüber nervte ihn zunehmend, und dieser plötzliche Einsatzbefehl, gerade als er sich in die dunkle Seite der Macht versenken wollte, trug ein weiteres zu seinem Unbehagen bei. Seit Anbeginn seiner neuen Tätigkeit hatte er das Gefühl, daß Lord Wyyrlok ihn mit all seiner Macht von den Studien fernhalten wollte. Stator sinnierte kurz darüber nach, wischte diese Gedanken dann aber beiseite, um sich reisefertig zu machen.

 

Am nächsten Morgen traf Stator an der ihm bestimmten Landebucht ein. Der Sith, mit dem er sich hier zu treffen hatte, war schon da. Stator griff in die Macht und erkannte seinen "Entdecker", Lord Thrakon. "Mylord", grüßte er kurz.

Thrakon sah ihn erstaunt an. "Ah…Lord Stator. Ihr seid das also, Korto. Hat man Euch letztlich doch gestattet, zum Sith ausgebildet zu werden."

 

"So scheint es, Lord Thrakon. Und Euer Versprechen auf Nar Shaddaa hat sich schlußendlich doch bewahrheitet."

"Nun", begann Thrakon, "dann scheint es Vorsehung zu sein, daß wir zur Stunde eben dorthin, nach Nar Shaddaa, aufbrechen werden, um die uns auferlegte Mission zu erfüllen. Gehen wir an Bord, ich unterrichte Euch unterwegs von unserem Auftrag !"

Stator nickte und die beiden Sith betraten das Raumschiff des Zabrak, die Rakoth's Bane.

 

"Es wurde uns zugetragen, daß auf dem Schmugglerplaneten drei Jedi samt ihren Padawanen festsitzen, da ihr eigenes Schiff irreparabel havariert ist", instruierte Thrakon den Jabiimi. "Auf der Suche nach einem Spacer, der sie von dort wegbringt, ist auch einer unserer Verbündeten darauf aufmerksam geworden, und hat uns informiert. Unsere Aufgabe ist es, die Jedi zu vernichten, und, falls es möglich ist, einen der Padawane für die dunkle Seite zu rekrutieren."

 

Darth Stator war überrascht. "Keine Artefakte, die ich katalogisieren soll ? Keine Sith-Holocrone, die irgendwelche obskuren Händler feilbieten ?" fragte er.

"Tut mir leid, Lord Stator, aber wie es scheint, sind diese Eurer Fähigkeiten hier nicht gefragt", antwortete Thrakon.

"Gut !" entgegnete Stator. "Ich wollte schon immer etwas Abwechslung !"

 

Auf Nar Shaddaa angekommen, informierte sich Thrakon darüber, wo die Jedi untergeschlüpft waren, während Stator die Abwesenheit des anderen Sith nutzte, um seine eigenen Vorhaben voranzubringen. Zum ersten suchte er die ihm von früher bekannten Spelunken auf, um einen bestimmten Kontakt herzustellen. Er suchte einen Hacker, der Datenkarten so perfekt kopieren konnte, daß sie wie ein Original erschienen.

Im "Roaring Rancor" wurde er fündig, der junge Mann war versiert genug, um seinen Job auszuführen, und clever genug, nicht zuviele Creds dafür zu verlangen. Stator trug zur Tarnung einen mittelbraunen Mantel, in dessen Kapuze er sein Gesicht tief verstecken konnte. Er wollte in diesem Moment nicht als Sith erkannt werden.

Der Mann verschwand kurz, und kam kurz darauf mit der Datenkarte und einer perfekten Kopie davon zurück. Stator nahm die Datenträger mit einem Nicken entgegen, zahlte den Mann aus, und mit einem Stoß der Macht brachte er ihn dazu, sich nicht mehr an diese Transaktion zu erinnern. Daraufhin verließ er das Lokal. Auf der Straße angekommen, hielt er kurz inne, um Luft zu schnappen. Er schob die Kapuze zurück, und atmete tief durch.

"Koooortoooo !" dröhnte plötzlich eine ihm bekannte Stimme. Darth Stator drehte sich in die Richtung, aus welcher der Ruf ertöntte, und erkannte Flynn, den alten Schmuggler, der ihm einst Lohn und Brot gewährt hatte.

"Korto, Junge !" grölte der Alte, vom corellianischen Ale schon recht benebelt, "ich wußte, daß du eines Tages zurückkommst."

Stator antwortete nicht.

"Hey, wußtest du, daß ich ein neues Schiff habe ?" lallte der Alte weiter. "Es war mir einfach zu langweilig, haha." Flynn nahm einen großen Schluck aus seiner Flasche. "Hey, ich könnte einen jungen Mann wie dich gut brauchen ! Hey, wie wär's ? Die guten alten Zeiten !"

 

Stator schaute dem alten Spacer tief in die Augen. Plötzlich schien sich in dem alkoholvernebelten Hirn des Schmugglers eine Erkenntnis breitzumachen, als er Kortos Tätowierungen und seine gelbrot leuchtenden Augen bemerkte. "Hey, bist jetzt einer von den finsteren Kerls was ? Wußte schon immer, daß…."

"Flynn !" hauchte Stator heiser. "Ich war nicht hier, und du hast mich nicht gesehen." Und drückte sanft mit der Macht zu. "Du hast das nur geträumt, zuviel getrunken !"

Während der alte Spacer verwirrt dastand, und leicht hin und her schwankte, verbarg Stator sich in den Schatten.

"Oh, verkarkte Sauferei!" stöhnte Flynn. "Habe ich doch gerade gedacht, ich hätte den alten Korto wieder gesehen !". Flynn wankte verwirrt, aber glücklich, von dannen.

 

Der Sith schaute dem wankenden Alten hinterher. Er hätte ihn töten können. Doch irgendwie hatte Flynn eine Aktie daran, daß er jetzt ein Sith war. Hätte der alte Spacer ihn nicht damals von Jabiim mitgenommen, wäre er vermutlich schon tot, als Mörder seines Vaters hingerichtet. Dankbarkeit war zwar nicht unbedingt eine Sith-Tugend, doch Flynns Tod hätte Stator nicht den Genuß eines Sieges verschafft. Sein Tod war nicht von Nutzen.

Mit einer Mischung aus Belustigung und Widerwillen sah Stator, wie sich Flynn am Straßenrand übergab, um anschließend wieder einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. "Auf Korto, die ehrliche Haut !" grölte der Alte, und verschwand aus Stators Sichtfeld.

Stator verzog leicht das Gesicht, und wandte sich seinen kommenden Aufgaben zu.

 

Thrakon hatte mittlerweile den Schlupfwinkel der Jedi ausfindig gemacht, und er und Stator fanden sich nun am besagten Ort ein.

"Lord Stator, ich denke es wäre gut, herauszufinden, ob es einen Hinterausgang gibt. Wenn Ihr das erledigen könntet ?"

Stator nickte kurz.

"Und verbergt Euch in der Macht, wir wollen unsere Freunde doch nicht unnötig verwirren !"

"Wie Ihr wünscht, Lord Thrakon !" Nach diesen Worten Stators trennten sie sich.

 

Die Unterkunft war schäbig, aber Jedi streben nicht nach Luxus, und so war den drei Jedi samt ihren Schülern nur noch eine Sache unbehaglich, das Warten. Ihr Schiff war abgestürzt und nur das tiefe Versenken in die Macht hatte das Überleben der sechs Männer gesichert. Doch Nar Shaddaa war kein sicheres Pflaster, und so saßen sie nun hier, drei Jedi–Meister und ihre Padawane, und warteten auf eine Passage weg vom Schmugglermond.

 

"Meister Tik", meldete sich einer der Padawane. "Was ist, wenn der Spacer uns an die Sith verrät ?"

Heruin Tik schaute mißbilligend auf seinen Padawan, bevor er anhub: "Die Spacer mögen die Sith fast genausowenig wie wir. Und wenn uns einer verrät, vertraue tief auf die Macht, mein junger Schüler, dann wirst du…."

In diesem Moment schaute er abrupt zur Tür, genau wie die beiden anderen ausgebildeten Jedi. "Sith !" sagte mit hohler Stimme Meister Ashram, ein Mon Cal.

"Ich habe es auch gespürt", entgegnete Zeera Twan, die dritte Jedi, eine Humanoide von Corellia.

 

"Meister Ashram, nehmt die Padawane und verlaßt das Gebäude durch den Hintereingang", wies Tik an. "Zeera und ich werden den Sith aufhalten."

Während der Mon Cal mit den Padawanen den Raum verließ, stellten sich die beiden Jedi in Kampfposition. Als sie ihre Lichtschwerter zündeten, zerbarst schon die Tür, und Darth Thrakon, dunkler Lord der Sith, betrat das Gebäude.

 

"Warum fliehen wir, Meister ?" fragte einer der Padawane.

"Ihr seid noch nicht fertig ausgebildet", antwortete Ashram. "Selbst für Jedi ist ein Kampf gegen Sith schwer. Für Padawane aber tödlich. In Euch aber liegt das Fortbestehen unseres Ordens. Ihr müßt in Sicherheit gebracht werden, Ihr müßt noch viel lernen, um gegen Sith zu bestehen. Und noch viel mehr, um sie zu besiegen."

 

Mittlerweile waren sie am Hinterausgang angelangt. Ashram brachte mit einer Handbewegung die Padawane zum Stoppen. Er versenkte sich in die Macht, und konnte nichts Verdächtiges bemerken.

"Nun, es scheint, die Luft ist rein", sagte er zu seinen Schützlingen, und öffnete die Hintertür.

 

Nachdem alle Jedi das Haus verlassen hatten, trennte sich plötzlich eine Gestalt von der Finsternis. Ashram war erstaunt. Er konnte den Mann sehen, aber immer noch nicht in der Macht spüren.

"Wer seid Ihr ?" fragte der Jedi, sichtlich überrascht.

"Ich", antwortete Stator, mit einem leichten Grinsen, während er sein Lichtschwert zündete, "bin Euer Alptraum !"

 

Die vier Jedi zündeten fast gleichzeitig ihre Lichtschwerter, doch ehe sie sich formieren konnten, sprang Darth Stator mit einem Salto über die vier hinweg und enthauptete mit einem weiten Schlag seiner Waffe zwei der Padawane. Den dritten schleuderte er mit einem Machtgriff an die nächste Wand. Dann widmete er sich dem Jedi.

Dieser war schwerer zu bezwingen, das spürte Stator, und so begann er mit einigen belanglosen Angriffen, die man eher von ersten Übungen kennt. Stator wollte den Jedi in Sicherheit wiegen, und das schien zu funktionieren. Der Jedi versuchte einige Attacken, bei denen Stator vorgab, sie nur knapp und mit Mühe parieren zu können. Und als sich der Jedi sicher zu fühlen schien, wurde er unvorsichtig. Als er unklugerweise eine gewagte Angriffsform wählte, trennte ihm Stator mit einer gekonnten Bewegung den Schwertarm am Ellbogen ab. Der Jedi versuchte, mittels der Macht sein Lichtschwert mit der anderen Hand zu greifen, doch kam ihm auch hier Stators Lichtschwert in den Weg, welches die linke Hand direkt am Gelenk abtrennte.

 

Nun wandte sich Stator an den verbliebenen Padawan. Dieser war gerade aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht und versuchte, nach seinem Lichtschwert zu greifen. Mit einem kurzen Griff in die Macht holte der Sith die Waffe in seine freie linke Hand.

 

Der Padawan starrte abwechselnd Stator und die toten Jedi an. "Ihr seid so mächtig !" stammelte er.

Stator neigte sich etwas zu ihm hinunter. "Möchtest du auch so mächtig sein ?"

"Ja !" hauchte der Jüngling. Stator warf ihm sein Lichtschwert zu, deutete auf den verwundeten Mon Cal und sagte. "Dann töte ihn !"

Der Jedi–Schüler schaute ihn entsetzt an. "Das…das kann ich nicht tun !"

Stator neigte den Kopf in einer Mischung aus Bedauern und Verachtung. "Warum nicht ?"

"Er…er ist mein…mein Meister, ich verdanke ihm so viel…"

 

"Verdanken !" entgegnete der Sith verächtlich, "Jedi-Geschwätz ! Wenn du so mächtig werden willst wie ich," Stator schwang sein Lichtschwert in einer komplizierten Kombination und ließ es kurz vor dem Hals des Jedi-Schülers verharren, "kannst du das nur, wenn du die dunkle Seite in dir weckst. Töte deinen Meister, und werde ein Sith, oder verschone ihn und stirb mit ihm als Jedi !"

Stator ging zwei Schritte zurück, um abzuwarten, was geschah. Der Padawan schaute sein Lichtschwert an, dann den dunklen Lord. Dieser lächelte finster und deaktivierte seine Waffe. "Oder laß deinen Zorn sprechen und strecke mich nieder !"

 

Der junge Jedi schaute abwechselnd auf die deaktivierte Waffe des Sith und auf seine eigene, augenscheinlich unsicher, was er als nächstes tun sollte.

 

"Fürchtest du dich ?", fragte Stator, und der junge Jedi nickte wortlos. Daraufhin warf der Sith seinen Lichtschwertgriff einige Schritte weit weg.

"Nun bin ich unbewaffnet, junger Jedi. Strecke mich nieder mit all deinem Haß und Zorn, und gib dich der dunklen Seite hin ! Oder töte deinen…Meister, und werde mein Schüler. Egal, wie du entscheidest, du kannst nicht gewinnen. Oder muß ich deine Entschlußkraft etwas beflügeln ?"

 

Er hob eine Hand in die Richtung des verletzten Jedi und ließ eine Kaskade Machtblitze auf den Verwundeten niederprasseln, sodaß sich dieser vor Schmerzen wand. Der Padawan starrte entsetzt zu seinem leidenden Meister. Entschlossen zündete er seine Waffe.

"Nein! Tu das nicht !" schrie der Mon Calamari seinem Schüler zu. "Er will dich auf die dunkle Seite ziehen !" Dessen ungeachtet starrte der junge Jedi auf seinen Widersacher, und dieser spürte den wachsenden Zorn des Jungen in der Macht.

 

"Nein !" rief er dem Sith zu. "Ich werde nie zur dunklen Seite gehören !" Mit seinem jugendlichen Ungestüm attackierte er den dunklen Lord, doch dieser parierte den ungeplanten Hieb des Jungen, indem er dessen Schwerthand mittels der Macht festhielt.

"Du bist auf dem besten Weg dazu, junger Jedi-Schüler. Du hast gerade einen Unbewaffneten angegriffen, mit der Absicht, ihn zu töten." Mit diesen Worten schleuderte Stator den jungen Jedi zurück.

"Du kannst nicht gewinnen, kleiner Jedi. Was immer du tust, ob du deinem Meister tötest, oder mich, es wird dich auf die dunkle Seite bringen, und dann gehörst auch du Lord Krayt."

 

Der junge Jedi starrte den Sith wutentbrannt an. Dann schaute er zu seinem verwundeten Meister und blickte ihm tief in die Augen. Dann schaltete er sein Lichtschwert aus und sah Stator an.

"Niemals bringt ihr mich auf die dunkle Seite ! Ich bin ein Jedi." Und mit diesen Worten warf er sein Lichtschwert weg.

"Nun", entgegnete der Sith, "Dann sterbt ihr beide." Und nach einer kurzen Abfolge von Lichtschwerthieben rollten zwei Köpfe über den Straßenbelag.

 

In dem Moment, als Stator sein Lichtschwert deaktivierte, trat aus der Tür Darth Thrakon.

 

"Was hat Euch so lange aufgehalten, Mylord ?" fragte Stator.

"Hm", entgegnete Thrakon, "diese Jedi sind manchmal zäher, als man denkt."

"Ja", erwiderte Stator langsam, indem er auf seine vier Opfer schaute. "Manchmal sind sie das."

 

"Konntet Ihr keinen der Padawane für die dunkle Seite gewinnen ?"

"Ich habe es versucht, aber er zog es vor, mit seinem Meister in den Tod zu gehen. Vermutlich fehlt mir für derartiges das Talent."

"Mag sein", räumte Thrakon ein, "dafür habt Ihr ein anderes Talent, in welchem ihr noch Euren Meister sucht."

"Natürlich !", brummte der Jabiimi, "Ich kann aus altem Sith-Spielzeug Informationen filtern, die sonst keiner findet, und die sonst keiner braucht."

"Nein, das meine ich nicht, Lord Stator", widersprach der Zabrak. "Ihr könnt Euch in der Macht so trübe machen, daß Euch keiner bemerkt, nicht einmal Machtsensitive. Oder meint Ihr, die vier Jedi hätten den Hinterausgang benutzt, wenn sie Eure Präsenz gespürt hätten ? Sie spürten mich, und ließen zwei zurück, um mich aufzuhalten, während vier weitere flohen. Nein, diese vier Jedi haben Euch nicht in der Macht gespürt !"

 

"Nun", entgegnete Stator erstaunt, "es sollte für Sith keine große Herausforderung sein, Jedi auszutricksen."

"Nicht nur Jedi", raunte Thrakon bedeutungsvoll. "Nicht einmal ich habe Euch gespürt, Darth Stator. Für einen Moment dachte ich sogar, Ihr hättet Euren Platz nicht eingenommen. Erst als Ihr Euer Lichtschwert zündetet, wart Ihr wieder erkennbar für mich. Und wie überrascht müssen erst die Jedi gewesen sein !"

Stator überblickte das Gemetzel, welches er angerichtet hatte, und nickte kurz bedächtig. "Das müssen sie wohl."

"Nun, unsere Aufgabe hier ist getan, laßt uns zurückfliegen."

 

Die beiden Sith verließen den Ort des Grauens, ohne einen letzten Blick auf ihre Opfer zu verschwenden.

 

Als sie an ihrem Landeplatz ankamen, bemerkten sie ein anderes Schiff neben der Rakoth's Bane. Es war etwa zwanzig Meter lang, und hatte sicher einst recht eindrucksvoll ausgesehen. Allerdings hatte der Zahn der Zeit schon recht kräftig an dem Fahrzeug genagt, welches wohl noch aus dem galaktischen Bürgerkrieg zu stammen schien. Rundherum waren Meteoriteneinschläge und auch leichte Blastertreffer zu erkennen, die notdürftig ausgebessert waren. Im Grunde handelte es sich um eine Schrottkiste, die wohl nur deshalb noch flog, weil irgendein imperialer Bürokrat versäumt hatte, den Verschrottungsauftrag zu unterschreiben.

 

Ein imperialer Pilot stand davor und trat auf die beiden Sith zu, als er sie erkannte.

 

"Lord Thrakon, Lord Stator ? Ich bin Leutnant Thar Masson. Ich habe eine Botschaft für Euch."

 

Der Soldat holte einen Holoprojektor hervor und aktivierte ihn. Das Hologramm von Darth Wyyrlok erschien. "Lords, Euer Auftrag hat sich geändert. Ihr, Lord Thrakon, werdet sofort nach Coruscant zurückbeordert. Doch Ihr, Stator, seid angewiesen, Euch mit Leutnant Masson nach Bespin zu begeben. Der dortige Administrator steht im Verdacht, mit dem abgesetzten Imperator Fel zu paktieren. Eure Präsenz soll ihm ins Gedächtnis rufen, daß er dem Imperium Treue geschworen hat, und das verkörpert momentan Lord Krayt. Meldet Euch von Bespin, sobald Ihr angekommen seid !"

Das Hologramm verblaßte. Stator schaute Thrakon erstaunt an, denn Strafaktionen oder ähnliches gehörten normalerweise nicht zu seinen Aufgaben.

 

"Nun, Lord Stator, es scheint, unsere Wege trennen sich ein weiteres Mal." Die beiden Sith verneigten sich knapp voreinander, bevor sie zu den verschiedenen Schiffen gingen.

 

Stator betrat das Schiff. Der Pilot führte ihn etwas herum und erläuterte ihm die Innenräume. "Entschuldigt bitte das Alter und den Zustand des Schiffes, Mylord", erklärte Masson. "Doch der Auftrag war dringlich und es war auf die Schnelle kein anderes, besseres Transportmittel verfügbar."

"Es wird seinen Zweck erfüllen", entgegnete Stator, und folgte dem Offizier beim Rundgang durch das Schiff.

 

Das Cockpit hatte nur einen Sitz an den Kontrollen, dafür zwei Notsitze im hinteren Bereich. Außerdem verfügte das Schiff über zwei recht geräumige Reisekabinen. Unterhalb der Flügelansätze, so erklärte ihm der Pilot, befanden sich spitze Auswüchse, von denen der linke eine Rettungskapsel und der rechte einen Frachtraum enthielt. Die Vector, so hieß das Schiff, verfügte über einen Klasse 1-Hyperantrieb. Die Bewaffnung bestand aus zwei Laserkanonen, die vorn am Flügelansatz saßen. Zwei weitere waren in die Flügelenden eingelassen.

Das ganze Schiff wirkte wie ein privates Vergnügungsshuttle, welches notdürftig für den Kampfeinsatz umgebaut worden war. Obwohl es völlig unmodern war, gefiel es Stator irgendwie. Da die linke Kabine mit Frachtgut vollgestellt war, wählte er die andere und verstaute seine Reiseutensilien.

Die Reise von Nar Shaddaa nach Bespin würde einige Zeit dauern, und so versetzte sich Darth Stator in eine tiefe Meditation. Er berührte Regionen der Macht, die er früher nie erreicht hatte, da er sich nie so lange in die dunkle Seite versenkt hatte wie jetzt. Er spürte kurz nach Beginn seiner Trance das Bewußtsein des Piloten, drang dann tiefer in die dunkle Seite vor, schaute auf einmal in das Antlitz von Darth Bane. Dieser blickte ihm tief in die Augen und teilte ihm auf unterbewußter Ebene mit : "Nur zwei sollen es sein. Nur zwei. Ein Meister, ein Schüler. Nur so wird der Kult der Sith weiterleben !"

Stator versenkte sich noch tiefer in die Macht. Schemenhaft erschienen noch ältere Sith vor seinen Augen, doch waren ihre Äußerungen in für ihn unverständlichen Sprachen. Als er sich noch tiefer in die dunkle Seite versenken wollte, entglitt ihm plötzlich die Konzentration. Eine Störung in der Macht holte ihn in die Wirklichkeit zurück.

Stator blinzelte, um sein Augenlicht an die Dunkelheit des Raums zu gewöhnen. Er überlegte, was ihn aus seiner tiefen Machtmeditation gerissen haben könnte. Er griff kurz in die Macht, und stellte fest, daß er augenscheinlich allein an Bord war. Stator erhob sich und bewegte sich in Richtung Cockpit.

Wie er schon erwartet hatte, fand er es leer vor. Ein kurzer Check zeigte ihm, daß die Rettungskapsel fehlte.

 

Stator überprüfte den Navigationscomputer und stellte fest, daß der Kurs auf die nächste Sonne gesetzt war. Das Raumschiff war dazu verurteilt, im atomaren Feuer eines Sterns zu verglühen. Ein zweites Mal schien ihm jemand nach dem Leben zu trachten. Und wer weiß, vielleicht waren die Einsätze auf Melkenda und Nar Shaddaa ebenfalls eine Falle. Nur schien sein Attentäter über seine Fähigkeiten und Kenntnisse nur unzulänglich unterrichtet zu sein.

Grinsend erinnerte sich Stator an den alten Flynn. Der Spacer hatte sich damals schon gern einen hinter die Binde gegossen, und damit er das auch unterwegs tun konnte, hatte er den jungen Korto beizeiten in den Feinheiten der Steuerung eines Raumschiffs unterwiesen.

Das versetzte den Sith nun in die Lage, den Navigationscomputer umzuprogrammieren.

 

"Der gute alte Flynn", dachte Stator. "Hat mir nun zum zweiten mal den Hintern gerettet, ohne es zu wissen."

 

Der Jabiimi programmierte jedoch einen Kurs, der nicht nach Bespin führte. Wenn er schon offiziell als tot galt, und niemand nach ihm fragen würde, konnte er genausogut das Vorhaben ausführen, welches ihm schon längst am Herzen lag. Entschlossen programmierte er den neuen Kurs, und sprang kurz darauf in den Hyperraum.

 

In den frühen Morgenstunden fuhr Cinis plötzlich aus dem Schlaf hoch. Es war noch finster draußen, und im Tempel herrschte relative Ruhe; dennoch empfand sie eine starke Störung in der Macht. Irgendetwas spielte sich ab, und es fühlte sich an, als wäre eine fremde Präsenz in den Tempel eingedrungen.

 

Sie verlor keine Zeit, sprang aus dem Bett und kleidete sich an. Als sie ihr Quartier verließ, umgab sie sich mit jenem Mantel der Unauffälligkeit, der ihr schon in früheren Jahren gute Dienste geleistet hatte, und folgte dem Lockruf der Macht, der sie tief ins Innere des Tempels leitete, in die unteren Etagen, die logistischen Zwecken und der Müllentsorgung gewidmet waren. Dort gelangte sie in einen Raum, in dem Abwässer gesammelt wurden und bis zu ihrer endgültigen Weiterleitung in ein städtisches Klärwerk dazu dienten, einem Dianoga Nahrung zu liefern.

Cinis erklomm rasch einen oberhalb des Abwasserbeckens verlaufenden Wartungssteg und rümpfte die Nase, denn der Ort war verständlicherweise nicht gerade das, was man wohlriechend nennt. Sie verdrängte den aufkommenden Ekel mit Hilfe der Macht, denn das Gefühl, daß gleich etwas geschehen würde, verstärkte sich von Sekunde zu Sekunde.

 

Im trüben Licht der Servicebeleuchtung bemerkte sie, im selben Moment, als das Gefühl einer fremden Präsenz in ihr übermächtig wurde, eine Bewegung. Zwei Gestalten schlichen den Laufgang neben dem Abwasserbecken entlang, so lautlos es ging. Als sie sich in Richtung von Cinis bewegten, erkannte sie eine von ihnen als den gefangenen Bothan-Jedi Hosk Trey'lis, der in einen dunklen Mantel gehüllt war – offenbar hatte sein Begleiter ihm diesen gegeben. Bei ihm befand sich ein junger Mann mit halblangen, zerzausten hellblonden Haaren, bekleidet mit enganliegenden schwarzen Hosen, schweren Stiefeln, einem zerrissenen ärmellosen Hemd und einem mit einem stilisierten schwarzen Symbol verzierten segmentierten Brustpanzer, der wahrlich schon bessere Tage gesehen hatte. Unter seinem Waffengurt, an dem – Cinis traute ihren Augen nicht – ein Lichtschwert hing, war eine breite rote Schärpe sichtbar; rot waren ebenfalls die Stoffbandagen um seine Unterarme und die Tätowierungen – ein abstraktes Symbol und eine Art Schädel mit gekreuzten Knochen – die seinen linken Arm zierten. Seine Hände steckten in schwarzen Handschuhen, und jetzt blieb er stehen und löste das Lichtschwert vom Gürtel.

 

Schlagartig begriff Cinis, wen sie da vor sich hatte, als die vereinzelten Bilder, die sie ab und zu bei ihrer Aufklärungsarbeit zu Gesicht bekommen hatte, sich mit der überwältigenden Präsenz seiner Jedi-Ausstrahlung deckten. Der junge Mann war niemand anders als Cade Skywalker, und offenbar dabei, Hosk Trey'lis aus der Gewalt der Sith zu befreien.

 

Im selben Augenblick heulten Alarmsirenen auf, und Strahler tauchten den Laufgang neben dem Becken in gleißendes Licht. Cinis zog sich instinktiv noch stärker in die verbleibenden Schatten auf dem Wartungsgang zurück und versenkte sich weiter in die Macht, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Entscheidung, eventuell handeln zu müssen, wurde ihr jedoch abgenommen, als von der anderen Seite des Laufgangs eine dritte Gestalt auf Trey'lis und Skywalker zustürmte.

 

Als diese ihr Lichtschwert aktivierte, erkannte Cinis sie als Darth Talon, die Twi'lek – Hand von Lord Krayt. Die Sith jagte blitzschnell auf die beiden zu, in ihrer ganzen exotischen Schönheit, mit wild schwingenden Lekku; und im Laufen hob sie eine Hand und schleuderte den Bothaner mit einem gezielten Machtstoß an die rückwärtige Wand, so daß er bewußtlos liegenblieb. Ohne innezuhalten, stürzte sie sich mit kampfbereitem Schwert auf Skywalker, doch dieser wehrte ihren Angriff nach einem kurzen Schlagabtausch mit seiner leuchtend grünen Klinge scheinbar mühelos ab.

Sie schrien sich an. Cinis sog scharf die Luft ein, als sie sah, wie Darth Talon das Schwert aus der Hand geschlagen wurde und Skwalker sie mit seiner Waffe bedrohte. Die Twi'lek kauerte, plötzlich geschlagen und verwundbar, vor ihm auf dem Boden, doch er erhielt keine Gelegenheit, den tödlichen Stoß auszuführen. Im nächsten Augenblick rang Skwalker nach Luft und zuckte zurück. Seine Hände fuhren hinauf zu seinem Hals, sein Schwert rutschte außer Reichweite.

Während sich Talon, innerlich vor Wut kochend über ihre eigene Ungeschicktheit, langsam erhob, beobachtete Cinis, wie sich die Gestalt von Darth Nihl aus den Schatten löste und auf Skywalker, den er in seinem Machtgriff hielt, zubewegte. Er ging neben dem keuchenden jungen Mann in die Hocke und intensivierte seinen Griff, bis sein Opfer bewußtlos wurde.

 

Cinis konnte hören, wie Darth Talon wütend fauchte: "Ich brauche deine Hilfe nicht, Nihl."

Der Nagai würdigte sie keines Blickes, konzentrierte sich weiter auf Skywalker und gab lakonisch zurück, Talons unhöfliche Sprechweise imitierend: "Ich mache das nicht, um dir zu helfen. Ich mache es, weil er mich interessiert." Er hob die Hand wieder, um Skywalker endgültig von der Bewußtlosigkeit zum Tod zu befördern – und hielt inne, als Talons Lichtschwertklinge nur Zentimeter vor seinem Gesicht verharrte. Cinis hörte, wie sie, ihren kleinen Triumph auskostend, Lord Nihl brüsk anfuhr: "Ich bin auf Befehl unseres Lord Krayt hier. Er will Skywalker lebend."

 

Nihl löste sich langsam von seinem Opfer, nahm die Hand zurück und brummte: "Schade." Der Blick, den er Talon dabei zuwarf, als er den Kopf hob und sie ansah, zeugte von kaum verhüllter Wut. Augenscheinlich war das einzige, was ihn davon abhielt, Talon für ihre Unverschämtheit den Kopf abzuschlagen, sein eigenes Gebundensein an Lord Krayt und die ihm abverlangte Unterwerfung unter seinen Willen. Er kam auf die Beine und fauchte seinerseits, mühsam beherrscht: "Aber wenn Lord Krayt es so will, gehorchen wir, nicht wahr ?"

Abrupt wandte er sich ab, um seinem Meister Bericht zu erstatten, Talon, Skywalker und den bothanischen Jedi zurücklassend.

 

Cinis zog sich vorsichtig zurück. Sie hatte genug gesehen. Skywalker würde nun sicher zu Lord Krayt oder Lady Maladi gebracht werden. Um sicherzustellen, daß keiner ihre Anwesenheit argwöhnte, beschloß sie, in ihr Quartier zurückzukehren, dort erst einmal ihre Übungen zu machen und wie an einem ganz normalen Tag erst zur üblichen Zeit an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen. Sie hatte jedoch kaum zwei Drittel des Wegs durch den weitläufigen Tempel zurückgelegt, um von der Serviceebene in den Wohnbereich zu gelangen, als eine Hand ihren Oberarm packte und sie kraftvoll in eine düstere Ecke des eh nur notdürftig beleuchteten Korridors zog.

Als sie herumfuhr, starrte sie in Lord Nihls rote Augen.

 

"Keinen Laut", flüsterte er. "Ich weiß, daß Ihr beobachtet habt, was geschehen ist."

Cinis erstarrte erst, dann nickte sie. Offenbar hatte ihre Abschirmung dazu ausgereicht, vor Darth Talon, deren Wahrnehmung scheinbar ein wenig gröber gestrickt war als die feinen Sinne des Nagai-Kriegers, verborgen zu bleiben; und sowohl Trey'lis als auch Skywalker waren wohl mit dem Auftauchen der Twi'lek für den Moment abgelenkt genug. Darth Nihl jedoch hatte sie nicht täuschen können.

 

"In diesem Augenblick wird Cade Skywalker in Lady Maladis Labor gebracht, wo er in Gegenwart von Lord Krayt verhört werden wird", flüsterte Nihl. "Jetzt könnt Ihr selbstverständlich nicht hinein. Aber haltet Kontakt, so gut Ihr es vermögt; nützt den kommenden Tag ! Es besteht die Möglichkeit – und ich habe den begründeten Verdacht – daß diese Begegnung nicht mit Skywalkers Tod endet, dazu ist er zu wertvoll. Vielmehr könnte es sein, daß Lord Krayt ihn dazu bringt, sich ihn uns anzuschließen – ob nun freiwillig oder gezwungenermaßen. Versucht, dies in Erfahrung zu bringen !"

Mit diesen Worten ließ er sie los und verschwand im Labyrinth der Korridore.

 

Der Tag verlief für Cinis zunächst einmal routinemäßig. Nach ihren Übungen wusch sie sich, frühstückte und erschien dann an ihrem Arbeitsplatz. Bezeichenderweise war Lady Maladi nicht anwesend. Sie versuchte, etwas über die laufenden Vorgänge herauszufinden, doch nichts befand sich im System. Der Zugriff auf die internen Daten von Lord Wyyrlok, natürlich mit Hilfe der Hackercodes, verriet ihr jedoch, was als nächstes für Darth Stator geplant war. In Kürze stand ihm ein Einsatz auf Nar Shaddaa zusammen mit Darth Thrakon, einem Zabrak, den Cinis bisher noch nicht persönlich kennengelernt hatte, bevor: eine Gruppe versprengter Jedi harrte dort ihrer Vernichtung.

 

Nach ihrem Lichtschwerttraining, das diesmal wieder aus zwei Übungskämpfen bestand – einmal wie üblich gegen Darth Levouan sowie einen recht ungestümen Rodianer – rief endlich Darth Maladi sie zu sich; und zwar in ihr Privatbüro.

Die Tür schloß sich hinter Cinis, und sie verneigte sich vor Maladi. "Mylady", sagte sie, "ich stehe zu Euren Diensten."

 

Maladi nickte leicht und begann dann zu sprechen.

"Dies zu Eurer Information, Lady Cinis. Ihr habt ja mitbekommen, daß Cade Skywalker in den Tempel eingedrungen ist und in Gewahrsam genommen wurde. Er wurde durch mich verhört und durch Lord Krayt geprüft, mit dem Ergebnis, daß wir vom überwältigenden Potential seiner Heilkräfte voll und ganz überzeugt sind. Die Prüfung war sehr persönlicher Natur, was die Authentizität des Ergebnisses nur noch erhöhte, denn wir haben uns seiner Gefährten Jariah Syn und Deliah Blue bedient. Es ist ihm gelungen, diese beiden Personen innerhalb weniger Minuten von den Auswirkungen der Yuuzhan Vong – Korallensamen, die ich ihnen auf Befehl von Lord Krayt eingepflanzt hatte, zu heilen.

Lord Krayt will Skywalker auf seiner Seite sehen, und dieser hat sich bereiterklärt, seinen weiteren Anordnungen Aufmerksamkeit zu schenken, um seine Freunde zu retten. In drei Tagen ist eine weitere Aussprache geplant; und ich habe aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun, die Vermutung, daß weder Lord Nihl noch ich selbst dieser beiwohnen werden. Daher seid Ihr angewiesen, Eure Recherchen nach diesem Gespräch auf Lord Wyyrloks persönliche Aufzeichnungen zu konzentrieren, um in Erfahrung zu bringen, welches Ergebnis diese Unterredung erbracht hat. Ihr versteht, daß dies angesichts des Machtpotentials von Skywalker von höchster Wichtigkeit ist. Bringt mir die Information, die ich benötige."

 

Cinis nickte. "Selbstverständlich, Mylady. Ihr könnt Euch auf mich verlassen."

Maladi maß sie mit einem durchdringenden Blick und fuhr dann fort.

"In der Zwischenzeit habe ich einen weiteren Auftrag für Euch. Ihr werdet nach Corellia reisen und dort einen weiteren Verräter seinem Schicksal zuführen." Sie teilte Cinis die Details mit. "Wenn Ihr ihn getötet habt, kehrt Ihr unverzüglich zurück. Ihr werdet sofort abreisen."

Cinis verneigte sich. "Wie Ihr befehlt, Mylady."

 

Darth Maladi entließ sie, und Cinis bereitete sich darauf vor, ihr Abendessen an Bord der Firestorm einzunehmen, um früh am nächsten Morgen einen weiteren Feind des Sith-Ordens auszulöschen.

 

Als sie drei Tage später wie befohlen die internen Aufzeichnungen von Darth Wyyrlok sichtete, konnte Cinis über die Vorahnung Lady Maladis nur noch staunen. Cade Skywalker war, nachdem Lord Krayt ihn über seine eigene Geschichte in Kenntnis gesetzt hatte, tatsächlich zum Sith-Orden übergelaufen. Ob dies aus Überzeugung oder aber aus strategischen Gründen geschehen war, blieb offen; Tatsache war jedoch, daß Skywalker jetzt ein Mitglied des Sith-Ordens war. Er war eingekleidet worden, hatte ein Quartier zugewiesen bekommen, und den Platz seiner Ausbilderin bekleidete niemand anders als Darth Talon.

Cinis war sich sicher, daß Lord Krayt dies so gewählt hatte, um Skywalker beobachten zu können, denn Vertrauen war etwas, was sich ein Sith nicht leisten konnte. Talon diente als Rückversicherung, um Skywalker zu prüfen und seine wahren Absichten herauszufinden, sollte er ein falsches Spiel spielen; aber auch, um in ihm die Überzeugung zu schaffen, daß der Weg der Sith das einzig Wahre für ihn war. Sie sollte ihn in den Kampfkünsten und der Geschichte des Ordens unterweisen und gleichzeitig ihr Bestes tun, um in Skywalker den Wunsch zu wecken, im Orden aufzugehen – letzteres mit allen Mitteln, wobei ihre äußere Attraktivität sicher auch eine Rolle spielte. Wenn es nicht gelang, Lord Krayts letzte Hoffnung aus Überzeugung im Sith-Orden zu halten, dann vielleicht mit Leidenschaft.

 

Darth Maladi zeigte sich wenig erfreut über die Nachricht, zumindest spürte Cinis dies in der Macht, als sie ihrer Herrin die erwartete Information lieferte. Fast hatte es den Anschein, als wäre der Eintritt Cade Skywalkers in den Orden jene Alternative, die ihr am wenigsten gefiel, aus Gründen, die Cinis nur argwöhnen konnte. Möglicherweise spekulierte Maladi auf den Tod von Lord Krayt, um dann selbst die Macht an sich zu reißen und den Orden mit Darth Nihl – nun als ihrer Hand – zu beherrschen. Jemand, der Darth Krayt Heilung und Verlängerung des Lebens – und damit seiner Herrschaft – zu bringen vermochte, war ihr offenbar ein Dorn im Auge.

Äußerlich ließ Maladi sich natürlich nichts anmerken, kommentierte Cinis' Ausführungen mit dem üblichen, ihr eigenen knappen Nicken und entließ sie dann.

 

Cinis war es recht, vorerst keine weiteren Aufträge zu erhalten. Skywalker hatte ihr Interesse geweckt, und sie nahm sich vor, mit ihm in nächster Zeit, wenn er sich ein wenig eingelebt haben würde, einen Trainingskampf zu absolvieren. Sie brannte darauf, mit dieser lebenden Legende einige Worte zu wechseln, sofern dies möglich sein würde, und faßte den Entschluß, bei Darth Talon baldmöglichst einen Trainingstermin mit Skywalker zu vereinbaren.

Ein weiterer Grund, warum sie hierfür großes Interesse zeigte, war die Tatsache, daß Lord Stator von seiner Mission mit Darth Thrakon nie zurückgekehrt war. Eigentlich hätte er längst wieder im Tempel weilen müssen – es schien, als sei er sofort nach Beendigung seines Auftrages einer weiteren Aufgabe im Außendienst zugeführt worden. Bisher hatten die Aufzeichnungen keine Informationen hierüber geliefert; und Cinis war ganz froh, etwas zu haben, auf das sie sich konzentrieren konnte, denn in letzter Zeit dachte sie auffällig viel an Lord Stator.

 

Am nächsten Vormittag kontaktierte sie Darth Talon. Das Abbild der Twi'lek erschien im Übertragungsfeld des Holoprojektors, und Cinis ließ sich vor Lord Krayts Hand auf ein Knie nieder.

"Lady Talon", sagte sie und verneigte sich. "Ich hörte, Ihr habt einen neuen Schüler. Es wäre mir eine Freude, ihn zum Trainingskampf zu fordern, um zu seiner wie auch meiner eigenen Übung etwas beizutragen."

Talon lächelte leicht, offenbar fühlte sie sich geschmeichelt. "Du bist Cinis, nicht wahr ?", fragte sie, nicht unfreundlich, aber in dem für sie typischen, leicht herablassenden Tonfall. Cinis nickte.

"Es steht dir frei, mit meinem Schüler zu trainieren", fuhr Talon fort. "Wenn du willst, kannst du gleich morgen nachmittag mit ihm üben. Bisher hat er nur gegen mich gekämpft, und seine Leistungen lassen problemlos zu, es auch einmal mit einem anderen Gegner zu versuchen."

"Ich danke Euch, Mylady", sagte Cinis. "Ich werde Euch und Euren Schüler morgen nachmittag im Übungsraum erwarten."

 

Wie sich zeigen sollte, war der Termin für den Trainingskampf gut gewählt. Lord Wyyrloks Aufzeichnungen verkündeten am folgenden Tag lakonisch, daß Darth Stator auf dem Flug zu seinem nächsten, der Mission auf Nar Shaddaa nahtlos folgenden Einsatz auf Bespin bei einem Unfall, der die Zerstörung seines Shuttles zur Folge hatte, getötet worden war.

In diesem Moment war Cinis froh darüber, daß Sith so wie die Jedi keine gefühlsmäßigen Bindungen eingingen, denn dies hätte ihr jetzt Schaden zugefügt. Sie empfand einen leichten Stich des Bedauerns, den attraktiven Jabiimi nun nicht mehr in der Macht – und in ihrem Körper – spüren zu können, dann wandte sie sich bewußt ihren Plänen für den heutigen Tag zu und versenkte sich in die dunkle Seite, um die sich ihr aufdrängenden Emotionen verwandeln zu können.

Sie zwang sich, wütend auf Stator zu sein. Den Grund dafür mußte sie zwar tief in sich konstruieren, aber es gelang ihr zumindest teilweise. Hilfreich dabei war der Gedanke, daß man ihnen, wenn sie den Fehler machen würden, eine emotionale Bindung zueinander aufzubauen, wahrscheinlich befehlen würde, sich gegenseitig zu töten.

 

Im Übungsraum wartete Darth Talon bereits in Begleitung von Skywalker auf Cinis. Der junge Mann warf einen neugierigen Blick auf sie, als sie eintrat, und Cinis war beeindruckt von seinem anziehenden Äußeren, das sie bei jener nächtlichen Aktion ja nur aus einer gewissen Entfernung wahrgenommen hatte. Die Kleidung, die er trug, war an seine bisherige Ausrüstung angelehnt, nur war sie nun komplett schwarz mit roten Akzenten, einschließlich des segmentierten Brustpanzers und neu hinzugekommenen Unterarmschienen, nicht unähnlich ihrer eigenen Kluft.

Tätowiert war Skywalker nicht auf Sith-Art; und Cinis schätzte, daß auch er es nie werden würde; einzig am rechten Oberarm und auf dem linken Handrücken hatte er zwei abstrakte schwarze Muster empfangen, die ihm gut standen.

 

Er musterte sie aus blaugrünen Augen – bezeichnenderweise hatten sie bisher nicht die für Sith typische Farbe angenommen – als Cinis ihm zunickte und dann vor Darth Talon das Knie beugte.

Darth Talon wandte sich an Skywalker und sagte kurz: "Du wirst heute nicht gegen mich kämpfen. Diese Sith hat dich um einen Übungskampf ersucht."

 

Skywalker grinste jungenhaft. "Und wenn ich nicht gegen sie kämpfen will ?" fragte er.

"Du hast nichts zu fordern", gab Talon zurück. "Ich bin deine Meisterin, und ich habe ihr diesen Kampf mit dir gewährt. Gib dein Bestes."

Daraufhin verließ sie den Raum, Cinis und Skywalker zurücklassend.

 

Cinis hatte sich erhoben und zündete ihr Lichtschwert. "Fangen wir an", meinte sie.

Skywalker nickte, hob seine Waffe und griff nach kurzem Zögern an – so rasch, daß Cinis Schwierigkeiten hatte, sich auf seinen Kampfstil einzustellen. Er war wahrhaftig unglaublich stark in der Macht – stärker als sie selbst, erkannte sie mit Unbehagen. Einzig die Tatsache, daß ihm bisher regelmäßiges und gewissenhaftes Lichtschwerttraining gefehlt hatte - die relativ kurze Übungszeit mit Darth Talon hatte hieran nicht viel ändern können – ermöglichte es ihr, über ihn zu triumphieren. Seine Technik war erstklassig, die Kombination aus verschiedenen Stilen und wechselnden Angriffen und Paraden im Grunde meisterhaft, aber er ermüdete rasch, das erkannte Cinis nach einer Weile. Er kämpfte gut, aber unkonzentriert; in Gedanken war er ständig bei anderen Dingen; und so gelang es ihr, nachdem er keinen einzigen Treffer bei ihr hatte landen können, den Kampf mit einem kraftvollen Schlag in seinen Brustpanzer zu beenden. Im selben Augenblick, als Skywalker die Hand hob, um sie mit der Macht wegzustoßen, kam Cinis ihm zuvor, versetzte ihm ihrerseits einen harten Machtstoß, stürmte dann vor und gestattete es ihrer Energieklinge, seinen Panzer zu durchschlagen und ihn an der Schulter zu verletzen.

Skywalker schrie kurz auf, taumelte nach hinten und schlug hart auf dem Boden auf, während sein Schwert davonrollte. Cinis setzte nach und schloß die Begegnung damit ab, daß sie ihm, ähnlich wie in ihrem siegreichen Kampf gegen ihre eigene Meisterin, ihre Klinge an die Kehle setzte.

 

"Ich denke, das war es dann", meinte sie und schaltete ihr Schwert ab. Skywalker fluchte, setzte sich auf und löste seinen Brustpanzer, so daß der Blick auf die klaffende Verletzung sichtbar wurde. Cinis trat zurück und sagte "Ein Fall für die Medistation. Aber vorher würde ich gerne noch kurz ein paar Worte mit dir wechseln."

Auf seinem Gesicht erschien wieder dieses Grinsen, als würde er überaupt keine Schmerzen erleiden. "Kein Problem, Mylady", meinte er. "Einen Augenblick."

 

Was Cinis dann sah, war so unheimlich, daß sie wußte, sie würde es nie vergessen. Sie sah, wie er seine Hand zur verletzten Schulter bewegte und die Augen kurz schloß. Von einem Augenblick zum anderen schien sein Körper in bläuliches Licht eingehüllt zu sein, ähnlich den Sith-Blitzen, aber doch ein wenig anders. Er krümmte sich zusammen, rang nach Luft, und fing Cinis dann in einem durchdringenden Blick ein. Sie zuckte zusammen, als sie mitansah, wie seine Augen die Farbe wechselten – von seinem natürlichen Blaugrün zum Gelblichrot der Sith.

Dann erlosch mit einemmal das Leuchten um ihn, er richtete sich auf und erhob sich. Die Verletzung war verschwunden. Es war, als hätte sie ihn nie mit ihrer Klinge getroffen, wäre da nicht der gezackte Riß in seinem Hemd gewesen. Und wenige Sekunden später hatten seine Augen wieder ihre natürliche Farbe.

 

Cinis riß die Augen auf. Sie hatte mitbekommen, daß Skywalker über derartige Kräfte verfügte; eine derartig spektakuläre Heilung aber selbst mitanzusehen, war dann doch ein überwältigendes Erlebnis. Und offenbar bot sich ihm die Möglichkeit, willentlich auf die dunkle Seite überzuwechseln und dann diese wieder davon abzuhalten, die Kontrolle zu übernehmen; anders als bei Sith, deren Augenfarbe davon kündete, daß sie mit Leib und Seele Diener der dunklen Seite geworden waren.

 

Er grinste sie noch immer an und weidete sich an ihrem Erstaunen.

"Ihr wißt, wer ich bin ?" fragte er.

"Ja", gab Cinis zurück. "Das weiß ich. Du bist eine lebende Legende, ist dir das klar ?"

"Wenn man's so nennen will", meinte Skywalker. "Ich versuche nur, herauszufinden, welchen Weg ich gehen muß. Das ist nicht immer so einfach, wie es aussieht, wißt Ihr."

 

"Deine Aufgabe ist es, eins mit der dunklen Seite der Macht zu werden und das dir innewohnende Sith-Potential zu vervollkommnen", gab Cinis zu bedenken. "Damit du Lord Krayt die Dienste erweisen kannst, die er von dir fordert."

Skywalker nickte und blickte nachdenklich drein. Eine Weile schwieg er, dann sagte er "Ich habe geschworen, Lord Krayt zu dienen, um meine Freunde zu retten."

 

"Der Fehler, den du machst, ist, daß du zuläßt, tiefe emotionale Bindungen zu anderen Wesen aufzubauen", hielt Cinis ihm vor. "Das hemmt dich in deiner Entwicklung, verhindert, daß du die Macht wahrhaft zu deinem Vorteil nutzen kannst. Ich habe erkannt, welches Potential in der dunklen Seite der Macht liegt und mache sie mir zunutze. Ich schöpfe aus ihr Leidenschaft, Kraft und Macht, so wie es unser Kodex zum Ausdruck bringt. Und eines Tages wird sie mich zu meinem ganz persönlichen Sieg führen, wenn meine Zeit gekommen ist.

Doch eines haben wir gemeinsam. Auch ich habe geschworen, Lord Krayt zu dienen, und das tue ich. Unter anderem damit, daß ich deine Ausbildung unterstütze und zur Verbesserung deiner – und meiner eigenen – Kampfkünste beitrage."

 

"Ich will mich mit Euch nicht streiten, Mylady", antwortete Skywalker, "aber vorerst soll Euch genügen, daß ich vorhabe, mein Versprechen zu halten. Ich gehöre zu Euch, und ich werde Lord Krayt dienen." Er schenkte ihr einen weiteren eindringlichen Blick. "Ich sehe, daß Ihr nicht die üblichen Tätowierungen tragt wie die meisten Sith", fuhr er fort. "Stammt Ihr von Korriban ?"

 

"Es geht dich zwar nichts an", gab Cinis zurück, "aber um deine Frage zu beantworten: Nein. Ich bin auf Coruscant geboren und aufgewachsen, und", aus ihrem Tonfall war der Stolz jetzt deutlich herauszuhören, "ich bin vor sieben Jahren, als Lord Krayt seine jetzige Machtstellung einnahm, aus freien Stücken und allein aufgrund meiner eigenen Entscheidung dem Orden beigetreten. Ich habe mein bisheriges Leben hinter mir gelassen, mich zum Tempel begeben und um Aufnahme ersucht. Lord Krayt hat mich seiner Prüfung unterzogen und mich für würdig befunden, eine Sith zu werden. In diesem Moment wurde ich vollends eins mit der dunklen Seite, und ich bin stolz darauf, Lord Krayts Vision des Einen Sith mitzuerfüllen."

 

Skywalker atmete tief durch. "Darf ich fragen, was Eure Prüfung war ?"

Cinis hielt inne und maß ihn sekundenlang mit starrem Blick.

"Ich habe meine eigene Schwester getötet", sagte sie dann kurz angebunden. "Und bevor du fragst: Es hat mir nichts ausgemacht. Sie bedeutete mir nichts mehr; in der Tat genauso viel, beziehungsweise wenig, wie ich zu dem Zeitpunkt ihr und dem Rest meiner Familie bedeutete. Sie war der Prüfstein, und ihr Tod war notwendig, um mich endgültig mit der dunklen Seite zu vereinigen, um Lord Krayt und seiner Vision dienen zu können."

 

Es war deutlich zu erkennen, daß Skywalker sich große Mühe gab, das Entsetzen, das er empfand, nicht äußerlich sichtbar werden zu lassen. Aber er konnte nicht verhindern, daß es in der Macht spürbar wurde, als er nicht umhin konnte, sich in Gedanken auszumalen, was vielleicht geschehen wäre, wenn Darth Krayt befohlen hätte, auch ihn selbst mit den Vong-Korallensamen zu infizieren und ihn dann zwischen seinen Freunden und seiner eigenen Gesundung wählen zu lassen – auch wenn das nicht mit den Plänen, die Lord Krayt mit ihm hatte, konform ging. Doch die Phantasie intelligenter Wesen hatte ihr spektakuläres Eigenleben, und Cinis genoß es, zu spüren, wie er unter dieser Vorstellung litt.

 

"Wenn du Lust hast, können wir jederzeit wieder gegeneinander kämpfen", beendete sie schließlich das Gespräch. "Ich bin sicher, daß Lady Talon dir eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen läßt. Wann immer du üben möchtest, tue ich das gerne, denn es nützt auch mir selbst. Und wenn du Abwechslung wünschst, kann ich dir meine ehemalige Meisterin empfehlen. Frage nach Darth Levouan. Sie ist eine hervorragende Kämpferin und hat mich sieben Jahre lang ausgebildet."

 

Skywalker sagte eine ganze Weile lang überhaupt nichts. Er mußte Cinis' Eröffnungen in bezug auf ihre Hingabe an die dunkle Seit der Macht erst verdauen; wie es schien, hatte er sich – ganz zu seinem sorglosen Lebensstil passend – bisher noch gar nicht mit solch ernsten Entscheidungen befaßt. Er war sicherlich davon überzeugt, mit ausdruckslosem Gesicht dazustehen, doch Cinis nahm die schattengleichen Emotionen wahr, die über seine Miene huschten, nicht sichtbar für nicht machtsensitive Wesen, aber das reinste Vergnügen für einen Sith.

Doch dann verhärteten sich seine Züge – offenbar wandte er jetzt eine Technik an, um seine Gefühle tief in sich zu verbergen – und antwortete: "Ich nehme euer Angebot gerne gelegentlich an. Morgen werde ich nach Lady Levouan fragen, und es wird mir eine Freude sein, gegen sie zu kämpfen."

Cinis neigte leicht den Kopf, Skywalker tat es ihr in der Imitation einer Verneigung nach, und so trennten sie sich.

 

Es war selbstverständlich, daß Cinis umgehend Lady Maladi kontaktierte. In deren Privatbüro erzählte sie der Geheimdienstchefin von ihrem Trainingskampf und ihrem Gespräch mit Cade Skywalker, und die Devaronianerin hörte ihr mit großem Interesse zu.

 

"Bleibt an ihm dran, so gut ihr es vermögt", forderte Maladi sie schließlich auf. "Lady Talon wird sicherlich einen Großteil der Observation im Auftrag von Lord Krayt selbst übernehmen, auch direkt und intensiv." So etwas wie ein leicht spöttisches Lächeln stahl sich in Maladis Mundwinkel. "Aber Ihr könnt mir – und Lord Nihl" – wieder dieses spöttische Lächeln – "mit dem, was Ihr beobachtet und in Erfahrung bringt, auch wertvolle Dienste erweisen."

Cinis verneigte sich. "Wie Ihr befehlt, Mylady."

 

Als sie nach dem Abendessen im Speisesaal des Tempels ihr Quartier betrat, um endlich zu duschen, ihre Kleider abzulegen und sich nach abschließender Meditation zur Ruhe zu begeben, war Cinis nicht wirklich übermäßig überrascht, in ihren Räumlichkeiten Darth Nihl vorzufinden. Neuigkeiten konnten sich im Tempel wahrhaftig schnell verbreiten.

 

"Ihr habt gegen Cade Skywalker gekämpft ?", begann er ohne weitere Begrüßung, lediglich mit dem Kopf deutete er eine leichte Verneigung an.

Cinis erwiderte diese und antwortete: "Ja, Mylord. Er ist ein guter Kämpfer, und sehr, sehr stark in der Macht. Allerdings ist er unkonzentriert. Er hat seine Gedanken bei tausend Dingen, nur nicht bei dem, was er gerade tut. Das schwächt ihn. Und natürlich seine Bindung an seine Freunde. Sie macht ihn verletzlich, angreifbar. Er muß viel an sich arbeiten, wenn er Lord Krayt mit all seiner Kraft dienen will. Vorausgesetzt, dies ist seine Intention."

 

Lord Nihl nickte. "Ich hatte ebenfalls diesen Eindruck, als ich gegen ihn kämpfte. Wie Ihr wißt, handelte es sich dabei sehr wohl um einen Kampf auf Leben und Tod, doch Skywalkers Konzentration war trotz seiner enormen Stärke um keinen Deut besser als Ihr mir dies jetzt geschildert habt. Daher ist auch kein Blut geflossen. Euch ist doch bewußt, daß er eine Gefahr für uns alle darstellen wird, wenn es Lord Krayt gelingt, ihn nach seinen Wünschen zu formen ?"

 

"Natürlich, Mylord. Wenn er dem Sith-Orden Treue schwört, müssen wir uns seine Loyalität sichern", sagte Cinis.

"Das müssen wir", gab Lord Nihl zu bedenken. "Wie Lady Maladi Euch schon nahegelegt hat, solltet Ihr Euch an Cade Skywalker halten, solange es geht. Beobachtet ihn, absolviert Übungskämpfe mit ihm, sprecht mit ihm, schlaft mit ihm, wenn Ihr wollt, und sofern er mitmacht. Er ist von großer Wichtigkeit bei unserem Unterfangen, uns gegen möglichen Verrat abzusichern."

"Das werde ich tun, Lord Nihl", gab Cinis zurück.

 

"Gut", sagte der Nagai und bedachte sie mit einem Blick voll unverhüllten Verlangens. "Nun zieht Euch aus und kommt zu mir, damit wir uns gegenseitig genießen können."

Cinis entkleidete sich, kniete vor ihm nieder, und dann gab es für sie beide ein weiteres Mal nichts mehr als das Flammen ihrer gegenseitigen Begierde, als Darth Nihl sich mit ihr seiner Lust hingab.

 

 

Als die Dark Fist – so hatte Stator das Schiff, welches er in Besitz genommen hat, genannt - aus dem Hyperraum sprang, befand es sich in der Umlaufbahn um einen Mond, der in der Galaxis als Endor bekannt war. Manche nannten ihn Sanktuariumsmond, da er weitgehend von der Zivilisation unberührt war. Stator suchte die Umlaufbahn, in der damals, vor über hundert Jahren, der zweite Todesstern des Palpatine-Imperiums explodiert war. Dort hatte der letzte Lord der Sith, der die Regel der Zwei praktiziert hatte, sein Leben verloren.

 

Als der Sith den richtigen Orbit erreicht hatte, manipulierte er die Steuerung, damit sie im Moment eines von ihm erzeugten Impulses die Schubdüsen so einsetzte, daß sie der Umkreisung des Mondes entgegenwirkten.

Zufrieden mit seiner Arbeit versenkte sich Stator tief in die dunkle Seite der Macht. Nach einer halben Umkreisung des Mondes spürte er plötzlich eine tiefe Dunkelheit, und mit einem Impuls aktivierte er das von ihm programmierte Manöver.

 

Er spürte eine Präsenz der dunklen Seite, die er bisher nur von Darth Krayt in dieser Intensität empfangen hatte.

"Darth Sidious, seid Ihr das ?" fragte er mit fast stockendem Atem.

Vor seinem geistigen Auge erschien eine zusammengesunkene Gestalt, die nur aus einem faltigen Umhang zu bestehen schien. Doch unter der Kapuze brannten gelbleuchtende Augen.

"Wer seid Ihr, der Ihr mich hier in meiner Verlassenheit aufsucht ?" ertönte eine brüchige Stimme.

"Man nennt mich Darth Stator !" antwortete der Jabiimi.

 

"Daaaarrrtthh…" erwiderte der Schemen. "So haben die Sith nach meinem Tod überlebt. Seid Ihr der Schüler oder der Meister, Darth Stator ?"

"Momentan gibt es sehr viele von uns. Unser aller Meister ist Darth Krayt, galaktischer Imperator."

 

Die Machtpräsenz des alten Sith-Lords lachte boshaft auf.

"Hahahahahahah……..als ich Imperator war, gab es kaum einen, der wußte, daß ich ein Sith bin……Heimlichkeit, Tücke und Geduld sind die Waffen eines Sith. So, wie es Darth Bane lehrte….viele Sith….das ist Ketzerei…..Nur zwei dürfen es sein, sonst versinkt die Galaxis im Chaos der Sith-Kriege."

 

Stator warf ein: "Ihr wart der letzte Sith, der die Regel der Zwei beherzigte, doch auch Ihr seid gescheitert."

"Weil ich nur unzureichende Schüler hatte. Der erste, Maul, war nur aufs Kämpfen aus, eine Kampfmaschine, ohne den Willen, die dunkle Seite voranzutreiben. Der zweite, Tyranus, war ein Aristokrat, nicht fähig, seine adligen Ansichten mit der Lehre der Sith zu vereinbaren. Der dritte war recht vielversprechend, doch hatte Vader immer noch zu viel von der hellen Seite der Macht in sich. Unzulänglich, wie die anderen auch."

 

"Nun gibt es viele Sith, und alle sind vereint unter dem Banner unseres Meisters, Darth Krayt. Seine Vision des einen Sith soll die Galaxis einen. Die gesamte Galaxis ein Sith !" entgegnete Stator.

"Unsinn !" Der Geist Palpatines ließ eine Ladung Blitze aus der Hand zucken. "Nur zwei ! Nur zwei dürfen es sein. Was sind das für Sith ? Kampfmaschinen die einen, blinde Diener die anderen. Wer von denen hat das Potential, den Meister zu töten, und seinen Platz einzunehmen ?"

 

Das Antlitz Darth Wyyrloks III. drängte sich Stator auf, doch er ignorierte es und lauschte gebannt den Worten des vor langer Zeit gestorbenen Sith-Meisters.

 

"Und was ist, wenn dieser eine Sith stirbt ?", fuhr Sidious fort. "Dann fallen die Sith wieder übereinander her, wie zur Zeit von Naga Sadows Tod, wie zur Zeit des Todes des Sith-Imperators, wie so unzählige Male davor und danach. Schaut Euch um in Eurem 'Orden des Einen Sith' ! Gibt es nicht schon Intrigen, Machtkämpfe, vielleicht sogar Mordanschläge, um sich auf diese Zeit vorzubereiten ?"

 

Tatooine…Melkenda….Nar Shaddaa….der Sturz in die Sonne. Plötzlich wurde Stator klar, daß Sidious recht hatte. Der Schatten eines seit über hundert Jahren toten Sith sah voraus, was geschehen könnte. Was geschehen würde.

Plötzlich wurde ihm klar, was im Sith-Orden falsch war. Leute, die sich Sith nannten, sich gar mit dem Titel eines Darth schmückten, aber als Kampfmaschinen und Werkzeuge dienten, als Attentäter und als Söldner. Und Krayts Vision von der ganzen Galaxis unter der Sith-Philosophie erschien ihm nun wie eine abgrundtiefe Abscheulichkeit. Irgendwann gab es einen Darth Nerfhirte oder einen Darth Bergwerksarbeiter.

 

Stator ballte die Fäuste. Er mußte zurück, um die verfilzten Fäden zu entwirren, die Sith wieder zum einzig wahren Sein zurückführen.

"Ich muß Euch nun verlassen, Lord Sidious !"

"Bleibt !" entgegnete der Geist des ehemaligen Imperators der Galaxis. "Ich spüre eine Fähigkeit in Euch, die ich trainieren kann."

"Welche soll das sein ?" fragte Stator.

"Ihr könnt verborgene Informationen aus leblosen Gegenständen hervorholen. Es gibt ein Volk, die Kiffar, die können etwas Ähnliches. Sie können Gegenstände lesen. Diese Fähigkeit kann man mittels der dunklen Seite erlernen. Vervollkommnen. Besonders Gegenstände, die lange der Präsenz der dunklen Seite ausgesetzt waren."

 

Die Aufmerksamkeit des jungen Sith war geweckt. "Und Ihr könnt mich diese Fähigkeit lehren ?" fragte er.

"Das kann ich."

Und Darth Stator entschloß sich, noch eine Weile in der Umlaufbahn Endors zu verbleiben.

 

 

In der nächsten Zeit bemühte sich Cinis mehrmals, in irgendeiner Weise an Cade Skywalker heranzukommen, doch mit wenig Erfolg. Der rätselhafte junge Mann erwies sich als erstaunlich wortkarg; und obwohl Cinis nach den beiden weiteren Übungskämpfen, die sie im Laufe der folgenden zwei Wochen mit ihm absolvierte, jedesmal den Versuch unternahm, ihn weiter auszuhorchen, gab Skywalker kaum etwas von sich preis, was Cinis nicht bereits durch ihre eigenen Recherchen erfahren hätte. Lediglich darüber, wie er seine spektakulären Heilungen vollbrachte, ließ er sich einige Worte entlocken – vermutlich, weil er selbst stolz darauf war, erkannte Cinis mit einem spöttischen Lächeln. Stolz, eine wichtige Emotion für einen Sith. Skywalker war der dunklen Seite näher, als er selbst glaubte – auch wenn er sich Mühe gab, die Illusion seiner Hingabe an den Orden aufrechtzuerhalten.

Anhand der Halbherzigkeit, mit welcher er noch immer kämpfte und der Aura der Unkonzentriertheit, die er ausstrahlte, gelangte sie bald zu dem Schluß, daß er entweder absichtlich vorgab, zum Sith-Orden übergelaufen zu sein oder aber sich dies selbst vehement einredete, obwohl es nicht der Wahrheit entsprach.

 

Er sehe andere Personen wie ein Muster aus roten Linien, hatte er er ihr erklärt. Wo immer diese Linien Unregelmäßigkeiten aufwiesen, dort lenke er gezielt die ihm innewohnende Macht hinein, um den Knoten zu lösen und dadurch Heilung zu erzielen.

 

Cinis konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß er immer öfter darüber nachdachte, was wohl geschehen würde, wenn er den Fluß der Macht nicht so dosierte, um einen heilsamen Effekt eintreten zu lassen, sondern ihn so stark werden ließ, daß er sein Opfer von innen her zerreißen würde. Was heilt, kann auch töten. Er war wirklich der dunklen Seite unglaublich nahe – und doch zog es ihn immer wieder von ihr zurück.

Sie hatte versucht, ihre Verführungskünste bei ihm anzuwenden, doch Skywalker hatte sich nach dem Austausch einiger leidenschaftlicher Küsse nicht zu mehr hinreißen lassen. Cinis spürte seine Erregung, doch er gab sich die größte Mühe, sich im Zaum zu halten. Es fiel ihm schwer, und Cinis stellte verärgert fest, daß sie die Lust, die die Berührung ihrer Lippen und Zungen ihr bereitete, nicht bis zum Ende mit ihm würde teilen können. Sie spürte einen starken Konflikt in ihm, als er sich nach einer kleinen Weile zwang, sich von ihr abzuwenden und sie bat, ihn alleinzulassen.

Cinis starrte ihn an, und blitzartig durchfuhr sie die Erkenntnis, was Darth Talon in Kürze mit ihm anstellen würde. Und diesmal würde er sich nicht mehr zurückhalten können.

Der Gedanke steigerte ihre Erregung noch mehr, und sie eilte in ihr Quartier, um ihn genießen zu können.

 

Lady Maladi, als Cinis' Kontaktperson zu Darth Nihl, zeigte sich wenig erfreut über die Tatsache, daß aus Cade Skywalker nicht viel herauszubringen war. Dennoch schien es sie zu erleichtern, daß er offensichtlich so wenig Ehrgeiz an den Tag legte und nie wirklich bei der Sache zu sein schien.

Als Cinis in Gedanken den Faden weiterspann, kam sie dahinter, welche Befürchtungen die beiden antrieben. Es ging nicht nur darum, Darth Krayt von den Auswirkungen der Vong-Korallensamen zu befreien und seine Gesundheit wiederherzustellen. Ungeachtet dessen war Lord Krayt dennoch alt, sehr alt, und selbst wenn er von heute auf morgen wieder völlig gesund würde, so wäre doch irgendwann, in absehbarer Zukunft sein Tod unausweichlich. Niemand lebt ewig, nicht einmal ein Sith, der mithilfe der dunklen Seite der Macht seine Lebensspanne unnatürlich verlängerte. Auch Lord Krayt würde, selbst in geheiltem Zustand, irgendwann in nicht allzuferner Zukunft sterben – und deshalb suchte er nach einem würdigen Nachfolger. Jemand, der jung, dynamisch und energiegeladen genug war, sein Erbe – das Erbe seiner Vision des Einen Sith – antreten zu können. Wer wäre besser geeignet als Cade Skywalker, vorausgesetzt, er verschrieb sich der dunklen Seite und ließ sich zu einem mächtigen Sith ausbilden ?

Weder Maladi noch Nihl traute Krayt weit genug über den Weg, um einen von ihnen seinen Platz einnehmen zu lassen. Talon war zu unerfahren, Stryfe zu impulsiv, und Wyyrlok in der von ihm besetzten Position als Berater zu wichtig, um dies zu ändern.

 

Jetzt begriff Cinis, warum sie, wenn sie mit Lady Maladi über Cade Skywalker sprach, immer einen leichten Hauch von Furcht an ihr wahrgenommen hatte. Maladi spürte Skywalkers Macht – er war stark genug, um sie alle zu vernichten, sollte Lord Krayt ihn zu seinem Nachfolger bestimmen.

 

Wenige Tage später strich sich der Träger jenes großen Namens jedoch selbst wieder aus der Gleichung, zumindest fürs erste.

 

Cinis befand sich auf dem Rückflug von einer ihrer Missionen im Außendienst, die sie ja, als ihr offizieller Aufgabenbereich, nach wie vor zu erfüllen hatte. Noch vor wenigen Stunden hatte sie in einem recht zwielichtigen Stadtviertel einen Muun-Bankier dem Tod überantwortet, der im Verdacht stand, republikfreundlich zu sein und den Anhängern des ehemaligen Imperators Gelder zukommen zu lassen. Cinis hatte dem ein Ende gemacht, indem sie ihn mit ihrem Lichtschwert durchbohrte, noch bevor der Mistkerl den Blaster, den er urplötzlich aus dem Ärmel gezaubert hatte, abfeuern konnte – allerdings hatte auch sie recht schnell sein müssen, denn kaum daß sie ihrem potentiellen Opfer von Angesicht zu hagerem Angesicht gegenüberstand, empfand sie eine leichte Regung der Macht in seiner Präsenz. Nicht viel, gerade ausreichend, um seine Bewegungen etwas zu beschleunigen.

Im Alltag war ihm dies gegenüber komplett nicht machtsensitiven Wesen sicherlich ein Vorteil gewesen, aber gegen die Reflexe eines voll ausgebildeten, hoch machtsensitiven Sith hatte er keine Chance.

Das war einer der Aspekte, die Cinis an ihrer Arbeit gefielen – daß die Starken über die Schwachen triumphierten, schlicht und klar, ohne Winkelzüge, faule Kompromisse und schwächliches Zerreden von eindeutigen Situationen. Wer schwach ist, unterliegt und stirbt. Wer stark ist, siegt. So einfach war das.

Einen Moment mußte sie wieder an Cade Skywalker denken. Für ihn war all dies unendlich kompliziert. In ihm traf die Stärke eines immens hohen Machtpotentials auf die Schwäche des Mitleids mit anderen. Wenn er seine Persönlichkeit nicht grundlegend zu ändern vermochte, würde er sich damit für den Rest seines Lebens selbst im Weg stehen.

 

Das tempeleigene Lufttaxi befand sich schon im Landeanflug, und Cinis betrachtete durch die Sichtluke den Sith-Tempel unter sich. Sie näherten sich dem Tempelhangar, als das Fahrzeug plötzlich erbebte. Flammen und Rauch schossen aus den Hangartoren, und der Pilot hatte Mühe, gerade noch rechtzeitig auszuweichen. Im Tempelinneren mußte sich eine Explosion ereignet haben, aus welchen Gründen auch immer. Cinis griff in die Macht, um nicht gegen die Kabinenwand geschleudert zu werden, doch dann löste sich die Auswirkung der Druckwelle auch schon auf.

Der Pilot – ein erfahrener Militär, der schon lange im Dienste des Ordens stand – war zum Glück mit seinen Routineanweisungen gut vertraut. Rasch wechselte er den Kurs, um eine der drei Notlandeplattformen des Tempels anzufliegen, die sich in unterschiedlichen höhergelegenen Stockwerken befanden. Auf dem Weg dorthin stockte Cinis der Atem. Sie sah, daß das große Fenster in Darth Krayts Thronsaal zerborsten war, und als sie sich hektisch umblickte, erfaßte sie gerade noch die Silhouette der Mynock, des Schiffs von Cade Skywalker, das sich mit hoher Geschwindigkeit entfernte. Sie ahnte jetzt, was geschehen war. Skywalker hatte die Maske des Sith-Adepten abgelegt und war geflohen, auf die ihm eigene chaotische Art.

 

Als das Lufttaxi sich Minuten später mit kreischenden Triebwerken auf die Landeplattform senkte, war Cinis bereits auf dem Weg nach draußen. Sie sprang von der Rampe und rannte ins Innere des Tempels, auf dem Weg zu Darth Krayts Thronsaal, den sie nach einem kraftvollen Sprint bald erreichte. Im Tempel gellten die Alarmsirenen, und auf der Hangarebene war man zweifelsohne damit beschäftigt, die Auswirkungen der Explosion – offensichtlich eine Bombe mit dem Zweck, von Skywalkers Flucht abzulenken – einzudämmen.

Sie merkte kaum, wie sie ihr Schwert vom Gürtel nahm und mit aktivierter Klinge durch die Korridore stürmte. Jeder, der sich ihr jetzt in den Weg gestellt hätte, wäre unweigerlich niedergemäht worden.

 

Im Thronsaal bot sich ihr ein Bild des Chaos. Trümmer der zerbrochenen Fensterfassung und Stücke von rotgetöntem Transparistahl bedeckten den Boden. Von Skywalker fehlte – wie nicht anders anzunehmen – jede Spur, aber auch sonst befand sich offenbar niemand in dem Raum, weder Lord Krayt noch sonst jemand. Cinis sah sich suchend um, und in diesem Moment spürte sie in der Macht eine Präsenz.

Am entgegengesetzten Ende des Raumes, nahe der Tür, bemerkte sie eine Gestalt, die dort auf dem Boden hockte oder kauerte, und voller Entsetzen erkannte sie Lord Nihl.

 

Darth Nihl hatte sich nach dem Aufprall auf dem Boden des Thronsaals und der kurzen, darauf folgenden Bewußtlosigkeit mühsam mit Hilfe des ihm verbliebenen linken Arms auf die Knie gezogen und setzte jetzt seine ganze Kraft ein, um seine Schmerzen zu lindern. Mit der Linken hielt er den Rest seines rechten Oberarms umfangen, der in der Mitte säuberlich durchtrennt worden war. Schaudernd gewahrte Cinis Nihls rechten Arm nebst Hand mehrere Meter von ihm entfernt auf dem Boden, die Finger wie Krallen anklagend in die Luft gereckt. Der Lichtspeer des Nagai-Kriegers lag deaktiviert in der gegenüberliegenden Ecke.

 

Cinis schaltete ihr Schwert ab, stürzte zu ihm, sank auf die Knie und griff in der Macht nach ihm. "Mylord", keuchte sie atemlos, "was ist geschehen ?"

 

Lord Nihl hob den Kopf und blickte Cinis an, die Augen vom Schmerz verschleiert.

"Skywalker…" stieß er hervor. "Er hat versucht zu fliehen…. es kam zum Kampf. Diesmal hat er nicht halbherzig gekämpft." Trotz seines Zustands kam die letzte Bemerkung schon fast wieder in dem für ihn typischen spöttischen Tonfall.

"Er hätte mich getötet", fuhr Nihl fort. "Talon hat er mit dem Schwert durchbohrt, ich weiß nicht, ob sie noch lebt oder tot ist. Mich hätte er erledigt, hätte Lord Krayt nicht, ohne es selbst zu wollen, ihn davon abgehalten. Skywalker schlug mir den Arm ab und nützte den Moment aus, um Blitze auf mich zu schleudern. Ich wäre jetzt tot, hätte Lord Krayt ihn nicht genau in dem Moment aufgefordert, mich zu töten. Wie kaum anders zu erwarten – zumindest hätte ich es nicht anders erwartet – tat er natürlich genau das Gegenteil."

 

Nihl holte tief Atem und konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, doch er sprach weiter, leise aber bestimmt.

"Und dann, als alles vorbei war, rettete – Ihr werdet es nicht glauben – Lord Wyyrlok mein Leben. Lord Krayt aktivierte sein Schwert, rasend vor Wut, und machte Anstalten, mir den Kopf von den Schultern zu schlagen. In dem Moment, in dem ich mich darauf vorbereitete, zu sterben, ging Lord Wyyrlok dazwischen. Ihm gelang das Unmögliche – Darth Krayt zu beschwichtigen. Statt mich zu töten, enthob er mich meiner Stellung als seine Hand – Lady Talon übrigens ebenfalls, sollte sie jetzt noch leben – und setzte aus einer Laune heraus Darth Stryfe als seine neue Hand ein. Außerdem befahl er Lady Maladi, meinen abgetrennten Arm zu vernichten, und mir statt dessen einen Vong-Arm anzusetzen, um mich zu demütigen.

Ich hatte nichts mehr zu verlieren, deshalb sagte ich ihm auf den Kopf zu, daß ich eine solche Behandlung nicht verdient habe. All die Jahre hatte ich mir durch meine Loyalität den Platz an seiner Seite erworben, und ich bin nicht willens, mir dies gefallen zu lassen. Hätte Lord Krayt mich einfach getötet, wäre es ehrenvoll gewesen – aber dieses Schikaniertwerden ist unter meiner Würde.

Ich wußte, daß ich versagt hatte, und dennoch war ich zornig darüber, wie Lord Krayt mich fallen ließ – so wie ich es Euch prophezeit habe. Der Moment ist gekommen. Und daß ich Lord Wyyrlok jetzt mein Leben verdanke, macht mich nur umso wütender", schloß Darth Nihl.

 

"Könnt Ihr gehen, Mylord ?" fragte Cinis. Sie streckte die Hand aus, um ihn zu berühren, beugte sich dann, einem inneren Impuls folgend, zu ihm und küßte ihn. So wie sie früher schon seine Lust mitempfunden hatte, so spürte sie jetzt seinen körperlichen Schmerz, und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter.

 

Gerade, als sie sich erhob und versuchte, Lord Nihl auf die Beine zu helfen, hörte sie den Widerhall eiliger Schritte auf dem Boden des Thronsaals. Cinis wandte sich um und sah Lady Maladi auf sich und Nihl zueilen. Als sie die beiden erreichte, sank Maladi ohne ein Wort hinter Nihl zu Boden und schlang ihre Arme um seinen Oberkörper. Cinis wußte, was sie zu tun hatte.

 

Als sie kurz darauf mit einem Medidroiden und einer Trage zurückkehrte, hielt Maladi Nihl noch immer umfangen. Cinis spürte ein starkes Pulsieren der Macht, und nahm wahr, daß Maladi den Nagai dabei unterstützte, seine Schmerzen im Zaum zu halten. Als sie Cinis erblickte, schien sie sie zum erstenmal wirklich wahrzunehmen und nickte ihr zu. Gemeinsam brachten sie den verwundeten Sith nebst seinem abgeschlagenen Arm in die hell erleuchtete Medistation des Tempels, wo Cinis als erstes Darth Talon sah, die fast nackt und leblos in einem Ganzkörper-Bactatank schwebte, in der Mitte ihres Körpers eine klaffende Lichtschwertwunde. Offenbar hatte Lady Maladi als erstes Talon versorgt, entweder, weil die Twi'lek im Gegensatz zu Nihl lebensgefährlich verletzt war, oder aber auf Befehl von Lord Krayt.

 

Sie wechselten kein Wort, es gab nichts zu bereden, zumindest im Augenblick nicht, dafür umso mehr zu tun.

Cinis half mit, den zweiten Bactatank vorzubereiten, und während die rötliche Flüssigkeit in den Zylinder rauschte, implantierte Lady Maladi mit geschickten Fingern einen speziellen Vong-Samen in Lord Nihls Armstumpf. Dann entledigte sie den Nagai seiner Rüstung und Kleider, legte ihm das für Bactabehandlungen vorgesehene Lendentuch sowie die Atemmaske an und senkte seinen Körper in die Heilflüssigkeit.

 

Nach den vergangenen Minuten hektischer Aktivität trat urplötzlich unheimliche Ruhe ein. Maladi nahm einen tiefen, zitternden Atemzug und stützte sich mit einer Hand auf einen der Behandlungstische. Noch nie zuvor hatte Cinis sie so aufgewühlt gesehen, und es war deutlich zu merken, daß Maladi diesen Moment der Schwäche, den sie ungewollt offenbarte, am liebsten ohne Zeugen hinter sich gebracht hätte. Um ihre Herrin nicht zu erzürnen, kniete Cinis vor ihr nieder und verneigte sich tief. Dann sagte sie ohne weitere Umschweife: "Ich weiß, was geschehen ist – Lord Nihl hat es mir gesagt, bevor Ihr eintraft. Ich stehe zu Eurer Verfügung, Mylady."

 

Maladi schenkte ihr einmal mehr jenes knappe Nicken, das, so hatte Cinis bereits begriffen, ihr Wohlwollen gegenüber ihrer Untergebenen zum Ausdruck zu bringen pflegte.

"Seid wachsam, Lady Cinis", sagte sie nur. "Das, worauf wir uns vorbereitet haben, ist jetzt eingetreten – beschleunigt durch Skywalkers Flucht."

 

Sie zögerte einen Moment und sprach dann weiter. "Was ich Euch jetzt sage, das habe ich Euch nie gesagt. Habt Ihr verstanden ?"

Cinis nickte. "Selbstverständlich, Mylady."

 

"Immer deutlicher spüre ich, daß es nicht nur Verrat seitens Lord Krayt an uns ist, den wir fürchten müssen. Es gibt wohl noch eine Person, deren Ränke darauf abzielen, uns zu vernichten, und selbst die Führung des Sith-Ordens zu übernehmen. Wer dies ist, das werdet Ihr zu gegebener Zeit erfahren, wenn ich Gewißheit hierüber erlangt habe – mit Hilfe Eurer Nachforschungen. Obwohl ich mir denken kann, daß Ihr bereits ahnt, wen ich meine."

Wieder nickte Cinis. "Ja, Mylady. Das kann ich."

 

Lady Maladi funkelte sie an. "Ihr schweigt, Lady Cinis, oder Ihr sterbt."

 

"Euer Wille ist mein Wille, Mylady", antwortete Cinis und verneigte sich nochmals vor der Geheimdienstchefin, bevor sie hinzufügte, "Sterben ist nicht das, was ich in nächster Zeit vorhabe."

Maladis Mundwinkel zuckten belustigt, als sie in die Falten ihres Gewandes griff und Cinis eine Datenkarte reichte. "Für Eure Arbeit. Neue Codes. Benutzt ab sofort ausschließlich diese. Vernichtet die alte Datenkarte", sagte sie knapp.

Cinis nahm die Karte in Empfang. "Wie Ihr befehlt, Mylady."

 

"Jetzt laßt mich allein", sagte Maladi in fast sanftem Tonfall, und Cinis erhob sich, um sich zur Meditation in ihr Quartier zurückzuziehen. Im Hinausgehen wandte sie noch einmal leicht den Kopf und sah, wie Maladi, dem zweiten Bactatank zugewandt, Lord Nihl mit leidenschaftlichen Blicken umfing.

 

Der Orden des Einen Sith ging seiner ersten großen Krise entgegen, und Cinis war mittendrin; getreu der Tradition der Sith gewandelt von bedingungslos ergebener Dienerin Lord Krayts zur Verschwörerin, die an drei Fronten gleichzeitig agierte. Schade, daß Lord Stator dies hier nicht mehr miterleben konnte – sie war sich sicher, daß ihm dieses reizvolle Intrigenspiel gefallen hätte.

 

Endlose Umkreisungen um den Mond Endor später wurde Darth Stator plötzlich von durchdringenden Alarmtönen aus seiner tiefen Trance gerissen. Verwirrt suchte er seine Gedanken zu ordnen, und was er als erstes bemerkte, war der Umstand, daß sich sein Schiff durch die Stasis in der Umlaufbahn immer mehr von der Anziehungskraft des Mondes beeinflussen ließ. Die Nähe zur Mondoberfläche hatte ein kritisches Stadium erreicht, und Stator hievte sich hinter die Kontrollen des Schiffes, um den Absturz zu verhindern.

 

Doch wie fieberhaft er auch an den Armaturen hantierte, der Trudelflug abwärts schien sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Immer näher kam die Oberfläche des Trabanten und jegliche Versuche, den Sinkflug aufzuhalten, scheiterten. Die Unterlichtautomatik ließ sich nicht aktivieren, und für einen Hyperraumsprung war der Mond zu nahe, und die Zeit zu knapp.

 

Als er die Hoffnung, dies noch lebend zu überstehen, schon fast aufgegeben hatte, deaktivierte er kurzerhand alle Automatiksteuerungen, und ergriff das Steuerpanel. Er versenkte sich tief in die Macht und setzte zum Sturzflug an. Die steigende Geschwindigkeit seines Sturzfluges preßte ihn in den Sitz und drückte ihm fast die Luft ab, dennoch erhöhte er die Sturzgeschwindigkeit. Über seinem linken Auge platzte eine Ader, und stechender Schmerz durchzuckte ihn. Doch eins mit der Macht erfaßte er den richtigen Zeitpunkt, und richtete die Steuerung des Raumschiffs steil nach oben. Kreischend protestierte die Mechanik der Dark Fist, doch der Schwung reichte aus, um das Schiff aus der Gravitationsumklammerung des Mondes zu reißen.

Minuten später fand sich die Dark Fist im sicheren Raum wieder. Stators halsbrecherisches Manöver hatte einige Schaltkreise durchbrennen lassen, aber der Hyperantrieb schien in Ordnung zu sein. Doch der Gesamtzustand des Schiffes war katastrophal. Wahrscheinlich mußten etliche Schaltkreise ausgetauscht, und auch andere Instandsetzungsarbeiten erledigt werden. Außerdem hatte der Sith auch einige Umbauten im Sinne, die seinem Schiff ein neues Dasein als Sith-Werkzeug verleihen sollten.

Bespin war nicht weit entfernt, und so programmierte Stator einen Kurs zur Wolkenstadt. Letztlich entsprach dies ja auch seinen ursprünglichen Befehlen.

Die Reise im Hyperraum dauerte nur ein paar Stunden, und schon bald näherte sich die Dark Fist Cloud City.

 

"Unbekanntes Schiff ! Identifizieren Sie sich !" tönte die Stimme des Flugleiters aus dem Kom.

"Hier ist das Schiff Dark Fist, an Bord befindet sich Darth Stator, Dunkler Lord der Sith !" brummte Stator in sein Funkgerät.

In der darauffolgenden Funkpause malte sich Stator die Bestürzung und Ratlosigkeit im Kontrollraum der Wolkenstadt aus, und ein finsteres Lächeln erschien auf seinen Zügen.

 

Nach einer Weile meldete sich eine andere, dienstfertig klingende Stimme: "Wir sind sehr erfreut über Euren Besuch, Mylord. Wir ersuchen Euch, auf den Koordinaten zu landen, welche wir Euch sogleich übermitteln werden. Bespin Ende !"

"Verstanden. Dark Fist Ende !" antwortete Stator. Kurz darauf empfing er die Koordinaten, und leitete die Landung ein.

Als er sein Schiff verließ, wurde er von einigen, der Kleidung nach recht hochrangigen Persönlichkeiten erwartet. Ein gedrungener, gehetzt dreinblickender Mann in der Mitte trat auf ihn zu und sprach ihn an.

 

"Lord Stator", er verneigte sich leicht, "ich bin Administrator Adwar Dassk. Ich hoffe, Eure Reise war angenehm. Wie kann ich Euch dienen ?"

 

"Ich bin hier als Repräsentant des Imperators Lord Krayt. Uns sind Gerüchte zu Ohren gekommen, die Ihre Loyalität in Zweifel ziehen. Ich bin daraufhin hierher beordert worden, um diese Berichte auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen."

 

"Mylord, Bespin war immer loyal dem Imperium gegenüber !" entgegnete Dassk.

Stator antwortete kurz angebunden: "Um das zu überprüfen bin ich hier."

 

Er genoß die Bestürzung im Antlitz des Administrators. "Ihre Loyalität zum wahren Imperator können Sie schon dadurch beweisen, indem Sie mein Schiff überholen lassen. Es ist schon recht alt, und ich hätte auch einige Umbauten und Modifikationen, die mir am Herz lägen. Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Kosten, das Imperium wird für alles aufkommen."

 

"Lord Stator, ich werde sofort mein Technikerteam anweisen, sich mit Euch in Verbindung zu setzen. Und, möchte ich hinzufügen, im Namen von Cloud City wäre es uns eine Ehre, ja regelrecht eine Freude, Euch diese Arbeiten an Eurem Schiff nicht in Rechnung zu stellen."

 

"Ihre Kooperation erfreut mich, Administrator Dassk. Es wird sich allerdings erweisen, ob dies ausreicht, Lord Krayt von Ihrer Loyalität zu überzeugen."

 

Dassk verneigte sich ein weiteres Mal. "Das ist mir klar, Mylord. Ihr werdet allerdings feststellen, daß der Imperator keinen Zweifel an unserer Ergebenheit hegen muß."

 

Dassk winkte einem seiner Untergebenen. "Führen Sie Lord Stator zu seiner Unterkunft, und stehen Sie ihm zur Verfügung, wann immer er einen Wunsch verspürt !" .Der Administrator verneigte sich kurz vor Lord Stator, der, in Begleitung des Angestellten, an ihm vorüberschritt.

 

Kurz nachdem der Sith in seiner Unterkunft angekommen war, meldete sich das Technikerteam per Kom. Stator erläuterte seine Wünsche, nahm auch Anregungen der Techniker an und verabredete die nötigen Arbeiten an der Dark Fist. Kurz darauf brachte ihm ein Droide etwas zu essen, und nach der Mahlzeit meditierte Stator noch kurz, bevor er sich zur Ruhe legte.

 

Seit zwei Standardtagen befand sich Lord Stator nun schon auf Bespin. Die Techniker arbeiteten fieberhaft an seinem Schiff, und auch die Offiziellen der Wolkenstadt zeigten sich recht kooperativ und dienstbeflissen. Dennoch spürte Stator eine leichte Feindseligkeit in der Macht. Alles kam ihm zu glattgebügelt und inszeniert vor. Besonders das generöse Angebot, sein Schiff gratis instandzusetzen, säte Mißtrauen in Stator.

Dieses Mißtrauen wurde kurz darauf bestätigt. Als der Sith die Arbeiten an der Dark Fist in Augenschein nahm, trat plötzlich einer der höheren Angestellten an ihn heran und sprach ihn unvermittelt an: "Mit Verlaub, Mylord…auf ein Wort ?"

Stator drehte dich halb zu dem Mann herum und musterte ihn. "Wer sind Sie ?" fragte der Sith.

"Mein Name ist Tasko Menedas, ich bin einer der Vertrauten von Administrator Dassk."

"Was wollen Sie ?"

"Ich habe Informationen für Euch."

 

Stator wandte sich nun voll zu Menedas um, und fragte "Welche Art von Informationen ?"

Menedas raunte leise: "Der Administrator küngelt mit dem ehemaligen Imperator Fel. Er will Euch so schnell wie möglich loswerden, und inszeniert eine Scharade. Er hat einen Agenten beauftragt, Euer Schiff mit einem Sprengsatz zu sabotieren. Er will Euch Honig ums Maul schmieren, damit Ihr Bespin verlaßt, und auf Eurem Rückflug, sobald Ihr in den Hyperraum eintretet….Bumm !" er unterstrich dieses letzte Wort mit einer entsprechenden Geste.

 

Stator nickte langsam. "Etwas Derartiges habe ich gespürt. Und es deckt sich mit meinen Informationen."

"Und was werdet Ihr nun tun, Mylord ?"

"Vorerst nichts", antwortete der Sith, "aber sobald mein Schiff einsatzbereit ist, werde ich meine Absicht kundtun, Bespin zu verlassen. Stellen Sie sicher, bei der Abschiedszeremonie anwesend zu sein !"

"Das werde ist, Mylord", entgegnete Menedas, und verneigte sich, als der dunkle Lord den Reparaturhangar verließ.

 

 

Bastion. Imperator Roan Fel stand in seinem Audienzraum und wandte den beiden imperialen Rittern seinen Rücken zu.

 

"Meister Draco, Meister Krieg, die Situation ist, wie Ihr wißt, ernst. Lord Krayt hat sich widerrechtlich meines Titels bemächtigt, und seine Sith halten mein Imperium in ihrem brutalen Griff. Wir wissen nicht, was sie sonst noch vorhaben. Wir kennen ihre Pläne nicht, und wissen auch nichts über ihre Ränke und Intrigen."

 

Er drehte sich zu den beiden Rittern um. "Deshalb habe ich folgenden Plan gefaßt ", fuhr er fort. "Wir bringen einen der obersten Sith in unsere Gewalt und verhören ihn. Darth Maladi wäre wohl das lohnendste Ziel. Oder was meint Ihr, Meister Draco ?"

 

"Da pflichte ich Euch bei, Imperator. Nur…wie soll das vonstatten gehen ? Ich glaube nicht, daß sich die Sith so einfach einladen und gefangennehmen läßt."

 

"Das ist richtig", entgegnete Fel. "Wir müssen einen lohnenden Köder auslegen. Einen, dem die Leiterin des Sith-Geheimdienstes niemals widerstehen könnte."

Roan Fel trat auf seine beiden Diener zu. "Die Sith suchen doch immer nach versprengten Jedi, um sie zu eliminieren oder zu verhören. Wenn man ihnen nun auf verwinkelten Wegen zutragen würde, daß sich an einem bestimmten Ort ein mächtiger Jedi verbirgt, dürfte ihr Interesse geweckt werden."

 

"Doch was macht Euch so sicher, daß Maladi selbst dort aufkreuzen wird ?" fragte Ganner Krieg.

 

"Darth Maladi liebt Ränke und Intrigen. Ein Machtmittel wie einen mächtigen Jedi wird sie niemals einem der anderen Sith in die Hände spielen wollen." Fel lächelte leicht. "Leitet alles Notwendige in die Wege ! Meister Krieg, Meister Draco, verlaßt mich nun !"

 

Die beiden Ritter verneigten sich und gingen.

 

 

Stator wachte auf, kurz bevor der Summer an seiner Kabinentür anschlug. Er stand auf, warf sich den dunklen Mantel über und öffnete die Tür mit einem Griff in die Macht. Auf dem Gang stand ein Droide und teilte ihm mit, daß sein Schiff nun einsatzbereit wäre.

Der Sith entließ den Roboter mit einem Wink, und kleidete sich an. Daraufhin begab er sich zu seinem Schiff. Alles schien nach seinen Vorgaben gefertigt zu sein. Sogar die Lackierung entsprach seinen Wünschen. Befriedigt darüber, versuchte Stator seine neu erlernten Fähigkeiten auszuprobieren. Wie er es vom Geist Darth Sidious' gelernt hat, hielt er die Hand an die Dark Fist, und versenkte sich in die Macht. Die Strömungen der dunklen Seite waren zwar schwach, aber spürbar. Direkt unter dem Cockpit erfaßte er den Sprengsatz.

Zufrieden grinsend wandte er sich zu dem Droiden um.

 

"Teile dem Administrator mit, daß ich zur Stunde Bespin zu verlassen gedenke !"

Der Droide surrte dienstbeflissen davon.

 

Es dauerte keine zwanzig Minuten, bis sich der Hangar, in welchem sich die Dark Fist befand, mit Leuten füllte. Lächelnd trat ihm der Administrator entgegen: "Lord Stator, wir sind untröstlich, daß Ihr uns so bald verlassen müßt !"

 

"Sparen Sie sich die Floskeln, Administrator Dassk. Ich bin erfreut, daß Sie mein Schiff instandsetzen ließen, wäre aber noch erfreuter, wenn Sie darauf verzichtet hätten, den Sprengsatz zu installieren."

Mit diesen Worten ging Stator stracks auf die Dark Fist zu, riß ein Verkleidungsblech zur Seite und enthüllte die explosive Vorrichtung. Daraufhin drehte er sich zu Dassk um.

 

"Mylord", stammelte dieser, "seid versichert, daß ich keine Ahnung…"

In diesem Moment griff der Sith mit der Macht nach der Kehle des Administrators. Dassk sank auf die Knie, und röchelte.

"Administrator Dass k!", dröhnte Darth Stator. "Im Namen des Imperiums verurteile ich Sie, wegen Hochverrats, zum Tode. Das Urteil wird sofort vollstreckt."

 

Er löste kurz den Würgegriff, und kostete das Entsetzen des Administrators aus. Dann hob er langsam den rechten Arm, ballte die Hand zur Faust, bündelte seine Macht und schleuderte ein tödliches Blitzgewitter auf den verräterischen Bürokraten, in welchem sich dieser wand und vor Schmerzen schrie, bis er verstummte, und leblos am Boden lag. Die restlichen Anwesenden waren starr und stumm vor Entsetzen, und der Sith kostete auch diese Empfindungen aus.

Stator schaute einen Augenblick auf die Überreste des ehemaligen Administrators.

 

"Tasko Menedas ?" sagte er schließlich heiser.

"Ja, Mylord !" meldete sich der Angesprochene.

"Ab sofort sind Sie Administrator auf Bespin. Sorgen Sie dafür, daß der Sprengsatz von meinem Schiff entfernt wird, ich möchte so bald als möglich starten."

 

"Wie Ihr wünscht, Lord Stator", entgegnete der neue Administrator der Wolkenstadt.

Es dauerte nur eine halbe Standardstunde, bis der dunkle Lord der Sith sein Schiff besteigen, und Bespin verlassen konnte.

 

Die Reise nach Coruscant würde eine Weile dauern, und so beschloß Darth Stator, nachdem er den Sprung in den Hyperraum absolviert hatte, sich etwas näher mit der Geschichte seines neuen Raumschiffs vertraut zu machen.

Nach einigem Suchen entdeckte er in den Datenbanken eine Art Logbuch, welches aber schon seit einiger Zeit nicht mehr geführt worden war. Wie Stator schon vermutet hatte, war die Corellian Star, wie sie früher hieß, das Luxusspielzeug eines hochrangigen Industriellen gewesen. Das erklärte auch die relativ luxuriöse Einrichtung der beiden Kabinen. Das Schiff hatte der Familie des Unternehmers als Ausflugsvehikel gedient, war aber auch für Geschäftsreisen verwendet worden. Es schien sich um eine Sonderanfertigung der Incom Corporation zu handeln, denn die Typenbezeichnung TC-119 sagte dem Sith nichts. Aus seiner Zeit als Copilot eines Spacers hatte er viele Raumhäfen gesehen, und eine gewisse Sachkenntnis über die gängigsten Schiffstypen erworben.

 

Irgendwann war das Schiff dann für einen Schleuderpreis an einen imperialen Moff verkauft worden. Scheinbar liefen die Geschäfte des Industriellen nicht mehr so gut. Oder er starb. Der Moff benannte das Schiff in Vector um und ließ es mit Waffensystemen und einem Klasse-1-Hyperantrieb ausrüsten. Aus Gründen, die nicht näher erwähnt wurden, erschien als nächster Besitzer die imperiale Flotte. Das Schiff wurde für Kurierdienste, für Inspektionsbesuche auf den Außenstellen und sogar vereinzelt für Kampfhandlungen verwendet. Dann brachen die Aufzeichnungen ab. Stator vermutete, daß die Vector irgendwo auf einem Hangar leise vor sich hingerostet hatte, bevor jemand ein Schiff benötigte, um einen Sith-Lord zu ermorden.

Stator grinste finster. Natürlich, schließlich wollte man kein neues Schiff opfern. Der Sith schloß die Datei, jedoch nicht, ohne vorher folgenden Eintrag einzufügen: "Neuer Name des Schiffes: Dark Fist. Neuer Besitzer: Darth Stator, Dunkler Lord der Sith."

 

Die Reparaturen, die an der Dark Fist auf Bespin getätigt worden waren, hatten die Funktionsfähigkeit des Schiffes wieder voll hergestellt. Der Hyperantrieb war vollständig überholt worden; die elektrische Verkabelung, die an einigen Stellen durchgeschmort war, war teilweise ersetzt und die Energiezellen für die Bewaffnung ebenfalls ausgetauscht worden. Außerdem hatte er zwei der vier Laserkanonen durch Vibroraketenwerfer ersetzen lassen. Die Laserkanonen selbst waren auf den neuesten Stand gebracht worden, was ihre Feuerleistung fast verdoppelte. Um die Sache zu vervollkommnen, war das Heck der Dark Fist so umgebaut worden, daß ein Protonentorpedowerfer Platz fand, der dem Schiff bei eventuellen Fluchtflügen zusätzliche Chancen einräumen sollte. Desweiteren hatte Stator die Schildgeneratoren verstärken lassen. Außerdem hatte die Dark Fist eine außergewöhnliche Lackierung bekommen. Das Schiff war nun fast völlig schwarz, nur einige silberfarbene bzw rote Linien betonten seine eigenwillige Form. Davon abgesehen prangte an der Unterseite, im Bereich der Einstiegsluke, eine stilisierte rote Faust. Die Flügelenden zierte der Name des Schiffes, ebenfalls in rot.

Der Chefmechaniker hatte ihm bedauernd mitgeteilt, daß er die Rettungskapsel nicht ersetzen konnte, da es sich dabei um eine Einzelanfertigung handelte. Den freigewordenen Raum hatte Stator statt dessen in einen zweiten Lagerraum umbauen lassen - wofür der wäre, würde er später noch entscheiden.

Im anderen, schon vorhandenen Lagerraum hatten die Techniker zwei Astromech- Droiden vom R4-Modell vorgefunden. Der eine war hoffnungslos durchgebrannt, aber den zweiten konnte man wieder herrichten. Stator hatte das Fortbewegungssystem des Astromech entfernen und den Droiden fest in der Steuerung einbauen lassen, was ihm erlaubte, während der Hyperraumflüge das Cockpit zu verlassen.

Er hielt es nicht für sinnvoll, die ganze Zeit im Pilotensessel zu verbringen, wenn er hinter sich zwei bequeme Kabinen zur Auswahl hatte.

 

Der Sith war zufrieden mit seinem Schiff. Er lehnte sich zurück und betrachtete stolz die Kontrollen seiner Dark Fist.

 

Kurz darauf verließ Stator das Cockpit, und begab sich in eine der beiden Kabinen, um zu meditieren. Zuallererst einmal darüber, wer ihm wohl nach dem Leben trachtete.

 

 

"Lady Maladi !"

 

Der Sith, der gerade das Labor der Devaronianerin betreten hatte, verneigte sich tief.

 

"Erhebt Euch !" Maladi trat auf ihn zu. "Ich habe eine Aufgabe von höchster Wichtigkeit für Euch. Ich würde es zwar vorziehen, dies selbst zu erledigen, aber ich bin im Moment nicht abkömmlich. "

 

"Euer Vertrauen ehrt mich, Lady Maladi."

 

Die Sith winkte unwirsch ab. "Ihr habt bisher bewiesen, daß Ihr sehr erfolgreich in solchen Unterfangen seid. Und Ihr seid gerade verfügbar. Ihr wart nicht meine erste Wahl, doch derzeit", und ihr Blick wanderte zu einem Bactatank, in welchem sich Darth Nihl befand, "meine einzige."

 

"Worum geht es ?" fragte der Sith.

 

"Kommt mit, ich weihe Euch in Eure Mission ein !" entgegnete Maladi, und bedeutete ihm, ihr zu folgen.

 

"Flugüberwachung Coruscant. Unbekanntes Schiff, identifizieren Sie sich !"

 

"Hier ist Darth Stator an Bord der Dark Fist, vormals als Vector bekannt. Ich übermittle ihnen den Codes für meine Landeerlaubnis auf imperialem Gebiet. Stator Ende."

 

"Verstanden Dark Fist, wir werden die Codes überprüfen und Ihnen eine Landeplattform zuweisen. Bitte gedulden Sie sich einen Moment. Ende !"

 

"Feniston, du machst mir Spaß", brummte der zweite Offizier in der Flugüberwachung. "Da draußen wartet ein verdammter Sith, und du bittest ihn um Geduld ? "

"Laß deine Witze, Gavill", antwortete der Angeredete, der eben die Codes überprüfte. "Woher willst du wissen, daß das da draußen wirklich ein Sith ist ?"

 

"Wieso, ist was mit den Codes ?"

 

"Die Codes sind in Ordnung. Nur …das Schiff ist vor mehreren Wochen als zerstört gemeldet worden. Der Pilot hat die Vector mit der Rettungskapsel verlassen, und zu Protokoll gegeben, daß der Passagier an Bord, ein gewisser Lord Stator, bei einer Explosion ums Leben gekommen wäre. Angesichts des Alters des Schiffes schenkte man ihm Glauben."

 

"Da hat er wohl Glück gehabt. Die Sith können ziemlich biestig werden, wenn man einem von ihnen am Lack kratzt. Was machen wir jetzt ?"

 

"Du leitest den Sith oder den, der vorgibt, einer zu sein, auf eine abgelegene Plattform. Ich unterrichte den Sith-Nachrichtendienst. Sollen die das unter sich ausmachen !"

 

"Gute Idee." Und als Feniston sich zum Gehen anschickte, fügte Gavill noch hinzu: "Und….danke, daß du das mit den Sith erledigst. Mich überläuft's immer kalt, wenn ich in diese kalten, tätowierten Gesichter schaue."

"Mich auch, Gavill, mich auch. Aber jemand muß es tun."

Säuerlich grinsend verließ Leutnant Feniston die Kontrollstelle.

 

Darth Maladi, Chefin des Sith-Nachrichtendienstes, wirkte nachdenklich, als sie den Holoprojektor deaktiviert hatte.

Nach ein paar Augenblicken rief sie ihren Assistenten zu sich. "Sagt Cinis, daß ich sie sprechen möchte. Schnell."

Der Sith verneigte sich kurz, und verließ das Labor.

 

Kurze Zeit darauf betrat eine Frau den Raum in Begleitung des Assistenten.

"Ihr wünschtet mich zu sprechen, Mylady ?" Es war eher eine Feststellung, als eine Frage.

 

Maladi drehte sich zu Cinis um. "Ich möchte Euch damit beauftragen, etwas nachzuprüfen. Auf Landeplattform 33P landet im Moment ein Schiff, welches als zerstört gemeldet ist. An Bord befindet sich eine Person die von sich behauptet…..Darth Stator zu sein."

 

Cinis blickte erstaunt auf. "Es hieß, er wäre tot !"

Maladi nickte leicht, "Es hieß auch, das Schiff wäre zerstört."

 

"Ein Betrüger ?" fragte Cinis. In letzter Zeit schien es erschreckend leicht zu sein, ins Herz des Imperiums, ja, gar in den Sith- Tempel einzudringen.

Maladi neigte den Kopf. "Geht, und prüft das nach. Ist er ein Schwindler, bringt ihn zum Verhör her. Weigert er sich, tötet ihn."

 

"Und wenn es wirklich Stator ist ?"

"Dann…." entgegnete die Sith, "dann würde es mich sehr interessieren, was er uns erzählen kann."

 

Cinis nickte, verneigte sich leicht und verließ das Büro, um zur angegebenen Landeplattform zu eilen.

 

Auf 33P stand ein Schiff, welches vor dem Nachthimmel kaum auszumachen war. Sein Besitzer schien es für witzig gehalten zu haben, sein Transportmittel fast vollständig schwarz lackieren zu lassen.

Cinis schritt langsam näher, griff dabei tief in die Macht. Nichts. Sie ging etwas näher zum Schiff hin, und bemerkte die große rote Faust, die auf die Unterseite gemalt war. Sie griff noch tiefer in die Macht, und plötzlich spürte sie etwas. Hinter ihr.

Blitzschnell drehte sie sich um, und hatte schon ihr Lichtschwert gezündet, ehe sie die Drehung beendet hatte, ihr erster Hieb wurde sogleich von einem weiteren Lichtschwert pariert. Auch dessen Klinge war rot. Cinis hielt verwirrt inne. Ihr Gegenüber schaltete seine Waffe aus. Im Schein ihrer eigenen Klinge erkannte sie die vertrauten Züge und die Tätowierungen Stators.

 

Der Jabiimi grinste finster. "Wartet Ihr auf mich, Lady Cinis ?"

Cinis deaktivierte ebenfalls Ihr Lichtschwert. "Ich hörte, Ihr wäret tot" entgegnete sie lakonisch.

"Man hört so vieles", warf Stator hin. "Nicht alles davon ist wahr."

 

"Das war eben ein gefährliches Spiel. Ich hätte Euch fast getötet !"

"Das geschieht mir in letzter Zeit öfter, fast getötet zu werden. " Der Sith grinste wieder. "Ich wollte nicht aus der Übung kommen."

 

Cinis nickte zur Dark Fist. "Ein schönes Schiff habt Ihr da."

"Es ist mir zugeflogen. Ich wollte es nicht wegjagen. Wir Sith sind nicht völlig herzlos, wißt Ihr ?"

"Sparen wir uns das Geplauder für später. Lady Maladi verlangt nach Euch !"

 

Der Jabiimi zog die Augenbrauen hoch, was seinem Gesicht durch die Tätowierungen ein erstauntes Aussehen gab. "Lady Maladi ? Soll ich verhört werden ?"

"Ich glaube nicht, Lord Stator. Es ist nur niemand anderes zugegen, der Euch empfangen könnte. Folgt mir !"

Die beiden Sith verließen die Landeplattform.

 

"Wartet hier", sagte Cinis, als sie bei Maladis Labor ankamen, "Ich unterrichte Lady Maladi, daß Ihr hier seid."

Damit verließ sie ihn durch die Labortür.

 

Kurze Zeit später kehrte sie zurück. "Ihr könnt jetzt eintreten, Mylord."

 

Stator nickte knapp, und betrat das Labor. Erstaunt blickte er sich um. Er war nun das erste Mal in Maladis Heiligtum, und was ihm zuerst aufiel, waren die beiden Bactatanks, in denen sich die beiden Hände Krayts, Nihl und Talon, befanden. Stator kniff nachdenklich die Augen zusammen. Etwas mußte vorgefallen sein, doch damit würde er sich später befassen.

Inmitten des Labors stand Maladi.

 

"Ihr seid es also wirklich, Lord Stator. Ich hörte, ihr wäret tot !"

 

"Offensichtlich scheinen sich Nachrichten über meinen Tod schneller zu bewegen als mein Tod selbst, Mylady." Mit diesen Worten verneigte sich Stator leicht.

Maladi blätterte in einigen Unterlagen. "Der Pilot der Vector landete in einer Rettungskapsel auf Malastare. Er gab an, an Bord des Schiffes hätte es eine Explosion gegeben, die fast den gesamten rechten Teil der Vector wegriß, und den Passagier, das wart offensichtlich Ihr, tötete. Nur mit allerletzter Not konnte er sich in die Rettungskapsel flüchten und das Wrack verlassen, bevor es in die nächstliegende Sonne stürzte. Man schenkte ihm Glauben, denn das Schiff war recht alt, und sollte zudem bald verschrottet werden. Mir scheint jedoch, er hat gelogen."

 

"Es ist fast alles wahr, bis auf die Explosion, meinen Tod und die Zerstörung des Schiffes."

 

Auf Maladis fragenden Blick hin erzählte er die ganze Geschichte.

 

Nachdem Lady Maladi aufmerksam zugehört hatte, blickte sie intensiv in Stators Augen und breitete sich tief in der Macht aus. "Ihr sprecht augenscheinlich die Wahrheit, Stator. Doch da ist noch etwas. Das ist nicht der erste Anschlag auf Euer Leben, das spürte ich in der Macht."

 

"Das ist richtig, Mylady." Und er erzählte die Geschichte der Tatooine-Mission, die ebenfalls fast sein Leben gekostet hatte. Als er schloß, nickte Maladi ihm zu.

"Lord Stator, Ihr habt mir wertvolle Informationen geliefert, wertvoller, als Ihr im Moment vielleicht denkt. Ich nehme an, Ihr habt einen Verdacht, wer Euch nach dem Leben trachtet."

 

"Einen vagen, Mylady. Lord Krayt kann es nicht sein – wieso hätte er mich erst aufbauen wollen, um mich dann zu vernichten ? Auch müßte er kein solches Spiel treiben, um mich zu töten. Ihr könnt es auch nicht sein, sonst hättet Ihr nicht Cinis geschickt, mich abzuholen, sondern vielleicht Darth Stryfe, der mich ohne Zögern getötet hätte. Darth Nihl kann es auch nicht sein, denn auf Melkenda hätte er mehr als nur eine Gelegenheit gehabt, mich umzubringen. Darth Talon traue ich keine Ränke zu.

Ich werde Euch den Namen dessen, den ich in Verdacht habe, nennen."

Darth Stator holte tief Luft, und flüsterte den Namen so leise, so daß selbst zufällige Zuhörer, so unwahrscheinlich sie auch waren, ihn nicht verstanden hätten.

 

Darth Maladi schaute den Jabiimi starr an, nickte dann leicht und entgegnete. "Das dachte ich ebenfalls."

 

Sie ließ einen Augenblick verstreichen, bevor sie weitersprach. "Da Darth Krayt derzeit in Stasis weilt, Lord Wyyrlok mit unbekanntem Ziel weggeflogen ist, und die Hände Lord Krayts, Nihl und Talon, derzeit in meiner Obhut weilen", dabei streifte ihr Blick die beiden Bactatanks, "werdet Ihr vielleicht die eine oder andere Aufgabe für mich erledigen müssen."

 

"Es wäre mir eine Freude, Lady Maladi."

Die Sith nickte und schenkte ihm einen eindringlichen Blick. "Kann ich sonst etwas für Euch tun ? " fragte sie.

"Nun, wenn Ihr schon fragt", begann Stator, "Dieses Schiff, mit dem ich gekommen bin…"

"Ah…die…." Maladi blätterte wieder in ihren Unterlagen. "…Vector."

 

"Es heißt jetzt Dark Fist, Mylady…nun….ich würde es gern behalten."

 

Maladi schaute ihn belustigt an. "Es bedeutet Euch etwas ?"

 

"Bedeuten ist das falsche Wort, Lady Maladi. Ich möchte es einfach nur besitzen."

 

Die Sith lachte kurz auf. "Der Wunsch sei Euch gewährt, Lord Stator. Hättet Ihr zugegeben, daß Euch das Schiff etwas bedeutet, hätte ich befohlen, daß Ihr es eigenhändig zerstört. Aber Gier ist eine Sith-Emotion. Die Vector existiert nicht mehr für das Imperium. Was Ihr an Andenken von Euren Reisen mitbringt, ist Eure Sache. Ich werde anweisen, daß Euer neues Schiff spezielle Codes erhält. Verlaßt mich nun !"

 

Stator verneigte sich etwas tiefer, und schickte sich an, das Labor zu verlassen.

"Ach, Lord Stator !" hielt ihn die Sith zurück. "Ich muß sicher nicht betonen, daß diese Unterredung nie stattgefunden hat. Cinis hat Euch direkt zu Eurer Unterkunft geführt. Ihr habt dieses Labor nie gesehen !"

"Natürlich nicht." Stator verneigte sich noch einmal, bevor er endgültig ging.

 

Draußen wartete Cinis auf ihn. Stator lächelte ihr müde zu. "Ich fürchte, für einen Trainingskampf bin ich momentan nicht in Stimmung."

Cinis lächelte ebenfalls. "Wie wäre es mit morgen abend ?"

"Gern", entgegnete der Jabiimi. "Ich fürchte, meine Kampftechnik ist in den letzten Wochen etwas eingerostet."

"Dann sollten wir das ändern !"

"Das sollten wir wohl."

 

Beide wandten sich zum Gehen. Nach einer Weile fragte Cinis: "Ich nehme an, Ihr wollt mir nichts von Eurer wundersamen Rettung erzählen ?"

 

"Da gibt es nicht viel zu erzählen. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, daß ich keine Erfahrung im Sterben habe. Deshalb gelingt es mir so selten."

 

Wütend über diese flapsige Antwort packte Cinis den Jabiimi an der Schulter, und riß ihn herum.

 

"Lord Stator, da ist etwas im Gange, und ich möchte gern wissen, was es ist, zumal ich mich mittendrin zu befinden scheine", fauchte sie den Sith an. Stator schaute sie eine Weile an, löste dann ihre Hand von seiner Schulter und sagte: "Lady Cinis, ich darf nicht darüber sprechen. Ich habe Lord Krayt meinen Eid geleistet. Ihr erinnert Euch noch an unser Gespräch, als Ihr mich fragtet, was ich tun würde, wenn ich spüren würde, daß Krayt mich verrät ?"

"Ja", antwortete die Sith trocken.

 

"Dann laßt Euch gesagt sein, Mylady, es ist nicht Lord Krayt, der mich verraten hat und töten lassen wollte. Das soll Euch für's erste genügen."

 

Mittlerweile waren sie an Stators Unterkunft angelangt.

"Entschuldigt mich nun, ich brauche etwas Erholung von der Reise. Ich erwarte Euch, wie abgesprochen, morgen abend zum Kampftraining."

"Ich werde dasein, Mylord. Und diesmal werde ich Euch schlagen, das schwöre ich."

 

"Ich brenne darauf, Mylady", entgegnete Stator. "Versucht nur nicht, mich zu töten ! Meinen Erfahrungen zufolge ist diese Strategie wenig erfolgreich."

Mit einem spöttischen Lächeln verneigte sich Stator vor Cinis. "Bis morgen, Mylady." Daraufhin betrat er sein Domizil.

 

Cinis stapfte wütend davon. Auf eine Art fühlte sie sich von dem langhaarigen Jabiimi angezogen, andererseits war seine geheimnnisvoll-spöttische Art etwas, was ihr den letzten Nerv raubte.

Plötzlich stockte sie. Stator hatte sie die ganze Zeit mit "Lady Cinis" angesprochen ! Wußte er von ihrer geheimen Ernennung, oder hatte er einfach nur aus Gewohnheit, wie es bei Gesprächen mit anderen Sith üblich ist, diese Anrede gewählt ?

Sie beschloß, den Jabiimi nach dem morgigen Trainingskampf etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

 

Ein Schiff trat aus dem Hyperraum. Im Cockpit saß ein Sith. Das System, welches er anflog, nannte sich Khyldrea. Der Planet war selbst unbewohnbar, doch einer der Monde war vor recht langer Zeit ein Raumhafen gewesen, an dem sich drei Handelsrouten kreuzten. Und genau das war sein Ziel.

Er drehte eine Schleife und versenkte sich in die Macht. Auf diesem verlassenen Mond sollte sich ein mächtiger Jedi sein Exil gesucht haben, und er war dazu auserkoren worden, diesen Jedi dingfest zu machen.

Das Forschen in der Macht brachte ihn zum Grübeln. Er spürte auf jeden Fall eine Präsenz, doch war diese recht diffus, und schien sich zeitweise sogar aufzufasern.

Bevor er landete, sandte er eine Holonachricht an Darth Maladi.

 

"Lady Maladi, das Ganze hat den Anschein einer Falle. Sollte ich mich innerhalb von fünf Standardstunden nicht melden, seht meine Mission als gescheitert an ! Ich werde jetzt landen." Damit unterbrach er die Übertragung, und ging auf Landeautomatik.

 

Wenig später setzte das Schiff auf dem Mond auf. Der Sith stieg aus und ging auf das einzige Gebäude zu, welches vom Raumhafen noch übrig war. Als er die Tür öffnete, sah er sich plötzlich mindestens zwölf imperialen Rittern gegenüber. Zwar zündete er sofort sein Lichtschwert, welches er schon bereit in der Hand hielt, doch seine Gegenwehr war der Übermacht nicht gewachsen.

Er kämpfte trotzdem. Oder vielleicht auch gerade deshalb.

 

Nachdem Darth Stator aus einem festen, fast traumlosen Schlaf erwachte, widmete er sich zunächst seiner Morgentoilette, bevor er sich kurz in Meditation begab. Daraufhin erhob er sich und verließ seine Unterkunft, um sich ein kräftiges Frühstück einzuverleiben.

Im Anschluß daran beschloß er, seine Studien der alten Holocrone weiterzuführen. Da er argwöhnte, daß Darth Wyyrlok ihn mit allen Mitteln von intensiveren Studien abhalten wollte, fand er den Moment dessen Abwesenheit mehr als perfekt.

In der Holocronbibliothek angekommen, stellte er zuerst fest, daß das Holocron des Darth Andeddu fehlte. Stator kniff die Augen zusammen. Sollte dies mit der geheimnisvollen Abreise Wyyrloks zusammenhängen ? Er wischte den Gedanken beiseite, denn an Andeddu hatte er momentan kein Interesse. Statt dessen holte er ein weiteres Mal das Holocron des Schöpfers der Dunkelheit, Darth Bane, hervor. Er meditierte kurz in der dunklen Seite der Macht, bevor er es aktivierte. Das Hologramm des alten Sith-Meisters erschien.

 

"Ahh, der wißbegierige Diener des Heuchlers ! Sucht Ihr immer noch nach Heilung für Euren ketzerischen Meister ?"

 

"Nein, Lord Bane. Ich suche nach Heilung für das Wesen der Sith. Ich spüre tiefe Unruhe und beginnende Intrigen und Machtkämpfe im Orden des Einen Sith, so wie Ihr es mir vorausgesagt habt. Ich sehe Sith mit dem Titel eines Darth, welche nur blinde, gehorsame Kampfmaschinen sind, und ich sehe andere, ohne Titel, die hundertfach würdiger wären, diesen zu tragen, es aber nicht tun. Ich sehe Gehorsam als zentrale Kraft des Sith-Ordens. Das erscheint mir falsch. Lord Bane, was soll ich tun ?"

 

"Lord Stator…so war doch Euer Name… Ihr erstaunt mich. Nicht, daß Ihr mich das fragt, sondern, daß Ihr nicht wißt, was zu tun ist", entgegnete der leicht flackernde Avatar des lange toten Sith-Lords.

 

"Wenn Ihr meint, Lord Bane, ich soll wie Ihr alle anderen Sith auslöschen, um die Regel der Zwei wieder einzuführen, so ehrt mich Euer Vertrauen in meine Fähigkeiten. Doch ich bezweifle, daß ich so mächtig bin, so stark in der Macht, wie es nötig wäre, diesen Weg zu gehen."

"Vielleicht benötigt Ihr nur mehr Zeit, Lord Stator. Heimlichkeit, Tücke und Geduld, dies sind die wichtigsten Eigenschaften eines Sith."

 

"Ich danke Euch, Lord Bane. Ich werde lange über das meditieren, was Ihr mir sagtet."

 

"Nun wollt Ihr sicher wissen, wie sich Euer Meister heilen kann ?" entgegnete Banes Hologramm.

 

"Ich bin mir nicht sicher, ob ich das noch will", antwortete Stator, selbst darüber erstaunt.

 

"Nun, die dunkle Seite kann ihm nicht helfen, genausowenig wie sie mir helfen konnte, um mich von den Orbalisken zu befreien. Ich brauchte die Macht eines Jedi-Heilers, um die Parasiten, die sich von der dunklen Seite nährten, loszuwerden. Auch Euer Meister wird keine Heilung in der dunklen Seite finden, weil die Wesen, die ihn verzehren, ebenso von der dunklen Macht leben.

Nun möchte ich Euch, Lord Stator, teilhaben lassen am Vermächtnis von Darth Revan. Ich bin der letzte Sith gewesen, der sein Holocron aktivieren konnte, danach hat es sich selbst zerstört. Wenn Ihr noch mehr über die Regel der Zwei wissen möchtet, merkt nun auf."

 

Das Bild von Bane wurde verschwommen, und eine schemenhafte Gestalt mit Gesichtsmaske erschien. Sie war nicht real, eher sah es so aus, als hätte jemand ein imaginäres Bild von Revan erschaffen. Doch das tat nichts zur Sache. Denn das Abbild sprach:

 

"Ich bin Darth Revan, Dunkler Lord der Sith.

Jene, die die Dunkle Seite nutzen, sind auch verpflichtet, ihr zu dienen. Wer dies versteht, versteht damit die grundlegende Philosophie der Sith.

Die Dunkle Seite bietet Macht um der Macht willen. Ihr müsst sie begehren und stets danach trachten. Ihr müsst Macht intensiver suchen als alle anderen, ohne Zurückhaltung und ohne Zögern.

Die Macht wird Euch verändern. Sie wird Euch transformieren. Einige fürchten diese Veränderung. Die Techniken der Jedi sind aufs Kämpfen und auf die Beherrschung dieser Transformation ausgerichtet. Deshalb sind jene, die dem Licht dienen, bei dem, was sie erreichen können, eingeschränkt.

 

Wahre Macht kann nur zu denen kommen, die die Transformation annehmen. Es kann keinen Kompromiss geben. Gnade, Mitgefühl, Loyalität: All diese Dinge halten Euch nur davon ab, zu beanspruchen, was Euch rechtmäßig zusteht. Wer der Dunklen Seite folgt, muß solche Täuschungen beiseiteschieben. Wer das nicht tut, wer den Weg der Mäßigung gehen will, wird versagen, in die Tiefe gezogen von seiner eigenen Schwäche.

Wer die Macht der Dunklen Seite akzeptiert, muß auch die Herausforderung akzeptieren, die darin besteht, sie zu behalten. Es liegt im Wesen der Dunklen Seite, Rivalität und Auseinandersetzungen zu fördern. Dies ist die größte Stärke der Sith: Die Schwachen werden auf diese Weise aus dem Orden aussortiert. Aber diese Rivalität kann auch unsere größte Schwäche sein. Die Starken müssen vorsichtig sein, um sich nicht von dem Ehrgeiz derer, die unter ihnen stehen, überwältigen zu lassen, wenn sie zusammenarbeiten. Jeder Meister, der mehr als einen Schüler unterrichtet, ist ein Narr. Mit der Zeit werden diese Schüler nämlich ihre Kraft vereinigen und den Meister überwältigen. Das ist unvermeidlich. Ein unumstößliches Gesetz. Deshalb darf jeder Meister nur einen wahren Schüler haben.

Dies ist auch der Grund, wieso es nur einen Dunklen Lord geben kann. Die Sith müssen von einem einzigen Anführer beherrscht werden: der Verkörperung von Kraft und Macht der Dunklen Seite. Wenn der Anführer schwach wird, muss sich ein anderer erheben, um ihn zu stürzen. Die Starken herrschen; den Schwachen ist beschieden zu dienen. So muß es sein.

Meine Zeit hier ist zu Ende. Nehmt, was ich Euch gelehrt habe, und nutzt es wohl."

 

Das Hologramm verstummte, und Stator deaktivierte das Speichermodul. Er war sich darüber im klaren, daß es einige Zeit dauern würde, bis er die neuesten Erkenntnisse verarbeitet haben würde, erhob sich und verließ die Bibliothek, tief in Gedanken.

Was Lord Bane sagte, kam aus seiner Sicht der Galaxis. Zu seiner Zeit war die Sith-Bruderschaft, die er ausgelöscht hatte, nur ein dunkler Schatten des Jedi-Ordens. Zu seiner, Stators, Zeit, waren die Sith viel mächtiger.

Darth Stator spürte, daß er auf die Schnelle keine Lösung finden würde; und so ging er eine Kleinigkeit essen und bereitete sich dann auf den Trainingskampf mit Cinis vor.

Diesmal wartete die Coruscanti schon, als er den Trainingsraum betrat. Als Stator den weiten Sith-Mantel ablegte, sah Cinis, daß er dieselbe Kampfmontur wie beim letzten Mal trug - weite Hose, Stiefel, Armstulpen, und freier Oberkörper. Sein Lichtschwert hing noch am Gürtel, während Cinis das ihre schon aktiviert in der Hand hielt, und einige Übungsschläge probierte.

"Lord Stator !" begrüßte sie ihn, verneigte sich aber nur unmerklich. Ein Teil ihrer Strategie, um herauszubekommen, ob er über ihre geheime Ernennung zum Darth Bescheid wußte.

"Mylady !" grüßte Stator ebenso knapp zurück.

 

"Mylord, ich schlage Euch ein Spiel vor. Jedesmal, wenn ich Euch in eine Position gebracht habe, in der ich Euch hätte töten können, beantwortet Ihr mir eine Frage wahrheitsgemäß !"

Stator grinste breit. "Wenn Ihr akzeptiert, daß diese Abmachung auch andersherum gilt, bin ich einverstanden", antwortete er.

 

"Dann soll es so sein !" entgegnete die Sith, und nahm ihre Angriffsstellung ein. Der Jabiimi löste seinen Lichtsäbel vom Gürtel und aktivierte ihn. Er schwenkte die Waffe in ein paar komplizierten Bögen um sich herum und griff aus dieser Bewegung unvermittelt an. Cinis parierte den Schlag mühelos, und als Stator um sie herumschwenkte, um sie von der anderen Seite zu treffen, hatte sich die Sith blitzschnell gedreht, und wehrte auch diesen Angriff ab.

Nach einem kurzen Schlagabtausch trennten sich die Kontrahenten kurz, um sich zu belauern. Stator warf spielerisch seine Waffe von der rechten in die linke Hand, während sie sich umkreisten. Als Stator sein Lichtschwert gerade in der linken Hand hatte, nutzte Cinis diesen Moment, um anzugreifen, doch der Jabiimi wechselte blitzschnell die Hand und parierte den Angriff. Daraufhin ging er direkt zum Gegenangriff über, doch alle drei Angriffsschläge wurden von Cinis pariert.

In den darauffolgenden Kampfsequenzen schien sich herauszukristallisieren, daß die beiden Gegner fast ebenbürtig waren. Während Stator eher einen kühlen, verspielt wirkenden Kampfstil offenbarte, war die Taktik von Cinis wie ein Ausbruch von Raserei.

Während Stator die Schwäche des Gegners durch Finten und Scheinangriffe herauszufinden suchte, richteten sich Cinis' Angriffe gegen alle Facetten des Gegners, mit dem Ziel, dadurch irgendeine Schwäche zu treffen.

 

Mit fortlaufender Kampfdauer kam es aber dazu, daß die beiden Kontrahenten den Stil des Gegners imitierten. Plötzlich kam es Stator in den Sinn, einen impulsiven Stoß mit dem Lichtschwert nach vorn zu unternehmen, während Cinis sich einfach wegduckte, und zum Gegenschlag ausholte. Kurz vor Stators rechter Rumpfseite kam Cinis' Lichtschwert zum Halten.

"Ich habe eine Frage frei", sagte Cinis, deaktivierte ihren Lichtsäbel, und trat ein paar Schritte zurück.

"Seit Eurer Rückkehr redet Ihr mich mit Lady an. Es ist im Sith-Orden bekannt, daß ich offiziell nicht den Titel eines Darth trage. Warum also diese Anrede ?"

 

"Ich ging davon aus, daß ein Sith mit Euren Fähigkeiten würdiger ist als so viele des Ordens, den Titel eines Darth zu tragen. Selbst wenn Ihr den Titel nicht tragt, in meinen Augen habt Ihr ihn Euch mehr als verdient. Mylady. Außerdem erkenne ich nun aus Eurer Frage, daß Ihr inoffiziell ein Darth seid. Somit lag ich nicht falsch."

 

In diesem Moment setzte er einen Salto an, flog über Cinis hinweg und landete knapp hinter ihr. Als Cinis ihr Lichtschwert zündete, sah sie schon Stators Klinge in der Nähe ihres Halses.

 

"Nun ist es an mir, eine Frage zu stellen", konterte der Jabiimi. "Lord Nihl und Lady Talon befinden sich im Bactatank. Lord Krayt ist in Stasis, und Lord Wyyrlok abwesend. Was ist passiert ?"

 

Cinis atmete tief durch. Sie war sich nicht sicher, ob sie diese Information weitergeben durfte. Außerdem ärgerte es sie, daß sie sich so schnell hatte überrumpeln lassen. Doch es gab eine Abmachung mit diesem Sith, also antwortete sie: "Cade Skywalker ist in den Tempel eingedrungen. Lord Krayt wollte ihn zu einem Sith machen, doch er konnte fliehen, er verletzte Talon und Nihl schwer, und entkam."

 

"Skywalker !" Stator knirschte mit den Zähnen. "Ihr wollt also behaupten, daß jemand hier eingedrungen ist, und drei der mächtigsten Sith ausgeschaltet hat ?"

 

"Dies wäre die nächste Frage, und die Antwort darauf müßt Ihr Euch erst noch verdienen, Lord Stator."

Mit diesen Worten stieß sie den Jabiimi mittels der Macht von sich, und attackierte ihren Kontrahenten sofort mit einigen ungestümen, aber wohlüberlegten Lichtschwertschlägen. Stator hatte seine Mühe, diese abzuwehren, wurde immer mehr in die Defensive gedrängt, bis es Cinis gelang, ihm das Lichtschwert aus der Hand zu schlagen. Mit der Macht ergriff sie Stators Waffe, bevor er das selbst tun konnte.

 

Triumphierend, mit beiden Lichtschwertern, stand sie vor ihm. "Nun, Lord Stator, meine nächste Frage. "

"Nur zu !" antwortete Stator ächzend.

 

Cinis schaltete Stators Lichtschwert aus, und reichte es ihm. "Mylord, erklärt mir, wieso Euer sicherer Tod gemeldet wurde, obwohl Ihr ja augenscheinlich überlebt habt ?"

Stator nahm seine Waffe entgegen. "Jemand im Sith-Orden trachtet mir nach dem Leben", antwortete er rundheraus. "Es war ein Attentat auf mich geplant, welches nicht funktionierte. Das ist alles."

 

Cinis riß die Augen auf. "Wer im Sith–Orden sollte im Sinn haben, Euch zu töten ?"

 

Stator ließ wieder sein spöttisches Grinsen aufblitzen. "Dies, Lady Cinis, ist bereits die nächste Frage, und auch Ihr müßt Euch die Beantwortung erst verdienen." Mit diesen Worten zündete er sein Lichtschwert und begann sofort mit einigen fintenreichen Angriffsschlägen. Cinis bereitete es wenig Mühe, diese abzuwehren, beschloß aber, in der Defensive zu bleiben, um aus dieser Position eine Schwäche ihres Trainingspartners rigoros ausnutzen zu können. Doch bevor sich die beiden Sith, sich gegenseitig belauernd, weiter ihrem Kampf hingeben konnten, meldete sich Cinis' Holoprojektor.

Darth Maladis Gestalt erschien. Die beiden Sith sahen sich kurz an, schalteten ihre Waffen aus und beugten ein Knie vor Maladis Holobild.

 

"Cinis…Stator…praktisch, Euch beide zusammen anzutreffen. Ich habe eine Mission für Euch. Kommt unverzüglich in mein Labor !"

"Sehr wohl, Mylady", antwortete Cinis, während Stator nur stumm nickte.

 

Auf dem Weg zu Lady Maladis Labor raunte Cinis ihm zu: "Wir sind noch nicht fertig mit unserem Fragespiel, Lord Stator !"

"Das ist mir klar, Lady Cinis."

"Dann sollten wir es demnächst fortsetzen ?"

"Wie Ihr wünscht, doch zunächst laßt uns in Erfahrung bringen, welche Aufgabe uns vorerst auferlegt wird."

 

Kurz darauf betraten die beiden Sith das Laboratorium von Darth Maladi. Cinis und Stator verneigten sich vor der Chefin des Sith-Geheimdienstes.

 

"Lord Stator..Cinis…", begann die Devaronianerin in kühlem Tonfall. "Ich beabsichtige, in nächster Zeit eine Außenstelle meiner Laboratorien einzurichten, und zwar auf Wayland. Dieser Planet war schon immer von der dunklen Seite erfüllt, doch seit die Yuuzhan Vong dort alles umgestaltet haben, ist diese Welt noch düsterer geworden. Ich möchte, daß Ihr beide dorthin fliegt und einen geeigneten Ort für meine Studien findet. Diese Aktion muß natürlich geheim bleiben. Deshalb ist es recht praktisch, Lord Stator, daß Ihr seit kurzem über ein Schiff verfügt, welches weder als Eigentum des Imperiums noch des Sith-Ordens gilt, und dessen Flüge daher auch in keinen Dienstplänen auftauchen werden."

 

Darth Stator konnte sich gerade so noch ein Grinsen verkneifen. Deshalb also die schnelle Bereitschaft Lady Maladis, ihm die Dark Fist zu übereignen.

 

"Brecht auf, sobald Ihr bereit seid !" Lady Maladi reichte Stator eine Datenkarte. "Hier sind die neuen ID-Codes für Euer Schiff. Meldet Euch von Wayland, sobald Ihr könnt !"

Damit entließ sie die beiden Sith.

 

Als sie das Herzstück von Maladis Reich verlassen hatten, sagte Stator zu Cinis: "Ich fürchte, unser Fragespiel muß verschoben werden. Mein Schiff ist zwar nicht gerade eng, aber für Lichtschwertkämpfe ist es dann doch etwas zu klein."

"Habt keine Sorge deswegen, Mylord", entgegnete Cinis. "Wenn das stimmt, was ich über Eure Missionen gehört habe, dürfte es keinen Mangel an Gelegenheiten geben, unsere Lichtschwertkunst zu trainieren."

Stator grinste säuerlich, bevor er weitersprach: "Wann, denkt Ihr, werdet Ihr reisebereit sein ?"

Cinis grinste noch etwas breiter, und entgegnete: "Wann wird Euer Schiff startbereit sein ?"

"In etwa einer Standardstunde."

"Dann werde ich dort auf Euch warten !"

Stator nickte, und die beiden Sith trennten sich.

 

Zur verabredeten Zeit fand sich Cinis an der Dark Fist ein. Stator begrüßte sie, hieß sie einzusteigen, und zeigte ihr ihre Kabine.

"Recht luxuriös !" kommentierte die Sith das Interieur. "Ihr versteht zu leben, Lord Stator !"

Stator neigte, leicht grinsend, den Kopf, und entgegnete. "Die Einrichtung stammt von den Vorbesitzern. Doch ich gestehe, daß auf langen Reisen eine gewisse Bequemlichkeit nicht unerfreulich ist." Daraufhin zeigte er ihr die Besonderheiten der Einrichtung. Cinis schätzte vor allem die erstklassige Sanitärzelle – sich auf längeren Raumreisen unter Umständen eine ganze Weile nicht oder nur notdürftig waschen zu können, war oftmals ein notwendiges Übel, das ihnen hier erspart blieb.

"Ich hoffe, Ihr fühlt Euch wohl auf meinem Schiff !" endete Stator.

Cinis nickte nur. Stator verneigte sich leicht, und begab sich dann ins Cockpit. Wenige Standardminuten später erhob sich die Dark Fist in den von bunten Lichtern blitzenden Nachthimmel von Coruscant.

 

Nachdem das Schiff den Orbit von Coruscant verlassen hatte, fütterte der Jabiimi die R4-Einheit mit den Zielkoordinaten, und ließ den Droiden den Hyperraumsprung berechnen. Als er gerade damit fertig war, und sich leicht zurücklehnte, spürte er plötzlich zwei Hände an seinen Schultern. Er drehte sich mitsamt seinem Pilotensessel um und erblickte Cinis. Sie hatte ihren Brustpanzer und die restliche Kampfausrüstung abgelegt und lächelte Stator kokett an.

"Ich hoffe, Mylord, Ihr seid nicht die ganze Zeit nur im Cockpit !"

"Nein", antwortete Stator grinsend, und indem er auf die Haube seines R4-Droiden klopfte, fügte er hinzu, "Dafür habe ich den hier."

Der Sith wandte sich wieder dem Bedienpult zu und überprüfte noch einmal kurz die Sprungberechnung. Dann aktivierte er den Hyperantrieb, und als die Sterne vor ihnen zu langen Linien zerschmolzen, drehte sich der Jabiimi wieder um.

"Nun Lady Cinis, stehe ich Euch ganz zur Vefügung." Er erhob sich und ging auf die Sith zu. Er umfaßte ihren Körper mit der einen Hand, mit der anderen griff er in ihren Nacken, und küßte sie heftig. Dann begaben sie sich gemeinsam in Cinis' Kabine.

 

 

Sie hatten sich nach dem Ansturm ihrer Leidenschaft genüßlich auf dem Bett ausgestreckt, ohne ihre Kleider wieder anzulegen. Stator massierte leicht die Schultern von Cinis.

"Nun, Mylady, Ihr sagtet, Skywalker befand sich bereits in unserer Gewalt. Was ist dann passiert ?"

"Er gab vor, ein Sith werden zu wollen, und seine Ausbildung hatte schon begonnen", antwortete die Sith. "Dann jedoch muß etwas schiefgegangen sein. Er hatte Hilfe, und irgendwie gelang ihm die Flucht, und die Hände Krayts wurden schwer verletzt. Ich weiß nicht, wie er das geschafft hat. In den Trainingskämpfen hatte ich nicht den Eindruck, daß er mit seinem ganzen Können bei der Sache war."

 

Stator unterbrach plötzlich seine Massagegriffe. "Ihr habt mit Skywalker gekämpft ?" fragte er erstaunt.

"Ja, ich bat Lady Talon, seine Meisterin, um einen Trainingskampf, und er wurde mir gewährt. Skywalker war gut, aber nicht bei der Sache. Ich habe ihn recht leicht schlagen können."

 

"Ihr hättet ihn töten sollen !" blaffte Stator unvermittelt.

"Warum ?" fragte Cinis erstaunt.

"Weil man einem Skywalker nicht trauen kann. Als Sith sollte man niemandem trauen, und einem Skywalker schon gar nicht !"

 

Cinis wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da aktivierte sich ihr Holoprojektor. Lady Maladis Gestalt erschien. Auf ihre strengen Gesichtszüge malte sich die Andeutung eines belustigten Lächelns, als sie erkannte, in welcher Situation sich die Angerufenen befanden. "Cinis…Stator…und wiederum ein Glücksfall, Euch beide zusammen anzutreffen. Unterbrecht Eure Reise sofort und begebt Euch zum dritten Mond des Khyldrea-Systems. Dort ist ein Sith in Gefahr. Dieser Sith ist in einer meiner Missionen unterwegs. Helft ihm ! Maladi Ende."

 

Stator und Cinis sahen sich erstaunt an. "Dann werde ich wohl mal im Cockpit verschwinden müssen", brummelte der Jabiimi, erhob sich, streifte seine Kleider über und verließ Cinis' Kabine.

 

 

"Meister Halko, was geschieht jetzt ?" fragte der junge Ritter, während er mit dem erfahrenen Denios Halko Wache hielt.

"Wir warten auf ein Gefängnisschiff, welches über die notwendige Ausrüstung verfügt, um einen gefangenen Sith wohlbehalten nach Bastion zu bringen. Dort wird er dann verhört", antwortete der ältere imperiale Ritter.

 

"Könnten wir ihn nicht mit einem unserer Predators transportieren ?"

"Das würdet Ihr, Meister Kazano, schnell bereuen. Diesen Sith da drin", und damit deutete er auf das Gebäude hinter den beiden, "können wir nur deshalb in Schach halten, weil vier unserer besten Ritter ihn mittels der Macht daran hindern, sich von den Fesseln zu befreien. Ihr erinnert Euch an seine Gefangennahme ? Drei verdiente Ritter des Imperiums bezahlten den Erfolg mit ihrem Leben. Mit ihm als einzigem Mitreisenden hättet Ihr nicht die Spur einer Chance." Und während er dem jüngeren Meister tief in die Augen blickte, fügte er eindringlich hinzu: "Keiner von uns hätte sie."

 

Die Unterredung der beiden Ritter wurde durch eine Kom-Mitteilung unterbrochen, welche ihnen zu verstehen gab, daß soeben ein Schiff aus dem Hyperraum getreten war und Kurs auf den Mond nahm.

 

"Sind das die Meister Draco und Krieg, um den Gefangenen abzuholen ?" fragte der junge Kazano.

"Vielleicht, vielleicht auch nicht. Geht hinein und unterrichtet die anderen !"

Der junge Ritter verneigte sich leicht, und tat, wie ihm geheißen.

 

 

"Lady Cinis, bevor wir zur Landung ansetzen, möchte ich Euch darum bitten, Euch so stark aus der Macht zurückzuziehen wie Ihr nur könnt. Ich werde das auch tun", teilte der Jabiimi seiner Mitreisenden lakonisch mit.

Cinis nickte nur knapp. Kurz daraufhin machten sich die beiden Sith so trübe in der Macht, daß selbst die besten Jedi, und auch viele der großen Sith sie nicht mehr gespürt hätten. Stator gab der R4-Einheit die nötigen Daten für die Landung und lehnte sich zurück. Wenig später setzte die Dark Fist auf dem Mond auf.

 

"Ihr seid Euch darüber im klaren, Lord Stator, daß unsere Tarnung auffliegt, sobald wir unsere Lichtschwerter zünden ?" warf Cinis ein.

"Vollkommen !", entgegnete der Jabiimi. "Doch bis dahin verbleiben wir in unserer Tarnung. Ich möchte erst sehen, mit welchem Gegner wir es hier zu tun haben. Ich glaube, da tut sich schon etwas." Mit diesen Worten zeigte er auf das verfallen wirkende Gebäude am Rande der Landeplattform. Sechs imperiale Ritter kamen von dort auf das gelandete Schiff zu.

 

"Ein Haufen von Fels Machtlingen !" zischte Darth Stator. Er drehte sich zu Cinis um. "Wir steigen jetzt aus. Haltet Euer Lichtschwert bereit. Und denkt an alles, was Ihr bisher gelernt habt. Wir werden es brauchen !"

 

Stator aktivierte die Ausstiegsrampe, griff sich eine Art Fernbedienung und bedeutete Cinis, ihm zu folgen. Sobald die beiden Sith die Rampe verlassen hatten, drückte Stator zwei Schalter auf seinem Kontrollpad. Die Rampe schloß sich bei Betätigung des ersten, der zweite Knopf aktivierte zwei leistungsstarke Strahler, welche zum einen den Platz gut ausleuchteten, zum anderen die Ritter blendeten.

In diesem Moment öffnete sich Stator der Macht, und erkannte dadurch, wer sich in der Gewalt von Roan Fels Schergen befand. Natürlich flog dadurch auch die Tarnung auf, doch die war jetzt ohnehin nicht mehr vonnöten. Er, Cinis und die imperialen Ritter zündeten fast gleichzeitig ihre Lichtschwerter.

 

"Ihr müßt Euch nun wieder in die Macht versenken, Cinis !" Das waren Stators letzte Worte, bevor er sich in den Kampf stürzte. Mit einem Salto sprang er in die Mitte seiner drei Gegner und brachte einen von ihnen mit einem gezielten Machtstoß zu Fall. Der zweite parierte seinen Lichtschwerthieb, und ging sofort zum Gegenangriff über. Der dritte flog, ebenfalls mit einem Salto, über Stator hinweg, um in seinen Rücken zu kommen, doch der Jabiimi duckte sich seitlich weg, und entging so den Schwertstreichen seiner beiden Gegner.

Cinis arbeitete sich mit ihrer ungestümen Kampfweise durch die Reihen ihrer Gegner. Da sie überall und nirgends zu sein schien, waren die imperialen Ritter sich meistens gegenseitig im Weg, ohne eine effektive Angriffsstrategie entwickeln zu können. Plötzlich markierte ein schriller Schrei das Ende eines der Imperialen, nachdem Cinis' Klinge die ungepanzerte Stelle unterhalb des Brustpanzers eines ihrer Gegner traf.

 

Stator hatte mittlerweile auch einen seiner Kontrahenten getötet, doch die beiden anderen setzten ihm hart zu. Als seine Lichtschwertklinge die Armschiene des Ritters traf, erlosch sie plötzlich.

"Cinis !" schrie der Sith, "Armschienen aus Cortosis ! Versucht, sie nicht zu treffen !"

 

Er nahm sein nutzloses Lichtschwert in die linke Hand und aktivierte mit der Rechten eine Ladung Sith-Blitze, mit denen er seine beiden Gegner zumindest bremsen konnte. Daraufhin griff er mit der Macht nach dem Lichtschwert des von ihm getöteten Ritters und aktivierte die Klinge.

Plötzlich öffnete sich die Tür des Gebäudes, und vier weitere Ritter kamen herausgestürmt, alle mit gezündeten Lichtschwertern. Stator und Cinis fanden sich plötzlich Seite an Seite. Ihnen gegenüber bauten sich acht imperiale Ritter auf. Einer von ihnen, wohl der Leiter der Aktion, trat auf sie zu. "Ihr könnt nicht gewinnen, Sith-Brut ! Gebt auf, und Euer Leben wird geschont !"

 

Stator schaute Cinis kurz an. Sie schüttelte fast unmerklich mit dem Kopf.

Der Jabiimi grinste. Dann drehte er sein Gesicht zu Fels Gefolgsmann , und sagte langsam: "Frieden ist eine Lüge. Es gibt nur Leidenschaft. Durch Leidenschaft erlange ich Kraft. Durch Kraft erlange ich Macht. Durch Macht erlange ich den Sieg. Der Sieg zerbricht meine Ketten. Das ist unser Kodex. Das Wort 'Aufgeben' kommt darin nicht vor."

"Dann werdet Ihr jetzt sterben ,"verkündete der Ritter.

 

In diesem Moment zerbarst die Tür hinter ihnen. Die Splitter streckten drei der Ritter nieder, im erleuchteten Geviert der nun fehlenden Tür stand ein Sith, befreit von seinen Fesseln, und voller Zorn. Er hatte keine Waffe, doch von seinen erhobenen Fäusten züngelten Blitze.

In diesem Moment aktivierte sich Stators Lichtschwert wieder. Stator sagte leise: "Lady Cinis, mir scheint, die Sabacc-Karten haben gerade zu unseren Gunsten ihren Wert gewechselt !"

 

Er hatte kaum geendet, als der Sith seine Blitze auf zwei der Ritter schleuderte. Im selben Augenblick begannen Cinis und Stator mit ihrem Angriff. Stator, dem die Arbeit mit zwei Lichtschwertern zu ungewohnt war, warf im Lauf des Kampfes die Waffe, die er dem toten Ritter abgenommen hatte, dem anderen Sith zu. Ab diesem Moment war es nur noch eine Frage der Zeit. Binnen weniger Minuten waren die Gefolgsleute des abgesetzten Imperators Fel besiegt.

 

Inmitten ihrer überwältigten Feinde standen drei Sith und musterten sich gegenseitig. Stator verneigte sich vor dem Sith, den sie befreit hatten. "Lord Thrakon." Der Angesprochene verneigte sich ebenfalls. "Lord Stator. Es scheint eine Fügung zu sein, daß gerade ich Euch damals aufgelesen habe. Mir scheint, was Sith tun, hat immer einen tieferen Sinn. Auch Ihr seid mir gegrüßt, Cinis", mit diesen Worten wandte er sich der Frau zu. "Ich hörte schon viel von Eurer Kampftechnik. Nun weiß ich, daß die Berichte nicht übertrieben waren."

"Auch ich hörte schon viel von Euch, Lord Thrakon. Es war mir eine Ehre, Euch etwas…behilflich zu sein. Darf ich fragen, wie Ihr in diese Lage geraten seid ?"

"Es war eine Falle, und ich ahnte sie. Doch ich mußte die Falle zuschnappen lassen, um den Verursacher zu ermitteln. Ich nehme an, Lady Maladi hat Euch geschickt ? Ich war in ihrem Auftrag unterwegs."

 

"Wir sind ebenfalls im Dienst Darth Maladis unterwegs, und sie hat uns tatsächlich hierher beordert. Doch nun müssen wir aufbrechen, um uns unserem ursprünglichen Auftrag zu widmen", entgegnete Darth Stator. "Wenn Ihr uns begleiten wollt, auf meinem Schiff ist genügend Platz", fügte er hinzu.

 

"Ihr habt ein eigenes Schiff ? Eure Karriere scheint strahlender zu verlaufen, als ich damals auf Nar Shaddaa zu ahnen wagte. Dennoch muß ich Euer Angebot ablehnen. Mein Schiff steht hier irgendwo, und ich muß sofort zurück nach Coruscant, um Lady Maladi Bericht zu erstatten."

"Dann trennen sich unsere Wege ein weiteres Mal, Lord Thrakon !" Stator verneigte sich, und, wie er aus dem Augenwinkel sah, tat Cinis es ihm nach.

Auch Thrakon deutete eine abschließende Verbeugung an, bevor er sich abwandte und seines Weges ging, wohl zu seinem Schiff, der Rakoth's Bane.

 

Die beiden Sith schauten ihm noch kurz nach. "Das ist also Darth Thrakon !" meinte Cinis. "Sehr beeindruckend !"

"Das ist er", antwortete Stator. "Immer im Dienst des Ordens, unsichtbar, aber effektiv. Unscheinbar, aber tödlich. Nun, Cinis, laßt uns an Bord gehen ! Wayland wartet, wißt Ihr noch ?"

Ohne eine Erwiderung nickte Cinis nur knapp, und folgte dem Jabiimi auf die Dark Fist.

 

 

Auf dem Thron des Imperators saß Darth Krayt. Vor einigen Stunden hatte er die Stasiskammer verlassen, die er seit der spektakulären Flucht Cade Skywalkers in Anspruch hatte nehmen müssen. Bei ihm stand sein Berater und Sprachrohr, Lord Wyyrlok. Dieser hatte seinen Herrn schon über die Geschehnisse informiert, die sich während Krayts Erholungspause ereignet hatten. Doch nicht über alles wußte die Stimme Krayts Bescheid. Deshalb hatte der Imperator Lady Maladi, Chefin des Sith-Nachrichtendienstes, zu sich gerufen, welche soeben den Saal betrat.

 

Die Devaronianerin trat näher, verneigte sich tief vor Lord Krayt und sprach: "Ihr habt mich gerufen, mein Meister. Ich bin erfreut, Euch wieder in voller Kraft vor mir zu sehen."

 

"Verschont mich mit Eurer Speichelleckerei, Maladi. Ich habe Euch nicht deshalb herbeordert. Ich möchte wissen, welche Fortschritte Ihr bei der Suche nach Skywalker gemacht habt. Lord Wyyrlok konnte mir schon keinen Erfolg seiner Bemühungen vermelden. Ich hoffe, Ihr wart da effektiver !", blaffte Krayt.

Darth Maladi zuckte kurz, aber fast unmerklich, zusammen.

"Mylord, ich habe meine Fühler in den Kreisen ausgestreckt, in denen sich dieser Cade zu bewegen pflegt. Schmuggler, Piraten, Kopfgeldjäger und ähnlicher Abschaum. Diese Kreaturen sind immer käuflich, und so denke ich, bald nützliche Erkenntnisse zu erlangen, die zur Ergreifung von Skywalker führen."

 

"Ihr habt Eure Erfolglosigkeit in schöne Worte gekleidet, Maladi. Ich kann nicht behaupten, besonders erfreut über diesen Bericht zu sein. Ich erwarte, daß Ihr Eure Anstrengungen mehr als verdoppelt. Das gilt ebenso für Euch, Lord Wyyrlok !", fügte Krayt hinzu, indem er sich seinem Berater zuwandte.

"Natürlich, Lord Krayt", erwiderte der Chagrianer, und verneigte sich kurz.

 

"Wie gedeiht Nihls Vong-Arm ?" wechselte Darth Krayt das Thema, sich nun wieder Maladi widmend.

 

"Recht gut, Mylord. Ich denke, Lord Nihl wird schon in wenigen Wochen wieder voll einsatzbereit sein."

"Das ist gut. Ich werde in nächster Zeit jeden hochrangigen Sith brauchen, dessen ich habhaft werde kann. Lord Nihl wird genügend Möglichkeiten bekommen, sein Versagen bei Skywalkers Flucht ungeschehen zu machen."

 

"Dann wird es Euch sicher erfreuen, zu hören, daß Darth Stator wieder aufgetaucht ist, Mylord ?"

Darth Krayt fuhr zu Wyyrlok herum und funkelte ihn an. "Ihr berichtetet mir, er wäre tot. Scheinbar sind Eure sicheren Quellen nicht so zuverlässig, wie Ihr glaubt. Oder wie Ihr mich glauben lassen wolltet. Ich warne Euch, Wyyrlok. Spielt keine Spiele mit mir. Mir genügt es schon, Maladis Intrigen zu ertragen !" Wieder wandte er sich Maladi zu: "Wo befindet sich Stator jetzt ?"

 

Maladi berichtete ihrem Herrn, daß sie selbst Stator zusammen mit einer ihrer Untergebenen auf eine Mission geschickt hatte, und er sich wohl im Moment in der Nähe von Wayland aufhielte. Außerdem unterrichtete sie ihren Meister darüber, daß Stator mit der Dark Fist nun über ein eigenes Raumschiff verfügte.

Ihr fiel auf, daß besonders Wyyrlok während dieser Episode überaus hellhörig erschien.

 

Krayt hörte aufmerksam zu, und als die Sith geendet hatte, schaute er sie einen Moment finster an.

"Ich möchte hier ein für alle Male klarstellen, daß Lord Stator allein mir unterstellt ist. Sowohl Ihr, Maladi, als auch Ihr, Wyyrlok, werdet in Zukunft davon Abstand nehmen, Stator auf frucht- und sinnlose Missionen zu schicken, die ich nicht ausdrücklich autorisiert habe. Ich brauche den Mann hier. Verlaßt mich nun ! Beide."

 

Die Angesprochenen verneigten sich, und verließen den Thronsaal, froh darüber, daß sich Krayts Zorn nicht ein weiteres Mal unkontrolliert Bahn gebrochen hatte.

 

Das imperiale Schiff war soeben aus dem Hyperraum getreten und flog nun eine Schleife um den Mond, der ihr Ziel war. Im Cockpit, hinter dem Pilotenteam, standen zwei imperiale Ritter und betrachteten die Oberfläche des Himmelskörpers, auf welchem sie in absehbarer Zeit landen würden.

Die Ritter waren ungewöhnliche Passagiere auf einem Schiff dieser Art, denn die Hostility war ein Gefängnisshuttle, speziell entworfen für den Transport gefährlicher Gefangener.

"Irgendetwas stimmt da unten nicht, Antares", murmelte einer der beiden Ritter dem anderen zu. "Ich habe ein ganz mieses Gefühl bei der Sache."

 

"Ich weiß nicht, was du meinst, Ganner. Ich spüre überhaupt nichts", entgegnete der andere.

 

"Das ist es ja gerade. Wir müßten doch den Sith, oder wenigstens die Ritter da unten in der Macht spüren, aber so tief ich auch in die Macht greife, da ist nichts."

 

Die Blicke der beiden Imperialen kreuzten sich. "Dann sollten wir so schnell wie möglich landen und nachsehen, was es damit auf sich hat !", erwiderte Antares Draco. Er wandte sich dem Captain des Shuttles zu. "Wie lange wird es noch dauern ?"

"Nur noch wenige Standardminuten, Meister Draco."

 

Wie der Pilot versprochen hatte, setzte die Hostility wenige Minuten später auf dem dritten Mond des Khyldrea- Systems auf.

"Ihr bleibt alle, wo Ihr seid, "befahl Draco. "Meister Krieg und ich steigen zuerst aus."

 

Kurz darauf betraten die beiden Imperialen den Boden des kleinen Raumhafens. Ihnen bot sich ein Bild des Schreckens. Überall lagen imperiale Ritter tot inmitten der Trümmer ihrer Rüstungen. Entsetzt schauten sich Krieg und Draco um. Der ganze Platz vor dem Landefeld war mit Leichen übersät. Und keine Spur von dem Sith.

Schweigend und schockiert gingen die beiden Ritter langsam auf das Gebäude zu, welches sie im Hintergrund bemerkten. Die Tür war völlig geborsten, einige ihrer Splitter waren die direkte Todesursache von mindestens zwei der Opfer.

"Wie mächtig muß der Sith gewesen sein, der dies hier angerichtet hat ?" fragte Draco schaudernd.

 

Ganner Krieg wollte gerade antworten, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung sah. Er zündete sein Lichtschwert und drehte sich in Richtung der erwarteten Gefahr. Auch sein Kamerad hatte, nur einen Augenblick später, seine Waffe aktiviert. Doch nur wenige Sekunden später waren beide Lichtschwerter wieder an ihrer Aufhängung, und die beiden Ritter hasteten über den Platz.

 

Die Bewegung kam von einem der hingestreckten imperialen Ritter; Krieg und Draco erreichten ihn fast zeitgleich. Krieg kniete sich zu dem Ritter herunter, und während er sagte, "Dieser hier ist noch am Leben !", hatte Draco schon das Kom an den Lippen, und beorderte einen Medidroiden her.

 

"Meister Kazano ! Was ist passiert ? Hat ein Sith dies alles getan ?" redete Krieg auf den schwer Verletzten ein.

"Meister Krieg….nicht einer…..drei…..es waren…..drei !" hauchte der junge Ritter, bevor er das Bewußtsein verlor.

 

"Die Mannschaft soll die Leichen der Ritter einsammeln und ins Schiff bringen. Sie bekommen ein ehrenvolles Begräbnis !" ordnete Antares Draco an, als sie mit dem Verletzten am Schiff ankamen. "Dieser hier ist noch am Leben, er muß unverzüglich in einen Bactatank. Wenn er nicht überlebt, werden wir nie erfahren, was hier geschehen ist."

Keine halbe Standardstunde später startete die Hostility mit ihrer makabren Fracht.

 

Wayland. Einst ein angenehmer grüner Planet, wie die alten Chroniken besagten, nun aber ein Opfer der mißlungenen Terraformingversuche. Hatte es früher schon gefährliche Spezies auf dem Planeten gegeben, waren nun noch viel schlimmere und giftigere Kreaturen unterwegs, Ergebnisse der sabotierten Vong-Biotechnologie.

Darth Stator umflog Wayland nun schon zum dritten Mal, ohne einen geeigneten Landeplatz ausfindig zu machen. Gut, ein weiterer Grund für seine Suche war auch, eventuell Spuren von Palpatines Technologielager im Mount Tantiss ausfindig zu machen. Doch die wuchernde Vong-Vegetation machte eine Orientierung nach den alten Karten unmöglich. Stator starrte angestrengt auf die Oberfläche des Planeten, als sich sein Holoprojektor aktivierte.

Das Holo zeigte die Umrisse seines Herrn und Meisters, Darth Krayt.

 

Stator verneigte sich, so gut dies eben auf dem Pilotensitz möglich war, und hauchte "Lord Krayt !"

"Lord Stator", dröhnte die Stimme des Imperators. "Ich weise Euch hiermit an, die Mission sofort abzubrechen und nach Coruscant zurückzukehren."

"Wie Ihr befehlt, Mylord !"

"Ja. Wie ich befehle ! Ihr werdet mir einiges zu erklären haben. Darth Krayt Ende."

 

Stator starrte noch einige Sekunden auf den deaktivierten Holoprojektor, bevor er langsam nach dem Komlink griff und hineinsprach: "Lady Cinis ? Wenn Ihr einen Blick auf Wayland werfen möchtet, solltet Ihr recht schnell ins Cockpit kommen."

 

Nur eine halbe Minute stand Cinis hinter Stator und betrachtete die fremdartige, feindselig wirkende Welt von Wayland. "Recht gemütliches Plätzchen", kommentierte sie ihre Beobachtungen sarkastisch. "Wißt Ihr schon, wo Ihr landen werdet ?"

"Wir werden überhaupt nicht landen", entgegnete der Jabiimi. Cinis schaute ihn verwundert an.

"Lord Krayt hat uns soeben zurückbeordert. Die Wayland-Mission ist hiermit offiziell abgebrochen. Ich fürchte, wir werden noch etwas mehr Zeit im Hyperraum verbringen."

 

"Wenn ich mir das da unten anschaue, kommt mir der Hyperraum wie das kleinere Übel vor."

"Mir geht es ebenso. Da komme ich fast in Versuchung, mich nach meiner Bibliothek zu sehnen."

 

Mit diesen Worten begann Stator, den Hyperraumsprung zu berechnen, der sie zurück nach Coruscant, zum Sith-Tempel, zu Darth Krayt bringen würde.

 

 

Der Pirat Drasskoth, ein Nikto, lehnte lässig am Tresen des "Shackled Rancor", einer Spacerkneipe in den schon etwas schäbigeren Regionen Coruscants. Er nippte momentan an seinem zweiten Drink, und wartete auf seinen Kontaktmann. Ihm war ein lukratives Geschäft angeboten worden, und er wäre völlig stoopa, wenn er dieses Angebot ausschlagen würde. Doch seine Kontaktperson schien sich verspätet zu haben. Er ahnte nicht, daß sich im Hintergrund eine dunkel gekleidete Person nach ihm durchfragte. Gerade nippte er ein weiteres Mal an seinem Drink, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. Als er sich impulsiv umdrehen wollte – die rechte Hand griff instinktiv nach seinem Blaster – verstärkte sich der Griff an seiner Schulter. "Nicht umdrehen !" befahl eine leise, aber Befehle gewohnte Stimme.

Der Griff des Spacers ging ins Leere. Eine zweite Hand legte plötzlich seinen Blaster auf die Theke, direkt vor Drasskoth. Dieser war intelligent genug, zu erkennen, daß er keine Chance hatte.

 

"Was wollen Sie ?" zischte er, leicht verärgert, so leicht in die Falle gegangen zu sein.

 

"Wir haben ein Date miteinander. Mein Auftraggeber möchte ein bestimmtes Schiff vernichtet sehen. Ein normaler Piratenangriff. Leider haben sich die Insassen gewehrt, so wurde das Schiff zerstört. Mit allen Passagieren. Ist der Auftrag soweit klar ?"

 

"Mehr als klar. Was für ein Schiff ist das ? Und was ist für mich drin ?" fragte der Nikto vorsichtig nach.

 

Ein Datenpad wanderte auf die Theke, zusammen mit einem Stapel Creditchips, vor die Augen des Piraten. Der Nikto griff nach der Datenkarte und aktivierte sie.

 

"Ein kleiner, veralteter Luxuskreuzer ? Leichtes Spiel. Vielleicht könnten wir das Schiff auch entern und für die Passagiere Lösegeld verlangen. Wer sich so ein Spielzeug leisten kann..."

"Nein !" , fiel ihm die Stimme ins Wort. Das Schiff muß zerstört werden, niemand an Bord darf überleben."

 

"Was für eine Verschwendung !" seufzte der Pirat. "Wie soll ich das übers Herz bringen ?"

Ein zweiter Stapel Credits wanderte auf den Tresen, direkt vor Drasskoth.

"Kann diese Summe Ihre Skrupel besänftigen ?"

 

Der Nikto schluckte angesichts der Summe. Dafür müßte er einen halben Monat hart ackern. "Der Job ist so gut wie erledigt. Wie kann ich Sie vom Erfolg des Unternehmens unterrichten ?"

"Das wird nicht nötig sein. Mein Auftraggeber wird erfahren, wenn Sie Erfolg hatten. Hatten Sie keinen, werden Sie wohl nicht mehr in der Lage sein, darüber berichten zu können."

 

"Sie haben ja ein erfrischendes Gemüt", entgegnete der Pirat sarkastisch. Als er keine Antwort hörte, drehte er sich vorsichtig um. Doch sein Gesprächspartner war verschwunden. Hastig strich er die Credits ein, bezahlte seine Drinks und verließ das Lokal.

 

 

Der abgesetzte Imperator Roan Fel stapfte in seinem Thronsaal auf Bastion zornig auf und ab. Vor ihm standen die beiden imperialen Ritter Draco und Krieg.

Sein Plan, einen hochrangigen Sith in seine Gewalt zu bringen, war aufs erbärmlichste gescheitert.

Er blieb vor den beiden Rittern stehen.

 

"Alle tot ?"

"Fast alle !" bestätigte Antares Draco. "Es gab einen Überlebenden. Dank seiner wissen wir, was auf dem dritten Mond von Khyldrea geschehen ist."

"Berichtet !"

 

"Wie geplant hatten die Ritter einen Sith in ihre Gewalt gebracht. Es war leider nicht Lady Maladi, nach der Ihr verlangt hattet. Scheinbar hatte sie etwas geahnt. Der Sith, der in die Falle ging, hört auf den Namen Thrakon. Seine Gefangennahme war schon schwer. Doch dann tauchten unerwartet noch zwei Sith auf. Die Ritter waren unvorsichtig und vernachlässigten die Bindung von Darth Thrakon, so daß sich dieser befreien konnte. Diese drei Sith haben es geschafft, das ganze Einsatzkommando zu vernichten."

 

"Zwei Sith. Nihl und Stryfe, wie ich vermute ?"

 

"Mitnichten, Imperator. Es scheinen ein paar neue Namen im Sith-Orden unterwegs zu sein. Der überlebende Meister berichtete, daß es sich um einen Mann namens Darth Stator gehandelt hat, und eine Frau, die nur mit Cinis angesprochen wurde. So, wie sie gekämpft hat, ist sie aber sicher auch eine Sith."

 

"Diese Sith werden mit jedem Tag ein größeres Ärgernis !" fluchte Fel. "Zwölf Ritter, und sie unterliegen drei Sith !"

Fel begann wieder damit, wütend auf und ab zu marschieren. "Unsere Ausbilder sollten sich auf diese neue Situation einstellen. Wir brauchen neue Strategien. Ich wünschte, Treis Sinde wäre hier !"

"Er befindet sich noch auf Dac, soweit ich weiß, mein Imperator."

"Jaja, ich weiß, und er sollte längst zurück sein." Fel blieb stehen, sinnierte einen Moment, und wandte sich dann seinen beiden Rittern zu.

"Die gefallenen Ritter bekommen ein Ehrenbegräbnis. Der überlebende Ritter wird ausgezeichnet. Der Geheimdienst soll soviel wie möglich über diese Figuren Stator und Cinis herausfinden. Ich will, daß sie dingfest gemacht werden und für ihr Verbrechen gegen das Imperium zur Verantwortung gezogen werden. Geht nun und tut eure Pflicht !"

 

Die beiden imperialen Ritter verneigten sich, und verließen Fels Audienzsaal.

 

Da der Orbitalraum über Coruscant ständig überfüllt war, beschloß Stator, etwas weiter weg von Coruscant aus dem Hyperraum zu treten. Das würde die Reise zwar um zwei Tage verlängern, doch diese Verzögerung nahm der Jabiimi gern in Kauf. Zwei Tage mehr, in denen er darüber meditieren könnte, was ihn wohl erwarten würde. Daß Lord Krayt nicht erbaut darüber war, daß er, anstatt nach Möglichkeiten für seine Heilung zu suchen, in der Galaxis herumkurvte, war ihm klar. Klar war auch, daß dieser Umstand nicht seine, Stators, Schuld war, sondern daß es sich jeweils um Befehle von Wyyrlok oder Maladi gehandelt hatte. Doch er kannte auch das aufbrausende Naturell des obersten Sith, der in Momenten des Zorns auf solcherlei Argumente nichts gab.

 

Nun war es soweit. Die Dark Fist trat aus dem Hyperraum aus. Und gerade, als Stator sich auf eine geruhsame und auch langweilige Sublichtreise einstellen wollte, bemerkte er vier Lichtpunkte im Display des Cockpits. Fast gleichzeitig tauchten diese auch im Sichtbereich des Fensters auf.

"Kopfjäger", brummte Stator, und deaktivierte die Automatiksteuerung. Mit einer Hand griff er nach den Kontrollen der manuellen Steuerung, mit der anderen angelte er sich das Komlink.

"Lady Cinis ! Ihr solltet Euch nun etwas festhalten. Wir werden angegriffen !"

 

Die vier Kopfjäger hielten direkt auf die Dark Fist zu. Darth Stator behielt den Kurs bei, beschleunigte sogar noch. Mit einem grimmigen Grinsen wartete er den Zeitpunkt ab, in welchem er in den Schußbereich der Jäger kommen würde. Noch vier Sekunden, drei, zwei, eine Sekunde. In dem Moment tauchte er nach unten ab. Die Laserkanonen der vier Jäger schossen ins Leere. Stator riß die Maschine nach oben und feuerte aus allen vier Laserkanonen.

Mittlerweile waren die Kopfjäger herangekommen, und einer fiel Stators Feuer zum Opfer. Direkt hinter den verbleibenden drei Jägern schoß die Dark Fist nach oben. Die drei Gegner versuchten zu wenden, doch Stator flog ein Wendemanöver, welches ihn selbst hart in die Sitzpolster drückte. Einer der drei Jäger erschien vor seinem Blickfeld, und ohne zu zögern aktivierte der Sith die Laserkanonen. Nun waren es nur noch zwei.

 

Stator brachte die Maschine in eine größere Schleife, als er spürte, daß er nicht mehr alleine im Cockpit war. Cinis fand sich in ihrer Kabine etwas zu stark durchgeschüttelt, und hatte beschlossen, ins Cockpit zu wechseln. Wenn sie nun schon sterben sollte, würde sie doch gerne sehen, wie es passierte.

"Ah, Cinis !" knurrte er. "In der Ecke ist ein Notsitz. Da kann man sich auch anschnallen !"

"So wie Ihr fliegt, ist das auch nötig !", schnappte Cinis zurück, tat aber, wie ihr der Jabiimi geheißen.

 

In der Zwischenzeit hatten sich die verbliebenen zwei Kopfjäger darauf geeinigt, die Dark Fist in die Zange zu nehmen. Beide hatten sich in den toten Winkel von Stators Schiff manövriert. Das war eine Pattsituation, denn aus dieser Position konnten sie auch keinen effektiven Angriff auf die Dark Fist starten. Wenig später hatte Stator auch das Mutterschiff der Piraten ausgemacht, und hielt direkt darauf zu. Die beiden Jäger schienen angesichts dessen wohl die Nerven zu verlieren, und versuchten, hinter die Dark Fist zu gelangen, um Stators Schiff zu vernichten, bevor er das Mutterschiff erreichte.

Stator ahnte das und gab plötzlich alle Energie in die Umkehrtriebwerke. Im Hintergrund hörte er Cinis scharf Luft einziehen. Doch ansonsten gab sie keinen Laut von sich.

 

Die beiden Kopfjäger schossen an der Dark Fist vorbei. Der eine schlug direkt in das Mutterschiff der Piraten ein, der zweite versuchte einen Bogen zu fliegen, kam aber dadurch in die Schußposition der Dark Fist. Ein kurzer Feuerstoß aus den Laserkanonen beendete das Dasein des Jägers.

Stator ärgerte sich einen Augenblick darüber, daß sein Schiff nicht mit vorderen Protonentorpedos ausgerüstet war, sonst hätte er jetzt mit Freuden auch das Mutterschiff vernichtet, doch ehe er den Gedanken zu Ende denken konnte, verschwand das Piratenschiff im Hyperraum.

 

Stator checkte die Systeme des Schiffes und registrierte keine größeren Schäden.

Hinter ihm befreite sich Cinis von ihrem Gurt. "Verdammt, Stator, wo habt Ihr gelernt, so zu fliegen ?"

"Ich war in meinem früheren Leben Copilot eines Schmugglers. Da gab es oft Situationen wie diese. Und da mein Captain meistens betrunken war, mußte ich schnell lernen." Der Jabiimi drehte sich zu Cinis um.

"Nun, etwas enttäuscht von mir ?"

Cinis grinste schief zurück. "Nein, keineswegs. Ich habe mal als Kellnerin gearbeitet, wißt Ihr ?"

"Ah", gab Stator zurück. "Ich möchte nicht wissen, wie es Leuten ergangen ist, die bei Euch die Zeche prellen wollten !"

"Die gab es nicht", antgegntete die Sith knapp.

 

Stator wandte sich nun wieder den Kontrollen zu. Es würde nicht mehr lange dauern, und Coruscant, der Tempel, Krayt, würden sie empfangen.

 

"Eine Frage noch, Lord Stator. Was denkt Ihr, was das gerade war ?"

"Es sah aus wie ein Piratenangriff."

"Piraten greifen ein Sith-Schiff an ? Recht unwahrscheinlich, es sei denn, es handelt sich um besonders lebensmüde Typen."

 

Darth Stator drehte sich langsam um, blickte Cinis direkt in die Augen und erwiderte langsam: "Vielleicht hat man ihnen nicht gesagt, daß es sich um ein Sith-Schiff handelt."

 

Cinis riß die Augen auf. "Ihr meint, sie waren angeheuert ?"

 

Der Jabiimi neigte leicht den Kopf. "Würde mich nicht wundern, nach dem, was ich in letzter Zeit erlebt habe. Doch wer auch immer mir nach dem Leben trachtet", und mit diesen Worten drehte er sich wieder zur Steuerkonsole um, "er macht ständig den Fehler, mich zu unterschätzen."

 

 

Nachdem die Dark Fist auf Coruscant gelandet war, verließen die beiden Sith das Schiff. Erwartet wurden sie von Darth Wyyrlok. Cinis und Stator schritten langsam auf den Berater Lord Krayts zu und verneigten sich.

 

"Stator, Cinis ! Unser Meister verlangt Euch sofort zu sprechen. Folgt mir !" Damit drehte er sich um und lief mit gewaltigen Schritten los. Die beiden Sith schauten sich einen Moment wortlos an, und folgten dann dem Chagrianer.

Als sie am Thronsaal ankamen, bedeutete Wyyrlok Cinis, daß sie hier zu warten hätte. "Zuerst Ihr, Stator !"

Der Jabiimi verneigte sich leicht, und betrat dann den Thronsaal. Merkwürdigerweise folgte ihm Krayts Stimme nicht.

 

Stator schritt langsam auf den Thron zu, auf welchem der Führer des neuen Sith-Ordens saß.

"Mylord !", begrüßte Stator seinen Meister und sank auf ein Knie.

 

"Erhebt Euch, Lord Stator !" sagte Darth Krayt, und als der Jabiimi tat, wie ihm geheißen, fuhr er fort: "Man sagte mir, Ihr wäret tot. Offensichtlich war diese Information falsch."

 

"Das war sie wohl, Mylord." Und Stator unterrichtete seinen Herrn über die Umstände des mißglückten Attentats nach der Nar Shaddaa - Mission.

 

"Also hat unser geheimnisvoller Feind ein zweites Mal Euer Leben vernichten wollen. Doch wieso habt Ihr Euch nicht sofort gemeldet ?"

"Das Schiff war zu beschädigt. Ich irrte wochenlang durch den Weltraum, nur durch die Macht am Leben gehalten." Der Jabiimi log hier ein wenig, schirmte sich aber gleichzeitig soweit von der Macht ab, daß dies nicht weiter ins Gewicht fiel. "Ich habe in dieser Zeit eine erstaunliche Fähigkeit erlernt, mein Meister. Ihr kennt die Fähigkeit der Kiffar, Gegenstände zu lesen ? Die habe ich nun auch, allerdings funktioniert sie meist nur bei Gegenständen, die längere Zeit der dunklen Seite der Macht ausgesetzt waren."

 

"Könnt Ihr das beweisen ?" knurrte der Imperator.

"Wenn Ihr erlaubt", mit diesen Worten trat Stator auf den obersten Sith zu und berührte seine Rüstung. Wenige Sekunden später zuckte der Sith mit schreckensgeweiteten Augen zurück.

 

"Was ist, Lord Stator ? Hat Euch Eure geheimnisvolle Fähigkeit verlassen ?"

 

"Nein", stammelte der Jabiimi. "Ihr wolltet…Ihr wolltet…Skywalker zu Eurem Nachfolger machen ?"

 

Für einen Moment wirkte Lord Krayt überrascht. "Niemand weiß das. Nicht einmal Wyyrlok. Ihr seid erstaunlich, Lord Stator. Und gefährlich."

 

"Diesen Eindruck haben andere auch, Mylord. Lord Krayt, Ihr dürft Skywalker nicht vertrauen ! Tötet mich, wenn Ihr wollt, aber laßt ab von diesem Menschen. Er wird den Sith-Orden zerstören. Er ist kein würdiger Nachfolger für Euch !"

 

"Seid unbesorgt, Lord Stator. Dieser Gedanke ist längst erloschen. Ich will Skywalker haben, benutzen, und dann töten. Das ist der ganze Grund dafür, daß ich nach Cade Skywalker suchen lasse. Und auch Ihr werdet mit dieser Aufgabe betraut werden, da Eure anderen Forschungen bezüglich einer Heilungsmöglichkeit für mich bisher erfolglos geblieben sind."

 

"Nicht ganz, Mylord. Ich weiß inzwischen, daß es keine Heilung von der dunklen Seite der Macht geben kann. Darth Banes Holocron hat Euch wohl nur deshalb diese Information vorenthalten, weil er nicht zugeben wollte, einen Heiler der hellen Seite benötigt zu haben. Aus diesem Grunde bezweifle ich auch den Erfolg dieses Skywalker. Er spielt mit der dunklen Seite herum, aber die kann Euch nicht helfen."

 

"Er ist ein ausgebildeter Jedi. Vielleicht brauche ich wirklich die Hilfe der hellen Seite. Doch für meine Vision ist es unabdingbar, daß ich wieder zu voller Kraft komme. Er wird mich heilen, und dann werde ich ihn vernichten ! Findet Skywalker, Lord Stator ! Findet ihn, und Euch steht eine glänzende Zukunft im Sith-Orden bevor. Vielleicht benötige ich in nicht zu ferner Zukunft einen neuen Leiter des...Nachrichtendienstes."

Stator zuckte zusammen, doch der Imperator schien es nicht zu bemerken.

"Verlaßt mich nun, Lord Stator. Findet Skywalker. Meine Vision hängt davon ab. Schickt Cinis herein, wenn Ihr geht !"

 

Der Jabiimi verneigte sich tief. "Wie Ihr befiehlt, Mylord !" Damit verließ er den Thronsaal.

 

Vor der Tür traf er Cinis an, die ihn erwartungsvoll anblickte.

"Lord Krayt hat mir den Auftrag erteilt, nach Cade Skywalker zu suchen", meinte Stator. "Er will Euch jetzt sprechen. Ich denke, das Beste ist, wenn wir uns nach Beendigung Eurer Unterredung mit ihm wieder treffen, um uns über das Ergebnis unserer Gespräche mit Lord Krayt auszutauschen und unsere weitere Vorgehensweise zu besprechen. Nun geht aber hinein, laßt ihn nicht warten. Ich werde mit Euch Kontakt aufnehmen."

Cinis nickte knapp und betrat den Thronsaal, während Stator sich in Richtung auf sein Quartier entfernte.

 

Drinnen herrschte dieselbe düster-rötliche Atmosphäre, mit der sich der oberste Sith gerne umgab. Das zerstörte Fenster war mittlerweile repariert worden, und nichts störte mehr die finstere Majestät, mit welcher Darth Krayt Cinis empfing. Sie trat bis vor seinen Thron, kniete vor ihm nieder und verneigte sich.

Es herrschte einige Sekunden Schweigen, bis Lord Krayt zu sprechen begann.

 

"Cinis", sagte er langsam. "Wie kommst du dazu, eine Mission gemeinsam mit Lord Stator zu absolvieren, noch dazu nicht auf meinen Befehl ?"

 

Cinis blickte auf und antwortete "Ich habe auf Befehl von Lady Maladi gehandelt. Sie wies mich an, gemeinsam mit Lord Stator nach Wayland zu reisen, um das dortige Terrain zu sondieren. Offenbar wünschte Lady Maladi dort ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Nach der Sabotage der damaligen Renaturierung war aus dem Planeten ein unberechenbarer Dschungel geworden, und es war unsere Aufgabe, Lady Maladi über die aktuelle Beschaffenheit zu informieren, um ihr die weitere Planung mit Hilfe unserer Daten zu ermöglichen. Alles, was ich weiß, ist, daß Lady Maladi wohl die Einrichtung eines Stützpunktes oder Laboratoriums auf Wayland plante – zu welchem Zweck, wurde mir allerdings nicht mitgeteilt."

 

Krayt überlegte einen Moment und fuhr dann fort, in leicht gereiztem Tonfall, aber offensichtlich weniger erzürnt als zu erwarten gewesen wäre.

"Du weißt, daß du mit deinen Aufgaben hier im Tempel und den Außeneinsätzen für Lady Maladi – und damit meine ich deine Eliminierungs- und Requirierungsaktionen – voll ausgelastet bist. Ich wünsche, daß du mich über derartige Aufträge, die über deinen normalen Kompetenzbereich hinausgehen, informierst. Ich als dein Meister entscheide dann, ob du diesen Auftrag wahrnehmen wirst – ob er nun von Lady Maladi kommt oder nicht."

 

"Ja, mein Lord", sagte Cinis und verneigte sich nochmals. Lord Krayt hatte ihr nicht befohlen, sich zu erheben, und so verharrte sie knieend in Erwartung seiner weiteren Befehle.

 

"Obwohl du ohne meine direkte Anweisung gehandelt und einen Auftrag ausgeführt hast, der über dein reguläres Aufgabenspektrum hinausging, hast du mir eine interessante Information geliefert", sprach Krayt weiter. "Ich bezweifle, daß ich ansonsten von Lady Maladis Plänen erfahren hätte, da sie ihre Machenschaften, die nicht in direkter Verbindung mit meinen Anordnungen stehen, gerne im Dunkeln hält. Aus diesem Grund will ich dich nicht bestrafen, sondern dir eine weitere Chance geben. Es ist an der Zeit, daß du dir über deine Gefühle klar und gleichzeitig daran erinnert wirst, wem deine Loyalität zu gelten hat."

 

Cinis blickte fragend auf, und der unnachgiebige Blick Lord Krayts traf sie.

 

"Du wirst einer Prüfung unterworfen werden, die ich bisher erst einem meiner Untergebenen auferlegt habe. Lord Nihl ist zu Beginn seiner Karriere an meiner Seite in den zweifelhaften Genuß dieser Behandlung gekommen, und ich denke, für dich ist es genau das Richtige, um dir Gelegenheit zu geben, dir über deinen Platz im Orden Gedanken zu machen. Du weißt, wovon ich spreche ?"

 

"Nein, mein Lord", log Cinis, obwohl ihr schreckerfüllt klar wurde, daß Krayt von der Umarmung der Schmerzen sprach, von der Lord Nihl ihr bereits erzählt hatte. Ihr schauderte bei dem Gedanken, daß sie nun auserwählt sein würde, diese Folter zu ertragen; gleichzeitig registrierte sie, daß Lord Krayt offenbar von ihrem Kontakt zu Lord Nihl nichts wußte. Gut so. Sie blickte wieder zu Boden, um zu vermeiden, daß Lord Krayt in ihren Augen die Wahrheit las.

 

"Es nennt sich die Umarmung der Schmerzen", fuhr Krayt fort, "und du wirst sie eine Nacht lang erdulden. Sterben wirst du daran nicht, aber du wirst lernen, den Schmerz und die Angst zu ertragen, mit ihnen zu arbeiten und diese Empfindungen zu nutzen, um ein noch effektiveres Werkzeug meiner Herrschaft zu werden."

Cinis wollte wieder den Kopf heben, um Lord Krayt anzublicken, aber im selben Moment spürte sie, quasi als Vorgeschmack auf die ihr bevorstehende Prüfung, seinen Machtgriff in ihrem Nacken. Er hielt sie wie in einem Schraubstock fest und beugte sie nieder, ohne daß sie sich dagegen wehren konnte. Instinktiv versuchte sie, sich dagegen aufzulehnen, doch dann begriff sie, daß es sich – wie bei ihrem Eintritt in den Sith-Orden – wieder nur um eine Prüfung handelte. Sie gab nach, überließ sich seinem Griff und verharrte in tiefer Verneigung vor ihm auf den Knien. Auch wenn sie mittlerweile an verschiedenen Fronten agierte, war ihre Ergebenheit an Lord Krayt noch immer vorhanden, und aus dem ersten Aufbegehren wurde nach einigen Sekunden die ekstatische Hingabe an ihren Meister und die dunkle Seite.

 

"Verfahrt mit mir nach Eurem Willen, Lord Krayt", brachte Cinis angestrengt hervor. "Ich gehöre Euch."

 

Von einem Augenblick zum anderen spürte sie, wie er sie losließ. Cinis schnappte nach Luft, richtete ihren Oberkörper wieder auf und hörte, gerade als sie sich das Haar aus dem Gesicht schüttelte, das Öffnen der Türe. Eine Gestalt trat neben sie und bedeutete ihr knapp, ihr zu folgen.

Cinis warf einen letzten Blick auf Lord Krayt, der regunglos auf seinem Thron saß, und leistete der Aufforderung Folge.

 

Als sie vor dem Thronsaal einen Blick auf ihren Begleiter warf, erstarrte sie. Obwohl sie bereits zahlreiche Aufzeichnungen gesichtet hatte und mit den Eigenschaften jener Rasse im Grunde zumindest im Groben vertraut war, sah sie sich nun zum ersten Mal im Leben einem männlichen Yuuzhan Vong gegenüber – offenbar einem, der dem Sith-Orden beigetreten war, obwohl diese Spezies ihre früher einmal bestehende Verbindung zur Macht völlig verloren hatte. Der Humanoide war gut anderthalb Köpfe größer als Cinis, aber nicht seine Körpergröße, Massigkeit und die schwarze Kleidung – an deren Anblick Sith sowieso gewöhnt waren – wirkten auf sie derart staunenerregend, vielmehr die Vielzahl an rituellen Durchbohrungen in seinem Gesicht. Auch wenn man wußte, was einen Vong ausmachte, zuckte man zuerst einmal zurück, wenn man sie aus der Nähe sah. Cinis starrte auf den grob strukturierten Schädel, die in einen knappen Schweif gebundene schwarze Mähne, die leicht schrägstehenden Augen, die Unzahl metallener Ringe und Brückenteile in Lippen, Ohrmuscheln, Nase, Nasenwurzel und dem Bereich, der beim Menschen die Augenbrauen darstellt.

 

Er begann unaufgefordert zu sprechen, mit leichtem Akzent.

"Ich bin K'ayu K'shyan. Kommt mit mir, und laßt uns den Willen von Lord Krayt erfüllen."

 

Die Art seiner Vorstellung sowie die Tatsache, daß er als Yuuzhan Vong nicht von der Macht berührt werden konnte, ließ darauf schließen, daß es sich bei ihm um einen der zahlreichen niederen Bediensteten des Tempels handelte. Cinis vermutete, daß er derjenige war, der wegen der Fremdartigkeit der Einrichtung für die offensichtlich vor Ort befindliche "Umarmung der Schmerzen" zuständig war. Aufgrund ihres organischen Charakters benötigte die lebende Folterbank Aufsicht und Pflege, und wer könnte hierfür besser geeignet sein als deren Erfinder ? Offenbar gehörte dieses Individuum aus unerfindlichen Gründen zur Kaste der Beschämten und hatte in seiner Verzweiflung und Bitterkeit, die ihn trotz der angeborenen Unempfindlichkeit in gewisser Weise für die dunkle Seite öffnete, im Sith-Orden eine Heimat gefunden, und sei es auch nur als Diener.

 

Sie erwiderte den Blick des Vong so eindringlich wie möglich und gab sich Mühe, ihren Abscheu nicht nach außen dringen zu lassen. "Laß uns gehen. Lord Krayts Wille harrt seiner Erfüllung."

 

Gemeinsam legten sie einen längeren Weg in einen abgeschotteten Teil des Tempels zurück, an dessen Ende eine massive Türe den Zutritt zur Kammer der Schmerzen markierte. K'ayu K'shyan hielt eine Datenkarte an den Sensor, und das Portal glitt in die Wand zurück.

Drinnen wartete ein lebendig gewordener Alptraum.

 

Die gesamte rückwärtige Wand des relativ kleinen Raumes war von der organischen Vong-Folterbank eingenommen. Vom Boden bis zur Decke erstreckte sich ein Gewirr aus halb tierisch, halb pflanzlich anmutenden Tentakeln oder Ranken, die sich im trüben Licht träge wanden. Es war feuchtwarm in dem Verlies, und ein leicht modriger Geruch herrschte vor, nicht unähnlich einem hydroponischen Gewächshaus. Trotz der schwülen Wärme schauderte Cinis wieder, wobei sie sich erneut Mühe gab, sich nichts anmerken zu lassen. Auch wenn die Macht stark in ihr war, konnte sie nicht verhindern, daß es ihr kalt den Rücken hinablief.

 

"Legt Eure Rüstung und Kleider bis auf leichte Bekleidung ab. Lord Krayt hat befohlen, daß ihr die Umarmung ohne schützenden Panzer spüren sollt", merkte K'shyan in neutralem Tonfall an.

Cinis entledigte sich ihrer Stiefel, Armstulpen, ihres Brustpanzers sowie ihres Gürtels mit dem Lichtschwert. K'shyan nahm die Gegenstände entgegen und legte sie in einer Wandnische ab. Hemd, Hose und Unterbekleidung behielt sie am Körper, denn trotz der hohen Raumtemperatur wollte sie dies nicht nackt über sich ergehen lassen müssen.

Als sie fertig war, nickte sie dem Vong zu, welcher ihr bedeutete, sich mit dem Rücken zur Wand vor das Tentakelgewirr zu stellen. Cinis folgte seinen Anweisungen, worauf er bestimmte Stellen an den Fangarmen berührte und dazu einige Worte in seiner eigenen Sprache zischte. Augenblicklich schlangen sich die Ranken um Cinis' Arme und Beine, hoben sie hoch, umfaßten dann ihren Rumpf und zogen sich kraftvoll zusammen, so daß ihr Körper wie auf einer Streckbank auseinandergezogen wurde. Als letztes wand sich ein dünnerer Tentakel um ihren Hals, wo er gerade so fest zudrückte, um ihr das Atmen zu erschweren, sie aber nicht zu ersticken. Noch tat es nicht übermäßig weh, sondern war nur unangenehm und unbequem; doch Cinis zweifelte nicht daran, daß ihr im Laufe der nächsten Stunden Qualen bevorstanden, die sie nur mit Hilfe der dunklen Seite der Macht würde aushalten können. Sie versuchte, sich innerlich zu darauf vorzubereiten, mußte jedoch erkennen, daß sie im Augenblick schlecht dazu in der Lage war, da ihre Emotionen zu sehr hochkochten. Sie hatte Angst vor jenem unbekannten Greuel, und trotz ihrer Ergebenheit begann sie Zorn auf Lord Krayt zu empfinden, weil er ihr dies antat. Ähnlich mußte es Lord Nihl ergangen sein, der dieser Folter nicht nur einmal unterworfen worden war.

 

"Hier sind die Regeln", flüsterte K'shyan. "Bewegt Euch – und leidet. Haltet still – und leidet mit Würde."

Dann drehte er sich abrupt um und verließ den Raum, Cinis in Düsternis, feuchter Luft und lebendigen Fesseln zurücklassend.

 

Die ersten paar Stunden hielt Cinis die Umarmung relativ gut aus, doch dann begann ihr Körper danach zu schreien, eine andere Haltung einzunehmen, was nicht möglich war. Schlimmer noch, bei jeder kleinsten Bewegung ihrerseits, bei jedem tieferen Atemzug, zogen sich die Ranken weiter zusammen und zerrten immer stärker an ihren Gliedmaßen, preßten ihre Körpermitte zusammen und drückten ihr die Luft ab.

Im Laufe der Zeit verstärkte sich dieser Effekt immer mehr, da es Cinis einfach nicht gelang, vollkommen reglos dazuhängen. Ihre Muskeln begannen sich zu verkrampfen, ihre Gelenke schmerzten unerträglich von der unnatürlichen Haltung, und obwohl sie so flach wie möglich atmete, intensivierte sich der Griff um ihren Körper langsam, aber sicher.

 

Sie bemühte sich, die Angst, daß dieses seelenlose Etwas sie einfach töten würde, niederzukämpfen und versuchte statt dessen, sich auf ihren Zorn zu konzentrieren, der wie wahnsinnig in ihr brodelte. Dies führte aber nur dazu, daß sie, ohne es zu wollen, zahlreiche kleinere Bewegungen vollzog, was alles nur noch schlimmer machte. Sie keuchte jetzt vor Schmerzen. Entsetzt erkannte sie, daß sie nicht mehr in der Lage war, klar zu denken. Schon jetzt wollte ein Teil von ihr Lord Krayt anflehen, sie zu erlösen; ihr Stolz aber, dem diese Vorstellung zuwider war, machte sie nur noch wütender. Je wütender sie wurde, desto mehr bewegte sie sich, und desto intensiver wurde ihre Folter.

Dazu kam, daß ihr eigener Körper sie zu quälen begann. Schweiß rann ihr über die Haut und durchnäßte ihre Kleider; Hunger und Durst plagten sie, und ihre Blase schrie nach Erleichterung. Cinis wurde klar, daß sie diese Nacht nicht bei klarem Verstand überstehen würde, wenn sie nicht handelte. Und es gab nur eine einzige Möglichkeit: sich Wut und Qual vollkommen öffnen und dadurch der dunklen Seite der Macht einmal mehr zu erlauben, vollständig von ihr Besitz zu ergreifen. Ihr war klar, daß dies einen Versuch Lord Krayts darstellte, ihren Willen zu brechen, und sie war fest entschlossen, diese Prüfung für sich zu bestehen. Nur die dunkle Seite konnte sie dazu bringen, dies zu erreichen.

 

Cinis gab sich Mühe, sich auf das, was sie spürte, zu konzentrieren. Ihre Ausbildung als Sith half ihr, im Geiste die einzelnen Empfindungen zu trennen und sie einzeln und ganz bewußt wahrzunehmen: Körperliche Schmerzen, die sie bis zur Grenze ihrer Wahrnehmungsfähigkeit belasteten. Eiskalte Angst vor diesem fremdartigen Ding, von dem sie sich nicht sicher war, ob es den Befehlen seines Hüters jederzeit gehorchen würde. Die Unbequemlichkeiten, die ihr der eigene Körper bereitete. Glühende Wut wie ein blubbernder Kessel über einem Feuer. Gemessen an all dem waren Müdigkeit und Erschöpfung, obwohl selbst übermächtig, kaum zu spüren.

Und dann holte sie so tief, wie es ihr möglich war, Atem und öffnete sich vollkommen der dunklen Seite der Macht. Sie rief sich gezielt all jene Momente in Erinnerung, in denen sie die Hingabe an die Wege der Sith, die Unterwerfung unter Lord Krayts Willen genossen hatte, und benutzte sie dazu, sich ihrer wieder zu bemächtigen. Anders als die Jedi, die sich dem Fluß der Macht geöffnet hätten, um ihre Gefühle abzumildern, griff Cinis nun direkt nach der Woge der dunklen Seite, die sie erfüllte und verstärkte ihre Empfindungen, ähnlich wie sie es bei ihrer körperlichen Zusammenkunft mit Lord Nihl getan hatte. Sie stieß einen Schrei aus, als Schmerz und Wut plötzlich ihre Beschaffenheit änderten. Der Tentakel um ihren Hals griff noch ein wenig fester zu, doch dies war der Moment, in dem all jene negativen Sinneseindrücke und Gefühle zur Ekstase der dunklen Seite verschmolzen.

 

Im selben Augenblick flackerte vor ihrem geistigen Auge ein Bild auf, ähnlich den Traumvisionen von Darth Krayt, die sie heimgesucht hatten, bevor sie sich dem Orden angeschlossen hatte. Sie sah eine unwirtliche Landschaft, voller Felsen und Staub. Am Rande einer hohen Klippe war undeutlich ein Gebäude zu erkennen. Unmißverständliche Geräusche – Blasterschüsse, das Zischen und Dröhnen von Lichtschwertern und Schreie in der Ferne – ließen darauf schließen, daß dort ein Kampf stattfand. Und vor sich auf der staubigen Ebene erkannte sie zwei Gestalten. Die eine lag am Boden, schwer verwundet, dem Tode nahe, trotz der voluminösen Rüstung, in der ein von einem Lichtschwert gebranntes Loch klaffte – Lord Krayt. Zum ersten Mal sah Cinis ihn ohne seinen Helm, denn diesen hielt die andere schwarzgekleidete, gehörnte Gestalt in Händen, die sich jetzt über Krayt beugte: Lord Wyyrlok, Stimme und Berater seines Herrn.

Die beiden schienen einen geflüsterten Wortwechsel zu vollführen, worauf der massige Chagrianer den Helm seines Meisters beiseitelegte. Krayt hob die Hand und versuchte, sich aufzurichten, während in seinen Augen trotz der Todesqual ein letztes Mal der fanatische Glanz seiner Vision des Einen Sith erschien. Fast flehentlich schien er Lord Wyyrlok etwas zuzuraunen, worauf dieser lächelte und langsam nickte.

Und dann sah Cinis entsetzt zu, wie Lord Wyyrlok wie in Zeitlupe die Arme hob und ihrer aller Meister mit einem Sturm scharf gebündelter Sith-Blitze endgültig vom Leben zum Tode beförderte.

 

Schlagartig verblaßte die Vision. Cinis zuckte zusammen, rang nach Luft und versuchte, zu verstehen, was sie gerade gesehen hatte. Die Ermordung Lord Krayts durch seinen engsten Vertrauten, dessen Familie ihm nun schon in der dritten Generation diente. Konnte es wahr werden ? Hatte die Macht ihr gezeigt, was geschehen würde ?

Sie spürte, wie die Tentakel an ihr rissen. Der körperliche Schmerz war noch immer vorhanden, doch jetzt befand er sich wie hinter einer Wand. Cinis' Kopf war wieder klar, sie war wieder sie selbst, und sie hatte sich ihren Willen bewahrt, sich wie eine wahre Sith über das erhoben, was sie bedrängte, hatte gemäß dem Sith-Kodex ihre Leidenschaft zur Gewinnung von Kraft und Macht genutzt, um den Sieg über den Schmerz zu erringen und – im wahrsten Sinne des Wortes - ihre Ketten zu sprengen. Sie zweifelte jetzt keinen Augenblick mehr daran, daß sie den nächsten Morgen erleben würde – und nicht nur das. Ab jetzt würde die Welt nicht mehr dieselbe sein. Die Zukunft forderte Veränderungen; jene Veränderungen, von denen Lord Nihl und Lady Maladi sprachen; und mit finsterer Gewißheit erkannte sie, daß sie die Zukunft gesehen hatte.

Die Tage der Herrschaft von Darth Krayt waren gezählt, und der Orden des Einen Sith würde sich wappnen müssen, um sich nicht selbst zu zerfleischen.

 

Die Vision hatte ihr zwar keinen Anhaltspunkt geliefert, wann sich jenes bedeutende Ereignis zutragen würde, jedoch hatte Lord Wyyrlok nicht in dem Sinne gealtert gewirkt, als er sein tödliches Lächeln Lord Krayt zuwandte. Sie bezweifelte, daß die Verwirklichung dessen, was die Macht ihr gezeigt hatte, erst in zehn Standardjahren bevorstand. Nein – aller Voraussicht nach deutlich früher.

Lady Maladi, und auch Lord Nihl, sobald er wieder genesen war, würden hiervon erfahren müssen. Doch zunächst beschloß Cinis zu ihrer eigenen Sicherheit, diese Erkenntnis – zumindest fürs erste – tief in sich zu bewahren; auch wenn sie sich darüber im klaren war, daß sie rechtzeitig würde handeln müssen, um auch in Zukunft ihre Position im veränderten Orden zu bewahren und falls möglich sogar zu verbessern.

 

Sie befand sich noch immer in Machtmeditation, spürte Schmerz, Schweiß, Durst kaum noch, als sie plötzlich wahrnahm, daß ein Lichtschimmer auf sie fiel. Als sie die Augen öffnete, erblickte Cinis den Vong-Wächter, der die Kammer betrat. K'shyan, dem eine zweite Gestalt folgte, näherte sich der Umarmung der Schmerzen, berührte sacht die Tentakel an verschiedenen Stellen und zischte wieder einige unverständliche Worte. Die Vong-Kreatur löste ihren Griff, senkte Cinis auf den Boden und ließ sie dann ganz los.

Obwohl sie versuchte, sich zu erheben, versagten ihre tauben Gliedmaßen ihren Dienst. Sie spürte Arme und Beine kaum noch und konnte nicht verhindern, daß sie auf dem Boden zusammensackte.

Im letzten Augenblick, bevor sie flach auf dem Bauch zu liegen kam, erhaschte sie einen Blick auf die zweite Gestalt, die jetzt aus den Schatten trat und sich vor ihr aufbaute.

Lord Krayt.

 

Cinis war zunächst zu schwach, um sich in eine knieende Haltung zu begeben, doch Krayt schien zufrieden mit ihrer Position. Stöhnend lag sie vor ihm, die Stirn vor seinen Stiefeln am Boden, während ein schmerzhaftes Prickeln ankündigte, daß die Blutzirkulation in ihren Armen und Beinen langsam wieder zu funktionieren begann. Lord Krayt ließ sie eine ganze Weile so liegen und maß sie mit kaltem Blick, offenbar davon überzeugt, daß ihr Wille endgültig gebrochen war.

Unendlich langsam richtete Cinis sich schließlich auf, kam auf die Knie und verneigte sich vor ihrem Meister. Doch jetzt vermischte sich ihre Ergebenheit mit der Erinnerung an den Zorn, den sie empfunden hatte, und der Vision, die sie in ihrem Geist bewahrte.

 

Krayt begann zu sprechen.

"Was würdest du jetzt am liebsten tun ?"

Cinis hob den Kopf und blickte Lord Krayt direkt an.

"Jemanden töten", zischte sie.

Krayts Mundwinkel zuckte belustigt. "Sei unbesorgt. Du wirst auch in Zukunft zahlreiche Gelegenheiten hierfür bekommen. Ich habe dich dieser Prüfung unterworfen, um sicherzugehen, daß deine Loyalität mir gehört. Du bist mein, und du bleibst mein, bis zum Tod."

 

"Ja, mein Lord", antwortete Cinis und verneigte sich wieder tief vor ihm. "Ich gehöre Euch. Ihr seid unser aller Meister, und indem ich Euch diene, diene ich Eurer Vision des Einen Sith. Euer Wille ist mein Wille."

 

Bis zum Tod. Blieb nur die Frage, wessen Tod.

 

Einige Sekunden herrschte Stille, während Darth Krayt Cinis prüfend musterte. Dann sprach er einen einzigen Satz, der sie zusammenzucken ließ.

 

"Erhebt Euch, Darth Cinis."

 

Sie starrte ihn aus aufgerissenen Augen an. Wie in Trance kam sie auf die noch immer schmerzenden Beine und stand nun, barfuß, mit schweißfeuchtem, verfilztem Haar Angesicht in Angesicht mit ihrem Herrn.

Schließlich konnte sie wieder sprechen. "Ich fühle mich geehrt, mein Lord."

"Geht jetzt, schöpft neue Kraft aus der Macht und bringt Euren Körper wieder in Bereitschaft. Eure Statusänderung wird umgehend in die Tempelakten übernommen. Ich erwarte Euch in fünf Standardstunden im Thronsaal."

Cinis verneigte sich noch einmal. "Wie Ihr befehlt, mein Lord."

 

Krayt wandte sich um und stapfte brüsk hinaus. Cinis kämpfte gegen den aufkommenden Schwindel an und nahm wahr, daß K'shyan ihr das Bündel mit ihrer Rüstung, Stiefeln und Waffe reichte. Sie griff danach, streifte die Stiefel über, legte den Gürtel an, behielt Armstulpen und Brustpanzer in der Hand und machte sich, als der Vong die Türe für sie öffnete, leicht schwankend auf den Weg in ihr Quartier.

 

Sie ließ alles, was sie in der Hand hielt, zu Boden fallen, benützte als erstes den Waschraum und stellte ihre Kom-Einheit so ein, daß sie sie nach dreieinhalb Stunden wecken würde. Anschließend schleuderte sie ihre Stiefel in eine Ecke, sank auf ihr Bett und verlor das Bewußtsein.

 

Als das Wecksignal schrillte, fühlte Cinis sich dank der dunklen Seite der Macht, der sie sich im Schlaf zu öffnen pflegte, geistig sogar wieder halbwegs erfrischt. Nun war es Zeit, sich zu säubern, die verschwitzten Kleider gegen frische einzutauschen und Stiefel und Rüstung wieder anzulegen. Dann rief Cinis einen Servicedroiden und trug ihm auf, ihr aus der Tempelküche einen Imbiß und Trinkwasser zu bringen. Sie bürstete gerade ihr langes rotes Haar mit der schwarzen Strähne, das schon zu trocknen begann, als der Droide mit einem Tablett zurückkehrte, dieses ablieferte und sich wieder zurückzog. Cinis griff nach dem versiegelten Wasserbehälter, öffnete ihn und trank vorsichtig, um ihren Magen nicht zu überlasten. Fast augenblicklich spürte sie, wie ihre Lebensgeister noch weiter zurückkehrten, als sich ihr Blut verdünnte und die letzten Reste von Benommenheit von ihr wichen.

 

Gerade wollte sie sich dem Imbiß – eine normale Kantinenration Essen, wie die Ordensmitglieder sie standardmäßig zu verzehren pflegten – widmen, als sie tief in ihrem Geist eine Warnung der Macht verspürte. Es fühlte sich an, als würde etwas in ihr aufschreien, und sie fühlte, wie ein Schauder über ihre Arme lief.

Ohne weiter nachzudenken, zog sie die dünne Metallfolie wieder über den Essensbehälter, erhob sich kurzerhand und marschierte geradewegs in die medizinische Abteilung.

 

Glücklicherweise befand sich im Augenblick dort niemand bis auf einen der medizinischen Assistenten, der am anderen Ende des Raumes mit dem Überwachen von Monitoren beschäftigt war. Er würdigte Cinis keines Blickes.

Sie trat an eines der chemischen Analysegeräte, ließ die Essensportion unauffällig hineingleiten und den Behälter in einem der Müllschlucker verschwinden. Während sie auf das Ergebnis der Untersuchung wartete, kehrten ihre Gedanken zu ihrer Ernennung zurück.

Lord Krayt hatte sie also endlich für würdig befunden, den Titel eines Darth zu tragen. Warum gerade jetzt ? Es war offensichtlich, daß er sich in besonderem Maße ihre Ergebenheit sichern wollte. Spürte er, daß seine Kraft ihn verließ ? Wollte er sicherstellen, daß Cinis seine Vision in seinem Namen fortführen half, wenn er dazu nicht mehr in der Lage sein sollte ? Und welche Rolle spielte bei alledem Lord Wyyrlok ?

Sie kam zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Natürlich war sie erfreut über ihre Ernennung, darüber, daß sie endlich den Titel einer Dunklen Lady der Sith offiziell und mit Stolz führen durfte – aber ein gewisser nagender Zweifel blieb in ihrem Verstand zurück.

Sie würde so schnell es ging mit Lady Maladi sprechen müssen.

 

Das Analysegerät riß Cinis mit einem Piepston aus ihren Gedanken. Auf dem Display erschien eine Liste der Bestandteile der Essensportion, die die Maschine untersucht hatte. Dort tauchten die üblichen Inhaltsstoffe einer Standardration Tempelessen auf, angereichert mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Und neuerdings offenbar auch mit einer letalen Dosis eines hochwirksamen Giftes, das Cinis innerhalb von Sekunden getötet hätte, wenn sie auch nur einen Bissen davon zu sich genommen hätte.

Ihr wurde flau im Magen, und das nicht nur, weil sie seit einem Standardtag nichts mehr gegessen hatte. Es sah ganz so aus, als würde sie auch mit Lord Stator baldmöglichst eine weitere Unterredung führen müssen, denn jetzt hatten sie etwas gemeinsam: Jemand trachtete ihnen beiden nach dem Leben.

 

 

 

Darth Stator verließ sich ein weiteres Mal auf seine Intuition. Da dieser Skywalker mit dem Abschaum der Galaxis verkehrte, würde man ihn auch dort finden, wo der Abschaum sich regelmäßig traf. Also befand sich der Sith auf dem Weg in ein übel beleumdetes Gebiet , dorthin, wo eine verkommene Kaschemme namens "Rik's Bar" die übelsten Kreaturen der Galaxis anlockte. Der Name täuschte, denn eine Hutt, die sich Königin Jool nannte, gebot über diese Kneipe. Außerdem war sie eine Informationsmaklerin.

 

Er betrat die Bar und ließ seinen Blick schweifen. Einige schauten kurz in seine Richtung, widmeten sich aber recht schnell wieder ihren Drinks oder Gesprächen. Der Sith durchschritt in langsamen, gemessenen Schritten die Bar in Richtung Theke. Inmitten des Etablissements hielt er inne, denn plötzlich spürte er die Präsenz zweier Personen in seiner unmittelbaren Nähe. Er drehte sich langsam um. Vor ihm standen zwei riesige Typen, die den Jabiimi um einiges überragten, und grinsten ihn an. Offensichtlich hatten die beiden als einzige in der Bar keine Ahnung, mit wem oder was sie hier zu tun hatten.

 

"Königin Jool möchte dich sprechen !" knurrte der eine. Der andere grinste nur. "Irrtum !", antwortete Darth Stator langsam. "Ich möchte Königin Jool sprechen. Und ich habe nicht vor, darum zu bitten !"

Einer der Gorillas hielt auf einmal ein Vibromesser in der Hand. Zähnefletschend zischte er: "Deine Manieren lassen zu wünschen übrig, kleiner Mann !"

Der Sith griff kurz in die Macht und bewegte fast unmerklich seine Hand. Der Gorilla mit dem Messer stach selbiges plötzlich in den Arm seines Kollegen, welcher überrascht aufschrie. "Du verdammter…" Weiter kam er nicht. Stator hatte seine Hand gekrümmt und der Riese begann plötzlich zu röcheln und die Augen zu verdrehen. Nach ein paar Sekunden brach er bewußtlos zusammen. Stator schob die Kapuze seines Mantels nach hinten, so daß der andere seine Sith-Tätowierungen sehen konnte. Er lächelte finster und sagte: "Du kannst mich nun zu Königin Jool bringen !"

Der zweite Gorilla schaute abwechselnd von dem Sith zu seinem scheinbar leblos daliegenden Kameraden und zurück. Er war sichtlich verwirrt. Da er mit dieser Situation nicht so richtig klarzukommen schien, hielt er es für am sichersten, sich kurz zu verneigen. "Natürlich, Herr. Bitte folgt mir." Daraufhin drehte er sich um und schritt von dannen. Stator folgte ihm.

 

An einem speziell für Hutts angefertigten Tresen lehnte Königin Jool und lächelte. Sie hatte schon das Fehlen eines ihrer Gefolgsleute bemerkt, und reimte sich ihre Geschichte zusammen.

"Es ist mir eine Freude, jemanden von Eurem großartigen Orden hier begrüßen zu dürfen. Fast zuviel der Ehre. Darf ich Euren Namen erfahren ? Ich möchte ja wissen, wie Ihr anzusprechen seid. Was darf ich Euch zu trinken bringen lassen ?" säuselte die Huttin.

"Ich bin Darth Stator. Und will nichts zu trinken", entgegnete der Sith barsch. "Ich will Cade Skywalker !"

"Oh, ich fürchte, damit kann ich gerade nicht dienen. Der böse, böse Cade hat es schon so lange versäumt, mir einen Besuch abzustatten."

"Wo kann ich ihn finden ?" knurrte Stator.

"Ohhhh, ich verkaufe Informationen, das ist wahr. Doch wenn ich Euch eine Information über meinen lieben Freund Cade gebe, was ist dabei für mich drin ?"

 

Der Sith schaute der Hutt tief in die Augen und erwiderte mit Grabesstimme: "Wäre Weiterleben ein annehmbarer Preis ?"

Königin Jool schien überrascht und gleichzeitig verärgert. Eine offene Drohung in ihrem eigenen Domizil hatte sie bisher nie hinnehmen müssen. Bisher war allerdings auch kein Sith in ihrer Bar aufgekreuzt. Clever, wie sie war, schaltete sie schnell. "Zuletzt wurde er in Rawks Nest auf Iego gesehen."

 

Der Jabiimi griff tief in die Macht, und spürte, daß Jool die Wahrheit sagte, von einem gewissen Standpunkt aus. Mehr schien auch sie nicht zu wissen. Er nickte der Hutt kurz zu, und verließ wortlos die Bar.

 

Rik, der offizielle Besitzer der Bar, trat von hinten an die Hutt heran. "War das klug, einen Eurer Kontakte an den Sith zu verraten, noch dazu ohne Gewinn ?"

"Mein lieber Rik", brummte Jool, "ich bin Informationsmaklerin. Ich kaufe Informationen, und ich verkaufe sie. Manchmal verschenke ich Informationen, wenn ich im Gegenzug auch Informationen geschenkt bekomme. Heute wurde ich völlig unentgeltlich mit der Information beliefert, daß sich augenscheinlich die Sith für unseren lieben Cade interessieren. Und ich weiß nun auch, wer mit der Suche nach unserem hübschen Freund betraut wurde. Und ich kenne jemanden, der seit einiger Zeit ein reges Interesse dafür hegt, was ein gewisser Darth Stator so treibt. Und wo er eventuell in nächster Zeit auftauchen wird."

 

"Ihr meint den getarnten imperialen Ritter, der letztens hier war, nicht wahr ?" entgegnete Rik leise.

Königin Jool antwortete nicht, sondern schaute in Richtung der Tür, durch die der Sith die Bar verlassen hatte. Nach einigen Sekunden ließ der Barbesitzer die Hutt allein.

 

 

Kurze Zeit später stand Stator vor Darth Krayt und erstattete ihm Bericht. "Angesichts dieser Informationen", so schloß er seine Ausführungen, "habe ich vor, nach Iego zu fliegen, um diesen Hinweisen nachzugehen."

 

Darth Krayt schaute seinen Untergebenen einige Sekunden lang an. "Das scheint mir vernünftig, Lord Stator. Ich billige diese Reise. Haltet mich ständig auf dem laufenden, wenn sich etwas ergibt !"

"Das werde ich, Mylord !" entgegnete der Jabiimi, verneigte sich tief und verließ dann den Audienzsaal.

Als sich die Tür hinter ihm schloß, sah er Cinis vor sich stehen. Die Coruscanti schien recht aufgeregt zu sein. "Stator !" zischte sie. "Jemand aus dem Orden hat versucht, mich zu töten !" Der Sith schaute ihr tief in die Augen, bevor er langsam erwiderte. "Willkommen im Club !"

"Irgendetwas geht vor sich. Lord Stator. Und es verwirrt mich. Wir müssen etwas tun !"

"Ich weiß. Informiert Lady Maladi ! Ich muß nach Iego abreisen. Lord Krayt hat mich angewiesen, nach diesem Skywalker zu suchen. Ich werde keine Zeit haben, Lady Maladi zu unterrichten, also müßt Ihr das tun."

 

"Das werde ich ! Wenn ich kann. Ich weiß nicht, in welche Richtung der Sith-Orden driftet, doch es bereitet mir Unfrieden, wenn ich diese Intrigen spüre."

"Frieden ist eine Lüge, Lady Cinis !"

"Ja, ich weiß. Es gibt nur Leidenschaft !"

"Und die Leidenschaft gibt uns Kraft !"

"Und die Kraft gibt uns Macht !"

"Die Macht gibt uns den Sieg !"

"Und der Sieg…." begann Cinis, und beide gemeinsam beendeten den Satz: "…zerbricht unsere Ketten !"

 

Die beiden Sith schauten sich einen Moment in die Augen, bevor der Jabiimi Cinis wortlos zunickte, um dann energisch davonzuschreiten. Cinis schaute ihm kurz nach, bevor sie sich auf die Audienz mit ihrem Herrn, Lord Krayt vorbereitete.

 

Sie gab sich Mühe, ihre Verwirrung beiseitezuschieben, als die den Thronsaal betrat.

Drinnen harrte Lord Krayt ihrer und maß sie mit strengem Blick. Sie ließ sich auf ein Knie nieder und verneigte sich vor ihm.

„Ich stehe zu Eurer Verfügung, mein Lord.“

„Erhebt Euch, Lady Cinis“, gab der oberste Sith zurück. „Ich habe eine Aufgabe für Euch.“

Cinis kam auf die Beine und wagte zum ersten Mal nach sehr langer Zeit, ihrem Herrn direkt in die Augen zu blicken.

 

„Ihr werdet in nächster Zeit ausschließlich für mich arbeiten. Eure Tätigkeit für Lady Maladi kann warten, bis Ihr mir verwertbare Ergebnisse bringt.“

„Was soll ich für Euch tun, mein Lord ?“ fragte Cinis.

„Ihr werdet Euch auf die Suche nach Cade Skywalker begeben“, entgegnete Krayt. „Dieser Auftrag hat höchste Priorität. Da Ihr ja in letzter Zeit so gerne mit Lord Stator zusammenarbeitet, lasse ich Euch wissen, daß ich auch ihn gleichzeitig mit dieser Aufgabe betraut habe. Lord Stator wird seine Suche auf Iego beginnen, wo Skywalker in früheren Zeiten oft untergetaucht ist. Ihr werdet parallel hierzu andere Stationen aufsuchen, an welchen Skywalker längere Zeit seines Daseins verbracht hat. So lange, bis Ihr ihn gefunden habt. Entweder Ihr, Lady Cinis, oder Lord Stator bringt ihn mir zurück, oder Ihr sterbt. Beide.“

 

Cinis verneigte sich nochmals. „Wir alle leben und sterben, wie Ihr es befehlt. Ich werde meine Suche bei einem wichtigen Bindeglied zu Cade Skywalker antreten – der Lösegeldmaklerei des Piraten Rav. Wie Ihr wißt, mein Lord, hat Skywalker lange für ihn gearbeitet. Der bothanische Jedi, welcher sich vor nicht allzulanger Zeit in unserer Hand befand, bevor Ihr ihn tötetet, stammte aus jener Quelle.“

Krayt nickte langsam. „Dies scheint auch mir ein guter Ansatz zu sein, Lady Cinis. Spürt Rav auf und quetscht die Informationen, die Ihr braucht, aus ihm heraus. Notfalls nehmt ihn in Gewahrsam und bringt ihn her !“

Cinis nickte. „Das werde ich, mein Lord.“

 

Krayt wandte sich halb von ihr ab, was das Zeichen dafür war, daß sie nun entlassen war. Doch sie blieb stehen, und so warf er ihr nach einigen Sekunden einen fragenden Blick zu.

„Gibt es noch etwas, was Ihr mir mitteilen wollt, Lady Cinis ?“

„In der Tat, mein Lord, das gibt es“, erwiderte sie, entschlossen, ihren Herrn davon in Kenntnis zu setzen, was ihr widerfahren war. „Es ist ein Mordanschlag auf mich verübt worden.“

Krayt musterte sie interessiert. „Erzählt“, forderte er sie auf.

 

Cinis fuhr fort. „Nachdem Ihr mich aus der Umarmung der Schmerzen befreit hattet, ließ ich mir nach einigen Stunden Schlaf etwas zu essen bringen. Kaum hatte der Droide die Essensportion vor mir abgestellt, als ich eine Warnung der Macht spürte. Ich rührte das Essen nicht an, sondern brachte es in die medizinische Abteilung, wo ich es analysieren ließ. Es stellte sich heraus, daß es vergiftet war, und zwar mit einer äußerst wirksamen Substanz, die mich bereits nach dem ersten Bissen getötet hätte.“

Krayt schwieg einen Moment, bevor er in leicht spöttischem Tonfall fragte: „Was bringt Euch dazu, davon zu berichten, Lady Cinis ? Was gibt Euch das Gefühl, daß die Intrigen, die meine Untergebenen gegeneinander spinnen, für mich von Interesse sind ?“

 

„Nun, zuerst einmal“, gab Cinis zurück, „spricht hierfür die Tatsache, daß Ihr Interesse gezeigt und mich aufgefordert habt, weiterzureden. Und zum anderen besteht die Möglichkeit, daß der oder die Betreffende es als nächstes bei Euch versuchen wird.“

 

Sie ließ das Gewicht ihrer Worte kurz einsinken und fuhr dann fort, während Lord Krayt sie nachdenklich musterte. „Es ist auffällig, daß Sith, die seit einiger Zeit für Euch direkt arbeiten, Opfer solcher Anschläge werden. Lord Stator hat mir berichtet, daß es bei ihm bereits mehrmals der Fall war, und zweifellos seid Ihr hierüber informiert, seit Ihr ihn mit gewissen Aufgaben betraut habt, in denen er Euch persönlich Rechenschaft ablegen mußte. Und nun habt Ihr ihn auf die Suche nach Cade Skywalker geschickt, ein Auftrag, dem Ihr höchste Wichtigkeit beimeßt.

Was mich betrifft, so habt Ihr mir vor kurzem die Ehre erwiesen, mich in den Rang einer Dunklen Lady der Sith zu erheben – und sofort wird auch auf mich ein Attentat verübt. Wäre es nicht möglich, mein Lord, daß jemand gezielt versucht, diejenigen Personen, denen Ihr wichtige Aufgaben erteilt habt, die Euch ergeben sind, aus dem Weg zu räumen, um dann Euren Platz einzunehmen, ohne mit Widerstand seitens jener, die Euch dienen, rechnen zu müssen ?“

 

Wieder sagte Krayt eine ganze Weile lang nichts, sondern hielt Cinis im Fokus seines Blickes. Schließlich meinte er: „Ihr könntet recht haben. Bevor Ihr Eure Suche antretet, wünsche ich, daß Ihr Lady Maladi hierüber unterrichtet und Ihr die Analysewerte, die Ihr erhalten habt, übergebt. Ich erwarte von ihr einen detaillierten Bericht darüber, wer außer ihr Zugriff zu derartigen Substanzen hat und in welchem Zusammenhang dieses Gift bereits im Dienste ihrer Tätigkeit für den Sith-Orden verwendet worden ist. Es steht außer Frage, daß eine derartige Vorgehensweise sie selbst höchst verdächtig macht… andererseits glaube ich nicht, daß Maladi so dumm ist, sich auf dieses dünne Eis zu wagen, noch dazu mit einer Methode, die sofort mit ihr in Verbindung gebracht wird.“

 

Sein Blick wurde noch eine Nuance eindringlicher, und Cinis spürte wieder jenen unheimlichen körperlosen Griff im Nacken, der sie auf die Knie zwang und niederdrückte, bis sie mit der Stirn den Boden berührte.

„Ihr werdet ja wohl nicht selbst auf solche Ideen kommen, zumal Ihr ja offenbar über gewisse Dinge recht gut informiert seid ?“ fragte Krayt sie, wobei sein fast belustigter Tonfall dem eisernen Griff, in dem er sie hielt, auf groteske Weise widersprach.

 

„Warum sollte ich Euch sonst hiervon erzählen, mein Lord ?“ brachte Cinis hervor. „Würde ich Pläne schmieden, Euch zu vernichten, so wäre ich die letzte Person, die in irgendeiner Weise in den Vordergrund träte. Ich würde Euch in keinster Weise auch nur das kleinste bißchen auf meine Machenschaften aufmerksam machen, erst recht nicht mit irgendwelchen Andeutungen. Ich bin eine Sith – Heimlichkeit und Tücke sind unsere Tugenden, und ich würde mich bis zum Äußersten ihrer bedienen, würde ich Euch vom Thron stoßen wollen.

Daß dem nicht so ist, wißt Ihr, mein Lord. Ich gehöre Euch, der Zweck meines Lebens ist, Euch zu dienen.“

Cinis konnte nicht verhindern, daß ihr ein Schauder über die Arme lief, als sie in diesem Augenblick an ihre Vision dachte. Nein, davon würde sie Lord Krayt nicht erzählen.

 

„Zumindest klingt das, was Ihr sagt, einleuchtend“, fauchte Krayt und ließ sie abrupt los. “Nun geht. Sprecht mit Lady Maladi, gebt ihr zu verstehen, daß ich sie sofort zu sehen wünsche, sobald sie ein Ergebnis vorweisen kann, und beginnt dann Eure Suche nach Skywalker."

„Wie Ihr befehlt, mein Lord“, entgegnete Cinis, verneigte sich noch einmal tief vor ihm und verließ dann den Saal.

 

Kurze Zeit später, nachdem Cinis in der medizinischen Abteilung eine Kopie der chemischen Analyse ausgedruckt und an sich genommen hatte, öffneten sich vor ihr die Türen des Laboratoriums, in dem Lady Maladi an der Arbeit war. Cinis sank auch vor ihr auf ein Knie und neigte den Kopf, erhob sich aber gleich wieder. Maladi nickte ihr auf die bekannte kurz angebundene Art zu. „Lady Cinis“, grüßte sie knapp.

 

„Ich bringe Euch Botschaft von Lord Krayt“, begann Cinis. "Ich muß Euch mitteilen, daß er mich bis auf weiteres Eurem Aufgabenbereich entzogen hat und für einen persönlichen Auftrag einsetzen wird. Daher werde ich in nächster Zeit weder im Büro sein noch als Eure Attentäterin arbeiten können. Beziehungsweise weitere Beobachtungen machen.“ Den letzten Satz brachte sie deutlich leiser hervor.

 

Maladi verengte die Augen. „Wollt Ihr mir sagen, worin dieser Auftrag besteht ?“

„Lord Krayt hat nichts davon erwähnt, daß dies der Geheimhaltung unterliegt – abgesehen davon zweifle ich nicht daran, daß Ihr im Handumdrehen wüßtet, worum es sich handelt, Mylady“, meinte Cinis und lächelte leicht. „Er hat mir – und gleichzeitig Lord Stator – unabhängig voneinander den Auftrag erteilt, Cade Skywalker zu finden und zu ihm zu bringen.“

„Ah ja“, meinte Maladi gedehnt. „Ich kann mir denken warum. Gut, ich nehme es zur Kenntnis. Diese Information ist nicht uninteressant. Erfüllt Ihr nur Eure Aufgabe für unseren Meister, Lady Cinis.

Aber da ist doch noch mehr, oder ?“

 

„So ist es, Mylady.“ Cinis reichte ihr den Flimsiplast-Ausdruck des Analysegerätes, den Maladi mit fragend hochgezogenen Hornansätzen entgegennahm.

„Auf mich wurde ein Anschlag verübt“, berichtete Cinis. Sie teilte Maladi kurz mit, was vorgefallen war und schloß dann: „Diese Substanz befand sich in der Essensportion, die ich fast zu mir genommen hätte, hätte ich nicht im letzten Augenblick eine Erschütterung der Macht verspürt. Lord Krayt wünscht, daß Ihr ihm umgehend einen Bericht darüber abliefert, wer außer Euch im Tempel die Möglichkeit hat oder haben könnte, an dieses Gift heranzukommen, und zu welchen Gelegenheiten es bereits von uns verwendet wurde.“

 

Maladi überflog die Analyse kurz und sog dann scharf die Luft ein. „Dieser Bericht wird kurz ausfallen“, meinte sie. „Verwendet wurde dieses Gift bisher nur einmal, und zwar seinerzeit auf Wayland, als wir die Renaturierung des Planeten durch die Jedi-Allianz sabotierten, um den Krieg auszulösen, der Lord Krayt auf den Thron brachte. Damals wurde dieses Mittel im Zusammenhang mit Vong-Biotechnologie verwendet, um abnormen Pflanzenwuchs auszulösen. Wie der Zufall es will, solltet Ihr ja gerade gemeinsam mit Lord Stator auf Wayland überprüfen, wie sich die Dinge dort entwickelt haben…Hätte Lord Krayt Euch nicht zurückgerufen, wäre Euch die Aufgabe zugefallen, mit Lord Stator und einem meiner Vong-Assistenten dort für mich ein Labor einzurichten.“

 

Ihre Augen funkelten. „Aber vielleicht war es doch kein Zufall, daß Ihr zurückgerufen wurdet. Genauso wenig, wie es wohl ein Zufall ist, daß der Verdacht unseres Meisters auf mich fällt.

Niemand hier im Tempel außer mir hat Zugriff auf diese Substanz, weder meine Assistenten noch Fachkräfte der medizinischen Abteilung. Niemand – offiziell. Aber…jemand, der hoch genug steht, um alle Sicherheitssperren zu umgehen… jemand, der nach außen hin so integer ist, daß niemand ihn verdächtigen würde….“ Sie brach ab und blickte noch einmal nachdenklich auf den Bericht in ihrer Hand.

 

„Auch Lord Stator hat mir über die Anschläge berichtet, die auf ihn verübt wurden“, fuhr Maladi schließlich fort. „Und er hat einen Verdacht geäußert, der sich mit meiner Vorstellung der Dinge deckt – zumal es die Wichtigkeit Eurer bisherigen Beobachtungen für mich und Lord Nihl beweist.“

Sie beugte sich vor und aktivierte mit der Hand einen am Labortisch befindlichen Störsender, der auch dazu diente, die von ihr geführten Verhöre geheimzuhalten und Schreie abzuschirmen. Dann neigte sie sich zu Cinis und flüsterte ihr ein einziges Wort ins Ohr. Anschließend schaltete sie die Störfrequenz wieder ab.

Jetzt war es an Cinis, nachdenklich dreinzuschauen und zu nicken, während es ihr eiskalt den Rücken hinunterlief, als sie an ihre Vision dachte.

„Ja, das könnte wohl sein“, meinte sie. „Seid unbesorgt, Mylady, ich werde achtgeben, in jeglicher Hinsicht.

Solltet Ihr mich erreichen wollen“, fügte sie hinzu, „ich bin auf Socorro, um mir Rav vorzunehmen.“

 

„Wieder ein Teilchen, das ins Bild paßt“, meinte Maladi. "Ich hatte vor nicht allzulanger Zeit die zweifelhafte Ehre einer Unterredung mit ihm – allerdings nicht persönlich, sondern nur über Holocom.

Ich könnte Euch noch einiges verraten, Lady Cinis, aber ich ziehe es vor, dies – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht zu tun. Vielleicht auch um Eurer Sicherheit willen. Ich brauche Euch noch.“

 

„Wie Ihr wünscht, Mylady“, gab Cinis zurück. „Mit dem, was Ihr mir mitteilt, ehrt Ihr mich.“

Sie zögerte kurz, rang sich zu einer Entscheidung durch und fuhr dann fort. „Auch ich könnte Euch etwas berichten, was der Zukunft des Sith-Ordens einen schweren Schlag zu versetzen vermag, sollte es Wahrheit werden. Ihr habt vielleicht mitbekommen, daß Lord Krayt mich die Umarmung der Schmerzen erleiden ließ, bevor er mich offiziell zu Darth Cinis machte. Während dieser Zeit der Qualen hatte ich eine Vision in der Macht von erschütterndem Inhalt, und nur die Tatsache, daß es sich um eine Vision handelte und nicht etwa um eine reale Beobachtung, hat mich bisher davon abgehalten, irgend jemandem davon zu erzählen.“

 

„Ich mache Euch einen Vorschlag, Lady Cinis“, sagte Maladi knapp. „Ihr reist nach Socorro, verhört Rav und berichtet mir nach Eurer Rückkehr von Eurer Vision“.

Cinis nickte. „Das tue ich, Mylady.“

Maladi lächelte leicht. „Vielleicht wird es Euch interessieren, daß Lord Nihls Genesung gut voranschreitet. Er sollte in absehbarer Zeit wieder in Aktion treten können.“

„Jedes Mitglied unseres Ordens wird gebraucht, Mylady“, antwortete Cinis, „und Lord Nihl ist definitiv unverzichtbar.“

„In der Tat“, sagte Maladi leise und entließ ihre Dienerin mit einem letzten wohlwollenden Nicken.

Cinis verneigte sich und machte sich auf den Weg zum Hangar, um mit der Firestorm nach Socorro aufzubrechen.

 

Die Reise gab ihr Gelegenheit, ihrem Körper all das zu geben, was ihr in den letzten Stunden versagt geblieben war: Schlaf, Essen, Fitnessübungen und Lichtschwerttraining mit den an Bord befindlichen Drohnen. Als Socorro auf den Bordmonitoren auftauchte und der Pilot verkündete, daß sie in wenigen Minuten mit Ravs Maklerei Verbindung aufnehmen würden, fühlte Cinis sich wieder vollkommen erfrischt und bereit zu weiteren Aktionen. Manchmal hatte eine längere Reise im Hyperraum auch ihre Vorteile.

Sie begab sich ins Cockpit, um die Landung zu überwachen.

 

 

Ein schwarzes Schiff umkreiste einen Planeten, dessen Position viele Jahre lang unbekannt gewesen war. Iego war viele Jahrhunderte lang gefürchtet worden, und einige Systeme hatten sogar ein Verbot erlassen, sich in seine Nähe zu begeben. Doch die Bewohner des Himmelskörpers, die so lange Angst und Schrecken verbreitet hatten, waren lange fort. Dennoch war Iego ein verlassener, selten besuchter Ort. Darth Stator hatte nach mehreren Umflügen das Bollwerk entdeckt, welches als "Rawks Nest" bekannt war; sozusagen die Residenz eines begnadeten Schraubers, der schon so manchem Spacer aus der Patsche geholfen hatte.

Der Sith landete die Dark Fist in etwas größerer Entfernung, um keinen Verdacht zu erregen und wies die R4-Einheit in seiner Steuerkonsole an, auf alles zu schießen, was sich in aggressiver Weise an seinem Schiff zu schaffen machte und stieg aus. Er inspizierte den Landeplatz, und nickte zufrieden. Das Schiff lag nun auf einer von Büschen umwachsenen Anhöhe. Schwer zu sehen, aber leicht zu verteidigen.

 

Stator hüllte sich in seinen Sith- Mantel und begab sich in Richtung Rawks Nest. Der Weg war etwas beschwerlich, aber dank der Macht bereitete er dem Jabiimi nicht die geringste Mühe, und so kam er zügig voran. Nach schon etwa 20 Standardminuten traf er an seinem Ziel ein. Das Domizil des Mechanikers und Konstrukteurs sah wie eine Festung aus, und vermutlich war es auch eine. Stator bemerkte die Laserkanone auf dem Turm. Allerdings bemerkte er auch noch etwas anderes. Die Festung schien nicht bewohnt zu sein. Der Sith griff tief in die Macht und spürte die Anwesenheit zweier Personen. Er ging um Rawks Nest herum und entdeckte, daß das Eingangstor aufgebrochen worden war.

Stator kniff die Augen zusammen und seine Hand wanderte instinktiv zu seinem Lichtschwert. Er löste es vom Gürtel und betrat den Innenhof von Bantha Rawks Zitadelle.

 

Irgendetwas stimmte nicht. Es war zu still. Viel zu still für die Alarmglocken, die in Stators Gehirn schlugen.

Und da spürte er es. Die Wand links neben ihm ! Als er sich selbiger zuwandte, sah er aus dem rechten Augenwinkel eine Bewegung, die ihn einen Bruchteil einer Sekunde lang ablenkte. Und dann schien die Welt zu explodieren.

Der Sith wurde durch die Druckwelle nach hinten geschleudert, konnte sich aber mit einem Griff in die Macht abfangen. Auch die ersten, größeren Gesteinsbrocken, die in seine Richtung flogen ließen sich durch die Macht abwehren, doch einige der Mauerreste trafen ihn empfindlich. Das Lichtschwert entglitt seiner Hand und er fiel in eine Art Benommenheit.

 

Seine gesamte linke Körperseite schmerzte. Er benutzte die Macht, um die schlimmste Pein zu lindern, als er aus seinen fast geschlossenen Augen zwei Gestalten auf ihn zukommen sahen. Der eine, ein Rodianer, raunte seinem Kompagnon, einem Menschen mittleren Alters zu: "Jetzt sind wir am Arsch. Das ist einer von diesen Sith !" Das letzte Wort flüsterte er nur noch.

"Reg dich nicht auf !", brummte der Angesprochene. "Der ist so tot wie zehn Jahre altes Gorntpoodoo. Auch Sith können sterben."

"Und wenn er nicht tot ist ?" gab der Rodianer zu bedenken.

"Dann wird er es bald sein !" gab sein Kumpan zurück, und zog eine Vibroklinge. In diesem Moment bemerkte er Stators Lichtschwert, und hob es auf.

"Das wird uns eine Menge Credits bringen ! " triumphierte er, zu dem Rodianer gewandt. "Falls Banthas Nest keine brauchbare Beute hergibt."

 

Stator kochte vor Wut. Aber er spielte weiter den angeblich Leblosen. Gegen Meuchelmörder war er siegreich gewesen, gegen Jedi und auch gegen imperiale Ritter. Sogar gegen Sith. Und nun sollte er von simplen Plünderern überwältigt werden ? Er griff hart in die Macht und aktivierte sein Lichtschwert, welches der Plünderer leichtsinnigerweise auf seinen Kameraden gerichtet hatte. Dieser fiel ohne einen Laut sofort tot zu Boden. Der Bandit ließ entsetzt die Waffe fallen und trat mit schreckgeweiteten Augen einen Schritt zurück. In diesem Moment öffnete Stator die Augen, und mit all seiner Wut deckte er den Plünderer mit Sith-Blitzen ein. Hatte er diese Waffe bisher immer nur als Unterstützung verwendet, brannte nun sein Zorn so heiß in ihm, daß er seinen Gegner förmlich mit den Blitzen röstete. Als von diesem nur noch ein qualmender Haufen übrig war, sank Stator, erschöpft von dieser Anstrengung, und von seinen Verletzungen, in eine tiefe Bewußtlosigkeit.

 

 

Per Holocom erschien die Gestalt des Hafenkommandeurs, ein schlaksiger Mensch, der für Rav die Besucher einwies. Der Pilot der Firestorm meldete sich umgehend: "Imperialer Infiltrator Firestorm im Landeanflug. Erwarten Koordinaten für die uns zugewiesene Plattform."

Der Lotse blickte etwas dümmlich drein, weil er keine Ahnung hatte, was es mit diesem Schiff auf sich haben könnte. Er war über die Ankunft eines imperialen Infiltrators nicht informiert worden; andererseits landeten täglich zahlreiche fremde Schiffe bei der Crimson Axe, welche Rav, ehemaliger Pirat und jetzt Leiter eines Umschlagplatzes für Güter, Geiseln und Kopfgelder aller Art, als sein Hauptquartier im Fels von Socorro verankert hatte.

 

Routinemäßig fragte er: "Was ist Ihr Auftrag ? Und, äh, was heißt imperial – kommen Sie im Auftrag von Imperator Roan Fel ?"

Er war sich dessen nicht bewußt, daß er mit dieser Frage bei einer impulsiveren Persönlichkeit – beispielsweise Lord Stryfe – schon jetzt sein Leben verspielt hätte. Der Pilot der Firestorm war kein hochrangiger Sith, sondern gehörte zum Militär und war äußerlich nicht als zum Sith-Orden zugehörig erkennbar.

Cinis schob ihren Piloten zur Seite und trat in das Holocom-Übertragungsfeld. Die Augen des Lotsen weiteten sich vor Schreck, als er sie als Sith wahrnahm; und er zuckte zurück, als Cinis fauchte: "Wir kommen im Auftrag unseres Imperators Lord Darth Krayt zu einer Unterredung mit Rav und erwarten sofortige Zuweisung einer Landeplattform. Ich bin Darth Cinis. Melden Sie Rav, daß ich ihn nach der Landung ohne weitere Verzögerungen zu sprechen wünsche."

 

Der Lotse war sogleich die Höflichkeit in Person. "Natürlich, Mylady. Sie haben Landeerlaubnis auf Plattform Fünf, gleich in der Nähe von Ravs Hauptbüro. Ich werde veranlassen, daß Sie mit einer Eskorte sofort zu ihm gebracht werden."

Cinis nickte knapp und löste dann die Verbindung.

 

Zweifellos brach dort unten jetzt hektische Betriebsamkeit aus. Rav würde sicherlich den einen oder anderen Termin absagen oder verschieben müssen. Sie glaubte nicht, daß bisher schon einmal ein Sith dem Piraten einen persönlichen Besuch abgestattet hatte.

 

Plattform Fünf befand sich direkt neben dem Eingangsbereich der Crimson Axe. Die Schleuse öffnete sich zischend, und Cinis, jetzt wieder mit dem dunklen Kapuzenmantel bekleidet, den sie bei Außeneinsätzen über ihrer normalen Kleidung trug, trat hinaus. Ein frischer Wind fegte über den Felskamm und zupfte am Stoff ihres Mantels. Vor ihr ragte die imposante Silhouette von Ravs Schiff, senkrecht auf den Bergrücken verankert, empor. Sie warf einen kurzen Blick nach oben, folgte mit den Augen den Konturen des ehemaligen Piratenkreuzers, und sah dann wieder nach vorne, sich auf die sich nähernde Eskorte konzentrierend, die sie abholen sollte.

Selbige bestand aus lediglich zwei Personen – einem drahtigen Kiffar und einem breit gebauten, muskulösen Menschen mit kurzgeschnittenen weißblonden Haaren und graugrünen Augen. Beide trugen klassische Piratenkleidung – enge Hosen, Stiefel, kurzärmlige Hemden – und Blaster am Waffengurt. Trotz ihrer martialischen Erscheinung wirkten sie unsicher; und als sie bis auf wenige Schritte herangekommen waren, verneigten sie sich vor ihr.

 

"Willkommen, Mylady", sagte der Kiffar. "Bitte folgt mir. Rav erwartet Euch in seinem Büro."

Wieder nickte Cinis knapp – eine Geste, die sie von Lady Maladi abgeschaut hatte – und begab sich mit den beiden Handlangern auf den Weg, während sich eine Technikergruppe unter Aufsicht ihres Piloten daran machte, die Firestorm – natürlich auf Ravs Kosten – zu überholen. Sie war tatsächlich die erste Sith hier – hätte Rav ansonsten freiwillig Ausgaben auf sich genommen ? Er mußte vor Angst schlottern.

 

Die Gruppe trat durch den Eingang, die ehemalige Hauptschleuse der Crimson Axe, begab sich in einen Turbolift und fuhr gerade einmal eine Etage nach oben. Dort angekommen, öffnete sich vor Cinis und ihren Begleitern eine gepanzerte Türe, hinter der Rav, an einer Art Schreibtisch sitzend, sie erwartete. Offenbar lenkte er von hier seine Geschäfte, die anschließend in der schiffseigenen Bar besiegelt wurden.

Rav erhob sich und kam um den Schreibtisch herum. "Chip, Anson", sprach er seine Helfer an. "Ihr könnt jetzt gehen."

Die beiden verbeugten sich noch einmal kurz vor Cinis, drehten dann auf dem Absatz um und verließen – erleichtert, wie es schien - den Raum, dessen Türe sich hinter ihnen schloß.

 

Cinis stand erwartungsvoll auf dem teuren Vaacla-Läufer und nahm mit wenigen Blicken das Interieur in sich auf. Rav mochte prunkvolle Einrichtungsgegenstände und jede Menge Zierrat. Die Ausstattung des Büros, voller Erinnerungen, Trophäen und gewonnener Reichtümer, spiegelte sich im Äußeren des massigen, grünhäutigen Feeorin, der Cinis gut um einen halben Kopf überrragte. Er war mit Halsketten und Armreifen von zweifellos nicht unbeträchtlichem Wert behangen, und seine Kopftentakel waren von zahlreichen Schmuckringen umspannt. Bekleidet war er nur mehr leicht: ein flexibler Brustpanzer am Oberkörper, eine Schärpe mit Utensilgurt um die Taille, und eine weite, bequeme, knielange Hose. Sein rechter Unterschenkel und Fuß waren durch eine kybernetische Prothese ersetzt; das Schuhwerk am verbliebenen Bein wirkte ebenfalls leicht und angenehm zu tragen. Auch wenn er sich aus dem aktiven Piratenleben zurückgezogen hatte, strahlte Rav, muskelbepackt und kraftvoll, noch immer eine Aura der Agilität und Beweglichkeit aus, nicht zu vergleichen mit den teilweise schlaffen, verfetteten Gestalten, die Cinis in vergangenen Aufträgen mit dem Lichtschwert hinter ihren Schreibtischen hatte hervorkitzeln müssen.

Es würde sich zeigen, ob Rav mit dem Leben davonkam. Relativ wahrscheinlich war es, da er eine nützliche Informationsquelle darstellte; fragte sich nur, ob dies auch so blieb.

 

Rav vollführte eine tiefe Verbeugung vor ihr, lächelte sie an und begann zu sprechen.

"Lady Cinis, willkommen in meinem bescheidenen Büro. Es handelt sich sicherlich um äußerst wichtige Angelegenheiten, da ich bisher noch nie die Ehre hatte, ein Mitglied Eures hochgeschätzten Ordens bei mir begrüßen zu dürfen. Ich gehe doch wohl recht in der Annahme, daß Ihr mir im Auftrag von Lady Maladi einen Besuch abstattet ?"

Einen Augenblick war Cinis verwirrt, doch sie überspielte die kurze Unsicherheit mit eiserner Selbstbeherrschung. Tief in sich registrierte sie dennoch, daß es ganz offensichtlich etwas gab, was Lady Maladi ihr noch nicht verraten hatte. Nun, sie hatte ja selbst angedeutet, daß sie dies nicht getan hatte und erst tun würde, wenn Cinis ihr bei ihrer Rückkunft den Inhalt ihrer Vision anvertraut haben würde. Sie wünschte sich nur, ihre Herrin hätte sie in diesem Punkt auf dem laufenden gehalten, da es sich offenbar um etwas Wichtiges handelte.

 

Sie blickte Rav eindringlich in die funkelnden Augen. "So ist es. Ich benötige von Euch zusätzliche Informationen, um in ihrem Auftrag weiter handeln zu können."

Ravs selbstsichere Fassade schien sich etwas aufzulösen. Fast schon atemlos stieß er hervor: "Bitte versichert Lady Maladi, daß alles nach ihren Wünschen geschieht. Ich werde meinen Teil der Abmachung selbstverständlich einhalten, nur braucht alles seine Zeit. Ihr wißt vielleicht, daß es sich bei Cade um eine sprunghafte Persönlichkeit handelt, und ich muß den richtigen Augenblick abwarten, um zuschlagen zu können."

Cinis nahm all dies zur Kenntnis und erkannte mit Erstaunen, daß Lady Maladi offenbar in bezug auf Cade Skywalker ganz und gar ihr eigenes Süppchen zu kochen schien.

Sie nickte abermals und sagte: "Ich muß wissen, wo ich Cade" – sie vermied sicherheitshalber, seinen Nachnamen auszusprechen – "jetzt finden kann. Sagt es mir."

Rav erbebte und neigte den Kopf vor ihr. "Leider, Mylady, kann ich das nicht. Aus dem einfachen Grund weil ich es selbst nicht weiß. Daher sagte ich Euch doch, daß ich einen günstigen Zeitpunkt abwarten muß – und zwar den, wenn ich selbst mitbekomme, wo er sich aufhält."

 

Cinis beschloß, ihm ein wenig Angst einzujagen, um ihn vollkommen gefügig zu machen. "Ihr lügt", zischte sie, hob eine Hand und packte ihn in der Macht an der Kehle. Nicht zu fest, sie wollte ihn schließlich nicht töten oder bewußtlos machen; nur um ein bißchen mit ihm zu spielen. "Wo ist Cade ?" fragte sie noch einmal in gebieterischem Tonfall.

Rav röchelte, und seine Augen weiteten sich entsetzt. "Ich schwöre Euch, ich weiß es nicht, Mylady", keuchte er. "Wenn ich es wüßte, würde ich es Euch sagen, das steht außer Frage. Ich sage Euch die Wahrheit !"

"Ach ja ?" gab Cinis zurück, ließ ihn aber los. Rav sackte in sich zusammen, rieb sich die Kehle und begann, rasch zu sprechen.

 

"Vor wenigen Wochen habe ich Cade zum letzten Mal gesehen. Er kreuzte hier gemeinsam mit Jariah und Deliah Blue auf, in Begleitung des Wookiees Chak, des Kapitäns der Grinning Liar, und dessen Ersten Offizier Kee, ließ eine Runde markige Sprüche ab und drehte ziemlich durch." Rav verschwieg wohlweislich, daß Cade ihn bedroht und vor seiner gesamten Belegschaft sowie allen gerade anwesenden Kopfgeldjägern bloßgestellt hatte. "Er ging mir furchtbar auf die Nerven", fuhr Rav fort, "und verschwand dann mit unbekanntem Ziel, so als hätte er wieder mal irgendwelche Probleme. Niemand von der ganzen Bande hat auch nur die leiseste Andeutung gemacht, wohin die Reise gehen sollte. So ist Cade eben. Heute hier, morgen dort. Und das ist die reine Wahrheit, Mylady. Unmittelbar nach Cades Abreise hatte ich dann Kontakt mit Lady Maladi, aber hierüber seid Ihr zweifellos informiert."

 

Cinis schüttelte leicht den Kopf. In der Macht konnte sie spüren, daß Rav – so selten dies auch vorkommen mochte – die Wahrheit sagte.

"Habt Ihr irgendwelche Anhaltspunkte, wohin Cade sich zurückziehen könnte, oder wo er häufig verkehrt ?" fragte sie.

"Hm, wenn er in Schwierigkeiten steckt, versucht er irgendwelche Schlupfwinkel aufzusuchen, die ich aber nicht kenne. Vielleicht kontaktiert er Verwandte, vielleicht zieht er sich mit Deliah zum Kuscheln auf ihren Heimatplaneten Zeltros zurück. Vielleicht versucht er, auf Nar Shaddaa ein paar Geschäfte abzuwickeln. Ich habe keine Ahnung", meinte Rav und musterte die Sith aufmerksam.

 

Cinis beschloß, das Verhör abzubrechen. Irgendetwas in ihr sagte ihr, daß sie mit Zeltros gar nicht einmal so falsch liegen könnte. Sie spürte Cades Präsenz dort, wenn sie sich die Mühe machte, der Nennung des Namens nachzuspüren – aber leider konnte sie unmöglich sagen, ob sich dies auf die neuliche Vergangenheit, die Gegenwart oder die nahe Zukunft bezog. Dennoch, es konnte hilfreich sein, sich dorthin auf den Weg zu machen.

Sie nickte Rav einmal mehr zu. "Ich kehre auf mein Schiff zurück. Haltet Euch bereit, dem Sith-Orden auf Wunsch weitere Informationen zu liefern."

"Natürlich, Lady Cinis", dienerte Rav. "Ich stehe zu Eurer Verfügung."

 

Cinis drehte sich um, verließ das Büro, und kurz danach stieg die Firestorm in den Himmel von Socorro auf.

 

Keine der Personen, die sich während Cinis' Unterredung mit Rav in der Nähe des Schiffes befanden, hatten den in einen zerschlissenen Overall und angeschlagene Rüstungselemente, von denen die Farbe abblätterte, gekleideten Kopfgeldjäger bemerkt, der um die Firestorm herumschlich. Aus gutem Grund – Karun Tassey war machtsensitiv, und er beherrschte die Fähigkeit, sich trübe zu machen. Nicht perfekt, aber in ausreichendem Maße, um manchmal sein eigenes Ding durchzuziehen – die Angelegenheiten, für die er keine Lust hatte, Provision an Rav zu zahlen. Oder die zu brisant waren, um vor aller Augen abgewickelt zu werden.

Wie das hier. Von dem Peilsender, den er heimlich am Rumpf der Firestorm angebracht hatte, ahnte niemand etwas – nicht einmal die Sith selbst. Genausowenig, wie Rav davon wußte, daß einer seiner Kopfgeldjäger in der heutigen Zeit gefährliche Kontakte pflegte.

 

Tassey zog sich in eine ruhige Ecke zurück und aktivierte sein tragbares Kom. Im Projektionsfeld erschien eine hochgewachsene menschliche Gestalt, die eine imposante Uniform, bestehend aus einem enanliegenden schwarzen Druckanzug und leuchtend roten Rüstungsteilen, trug.

Der Kopfgeldjäger deutete vor dem Abbild des imperialen Ritters eine Verbeugung an und flüsterte dann: "Alles ist gutgegangen. Ich habe einen Peilsender am Schiff der Sith-Delegation befestigt. Ihr müßtet sie in kürzester Zeit aufspüren können."

 

 

Als Stator wieder zu sich kam, analysierte er zuerst seine Verletzungen. Da der linke Fuß unnatürlich verdreht war, nahm er an, daß der Unterschenkel gebrochen sein mußte. Die linke Brustseite schmerzte dumpf und verursachte stechende Schmerzen, wenn er tief einatmete. Der linke Arm war taub.

Der Jabiimi konzentrierte sich kurz, und holte mit einem Machtgriff sein Lichtschwert in die rechte Hand. Er befestigte es an seinem Gürtel und sah sich um. Nichts Brauchbares in der Nähe. Aber vor der Festung standen ein paar Büsche, wie er sich erinnerte. Recht knorrige Büsche. Langsam, die schlimmsten Schmerzen mit Hilfe der Macht unterdrückend, kroch Stator Stück für Stück nach vorne. Nach einer knappen Standardstunde war er endlich an dem Gesträuch angelangt. Mit dem Lichtschwert schnitt er einige feste Äste aus dem Gestrüpp. Dann riß er mehrere Streifen Stoff aus seinem Mantel und legte beides zurecht. Nun blickte er auf seinen verdrehten Fuß. Mit beiden Händen griff er vorsichtig danach, holte tief Luft und mit einem kräftigen Ruck brachte er den Fuß wieder in seine natürliche Position. Mit einem kaum menschlich klingenden Schmerzensschrei verlor der Sith erneut das Bewußtsein.

 

Als er ein weiteres Mal wieder zu sich kam, begann er mit zusammengebissenen Zähnen sein Bein zu schienen. Sechs Äste gruppierte er um den gebrochenen Unterschenkel, welche er mit den Streifen aus seinem Umhang zusammenschnürte. Aus den zwei stabileren Ästen fertigte er sich zwei Krücken. Dann streifte er die Reste des Mantels ab, um unnützen Ballast zu vermeiden. Mühsam erhob er sich. Er benutzte die Macht ein weiteres Mal, um die schlimmsten Schmerzen abzuschwächen, dennoch war schon das Aufstehen eine Tortur. Scharf zog Stator die Luft durch die zusammengebissenen Zähne, als er den ersten Schritt versuchte. Dann den zweiten, den dritten….

 

 

Der Hyperraumsprung in die Region von Zeltros dauerte nicht allzulange, und die Firestorm trat in gebührendem Abstand zu dem System wieder in den Normalraum ein. Das Sith-Schiff näherte sich gerade seinem Ziel, als Cinis plötzlich aus der Meditation hochfuhr, in welche sie tief versenkt auf der Matte in ihrer Kabine gekniet hatte. Sie sprang auf und eilte ins Cockpit, als die Firestorm von einem heftigen Schlag getroffen wurde. Cinis wurde gegen die Korridorwand geschleudert; nicht einmal ihre raschen Reflexe konnten verhindern, daß eine der Metallstreben ihre Schläfe aufriß. Das Blut lief ihr über die Wange, als sie ihr Gleichgewicht wiederfand und ins Cockpit stürmte.

 

"Wir werden angegriffen, Mylady", rief ihr Pilot ihr sofort zu. "Schnallt Euch an." Cinis ließ sich rasch auf den schmalen Passagiersitz – den Platz des Copiloten nahm der Navigationsdroide ein – fallen und schloß die Gurte um ihre Hüften. Mit dem Handrücken strich sie sich das Blut aus dem Gesicht. "Was ist hier los ?" fragte sie abrupt.

 

Der Blick sowohl aus dem Cockpitfenster als auch auf die Monitore beantwortete ihre Frage sofort. Drei Jäger näherten sich mit hoher Geschwindigkeit ihrem Schiff, und es handelte sich nicht um Piraten, Schmuggler oder gar imperiale Maschinen der Flotte Lord Krayts. Von imperialer Herkunft waren sie trotzdem, aber nichts anderes als die Jagdmaschinen, die die Getreuen des abgesetzten Imperators Roan Fel flogen. Cinis begriff, daß es eine Gruppe imperialer Ritter auf sie abgesehen hatte, wie auch immer es ihnen gelungen sein mochte, an sie heranzukommen.

Ein weiter Treffer ließ die Firestorm erbeben. Der Pilot hieb auf einen Notschalter, welcher dem Navigationsdroiden vorübergehend die zusätzliche Aufgabe übertrug, die Flugmanöver des Schiffes zu übernehmen, und aktivierte die Waffen. Mit der in den Infiltrator integrierten beweglichen Zwillingskanone begann er, die abtrünnigen Imperialen mit Blasterfeuer einzudecken.

 

Leider begann sich nach einer kleinen Weile zu zeigen, daß der Pilot in erster Linie als solcher ausgebildet worden war. Er war zweifellos in der Lage, einige gut gezielte Schüsse abzugeben, aber ihm fehlte die Erfahrung eines erprobten Bordschützen. Die Jäger trugen allenfalls Streifschüsse davon, während die Firestorm nun schon zum drittenmal unter ihrem Beschuß erzitterte und ein blinkendes rotes Licht auf der Cockpitkonsole davon kündete, daß sie im Begriff waren, einen Schild zu verlieren.

 

Cinis wandte sich an den Piloten. "Konzentriert Euch ganz auf den Kampf. Ich werde Euch unterstützen."

Mit diesen Worten atmete sie tief durch und entspannte sich, so gut es ging, auf dem Passagiersitz. Bisher hatte sie, obgleich sie detaillierte theoretische Kenntnisse darüber besaß, noch keine Kampfmeditation praktiziert. Jetzt schien der Augenblick gekommen, das theoretische Wissen, das sie einmal mehr Darth Levouan verdankte, in die Tat umzusetzen.

Sie bemühte sich, ihre Gedanken von der Bedrohung des nahen Todes abzulenken, statt dessen die draußen vor den Schotten des Schiffs stattfindende Schlacht vor ihrem inneren Auge zu visualisieren und kraft ihrer Verbindung mit der Macht zu beeinflussen. Cinis öffnete sich innerhalb von Sekunden dem Fluß der Macht und gab sich dann der dunklen Seite hin. Wie immer durchströmte sie, selbst in dieser gefährlichen Situation, ein Schauer aus Ekstase, dann sah sie den Kampfplatz plötzlich deutlich vor sich. Sie konzentrierte sich auf die Jäger des Fel-Imperiums, ließ sie von ihrem Kurs abweichen, und visualisierte gleichzeitig die Finger ihres Piloten auf der Waffenkonsole. Ihre Augen waren geschlossen, Schweiß rann ihre Schläfen herab und vermischte sich mit ihrem Blut; und in dem Augenblick, als Cinis sich vollkommen mit der dunklen Seite vereinigte, trafen die Schüsse ihres Piloten mit größerer Präzision. Ein Jäger löste sich gleich beim nächsten Schuß in Myriaden glühender Partikel auf; und knapp eine Minute später folgte ihm der zweite. Die Firestorm mußte nur noch einen Streifschuß hinnehmen, dann verglühte auch der dritte Jäger in den Tiefen des Raums.

 

Cinis erwachte wie aus einer Trance, mit schweißfeuchtem Haar und bohrenden Kopfschmerzen. Offenbar war Kampfmeditation doch anstrengender, als sie geglaubt hatte. Das Wichtigste jedoch war, daß sie am Leben war, um ihre Mission weiter erfüllen zu können.

Auch ihr Pilot war erschöpft. Die Kraft, die Cinis durch seine Hände geleitet hatte, war fast zuviel für ihn gewesen. Er deaktivierte die Pilotenfunktion des Navigationsdroiden und neigte den Kopf vor ihr. "Mylady", sagte er. "Eure Stärke hat uns gerettet."

"Ja", gab Cinis kurz zurück. "Die dunkle Seite brennt heiß. Nun gebt mir einen Schadensbericht."

Der Pilot überprüfte kurz die Systeme und meinte dann "Unser Schildgenerator ist beschädigt. Wir sollten eine Reparaturwerkstatt aufsuchen, um die volle Leistung unserer Schilde baldmöglichst wieder zu gewährleisten."

"Tut das", antwortete Cinis. "Ich nehme an, auf Zeltros wird man uns eine derartige Einrichtung zur Verfügung stellen können. Wir müssen auch in Erfahrung bringen, wie diese Ritter uns aufspüren konnten. Möglicherweise hat jemand einen Peilsender an unserem Schiff befestigt; anders kann ich mir das hier kaum erklären."

 

In dem Augenblick, als sie weiter Kurs auf den Heimatplanet von Deliah Blue nahmen, erwachte der Abtaster plötzlich wieder zum Leben. Erfüllt von einer Mischung aus Zorn und Erschöpfung, mußte Cinis mitansehen, wie weitere fünf Jäger des Fel-Imperiums aus dem Hyperraum fielen.

"Nehmt einen Notsprung vor !" fuhr sie den Piloten an. "Egal wohin ! Unser Schildgenerator gibt nicht mehr viel her, und ich habe nicht mehr genug Kraft, um diese Art von Kampfmeditation noch einmal durchzuführen!" Das war die Wahrheit – falscher Stolz war hier fehl am Platze, oder Darth Cinis würde auf der Stelle aufhören zu existieren.

 

Der Pilot gab hastig einige Koordinaten ein und überließ dann dem Bordcomputer die restliche Arbeit. Im selben Moment, als der erste Jäger zu feuern begann, beschleunigte die Firestorm auf Überlichtgeschwindigkeit und verschwand jenseits der Realität.

Roan Fel würde nicht begeistert sein.

 

 

Stator schleppte sich weiter voran. Etwa alle 20 bis 30 Meter mußte er innehalten, um seine improvisierte Beinschiene zu erneuern, und um auszuruhen. Die Anstrengung des Marsches und der ständige Einsatz der Macht, um die schlimmsten Schmerzen unter Kontrolle zu halten, ermüdeten ihn auch schnell, sodaß er bei jedem dritten, vierten Stop ein kleines Nickerchen brauchte, um für die nächste Etappe fit zu sein. Die Schmerzen waren mittlerweile so stark, daß er sie selbst durch die Macht kaum noch erträglich halten konnte. Doch unermüdlich kämpfte er sich weiter.

 

Er benötigte fast zwei Tage, bis er die Dark Fist erreichte. Stator kroch mühsam die Einstiegsrampe hoch, schleppte sich ins Cockpit und hievte sich unter Schmerzensschreien auf den Pilotensitz. "Das nächste, was auf diesem Schiff installiert wird, ist ein Medidroide !", knurrte der Sith unter Schmerzen. Er hatte zwar einige Medipakete im Lageraum, aber als er die Strapazen, diese zu holen, gegen die Schmerzen abwog, die er sowieso schon hatte, fügte er sich zähneknirschend in sein Schicksal. Er aktivierte die Startautomatik, und nachdem das Schiff abgehoben und die Atmosphäre Iegos verlassen hatte, programmierte er den Hyperraumsprung nach Coruscant.

Nachdem die Dark Fist den Normalraum verlassen hatte, und Stator die Systeme checkte, bekam er von seinem R4-Droiden eine Mitteilung. "Nachricht gespeichert. Jetzt abspielen ?"

"Nein !" entgegnete Stator. "Das hat Zeit. Für Einsätze bin ich derzeit eh nicht zu gebrauchen. Weck mich, wenn wir uns Coruscant nähern !" wies er den Droiden an. Dann schleppte er sich in eine der Kabinen. Als er endlich eine Stellung gefunden hatte, in der die Schmerzen nicht zu stark waren, fiel er in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

 

 

Ein knapper Tag verging im Hyperraum, bis das Schiff der Sith wieder in den Normalraum eintrat. Vor Cinis erstreckte sich das Panorama eines graubraunen Planeten, als sie das Cockpit wieder betrat. Sie rümpfte leicht die Nase, denn sie spürte eine ihr in gewisser Weise nahestehende Präsenz. Diesmal war sie sich sicher, daß diese sich in der Vergangenheit befand. Irgendwie erinnerte diese sie an jemanden, den sie kannte, obwohl sie sich nicht erklären konnte, warum.

 

"Wo sind wir ?" fragte sie.

 

"Wir befinden uns im Anflug auf Jabiim", berichtete der Pilot. "Ich habe mit dem Raumhafen der Hauptstadt bereits Kontakt aufgenommen. Man wird uns umgehend empfangen und unser Schiff reparieren, so schnell es geht."

Cinis nickte. Nun konnte sie sich die seltsame Empfindung einer Präsenz erklären. Jabiim. Der Heimatplanet von Lord Stator.

 

Im Raumhafen wurden Cinis und ihr Pilot vom Leiter des Mechanikerteams empfangen, dessen Äußeres die Sith zusammenzucken ließ. Sie konnte es nicht vermeiden, ihn einige Sekunden lang mit vor Erstaunen starrem Blick anzusehen, bevor sie sich wieder in der Gewalt hatte. Der Techniker war mit einem dunkelgrauen Overall, Stiefeln und einer Art kariertem Hemd bekleidet; auf dem Kopf trug er eine Schirmmütze, und an seinem Gürtel hing eine beachtliche Auswahl der unterschiedlichsten Werkzeuge – ein alltäglicher Anblick an einem solchen Ort. Allerdings hätte, abgesehen von Kleidung und Ausrüstung, Lord Stator vor ihr stehen können. Der Mann sah dem Sith, bis auf die Tätowierungen, unglaublich ähnlich – Körpergröße, Gesichtsform, Haar- und Barttracht, selbst die an den Schläfen herabhängenden Zöpfe, in welche Bänder geflochten waren, fehlten nicht.

 

Der Jabiimi verneigte sich vor Cinis. "Mylady", begann er, "ich bin der Chefmechaniker des Raumhafens. Mein Team wird sich sofort an die Reparatur Eures Schildgenerators machen, welche meiner Einschätzung nach nur mehr wenige Stunden in Anspruch nehmen wird. Wünscht Ihr Euch in der Zwischenzeit zu erfrischen ?"

Cinis schüttelte den Kopf. "Nein. Ich gedenke, in meiner Kabine zu bleiben. Haltet mich über den Verlauf der Reparatur auf dem laufenden", sagte sie in jener kurz angebundenen, hochmütigen Sprechweise, die sie für Nicht-Sith reserviert hatte.

"Wie Ihr wünscht, Mylady", gab der Techniker zurück.

 

"Zwei Fragen", sagte Cinis, bevor er sich umdrehen und an die Arbeit machen konnte.

"Ja, Mylady ?", antwortete er und blickte sie erwartungsvoll an.

 

"Erstens – ich habe den begründeten Verdacht, daß irgendwo ein Peilsender an der Außenhaut unseres Schiffes befestigt worden ist. Haltet danach Ausschau, löst und vernichtet ihn", befahl Cinis. Der Chefmechaniker nickte. "Sehr wohl, Mylady."

"Und zweitens", fuhr sie fort. "sagt mir Euren Namen."

Der Techniker stutzte. "Mein Name lautet Andar Artasis", sagte er dann mit fragendem Blick.

 

Es stimmte also. Das starke Gefühl, das Cinis vom ersten Augenblick ihrer Begegnung in ihrem Bann gehalten hatte, entsprach der Wahrheit – vor ihr stand ein Verwandter jener Person, aus der Lord Stator geworden war.

Sie setzte alles auf eine Karte. "Sagt mir", fragte sie ihn, "hattet Ihr einen Bruder namens Korto ?"

Der Ausdruck auf dem Gesicht des Technikers änderte sich abrupt. In seinen Augen flackerte eine Mischung aus Angst, Abscheu und Schmerz auf. Zwei Sekunden lang erlaubte er sich den Luxus, zu schweigen, dann gab er der Sith widerwillig Antwort.

 

"Ja, Mylady. Ich hatte einen Bruder dieses Namens."

 

"Was ist aus ihm geworden ?", fragte Cinis weiter.

 

Wieder bemerkte sie, wie der Mann sich zwingen mußte, ihr Dinge mitzuteilen, die für ihn unglaublich schmerzliche Erinnerungen höchst persönlicher Natur darstellten. Doch sich einem Sith zu widersetzen, hätte den sofortigen Tod bedeutet; also überwand er seinen Widerstand und gab in düsterem Tonfall zurück: "Er hat Schande über unsere ganze Familie gebracht. Als er, ich und unsere Schwester noch Kinder waren, tötete er unseren Vater und flüchtete dann von unserem Planeten. Seitdem hat niemand mehr etwas von ihm gehört. Vielleicht ist er tot, vielleicht ist er ein Pirat oder ein Schmuggler geworden. Für mich ist er so gut wie tot. Ich gebe allerdings zu, daß ich gern wüßte, was er jetzt macht, damit ich ihn aufspüren und an ihm Rache nehmen kann dafür, daß er unserem Clan die Ehre genommen hat."

Er schwieg, stand mit hängenden Schultern da, und Cinis spürte, wie seine Erinnerungen ihn peinigten.

 

Sie lächelte, nur ganz leicht. "Das Bedürfnis, Rache zu nehmen, ist etwas ganz Natürliches", sagte sie. "Zumindest für einen Sith."

Sie beobachtete belustigt, wie er zusammenzuckte.

 

"Führt Eure Reparaturen aus. Bevor ich abreise, habe ich Euch noch etwas mitzuteilen."

 

Er nickte, verneigte sich und wandte sich dann ab, um gemeinsam mit seinem Team die notwendigen Arbeiten durchzuführen.

 

Cinis wollte gerade wieder an Bord gehen, um die Wartezeit mit Meditation in ihrer Kabine zu überbrücken, als sie aus dem Augenwinkel zwei Gestalten von der anderen Seite des Werkstatthangars auf sich zustürmen sah. Sie fuhr herum, nahm sie in Augenschein und brachte sich augenblicklich in Bereitschaft, gab sich dabei aber Mühe, überrascht zu wirken. Die scharlachroten Rüstungen ließen keinen Zweifel zu. Zwei imperiale Ritter, die sich wahrscheinlich nach dem mißlungenen Angriff im All dem Rückzugsbefehl widersetzt hatten, ihrer Spur gefolgt waren und nun auf eigene Faust versuchten, sie im Nahkampf zu vernichten.

 

Die Angreifer aktivierten ihre Schwerter, und bläulichweißes Licht zuckte auf, gefolgt von Cinis' eigener blutroten Klinge. Sie ließ die Ritter – ein dunkelblonder Mann und eine Frau mit hochgestecktem, braunem Haar – herankommen und versuchte, sie dabei in Sicherheit zu wiegen. Menschen, die nicht daran gewohnt waren, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen, pflegten übermütig und unsicher zu werden, wenn sie dies versuchten; und Cinis wußte, daß die Ausbildung eines Ritters sich bis auf die extrem mystische Komponente in puncto Disziplin und Selbstkontrolle kaum von der eines Jedi unterschied. Diese beiden waren gerade dabei, sich auf unbekanntes Terrain vorzuwagen, indem sie sich ihrem Haß auf die Sith öffneten – eine Vorgehensweise, an die sie, im Gegensatz zu einem ausgebildeten Sith, nicht gewohnt waren.

Sie waren sich nicht darüber im klaren, daß dies sie verwundbar machte. Alles, was sie sahen, war, daß die Sith allein und sie zu zweit waren; daß sie jetzt eine Chance sahen, ein gefährliches Mitglied des Sith-Ordens aus dem Weg zu räumen, und so achteten sie trotz ihrer guten Ausbildung nicht mehr auf ihre Deckung.

 

Während Andar Artasis und sein Team mit unglaublicher Geschwindigkeit die Rampe hinauf und ins Innere der Firestorm rannte, um sich in Sicherheit zu bringen, schwang Cinis den rechten Arm empor und führte einen gewaltigen, von Blitzen gekrönten Machtstoß gegen den männlichen Ritter aus. Die Wucht ihres Schlages, mit der er keinesfalls gerechnet hatte, schleuderte ihn rückwärts gegen eine Strebe der Werkstatt. Gefangen in den Sith-Blitzen, war er nicht mehr Herr über seine Bewegungen, so daß gerade die Tatsache, daß er eine Rüstung trug, ihm den Tod brachte. Sein Körper verkrümmte sich, und die Kante der Strebe traf exakt sein ungepanzertes Genick.

 

All dies war rasend schnell vor sich gegangen. Seine Mitkämpferin hatte gerade einmal zwei Drittel des Wegs durch den Hangar zurückgelegt, als Cinis ihn scheinbar mühelos tötete. Die Ritterin stieß einen wütenden Schrei aus und stürzte sich auf die Sith, um sie mit einer raschen Bewegung in zwei Hälften zu teilen. Doch Cinis parierte den Angriff und begann dann sofort, mit der für sie typischen Kampftechnik, ihre Gegnerin mit rasch aufeinanderfolgenden, brutalen Schlägen zurückzudrängen.

Die Ritterin versuchte verzweifelt, sich zu verteidigen, wobei es ihr nicht mehr gelang, die Defensive zu verlassen. Cinis hieb gnadenlos auf sie ein. Von diesem Moment an hatte die Imperiale keine Chance mehr. Die Sith hieb ihr mit einer schwungvollen Bewegung den rechten Arm ab, der einschließlich Lichtschwert in flachem Bogen davonflog. Mit einem Schmerzensschrei brach die imperiale Ritterin in die Knie, und in ihren Augen spiegelte sich das Entsetzen über die Erkenntnis, versagt zu haben, als Cinis die volle Länge ihrer Lichtschwertklinge, die aus dieser Nähe die Panzerung durchschnitt, als wäre es nichts weiter als eine Patogga, in ihrem Brustkorb versenkte.

 

Tot brach die Dienerin Roan Fels zusammen; und als Cinis ihre Klinge deaktivierte und sich zum Schiff umwandte, bemerkte sie Andar Artasis, der vorsichtig aus dem Zugang lugte. Offenbar war seine Neugierde größer als seine Angst gewesen. Zorn wallte in Cinis auf, und sie packte ihn mit der Macht an der Kehle. "War das Euer Werk ?" fauchte sie.

 

Artasis' Augen schienen aus den Höhlen zu quellen, und angstgeschüttelt quetschte er hervor "Nein, Mylady! Ich schwöre es ! Niemand von uns wußte, daß sich imperiale Ritter hier befinden !"

 

"Sind in den letzten Stunden vor meiner Ankunft irgendwelche Schiffe hier gelandet, die Euer Aufsehen erregt hätten ?", fragte Cinis, den Jabiimi noch immer nicht aus ihrem Griff entlassend.

"Nein, nichts, was auf die Anwesenheit imperialer Ritter hingedeutet hätte. In der letzten Zeit vor Eurer Ankunft hier sind nur zwei Schiffe gelandet, beides Händler, die eine routinemäßige Überholung ihrer Schiffe anordneten", gab der Chefmechaniker mühsam zurück.

 

Cinis horchte in der Macht in ihn hinein und spürte, daß er die Wahrheit sagte. Es mußte so sein, wie sie es sich bereits gedacht hatte. Allein der Peilsender an der Firestorm hatte die Ritter hierhergeführt. Lediglich der Tatsache, daß Roan Fels Anhänger noch immer die Fähigkeiten und den Einfallsreichtum eines voll ausgebildeten Sith unterschätzten, hatte Cinis es zu verdanken, daß sie bisher noch nicht in ernstere Schwierigkeiten geraten war. Möglicherweise konnte es sich der ehemalige Imperator aber auch nicht leisten, größere Abordnungen seiner Getreuen auf Sith-Jagd zu schicken – gut für sie und den Orden, denn das gab Darth Krayt und seinen Dienern die Möglichkeit, sich auf einen eventuellen späteren, größer angelegten Angriff vorzubereiten.

Was jetzt zählte, war das rasche Auffinden des Peilsenders, damit sich nicht noch mehr Gegner auf ihre Spur setzen konnten, sei es auf eigene Faust oder direkt auf Befehl Roan Fels.

 

Sie ließ Artasis los. Er zuckte keuchend zurück, hustete und griff sich an die Kehle, während er sie mit angsterfülltem Blick musterte. Gut so. Angst machte andere Wesen gefügig.

"Führt jetzt Eure Reparaturen aus, so rasch es geht. Ich will vor Ende dieses Tages wieder unterwegs sein. Und richtet besonderes Augenmerk auf die Suche nach dem Peilsender. Erledigt diese Aufgabe zuerst, noch vor der Instandsetzung des Schildgenerators !" befahl sie in herrischem Ton. "Ich will den Sender in Eurer Hand sehen und persönlich seiner Vernichtung beiwohnen !"

Artasis verneigte sich vor ihr und winkte seinem Team, das zweifellos im Hauptkorridor der Dark Fist hinter ihm auf seine Anweisungen wartete. Die Reparaturmannschaft ging an die Arbeit, und Cinis stapfte die Rampe hinauf, an den Männern, die respektvoll vor ihr zur Seite wichen, vorbei und in ihre Kabine.

 

Etwa eine halbe Standardstunde später ertönte der Summer an ihrer Kabinentür. Cinis erhob sich von der Meditationsmatte, bewegte die Hand und öffnete die Türe mit der Macht. Im Gang stand Andar Artasis, verneigte sich respektvoll vor ihr und streckte ihr auf offener Handfläche ein kleines, rundes, unauffällig aussehendes Objekt entgegen.

"Der Peilsender, Mylady."

Cinis nickte. "Ich werde Euch jetzt zur Entsorgungsstation dieser Werkstatt begleiten, und Ihr werdet dieses Objekt vor meinen Augen dort hineinwerfen."

Es geschah, wie sie angeordnet hatte, und Cinis beobachtete nicht ohne Genugtuung, wie der Sender im Schlund des Verschrotters verschwand.

Erleichtert kehrte sie in ihre Kabine an Bord zurück und versenkte sich wieder in ihre Meditation.

 

Weitere vier Standardstunden später vermeldete Andar Artasis, daß die Reparaturen abgeschlossen waren. Wohlweislich vermied er jeglichen Hinweis auf eine mögliche Bezahlung.

Als letztes ordnete Cinis noch einen Scan an, der die Präsenz eines weiteren Peilsenders – denn irgendjemandem zu vertrauen, hieße, die Regeln des Sith-Ordens mißachten – ausschloß. Dann gab sie ihrem Piloten den Befehl, das Schiff startklar zu machen und wandte sich zum letzten Mal an Artasis.

 

"Ihr habt den Wunsch geäußert, zu erfahren, was aus Eurem Bruder geworden ist, und wo er sich aufhält", sagte sie. "Dieser Wunsch soll Euch erfüllt werden. Nur, fürchte ich, wird eure Sehnsucht nach Rache ungestillt bleiben."

 

Der Jabiimi blickte sie fest und zornig an.

"Die Person, die einmal den Namen Korto Artasis trug, existiert nicht mehr", sagte Cinis mit Nachdruck. Bevor sich ihm die Frage auf die Lippen drängen konnte, fuhr sie fort. "Euer ehemaliger Bruder hat seinen Weg in unseren Orden gefunden und ist jetzt ein gut ausgebildeter, mächtiger Sithlord namens Darth Stator im Dienste unseres Imperators Lord Krayt. Ich kenne ihn persönlich und habe schon des öfteren mit ihm zusammengearbeitet. Ihr seht ihm übrigens ungeheuer ähnlich."

 

Sie genoß es, das Anbranden seiner Verzweiflung zu spüren, seines Entsetzens, wie es in seinem Geist schrie, das könne doch nicht sein, sie lüge, und wie er krampfhaft versuchte, die Worte zurückzuhalten. Artasis starrte sie aus weit aufgerissenen Augen an. Einige Sekunden lang herrschte unheilschwangere Stille, dann fand er seine Fassung wieder. Er schluckte, blickte Cinis direkt in die gelblichroten Augen und sagte mit bebender Stimme "Ich danke Euch, Mylady. Ihr habt mich von dem Wunsch befreit, mich an ihm rächen zu wollen. Ich kann ihn nicht mehr erreichen. Mein Bruder ist tot."

 

"Ich verlasse Euch jetzt. Gehabt Euch wohl", entgegnete Cinis in leicht spöttischem Tonfall. "Und haltet Euch bereit, dem Sith-Orden und unserem Imperator Darth Krayt auch in Zukunft eure Dienste zu erweisen."

 

Mit zusammengepreßten Lippen verneigte sich Andar Artasis und beobachtete, wie die Sith an Bord ging und sich die Firestorm kurz danach auf ihrem Repulsorfeld aus dem Hangar bewegte. Draußen dröhnten die Sublichttriebwerke auf, und das Schiff entschwand seinen Blicken.

 

 

Als Stator erwachte, wußte er für einen Moment nicht einmal, wo er sich gerade befand. Seine gesamte linke Körperseite schmerzte, und auch der restliche Körper schien taub zu sein. Nachdem er sich orientiert hatte, erkannte er, was ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Sein R4-Droide hatte den Sprung aus dem Hyperraum ausgeführt und ihn geweckt. Im Display blinkte wieder die Mitteilung: "Nachricht gespeichert. Jetzt abspielen?".

"Ja. Meinetwegen !" , brummte der Sith, und richtete sich im Pilotensitz auf. Das Abbild Lord Wyyrloks erschien.

"Lord Stator. Eure Mission wird abgebrochen. Lord Krayt hat Eure sofortige Rückkehr nach Coruscant befohlen. Meldet Euch auf dem schnellsten Weg im Tempel. Wyyrlok Ende !"

 

Das Holobild des Chagrianers erlosch. "Naja, ich bin ja unterwegs", grummelte der Jabiimi. Die Ankunft auf Coruscant würde noch eine Weile dauern, und so nutzte Stator die Zeit, um sich in die dunkle Seite der Macht zu versenken, um seine schlimmsten Schmerzen zu lindern. Er war kein Heiler, und hatte auch auf diesen Teil der Ausbildung keinen Wert gelegt, aber eine leichte Besserung seines Zustandes konnte er dennoch erreichen.

 

Als die Dark Fist letztlich in den Orbit der imperialen Kernwelt eindrang, kontaktierte Stator sogleich die Raumüberwachung. "Hier ist das Schiff Dark Fist. An Bord befindet sich Darth Stator. Weisen Sie mir einen Landeplatz zu !"

Nach einigen Sekunden bekam er Antwort. "Euer Landeplatz ist Plattform Z23. Unser Leitstrahl wird Euch führen, Mylord. Stellt bitte die Steuerung auf Automatik. Eure Landung wird in zirka 12 Minuten Standardzeit erfolgen."

"Gut", brummte der Sith. "Beordern Sie ein Shuttle zum Landeplatz. Ich bin schwer verletzt und muß sofort ins Medicenter des Sith- Tempels."

"Wir bemühen uns sogleich, ein freies Shuttle für Euch zu organisieren…..Ja, da wäre schon etwas. Steht zufällig schon am Landeplatz bereit. Der ursprüngliche Fahrgast wird wohl auf das nächste warten müssen."

"Sehr gut. Stator Ende !", und damit schaltete der Jabiimi die Kommunikation ab, und die Steuerung auf Automatik.

 

Wenig später setzte die Dark Fist am Landepunkt auf. Mühsam schleppte sich der Sith zur Ausstiegsrampe. Bevor er sein Schiff verließ, straffte er sich, um nicht zu hinfällig zu wirken. Auf eine seiner improvisierten Krücken konnte er dennoch nicht verzichten.

Mit vor Schmerzen und Zorn verkniffenem Gesicht humpelte er die Rampe hinunter. Das Shuttle stand bereit, doch davor schien ein kleiner Tumult stattzufinden. Ein prächtig gekleideter Mann, wohl ein bedeutender Industrieller, stand gestikulierend vor dem Piloten des Shuttles und redete laut auf diesen ein. "Ein Skandal ist das, sage ich, ein Skandal ! Ich habe dieses Shuttle hierherbeordert, um damit pünktlich zu meinem Geschäftstermin zu kommen. Wieso wird mir jetzt der Zutritt verweigert ?"

 

Der Offizier versuchte, ruhig und gelassen zu bleiben, was ihm aber mit jeder Minute schwerer fiel.

 

"Mein Herr, das Shuttle ist kurzfristig einem wichtigeren Zweck zugedacht worden. Würden Sie sich bitte gedulden und auf das nächste warten ?"

 

"Warten ? Ich soll warten ? Was bilden Sie sich ein ? Sie wissen scheinbar nicht, mit wem Sie es zu tun haben ! Das wird ein Nachspiel haben, das verspreche ich Ihnen. Sie werden Ihre Zukunft damit zubringen, Mülleimer in den unteren Ebenen zu leeren ! Ich bin ein wichtiger Repräsentant der gehobenen Gesellschaft Coruscants und ein persönlicher Freund von Imperator Krayt."

 

Der Offizier wandte plötzlich den Blick von seinem Gegenüber, was diesen sichtlich verwirrte.

"Schauen Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede !"

Doch der Offizier hatte seine volle Aufmerksamkeit Darth Stator gewidmet, der mittlerweile herangehumpelt war.

 

"Ist das mein Shuttle ?" fragte der Sith heiser. Der Offizier deutete eine Verbeugung an. "Ja Mylord. Wenn Ihr mir folgen wollt !", und damit drehte er sich um.

 

Der Industrielle fuhr wütend zu Stator herum und fauchte: "Ich habe dieses Shuttle zuerst…." In diesem Moment bemerkte er, mit wem er es zu tun hatte, und riß entsetzt die Augen auf.

"Gibt es ein Problem ?", fragte Stator ruhig.

"Neinnein….kein Problem…Euer Shuttle, natürlich. Wie konnte ich nur annehmen….Mit Verlaub, Mylord." Und damit verbeugte er sich ungeschickt. "Gut," entgegnete der Sith, und begab sich, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, an dem Industriellen vorbei zum Shuttle.

 

Als das Shuttle abgehoben hatte, meinte einer der Techniker zu seinem Kollegen: "Ehrlich gesagt, habe ich für diese Sith absolut nichts übrig. Aber diesem aufgeblasenen Mistkerl gönne ich die Abfuhr von ganzem Herzen !"

"Da hast du recht, Kumpel. Es ist doch immer wieder erfreulich, wenn sich Leute, die man nicht leiden kann, gegenseitig fertigmachen." Und lachend gingen sie wieder an ihre Arbeit.

 

Wenig später, im Medicenter des Sith–Tempels, ließ sich Stator untersuchen. "Beide Unterschenkelknochen des linken Beins sind gebrochen," begann der Medidroide seine Aufzählung. "Außerdem habt Ihr einen Haarriß im Beckenknochen, vier gebrochene Rippen, eine Dislokation des linken Schultergelenks, und eine unzählige Sammlung von Abschürfungen, Prellungen und Blutergüssen. Ich fürchte, einige Tage im Bactatank sind nicht zu vermeiden. "

 

"Wenn es sein muß….Unterrichte Lord Krayt von meiner Anwesenheit !" wies er den vorher herbeigerufenen Nachrichtendroiden an.

"Negativ. Lord Krayt befindet sich momentan nicht auf Coruscant."

"Dann Lord Wyyrlok oder Lady Maladi !"

"Negativ. Beide sind zusammen mit Lord Krayt…."

"Dann irgendjemand anderen vom inneren Kreis ! Wie sieht es aus mit Lord Nihl ? Meinetwegen auch Talon oder Stryfe…"

"Negativ. Lord Nihl befindet sich noch in Behandlung in Lady Maladis Labor. Lady Talon und Lord Stryfe haben ebenfalls Lord Krayt begleitet."

Stator lehnte sich entnervt zurück. "Dann setz einfach als Notiz in die Tempelnachrichten: 'Darth Stator ist dem Ruf Lord Krayts gefolgt und befindet sich im Medicenter' !"

 

Nach diesem ermüdenenden Disput mit einer Maschine begab sich Lord Stator in die Obhut des Medidroiden.

 

 

Erst jetzt, auf halbem Wege nach Zeltros, um ihre ursprüngliche Suche nach Cade Skywalker, auf Befehl von Darth Krayt, wieder aufzunehmen, fiel Cinis auf, wieviel Zeit verstrichen war. Lady Maladi würde wohl noch eine Weile darauf warten müssen, von ihrer Vision zu erfahren.

Die Firestorm hatte sich dem Planeten schon fast soweit genähert, um eine Landung einleiten zu können, als eine Holocom-Nachricht von Coruscant eintraf. Zu Cinis großem Erstaunen erschien im Empfangsbereich das Abbild einer Gestalt, die sie nicht zu sehen erwartet hätte. Lady Maladi vielleicht, oder sogar Lord Krayt selbst. Nicht aber Lord Wyyrlok.

 

Sie ließ sich kurz auf ein Knie nieder und verneigte sich. "Lord Wyyrlok", sprach sie ihn zur Begrüßung an.

Der Chagrianer nickte kurz und begann dann zu sprechen. "Lady Cinis", meinte er knapp. "Ich erteile Euch hiermit im Namen von Lord Krayt den Befehl, unverzüglich in den Tempel nach Coruscant zurückzukehren. Eure Befehle bezüglich der Suche nach Cade Skywalker sind hiermit aufgehoben."

 

Cinis war zu diszipliniert, um sich ihre Überraschung anmerken zu lassen. "Sehr wohl, Lord Wyyrlok. Mein Kurs wird umgehend geändert. Ich vermute, daß Ihr mich zu sprechen wünscht ?"

"Nicht im Augenblick", gab Wyyrlok zurück. "Ich werde in Kürze auf eine Geheimmission aufbrechen, so daß Ihr mich nicht im Tempel antreffen werdet. Für Euch zählt nur der direkte Befehl zur Rückkehr, der, ich betone es noch einmal, selbstverständlich im Namen von Lord Krayt ergeht."

 

"Natürlich, Mylord", sagte Cinis und neigte den Kopf. "Ich bin auf dem Weg."

 

Darth Wyyrlok nickte ihr noch einmal kurz zu und brach dann die Verbindung ab. Cinis nahm einen tiefen Atemzug und stützte sich mit einer Hand am Übertragungstisch ab. Ihr lief es eiskalt über den Rücken. Tief in sich spürte sie, daß es nicht mehr notwendig war, Lady Maladi von ihrer Vision zu berichten, denn ihre Herrin sowie alle anderen Mitglieder des inneren Kreises des Sith-Ordens – möglicherweise einschließlich Lord Nihl, je nach seinem Gesundheitszustand – würden nur allzubald ein Teil davon werden.

Ihr schwindelte. Ihre Vision war kurz davor, sich zu verwirklichen.

Sie eilte ins Cockpit, um ihrem Piloten die Anweisung zu erteilen, den Kurs zu ändern. Kurz danach ließ die Firestorm Zeltros hinter sich, um sich auf die lange Reise zurück zu den Kernwelten zu begeben.

 

Als Cinis den Sith-Tempel betrat, empfand sie von einem Augenblick zum anderen eine starke Störung in der Macht. Irgendetwas hatte sich ereignet; und sie konnte sich fast denken, worum es sich handelte. Die massive Präsenz von Lord Krayt, mitsamt der anderen Mitglieder des inneren Kreises, fehlte vollkommen - bis auf einen kleinen Teil davon, den sie sich im Augenblick nicht näher erklären konnte. Auf den ersten Blick machte der Tempel einen trügerisch normalen Eindruck: die reguläre Belegung, bestehend aus Sithlords und –ladies, welche nicht dem inneren Kreis um Lord Krayt angehörten, Sith niederen Ranges, Dienstpersonal und Droiden ging, soweit Cinis dies auf ihrem Rundgang beurteilen konnte, ihren jeweiligen Beschäftigungen in Büros, Spionagezentren, Speisesälen, Trainings- und Meditationsräumen, Küchen und Quartieren nach; doch von ihrem Meister mitsamt seinem engsten Gefolge fehlte bis auf einen unterschwelligen Impuls jede Spur.

Sie konnte spüren, wie etwas sie zur medizinischen Abteilung zog, und so lenkte sie ihre Schritte dorthin.

 

Im Medizentrum angekommen, fiel ihr Blick sofort auf einen der fünf Bactatanks, den einzigen, der momentan in Betrieb war. In der rötlichen Flüssigkeit schwebte eine reichlich geschundene Gestalt, deren Körper von Schnitten, Rißwunden, Abschürfungen und Prellungen gezeichnet war. Cinis trat näher und erkannte nicht ohne Erstaunen Darth Stator, der sich dort offenbar von etwas erholte, was ihm auf seiner letzten Mission – nach Iego, wenn sie sich recht erinnerte – widerfahren war. Er sah aus, als wäre er knapp mit dem Leben davongekommen; an einigen Stellen seines Körpers war zu erkennen, daß dort Knochen gebrochen waren, und auch sonst machte er einen derart ramponierten Eindruck, daß Cinis – ohne zu ahnen, wie nahe sie der Wahrheit damit kam – sich des Gedankens nicht erwehren konnte, Stator sei einer detonierenden Sprengladung zu nahe gekommen.

Sie betrachtete den schwer verletzten, seiner Genesung in den Tiefen des Bacta entgegendämmernden Sith, als sie plötzlich hinter sich, nahe des Eingangs eine deutliche Gegenwart wahrnahm, anders als die unbeirrt ihrer Arbeit nachgehenden medizinischen Assistenten und Droiden, die ihr keine Aufmerksamkeit schenkten. Wie erstarrt hielt sie einige Sekunden inne. Sie spürte keine Gefahr, wohl aber großes Interesse – an ihrer Person, und an den Neuigkeiten, die sie bringen mochte.

 

Als sie jene leise, rauhe und wohlvertraute Stimme hinter sich "Willkommen zurück, Lady Cinis", sagen hörte, wandte sie sich langsam um und sah Darth Nihl an, der sie aufmerksam musterte.

 

Der hochgewachsene, schlanke Nagai trug seine übliche Kombination aus funktioneller Kleidung und Rüstungselementen; sein Lichtspeer ruhte in seinem Rückenhalfter. Sein langes schwarzes Haar floß über die martialischen, gezackten Schulterpanzer, und Cinis spürte die Intensität des Blicks aus seinen karminroten Augen fast körperlich. Sie schauderte und verneigte sich vor ihm.

 

"Lord Nihl. Ihr seid genesen, wie ich sehe."

"In der Tat", entgegnete er, und Cinis' Blick glitt von seinen Zügen hinab zu seinem rechten Arm.

Sie hatte seinerzeit miterlebt, was Lord Nihl widerfahren war, nachdem Cade Skywalkers Klinge ihn genau in der Mitte des Oberarms durchtrennt hatte. Nun bot Darth Krayts ehemalige Hand einen unheimlicheren Anblick als jemals zuvor.

Die Vong-Kreatur, die jetzt die Aufgabe wahrnahm, Lord Nihls rechten Arm zu formen, war von erschreckender Fremdartigkeit, die Cinis sofort an ihre grauenhafte Nacht in der Umarmung der Schmerzen denken ließ. Das Gebilde erinnerte im weitesten Sinne an einen Arm mit einer fünffingrigen Hand, ließ aber auf seine Zusammensetzung kaum Schlüsse zu. Fast wirkte es anstelle von Fleisch und Knochen wie aus einer Art Holz, mit zahlreichen Spitzen und Auswüchsen wie Ansätze von Ästen oder Zweigen; die Finger waren gezackt und unregelmäßig geformt, mehr Klauen als Gliedmaßen, und das Ganze hatte nicht wirklich etwas mit dem Arm eines humanoiden Wesens gemein.

Trotz alledem schien sich Lord Nihl jedoch recht gut damit arrangiert zu haben. Er litt offensichtlich keine Schmerzen, und von dem Armersatz ging eine Aura roher körperlicher Kraft aus, die zu seiner kriegerischen Persönlichkeit gut paßte.

 

"Ihr bewundert meinen neuen Arm" sagte Nihl in dem für ihn typischen leicht spöttischen Tonfall. "Tatsächlich konnte mir Lord Krayt keinen größeren Gefallen erweisen. Die Vong-Kreatur ist zäher und stärker als ich mir jemals vorgestellt hätte, und meine Körperkraft ist dank ihrer gewachsen. Ich könnte Euch mit einem einzigen Griff dieser Hand das Genick brechen."

 

"Es ist gut zu wissen, daß Ihr wieder voll einsatzfähig seid, Mylord", gab Cinis zurück. "Hier sind während meiner Abwesenheit und Eurer Genesung Dinge geschehen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern und die zweifellos mit dem zusammenhängen, was unsere früheren Gespräche ergeben haben – wenn auch in eine andere Richtung weisend als ursprünglich angenommen. Wir werden einander brauchen, Lord Nihl".

 

Der Nagai nickte langsam und trat neben sie. "Ich kann spüren, daß Ihr recht habt, Lady Cinis. Als mich der Medidroide nach Abschluß der Behandlung vor drei Standardtagen aus dem Bactatank befreite, konnte ich den offiziellen Tempelaufzeichnungen nur entnehmen, daß außer mir niemand mehr vom inneren Kreis anwesend ist. Lord Krayt hat sich – offenbar recht kurzfristig - gemeinsam mit Wyyrlok, Maladi, Talon und Stryfe auf eine Mission begeben, doch wohin und zu welchem Zweck, das ist nicht aufgeführt. Jetzt aber, da ich glücklicherweise über Euch verfüge, werde ich den Grund bald kennen."

 

"Deshalb also konnte ich bis auf die Präsenz einer einzigen Person niemanden aus dem inneren Kreis um Lord Krayt bei meiner Ankunft wahrnehmen", warf Cinis ein. "Ich bin vor noch nicht einmal einer Standardstunde zurückgekehrt, und Ihr könnt sicher sein, daß ich ebenfalls unbedingt erfahren möchte, was es mit dieser Mission auf sich hat – denn auch mir sind in letzter Zeit Dinge widerfahren, von denen Ihr nun wissen müßt."

Sie begann, von ihrem gemeinsamen Auftrag mit Lord Stator zu berichten, von ihrem überraschenden Rückruf nach Coruscant, ihrer Audienz bei Lord Krayt und ihrer Folterung in der Umarmung der Schmerzen vor ihrer offiziellen Ernennung zur Dunklen Lady der Sith.

 

Lord Nihl sog scharf die Luft ein. "Ich konnte es die ganze Zeit spüren, wußte aber nicht, was es war", meinte er. "Uns eint nun ein weiteres Band in der Macht. Ihr habt dasselbe erdulden müssen wie ich, und die Qual, die Ihr erlitten habt, hat uns aneinander gebunden. Konzentrieren wir uns auf diese Vereinigung, um gemeinsam zu erspüren, was die Zukunft bringt."

Er umfaßte ihr Kinn mit der Linken, beugte sich zu ihr und küßte sie leidenschaftlich. Sein Blick war voller Verlangen, als er sich zwang, sich wieder von Cinis zu lösen, um den Rest ihres Berichtes zu hören.

 

Cinis fuhr fort, weihte Lord Nihl in den sowohl ihr als auch Lord Stator von Darth Krayt erteilten Auftrag ein, nach Cade Skywalker zu suchen, erzählte kurz von ihrem Besuch auf Socorro und schloß zunächst mit dem erneuten und ihr unerklärlichen Rückruf nach Coruscant und ihrer Vermutung, daß Lord Stator bei seiner letzten Mission in eine Falle geraten war.

 

"Und Ihr sagt, der Befehl zur Rückkehr kam von Lord Wyyrlok ?" fragte Nihl eindringlich.

"Ja, Mylord. Das heißt, er erging im Namen von Lord Krayt, wurde aber von Lord Wyyrlok überbracht", antwortete Cinis.

Nihl nickte, und sein Blick verfinsterte sich. "Es kommt tatsächlich alles anders, als wir zuerst befürchtet haben – doch nicht minder gefährlich für uns. Ich werde Euch brauchen, Lady Cinis. Ihr habt mir geschworen, mir in meinem Kampf gegen einen möglichen Verrat seitens Lord Krayt zur Seite zu stehen – werdet Ihr dies ebenfalls angesichts jener anderen Gefahr tun ?"

Cinis sank vor ihm auf ein Knie. "Das werde ich, Mylord. Es ist ebenso in Eurem wie in meinem eigenen Interesse. Wichtig ist, daß wir rasch wieder auf dem neuesten Stand sind, was die Ereignisse um uns herum anbetrifft, und daß wir ebenso rasch handeln. Und zweifellos wird auch Lord Stator" – sie wies mit der Hand auf die reglos schwebende Gestalt im Bactatank hinter ihr – "an Eurer Seite kämpfen, solange wie es nötig ist."

Nihl blickte einige Sekunden schweigend auf sie herab, und sie spürte in der Macht, wie er sich zwang, seine Lust auf sie zu zügeln.

 

Cinis erhob sich und sagte: "Bevor ich uns in die interne Tempeldatenbank hacke, muß ich Euch noch zwei Dinge berichten, von denen ich eines bisher noch niemandem mitgeteilt habe.

Das eine wäre, unmittelbar nach meiner Erhebung in den Rang eines Darth durch Lord Krayt wurde interessanterweise ein Giftanschlag auf mich verübt. Ich bin nur deshalb noch am Leben, weil die Person, die mich ermorden wollte – und ich glaube, Ihr habt mittlerweile denselben Namen im Kopf wie ich – nicht damit gerechnet hatte, daß meine Fähigkeit, Bedrohungen in der Macht zu spüren, so ausgeprägt ist. Ich sage Euch dies, damit Ihr auf der Hut sein könnt. Für mich war dies der erste bewußte Anschlag auf mein Leben; bei Lord Stator hingegen ist schon öfter etwas Derartiges vorgekommen. Ich garantiere Euch, daß Ihr das nächste Ziel seid."

 

"Warum hat er dann mein Leben gerettet ?" murmelte Nihl vor sich hin und schüttelte leicht den Kopf. "Aber erzählt weiter, Ihr wolltet mir noch von einer Sache berichten."

 

"Ihr seid der erste, der hiervon erfährt", fuhr Cinis fort. "Nicht einmal Lady Maladi habe ich dies erzählt. Ich wollte es eigentlich jetzt bei meiner Rückkehr nachholen, doch es ist zu spät.

Während meiner Folter in der Umarmung der Schmerzen hatte ich eine Vision."

 

Nihl holte auf einmal tief Atem und ergriff abrupt ihren Arm. "Kommt, Lady Cinis. Bevor Ihr mir Eure Vision enthüllt, ziehe ich es vor, zunächst zu erfahren, was sich hier abgespielt hat."

 

Wenig später trafen sie an Cinis' internem Arbeitsplatz ein. Die Bürotür schloß sich hinter ihnen, und Cinis nahm an ihrem Terminal Platz und benützte die geheime Datenkarte, die Lady Maladi ihr seinerzeit gegeben hatte, um sich in die internen Aufzeichnungen von Lord Wyyrlok einzuklinken. Nihl stand neben ihr, starrte erwartungsvoll auf den Holo-Bildschirm und ließ seine Hand unter ihr langes rotes Haar gleiten, massierte sanft ihr Genick und würzte die Berührungen mit dem einen oder anderen leichten Kratzen seiner spitzen Nägel. Es fiel Cinis schwer, sich zu konzentrieren, und unwillkürlich dachte sie daran, wie es sich wohl anfühlen mußte, Lord Nihls Vong-Hand auf ihrem Körper zu spüren.

Der Gedanke war nicht unbedingt unangenehm.

 

Enttäuschenderweise hatte auch Lord Wyyrlok selbst in seinen privaten Aufzeichnungen – wohl aus Sicherheitsgründen – auf allzuviele Details verzichtet. Doch einige wichtige Einzelheiten fügten sich wie Puzzleteile ins große Ganze.

Lord Krayt hatte sich mit seinem Gefolge zum Planeten Had Abaddon begeben, um sich dort aus zwei wichtigen Gründen mit dem Geist eines uralten, mächtigen Sithlords namens Karness Muur zu treffen, der sich, wie es schien, aus dem Körper einer attraktiven, unbekannten jungen Frau heraus manifestierte.

 

Cinis erinnerte sich an das, was sie im Rahmen ihrer Ausbildung über die Anfänge des Sith-Ordens und Lord Muur gelernt hatte. Er war, wie auch Lord Krayt, von Lady XoXaan persönlich ausgebildet worden, extrem gefährlich und machtgierig gewesen und hatte bei seinem Ableben seinen Geist in ein von ihm selbst geschaffenes Amulett von verführerischer, düsterer Schönheit transferiert, um so ewig weiterexistieren und eines Tages mit Hilfe eines neuen, jungen Körpers zu neuem physischem Leben erwachen zu können.

Die junge Frau, deren Name mit Celeste Morne bezeichnet war, trug das Amulett um den Hals, was erklärte, warum der untote Sithlord durch sie sprach. Vollkommen verstörend war allerdings die Tatsache, daß eine kurze Überprüfung ihres Namens sie als Jedi aus der Zeit der allerersten Alten Republik auswies – und sie somit zum jetzigen Zeitpunkt über viertausend Jahre alt sein mußte, wogegen ihre offensichtliche Lebendigkeit sprach.

Cinis und Nihl konnten sich auf diese Person keinen Reim machen, wußten aber fürs erste mit dem Lockangebot von Lord Muur durchaus etwas anzufangen.

Einer der Gründe, warum Lord Krayt so bereitwillig seinem Ruf gefolgt war, war offensichtlich der, daß Lord Muur Cade Skywalker in seiner Gewalt hatte.

Der andere Grund war Lord Muurs Versprechen, daß – wenn selbst Skywalkers Fähigkeiten versagen sollten – er in der Lage sei, Darth Krayt von den Auswirkungen der in ihn gepflanzten Korallensamen zu heilen und seine Gesundheit vollkommen wiederherzustellen.

 

Cinis stockte der Atem. "Es ist eine Falle", sagte sie halblaut. "Jetzt ist es an der Zeit, Lord Nihl, daß Ihr ohne weitere Verzögerung vom Inhalt meiner Vision erfahrt, denn an dieser Stelle laufen alle Fäden zusammen. Möglicherweise ist das, was ich gesehen habe, bereits geschehen."

 

Nihl straffte sich. "Gehen wir in mein Quartier", schlug er vor.

 

Dort angekommen, zog der Nagai seinen Lichtspeer aus dem Rückenhalfter, legte ihn in der Wandhalterung ab und entledigte sich seiner Panzerung. "Erzählt", forderte er sie auf, während er auch seine restliche Kleidung Stück für Stück ablegte und sich zuletzt mit untergeschlagenen Beinen auf seinem Bett niederließ.

Und Cinis ließ Lord Nihl endlich an jenem beunruhigenden Bild teilhaben, das sie in der Umarmung der Schmerzen heimgesucht hatte.

 

Als sie geendet hatte, war Lord Nihl sekundenlang zu keiner Reaktion fähig. Er verharrte in Meditationshaltung und durchbohrte sie mit einem Blick, der jeden anderen dazu gebracht hätte, schreiend davonzulaufen, während er versuchte, das Gehörte zu verarbeiten.

Schließlich neigte er den Kopf. "Genauso ist es geschehen, ich kann es fühlen", sagte er langsam.

"Auch wenn es schwerfällt, es zu begreifen. Ihr habt recht. Ganz gleich, wie sehr Rivalitäten und Machtkämpfe eine Tugend der Sith sind – aber wenn wir – Ihr, ich, Lady Maladi und Lord Stator – nicht vorübergehend zusammenhalten, wird unser Orden in sich zusammenbrechen. Wyyrlok wird dafür sorgen, daß die Sith gegenseitig übereinander herfallen, um dann die Herrschaft zu übernehmen. Er wird vorerst zweifellos versuchen, dieses Ereignis zu vertuschen und den Eindruck zu erwecken, als sei Lord Krayt noch am Leben, um unangefochten schalten und walten zu können, wie es ihm beliebt. Unsere vordringliche Aufgabe wird dann sein, Lord Krayts Leichnam zu finden und Wyyrlok mit seiner Täuschung zu konfrontieren."

Er fuhr fort. "Solange wir allerdings keine Beweise haben, müssen wir vorerst weitermachen wie bisher. Ich kann nur hoffen, daß Lady Maladi dem Desaster unbeschadet entronnen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich allerdings nur auf ein Lebenszeichen von ihr warten und hoffen, daß sie in der Lage sein wird, weitere Informationen zu liefern."

 

"Der Sith-Orden muß überleben", gab Cinis zurück. "Und zu diesem Zweck ist es vonnöten, daß Ihr überlebt, gemeinsam mit Lady Maladi, Lord Stator und mir, um eine vorübergehende Allianz gegen Wyyrloks Verrat zu bilden. Wir sollten uns zu gegebener Zeit darauf konzentrieren, eine Schwachstelle in Wyyrloks Existenz zu finden; einen wunden Punkt, an dem wir einhaken können, um ihn zu vernichten."

 

Nihl nickte zustimmend, und Cinis sprach weiter. "Mir fällt eine weitere Person ein, die wir in der Zwischenzeit möglicherweise dazu bringen könnten, sich auf unsere Seite zu stellen. Ich spreche von Lady Levouan, meiner ehemaligen Meisterin. Wie Ihr wißt, hat sie mich ausgebildet; wir sind sowohl auf kämpferischer als auch persönlicher Ebene aufeinander eingespielt und haben in all den Jahren so manches miteinander geteilt, wenn es denn dazu beitrug, uns gegenseitig stärker zu machen. Wenn Ihr dies für sinnvoll erachtet, könnte ich sie in nächster Zeit einmal ansprechen, um herauszufinden, wie weit es mit ihrer Ergebenheit Lord Krayt gegenüber her ist und natürlich, wie ihre Einstellung zu den aktuellen Ereignissen ist. Dies setzt natürlich voraus, daß sie eingeweiht wird. Wünscht Ihr dies, Lord Nihl ?"

 

Der Nagai überlegte kurz. "Ja", meinte er dann. "In der momentanen Phase ist einer mehr auf unserer Seite besser als einer weniger. Wenn sie sich überzeugen läßt, könnte sie vielleicht wirkungsvoll gegen Lord Wyyrlok vorgehen. Wenn nicht, gehe ich davon aus, daß Ihr sie auf der Stelle töten werdet, Lady Cinis."

 

"Selbstverständlich", antwortete Cinis. "Ich werde Lady Levouan bald kontaktieren".

 

"Bis dahin", redete Nihl weiter, "ist es wichtig, daß das Band zwischen uns so mächtig wird wie nur irgend möglich. Arbeiten wir am besten gleich weiter daran."

 

Er lehnte sich auf seinem Bett zurück, scheinbar entspannt, doch sein Körper sprach eine andere Sprache. Cinis verstand den Wink, legte ebenfalls ihre Kleidung ab und kam zu ihm.

Er hob sich hoch, zog sie zu sich und drehte sie auf den Rücken. Nun spürte sie die fremdartige Vong-Hand auf ihrer Haut, und es erregte sie maßlos. Nihl beugte sich über sie und küßte sie wieder, ließ abwechselnd seine Lippen und seine scharfen Nägel über ihren Körper wandern, und ließ sie und sich wie beim ersten Mal in unsäglicher Begierde brennen, bis sie beide mehr als bereit waren. Als er schließlich in sie glitt, wandte er gemeinsam mit ihr die Technik an, die ihre gegenseitige Lust in der Macht bis ins schier Unerträgliche intensivierte, und ihre kurzzeitig aufeinanderfolgenden Orgasmen schmiedeten eine unzertrennliche Verbindung zwischen ihnen, sie stark machend für das, mit dem die Zukunft sie konfrontieren würde.